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Assassin's Creed: Syndicate
29. Februar 2016

Alle Jahre wieder, dann schaut nicht nur das Christkind zur Weihnachten vorbei, sondern auch Ubisoft mit einem neuen „Assassins Creed“. Wenn man nun schon ein paar Jahre zockt, dann kennt man wohl auch den einen oder anderen Teil und könnte somit auch die Nase voll haben. Denn wirklich geändert hat sich am Grundkonzept seit dem ersten Spiel nicht viel. Insofern habe ich zwar „Black Flag“ gemocht, aber das Vorjahresspiel namens „Unity“ auf Grund der derben technischen Probleme gemieden. Nun aber packte mich die Lust wieder und ich habe – ohne sonderlich große Hoffnungen – mir den neuesten Teil der langlebigen Serie vorgenommen. Alles Weitere klärt das Review.

Bruder & Schwester

Den eigentlichen Reiz der Serie machte immer das historische Setting aus, doch schon seit dem ersten Teil war klar, da steckt mehr dahinter. Und so wurden konsequent immer wieder Storyfetzen aus der Jetztzeit eingesponnen um dann am Ende in einem großen Bullshit aufzugehen. Ehrlich, die Geschichte ist quark – und der Kampf zwischen Assassinen (lieben die Freiheit) und Templer (wollen alles kontrollieren) ist nur ein Vorwand für noch weiteren Mist. Denn schließlich stammt doch der Mensch von der ersten Zivilisation ab (weiß doch jeder, der in Geschichte aufgepasst hat :D) und klaute diesen gottähnlichen Wesen diverse Artefakte – auch Edensplitter genannt und nun möchten beide Organisationen diese Hochtechnologie in ihre Finger bekommen. Ach ja und dann mischen auch noch die Götter mit. Also, um das alles zu verstehen, empfiehlt es sich am besten irgendeine Zusammenfassung zu lesen, denn obwohl in den Spielen immer Bezug auf vorherige Ereignisse genommen wird, gibt es keine „Was bisher geschah“ Zusammenfassung.

In „Syndicate“ beschränken sich die aktuellen Einspieler auf ein paar wenige Zwischensequenzen und Korrespondenz zum Lesen / Hören in der Enzyklopädie. Und das ist auch gut so, obwohl die eigentliche Story um Evie und Jakob Frye, also unsere beiden Protagonisten, auch nicht sonderlich ausgearbeitet und spannend daher kommt. Das liegt vielleicht auch am Oberschergen namens Crawford Starrick, der erst zum Ende hin, böse wirkt, ansonsten aber – verglichen mit unseren beiden mordenden Geschwistern – eher der sachliche und bodenständigere Typ ist. Also „hassen“ kann man ihn die meiste Zeit nicht, überhaupt gibt es kaum Gegner, denen man den Tod sprichwörtlich an den Hals wünscht.

Aber genug vom Storygewurschtel. Die adrette Evie und der hitzköpfige Jakob sind zwei amüsante Charaktere, die man abwechselnd in den Hauptmissionen spielen darf. Leider arbeiten die zwei so gut wie gar nicht zusammen und auch sonst bleiben die Nebenstränge der Handlung genauso wie wichtige Nebenfiguren wie Henry Green eher blass. Dem Spielspaß tut das aber kaum Abbruch.

Viele Wege führen nach Ro… zum Attentat

Die größte Neuerung bzw. Verbesserung spiegelt sich im Missionsdesign der Hauptsequenzen wieder. Während man zwar wieder typisch lineare Aufgaben absolvieren darf, sind vor allem die Attentate auf Schlüsselfiguren deutlich offener entworfen. In einem größeren Gebiet, kann man nun verschiedene Wege wählen, um zum Ziel und dessen Ableben zu kommen. Zum Beispiel: Spreche ich mit einer gefeuerten Pflegerin, um einen Hauptschlüssel für die Türen zu bekommen, oder möchte ich gerne die Chance auf ein einzigartiges Attentat nutzen und in bester Kinomanier dem bösen Templer die Kehle aufschlitzen? Man muss diese Gelegenheiten nicht wahrnehmen und kann immer noch sein eigenes Ding machen, aber man kann eben auch diese Hilfen in Anspruch nehmen. Dadurch werden zumindest die Attentate interessanter und fordernder.

Ansonsten gilt es noch – quasi nebenbei – die Stadtteile von London zu erobern. Dazu muss man die Bezirke von den Templern säubern und diverse Miniaufträge ausführen. Zum Beispiel Kinder in Fabriken befreien (gut, da man hier keinen Alarm auslösen sollte und diese Sachen meistens in großen Hallen stattfinden), Templerjagd (wie man ans Ziel kommt ist egal, man muss nur den Templer zum Ableben bewegen), Kopfgeldjagd (schwierig, da man die Person am besten lebend aus einem Sperrgebiet schaffen muss) und Hauptquartiere übernehmen (gut, da man hier auch reichlich Freiheiten hat).

Um das zu bewerkstelligen, kann man sich reichlich Verstärkung ins Boot holen. Entweder man rüstet seine eigene Bande auf, oder kauft sich bessere Ausrüstung und hilft diversen berühmten Sympathisanten (Marx, Darwin usw.). Diese rücken dann zum Dank neue Gegenstände heraus oder Bauanleitungen. Dazu braucht ihr Geld und Materialien, die man entweder in unzähligen Kisten findet oder aber in anderen Aktivitäten ergattern kann (Frachtentführung, Schmugglerlager). Wem das noch nicht reicht, der kann sich in fetzigen Faustkämpfen prügeln (Batman lässt grüßen) oder an Kutschenrennen (grausig) teilnehmen. Zu tun gibt es jedenfalls genug.

Allerdings gibt es auch wieder typisches Füllermaterial, wie die nervigen Aussichtspunkte zu synchronisieren (wichtig um auf die Kartenfunktion zuzugreifen), Illustrationen, gepresste Blumen und Biersorten zu finden sowie diverse kleine Sachen wie Diebstähle und Bedrohungen zu neutralisieren. Wer darauf keinen Bock hat, der kann optional auf Pfund und Materialien via Mikrotransaktionen kaufen. Muss man aber nicht, da man auch gut so – ohne wirklich solche Sachen zu machen – vorwärtskommt. Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad recht moderat und nur einzelne Missionen strapazieren die Nerven. Ansonsten powert man seinen Assassinen quasi nebenbei auf und ist zum Ende hin fast unbezwingbar. Wenigstens gibt es ein paar Spezialfähigkeiten für die Geschwister, ansonsten spielen sich beide Assassinen praktisch gleich.

Kampf der Ungenauigkeit

Ein Schwachpunkt, auch im aktuellen Teil, ist die kontextbasierte und immer noch ziemlich unpräzise Steuerung. Gerade beim Verfolgen kämpft man eher mit der Steuerung als mit der Umgebung. Zwar erleichtern neue Werkzeuge wie die Seilwinde das Überqueren von Entfernungen, aber gerade dieses an sich nützliche Teil, macht einen auch mal das Leben schwer. Viel zu oft, werden Punkte hinter der Spielfigur anvisiert oder man kann partout nicht 100 Meter weiter aufs Dach gelangen, während man sich an anderer Stelle fast einen Kilometer damit hochhangeln oder runterrutschen kann. Auch das Betäuben nervt, denn passt man nicht auf, bringt man das Opfer schnell mal um, denn schließlich liegen beide Aktionen auf der gleichen Taste. Das Öffnen von Truhen ist ebenfalls ein gutes Beispiel für die träge Steuerung, denn so lange man nicht direkt auf die Truhe blickt, erscheint der Tastenaufforderung nicht auf dem Bildschirm. So oder so – hier liegt neben dem typischen (ala hab ich alles schon mal gemacht) Gameplay die größte Herausforderung für die Zukunft.

Industrielle Revolution

Angesiedelt ist der neueste Teil im London zur industriellen Revolution. Das bedeutet, Slums, Fabriken, reger Betrieb an der Themse, aber auch bereits noblere Regierungsviertel und Wohngegenden rund um Westminster. Der Look wurde jedenfalls sehr gut eingefangen und dank Wettereffekten und einem dynamischen Tag/Nacht-Wechsel (gab es im Vorgänger nicht) kommt viel Stimmung auf. Auch bei den Inneneinrichtungen (davon gibt’s schon eine ganze Menge) haben sich die Designer viel Mühe gegeben. So sehen Pubs in den Armenvierteln deutlich anders aus, als in den reicheren Bezirken. Die Ladezeiten halten sich in Grenzen und fallen nur dann wirklich negativ auf, wenn man eine Mission erneut laden muss. Ansonsten wirkt das visuelle Erlebnis wie aus einem Guss und weiß mit detaillierten Charaktermodellen und einzigartigen Finishern bei Zweikämpfen zu begeistern. Das die Framerate dann auch mal einen Sprung nach unten macht, stört zwar, ist jedoch jetzt nicht so auffällig, dass es das Spielerlebnis direkt beeinflussen würde. Der Ambientsound unterstreicht zudem passend die Atmosphäre, genauso wie die gefällige Musik, die öfters mal einsetzt. Großes Lob verdient auch die Abmischung (toller Surround-Sound) und die deutsche Synchronisation, die mit tollen Sprechern aufwartet und nur ein paar Patzer hinlegt (zu junge Stimme bei Darwin).

FAZIT:

Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass der Titel mir doch noch so viel Spielspaß bereiten würde. Besonders zu Beginn sah alles zu sehr nach der typischen Ubisoft „Assassins Creed“ Gameplay-Formel aus. Doch die beiden feschen Geschwister, die kompakte und trotzdem offene Spielwelt und das – gemessen an vorherigen Teilen – freie Bewältigen der Missionen, hinterlassen einen mehr als soliden Eindruck. Sicherlich gibt es auch hier noch ein paar Sachen, die verbesserungswürdig sind und auch ein paar „Füller“ weniger hätten ausgereicht, doch im Großen und Ganzen kann ich „Syndicate“ empfehlen. Vor allem dann, wenn man wie ich, nicht jedes Jahr einen Serienableger spielt.

[ Review verfasst von .ram ]

PS: Das Easter-Egg ab Sequenz 8 ist mal wirklich eine positive Überraschung, bitte in Zukunft mehr davon.

Pluspunkte:

  • Mehr spielerische Freiheiten in den meisten Missionen
  • Sehr viele – nützliche – Werkzeuge für einen Assassinen
  • Kein drangetackerter Multiplayermodus

Minuspunkte:

  • Immer noch viel optionales Füllmaterial (Helix-Glitsches, Blumen, Illustrationen…)
  • Framerate knickt öfters mal ein – vor allem beim Kutschenfahren
  • Geschichte könnte packender sein, lahmer Endkampf



Infos zum Spiel
NameAssassin's Creed: Origins
SystemPlayStation 4
HerstellerUbisoft
EntwicklerUbisoft Montreal
GenreAction-Adventure
USKab 16 Jahren
PEGI18+
Preis69,99 €
PlatinumNein
Release
 27.10.2017
 27.10.2017
Spielerzahl1
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenJa
HeadsetNein
720pJa
1080pJa
PlayStation 4 ProJa
Mehr...

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Screenshot Galerie
Assassin's Creed: Syndicate
Gameplay
7.5
Atmosphäre
7.5
Grafik
7.5
Sound
9.0
Spielspass
7.5
 

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