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Torment: Tides of Numenera
5. März 2017

Klassische Rollenspiele der Marke „Baldur's Gate“ oder aus jüngerer Zeit „Pillars of Eternity“ sind noch sehr jung auf den Konsolen, bereichern aber das Portfolio ungemein. Gezeigt hat dies „Wasteland 2“, welches noch an diversen Kinderkrankheiten litt, die der Portierung geschuldet waren. Mit „Torment: Tides of Numenera“ schickt InXile das zweite epische Old School Rollenspiel in den Konsolenring und will alles besser machen als zuvor. Ob das gelingt?

Jetzt wird’s schräg!

Als Spieler werde ich dabei mitten ins Geschehen geworfen. Die sogenannte „Neunte Welt“ wird dabei überhaupt nicht erklärt. Das darf ich selbst tun, indem ich Gespräche führe und mich in der Welt umschaue – oder mich erinnere. Denn mein soeben erschaffener Körper wurde schon benutzt und zwar vom Changing God. Ein mächtiges Wesen, der den Tod besiegt hat und nach Belieben die Körper wechseln kann. Und wenn er weg ist, dann zieht eine andere Seele dort ein, in diesem Fall also meine. Und gleich darauf bin ich auch schon tot, da ich vom Himmel gefallen bin. Komfortabler weise bin ich unsterblich und wache im Labyrinth meines Geistes wieder auf, wo nicht nur freundliche Facetten meines Ichs und alte Erinnerungen des Changing Gods auf mich warten, sondern auch ein ziemlich fieses Gezücht, das meinen Geist heimsuchen und mich verschlingen will. Das gilt es natürlich zu verhindern.

Ich wache in einer Welt auf, die eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy ist, auf der Erde eine Milliarde Jahre in der Zukunft. Die Welt ist voller alter Artefakte der vorangegangenen acht Welten, den Numenera. Die Einwohner verstehen diese alte Hochtechnologie nicht und behandeln sie daher wie Magie. Es entsteht eine Gesellschaft, die zwischen High Tech und Mittelalter wechselt, z.B. gibt es sowohl Sklavenhandel als auch transdimensionale Gravitationsbomben, die als sogenannte Cypher von mir benutzt werden können. Abgerundet wird der Mix durch Aliens, Monster, Zeitreisende, Götterkulte, seelenabsorbierende Leichenfresser und hochentwickelten KIs. Kurzum: Man findet so allerlei und vor allem schräge Charaktere. Einige werden wahrscheinlich noch „Torment: Tides of Numenera‘s“ geistigen Vorgänger, „Planescape: Torment“, kennen. Angesiedelt im Dungeons & Dragons Universum ist es das Bindeglied der vielen einzelnen Settings und dementsprechend verrückt, da dort im Prinzip alles passieren kann. „Torment: Tides of Numenera“ transportiert diesen Geist sehr gekonnt weiter und man fühlt sich unweigerlich an Planescape erinnert.

Mehr Story – weniger System!

Die Regeln sind bewusst einfach gehalten, um das Geschehen in den Vordergrund zu stellen: Es gibt nur drei Klassen: Den Cypher-werfenden Nano, die kampfbetonte Gleve und den vielseitig einzusetzenden Jack. Anstatt vieler Attribute gibt es drei Pools (Kraft, Geschwindigkeit, Intellekt), die in Verbindung mit Fähigkeiten jeden Skill Check modifizieren. So wird sichergestellt, dass das Geschehen im Vordergrund steht und nicht die Regeln. Da sich „Torment: Tides of Numenera“ sehr bedeckt hält, was die Folgen des eigenen Handelns angeht, verleitet es mich dazu, wirklich den Charakter zu spielen, den ich spielen will und nicht ins Powergaming zu verfallen, um möglichst einfach durch das Spiel zu walzen.

Da sehr viele Informationen auf mich einprasseln ist es auch gut, dass ich mich voll darauf konzentrieren kann. Wer nicht gerne liest, sollte einen weiten Bogen um dieses Spiel machen. Denn um Old School zu sein, wird ein wenig Komfort geopfert: Es gibt keine Questmarker, keine einblendbare Liste zum Abhaken und das Questlog ist komplett geschrieben, d.h. ich muss die Questtexte auch lesen, um weiter zu kommen. Jede Quest ist auf vielfältige Art lösbar, um jedem Spielstil gerecht zu werden – in den weitaus meisten Fällen sogar ohne zu kämpfen. Dazu kommen viele Nebenaufgaben, die nicht als Quest markiert sind, sich aber dennoch lohnen, denn gerade am Anfang ist Geld knapp. Die brauche ich aber nicht für Ausrüstung, sondern um zu schlafen, denn so regenerieren sich meine Pools. Und ein weiches Bett ist teuer.

Krise ist der neue Kampf

Im Gameplay wird an sich wenig Neues geboten: Ich laufe herum, rede mit sehr vielen Leuten, untersuche die komische Welt, probiere dies und das aus, erledige gut designte Quests, die auch gerne Hirnschmalz erfordern und lerne meine Mitstreiter kennen. Die größte Neuerung ist das Krisen-System, was im Prinzip den Kampf meint, aber vielschichtiger ist. In der Krise kann ich meine Recken nicht nur bewegen und zuschlagen bzw. Cypher benutzen lassen, sondern ich kann mit meinen Gegnern sprechen oder Objekte in der Umgebung zu meinem Vorteil nutzen. In einer Situation gleich am Anfang zum Beispiel kann ich mich entweder schon vor der Krise rausreden (sofern ich den Check bestehe) oder ich aktiviere in der Krise mittels meiner Ingenieurstalente ein paar schlafende Mechanismen, um mir einen Vorteil zu verschaffen.

Krise ist auch das Stichwort bei pazifistischen Charakteren. Jeder Angriff ist ein Skill Check wie jeder andere auch, d.h. ich muss meine Pools nutzen. Sind die leer, habe ich schlechte Karten (wenn ich keine Items zum Auffüllen dabeihabe). Als friedvoller Spieler ist es sogar noch schwerer, da die Pools nicht groß sind und die Chancen gering, da die Fähigkeiten fehlen. Hier gibt es viel Frustpotenzial, bis die für die Situation passende Lösung (oder pures Glück) weiterhelfen. Das andere, wichtige Merkmal, sind die namensgebenden Tides of Numenera. Es gibt mehrere Farben, die unterschiedliche Handlungsweisen darstellen, z.B. Silber für Ruhm und Einfluss über andere oder Rot für Agression, Emotion und Leidenschaft. Basierend auf meinen Antworten und Handlungen, steigen und fallen die Tiden, was das Verhalten und die Reaktion der Umwelt auf mich beeinflussen soll. Dies passiert entweder so subtil oder so genial im Hintergrund, dass man die dadurch entstandenen Änderungen überhaupt nicht mitbekommt.

Leichte Schwächen in der B-Note

„Torment: Tides of Numenera“ läuft auf der „Pillars of Eternity“ Engine, welche wiederum auf Unity basiert. Unity war bei „Wasteland 2“ schon ein wenig tricky. Glücklicherweise läuft es dieses Mal besser und weitgehend flüssig. Negativ fallen hier und da einzelne, harte Ruckler auf, bei denen sich für eine kurze Zeit (weniger als eine halbe Sekunde) überhaupt gar nichts tut und dann springt das Spiel sofort zu dem Punkt, an dem der Spieler bei stabiler Framerate gewesen wäre. Das ist optisch unschön, spieltechnisch wird euch das allerdings kein ein Nachteil sein. Zu lang sind auch die Ladezeiten zwischen den einzelnen Abschnitten. Diese sind weder besonders groß, noch besonders aufwendig. Dort wird hoffentlich noch per Patch optimiert, denn man wechselt doch relativ oft die Karten. Der Sound ist zweckmäßig und hält sich sehr im Hintergrund, was auch für die Effekte gilt. Da hätte ich mir manchmal mehr gewünscht. Bei so viel Text ist natürlich nur das wenigste, nämlich einige Zeilen meiner Begleiter und wichtiger Nicht Spieler Charaktere (NPC), vertont. Aber für ein Kickstarter-Projekt ist eine Vollvertonung nicht machbar. Erfreulicherweise habe ich bisher nur einen Bug gefunden, doch der war leider ein kleiner Spoiler. Im Gespräch erwähnte ein Spielcharakter dass sich etwas ändern müsse, jetzt wo eine andere Figur tot sei. Leider stand der gemeinte NPC quicklebendig nur wenige Meter von ihm entfernt.

FAZIT:

„Torment: Tides of Numenera“ ist eine eindeutige Kaufempfehlung an alle, die „Baldur's Gate“, „Planescape: Torment“ oder „Pillars of Eternity“ mochten und sich nicht von langem und viel Text abschrecken lassen. Die Balance aus zwischen Storyfortschritt und eigenem Erkundungsdrang der abgefahrenen Welt ist sehr gut gelungen, die Charaktere (nicht nur die eigenen Mitstreiter, sondern alle) haben alle einzigartige Züge, die sie interessant machen, so dass ich die Dialogbäume nicht nur abklappere, weil ich Boni abstauben will, sondern weil mich das alles, teils wirklich tief philosophische Gerede wirklich interessiert. Das Regelsystem hält sich dezent im Hintergrund, was dem Spielerlebnis sehr zu Gute kommt. Nur in den Krisen muss ich mit einigen Zahlen und Mechanismen näher beschäftigen. Interessant ist „Torment: Tides of Numenera“ auch für alle, die einfach mal abschalten wollen vom Einheitsbrei und etwas komplett anderes spielen wollen, was nicht so häufig auf den Konsolen geboten wird, da diese Art von Old School Rollenspiel immer noch eine PC-Domäne ist.

[Review verfasst von Sanguinis]

Pluspunkte:

  • Umfangreich & lange Spielzeit
  • Sehr interessante Charaktere & NPCs
  • Kämpfen kann aus dem Weg gegangen werden

Minuspunkte:

  • Ab und zu kleine Ruckler
  • Lange Ladezeiten
  • Wenig Sprachausgabe



Infos zum Spiel
NameTorment: Tides of Numenera
SystemPlayStation 4
HerstellerTechland
EntwicklerInXile Entertainment
GenreRollenspiel
USKab 12 Jahren
PEGI16+
Preis49,99 €
PlatinumNein
Release
 28.02.2017
 28.02.2017
Spielerzahl1
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
Englisch
Speicherbedarf10GB
720pJa
1080pJa
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Screenshot Galerie
Torment: Tides of Numenera
Gameplay
8.5
Atmosphäre
9.0
Grafik
7.0
Sound
7.0
Spielspass
8.5
 

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