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Def Jam: ICON
26. August 2007

Storywendungen können gut oder schlecht sein. Im Fall von „Def Jam: ICON“ gehören sie eher in die zweite Schublade, denn nachdem man sich bereits durch das Spiel geprügelt hat und erfolgreich ist, landet man durch Verrat und Intrigen wieder in der Gosse. Aber anstatt einfach einen „Game Over“ Bildschirm vorgesetzt zu bekommen, beginnt die Chose von Neuen und man arbeitet sich wieder nach oben, um irgendwann einmal mit seinen Feinden abzurechnen. Das Problem ist aber, dass die Story geistiger Dünnschiss ist und nur durch langweilige Zwischensequenzen und trockene E-Mails weitererzählt wird. Wäre diese extreme Wendung wenigstens spannend eingebunden worden, dann hätte ich jetzt nichts zu meckern gehabt. Aber so – so sprechen ein zweites Mal die Fäuste, sobald ein dämliches Demo-Tape geklaut wurde…

Ghetto Fighter

Auf diesem Gebiet verliert das Spiel noch mehr an Boden. Die Kämpfe verlaufen nämlich allesamt ziemlich langsam und lassen jegliche Dynamik vermissen. Ich persönlich habe solch ein lahmarschiges Gekloppe schon lange nicht mehr gesehen - Fäuste und Füße treffen die Gegner in Zeitlupe, anstatt mit vollem Karacho drauflos zu preschen. Dummerweise scheint die Computer CPU von dieser Trägheit nicht betroffen zu sein und in höheren Stufen kontert sie die Angriffe (zu) perfekt und setzt immer wieder zu verheerenden Würfen an. Zudem ist die Tastenbelegung nicht gerade optimal gewählt und kommt leicht umständlich daher (z.B. muss man bei Würfen auf das D-Pad zugreifen). Da passt es wenigstens, dass man sich jedoch nicht alleine auf die Fähigkeiten des eigenen Kämpfers verlassen muss, sondern auch auf die Hintergrundmusik. Diese beeinflusst nämlich das Spielgeschehen auch aktiv. Vor jedem Match darf man sich deswegen auch einen eigenen Song aussuchen. Hat man es im Kampf geschafft, die Musik zu aktivieren, wird der Spielcharakter auf einmal stärker und das Bild farbiger und lebendiger. Auf dieses Feature kann jedoch auch der Gegner zurückgreifen, weswegen man immer schön vorsichtig vorgehen sollte. Die Songs werden während der Matches aber nicht zufällig eingespielt, sondern man kann sie auch skippen. Anfangs wirkt das Skippen und Scratchen zwar etwas kompliziert, aber später bricht man sich dabei nicht mehr die Finger, sondern verrenkt sie sich nur. In die Umgebungen wurden zudem auch noch diverse Fallen integriert, welche man mittels Scratchen (L2 + rechter Stick) aktivieren kann. Bei einer Tankstelle lässt sich zum Beispiel die Zapfsäule zum Explodieren bringen, oder man lässt in der Disco die dicke Bassbox im Hintergrund brummen, die daraufhin den Gegner einfach wegbläst. Auch nicht schlecht ist das Muscle Car, welches den Gegner durch einen Burnout kräftig Energie abzieht. Die Fallen werden allerdings nicht nur durch die beiden Kämpfer aktiviert, sondern auch durch den Takt der Musik. Deswegen sollte man ständig aufpassen, dass man bei einem bestimmten Songabschnitt nicht gerade in einer Gefahrenzone steht.

How do you make a Gangster Rapper?

Zu Beginn des Storymodus muss man sich einen eigenen Charakter basteln. Hier ist Kreativität gefragt, denn die Optionen zum Verändern des Äußeren fallen sehr vielfältig aus. Man kann zum Beispiel das Gesicht morphen und dadurch selbst völlig unsymmetrische Charaktere erschaffen. Außerdem warten noch zahlreiche verschiedene Frisuren und Bärte auf ihren Einsatz. Die Möglichkeiten sind schlichtweg enorm und entsprechen genau dem, was man von einem PlayStation 3 Spiel erwartet. Die damit verbunden Ladezeiten gehören jedoch nicht dazu. Jeder Wandlungsschritt und jedes Accessoire wird ultra langsam nachgeladen. Ein flüssiges „Konstruieren“ ist somit nicht möglich. Nach einer Weile nervte mich das so sehr, dass ich nur noch schnell meine Spielfigur zusammengeschustert habe, damit ich endlich Spielen konnte. Toller Modus - schlechte Umsetzung!

Der Dieter Bohlen des Gangster Rap

Wie bereits erwähnt, muss man ein Plattenlabel aufbauen und dieses an die Spitze bringen. Das geschieht aber nicht nur, indem man der Konkurrenz eins auf die Mütze gibt, sondern auch indem man Künstler unter Vertrag nimmt und deren Platten vermarktet. Der ganze Vorgang ist jedoch recht simpel gehalten und erfordert weder ein Wirtschaftsstudium, noch irgendwelche Erfahrungen im Strategiebereich. Gestartet wird mit einem Künstler, einem Song und $300.000 Kapital. Das Geld verteilt man daraufhin in vier Werte (Air Play, Marketing, Goodies und Presseauftritte) und schon rollt der Rubel. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es egal ist, wo man sein Geld letzten Endes positioniert, da man früher oder später sowieso alle Werte auf ein Maximum bringt. Selbst wenn man von Zeit zu Zeit den Wünschen der „Stars“ nachkommt und Geld für Autos, Häuser und Kautionen vom Knast herausrücken muss. In Zahlungsschwierigkeiten dürfte niemand geraten. Erreicht man übrigens mit seinen Künstlern Gold oder Platin, schaltet man zusätzliche Kampfstile und Musik frei. Lustiges Detail am Rande: Auf dem Weg nach oben hat man mehrmals die Gelegenheit, eine oder mehrere Frauen abzuschleppen, bzw. eine Beziehung aufzubauen. Das ist zwar nicht spielentscheidend, aber eine nette Geste.

*bling bling*

Um am Ende wirklich allen Klischees über Hip-Hop gerecht zu werden, kann man seinen Charakter auch noch mit jeder Menge Schmuck „aufpimpen“. In diversen Shops kann man teure Uhren, Ohrringe, mächtige Goldkettchen und Armbänder erstehen, sofern man über das nötige Kleingeld verfügt. Weiterhin darf man sein Alter Ego auch noch mit neuen Schuhen, Jeans, Baggys, T-Shirts, Jacken, Westen, Wollmützen, typische Hip Hop Mützen und Pullovern einkleiden. Es sind fast keine Grenzen gesetzt und alles lässt sich einfach miteinander kombinieren. Neben all den Klamotten und dem Schmuck, kann man seiner Spielfigur auch noch Tattoos verpassen und Frisuren/Bärte in Farbe und Form ändern. Ich hätte mir allerdings noch gewünscht, dass man mehrere Schmuckteile gleichzeitig anlegen darf. Das Spiel lässt nämlich nicht zu, dass man zwei Ketten anlegt, oder mehrere Armbänder auf einmal trägt.

Die Technik macht ebenfalls *bling bling*...

...zumindest was die Optik und den Sound anbelangt. Die Grafik sieht nämlich durch die Bank weg fett aus und überzeugt vor allem durch die detaillierten Charaktermodelle. Zudem gefallen auch die Animationen mit ihren authentischen Bewegungen. Besonders spektakulär fallen jedoch die Kampfarenen aus. Neben zahlreichen Fallen und animierten Publikum im Hintergrund punkten diese noch mit weiteren Grafikspielereien, wie einem sich ausbreitenden Feuer oder Bäumen, die im Takt zur Musik springen. Nebenbei färben sich die Levels auch noch in verschiedenen Farbtönen ein, sobald ein Kämpfer kurz davor steht zu verlieren. Da hat sich EA schon einiges einfallen lassen. Enttäuschend muss man dagegen das fehlende Anti-Aliasing (Pixelkanten Ahoi!) und die vielen langen Ladezeiten (besonders in den Menüs eine richtige Qual) hinnehmen. Etwas Boden kann da wenigstens der Soundtrack gut machen, der perfekt zum Spielgeschehen passt und das Gameplay sogar aktiv beeinflusst. Ein Mekka für jeden Hip Hop Fan also. Da sich die Soundeffekte ebenfalls keinen Schnitzer leisten und selbst die englische Sprachausgabe kraftvoll aus den Boxen wummert, kann man auf diesem Gebiet eigentlich nichts weiter beklagen. Eigentlich! Denn eine deutsche Lokalisierung hat sich EA nämlich gänzlich gespart. Nicht einmal deutsche Untertitel gibt es, was besonders schlimm ist, da der Slang der Rapper oftmals nur schlecht im O-Ton verständlich ist.

Triff deine Homies

Natürlich erwartet man von einem Next-Gen Spiel eine gelungene Onlineunterstützung. Und genau mit dieser kann „Def Jam: ICON“ dienen. Es gibt Lobbies zum Chatten (via Headset) und verschiedene Spielmodi wie Ranglistenspiele / freie Matches sind auch vorhanden. Alle Probespiele verliefen zudem ohne jegliche Lags. Einen Haken hat die Sache dennoch: Man kann seinen, im „Build a Label“ Modus erstellten, Haudegen erst in den Kampf führen, wenn man eben jenen Modus erfolgreich beendet hat. Für mich ist diese Entscheidung wenig nachvollziehbar und kostet den Titel auch einen unnötigen halben Punkt in der Wertung.

FAZIT:

„Def Jam: ICON“ fair zu bewerten, war nicht ganz leicht, da das Spielerlebnis sehr durchwachsen ist. Auf der einen Seite besitzt der Titel eine tolle Grafik mit vielen Effekten und Details, auf der anderen Seite nerven dagegen die langen und vor allem zahlreichen Ladezeiten. Wiederum als Pluspunkt zu werten ist die gelungene Einbindung der Musik, doch leider hapert es im Gegenzug am lahmen Gameplay. Letztendlich haben die Entwickler schlichtweg Potential verschenkt! Zum Budgetpreis kann man vielleicht noch zugreifen, aber den vollen Preis ist das Spiel einfach nicht wert.

[ Review verfasst von Shagy ]

Pluspunkte:

  • Tolle Einbindung der Musik
  • Interaktive Levels
  • Coole Charaktergenerierung

Minuspunkte:

  • Lahmes Kampfsystem
  • Unübersichtliche Kamera und zu viele Ladepausen
  • Weder deutsche Sprachausgabe, noch deutsche Untertitel


Infos zum Spiel
NameDef Jam: ICON
SystemPlayStation 3
PublisherElectronic Arts
EntwicklerEA Chicago
GenreBeat'em Up
USKkeine Jugendfreigabe
Preis61,99 €
PlatinumNein
Release
 22.03.2007
 06.03.2007
 21.06.2007
Spielerzahl2
SpracheEnglisch
TexteEnglisch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenJa
HeadsetJa
720pJa
1080pNein
Sixaxis Tilt SupportNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Def Jam: ICON
Gameplay
6.0
Atmosphäre
7.5
Grafik
7.0
Sound
7.5
Spielspass
6.0
 

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