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Blackwood Crossing
15. Mai 2017

Entwickler stecken zig Millionen in ihre AAA Spiele, engagieren Drehbuchautoren und stecken Zeit und Geld in die Ausarbeitung ihrer Charaktere. Doch was kommt bis auf ein paar wenige Ausnahmen dabei raus? Genau, 08/15 klischeebehaftete Charaktere, welche stundenlang durch beliebige, austauschbare und plakativ präsentierte Geschichten trotten. Wenn es ums Geld geht, ist halt kein Platz für emotionale Achterbahnfahrten und mutige Geschichten. Also müssen kleinere Independent Studios ran, um zu beweisen, dass auch Spiele einen emotional bewegen können. Ein hervorragendes Beispiel war zum Beispiel “Life is Strange” oder auch “Brothers: A Tale of two Sons”, welche einen wahrlich mitgenommen haben. Mit “Blackwood Crossing” wollen die Entwickler von PaperSeven nun ebenfalls die Spieler mit ernsten Themen zum Denken animieren und einem emotional bewegen. Klappt dies?

Alice im Wunderland

Wo bin ich? So langsam wache ich auf und schaue mich um. Ich scheine in einem Zug zu sitzen, doch warum? Ich, Scarlett, höre in der Ferne die Stimme meines kleinen Bruders Finn, welcher wohl in Schwierigkeiten zu stecken scheint und meine Hilfe benötigt. Nachdem ich Finn gefunden habe, versuche ich Antworten auf meine Fragen zu finden, denn eines wird mir schnell klar. Der Zug fährt nicht durch die reale Welt, da dieser erstens nur mit meiner Familie und Freunden besetzt ist und zweitens diese Masken aufhaben. Zusätzlich befindet sich noch ein Junge im Matrosenanzug und Hasenkopf im Zug. Zudem hängen in den Abteilen bekannte Filmposter mit Finn der Hauptrolle. Um mehr zu erfahren höre ich mir an, was die starr stehenden und sitzenden Charaktere mir zu sagen haben. Anfangs klingen die Monologe vielleicht noch wirr, doch nachdem man die Charaktere Paarweise zusammengefügt hat und immer mehr über die Hintergründe erfährt, lichtet sich so langsam die Geschichte. Das geniale dabei ist, dass die Geschichte mir nicht im klassischen Sinn erzählt wird, sondern man mehr und mehr über die Charaktere und ihr Leben herausfindet und sich so alles zusammensetzt.

So erfahre ich recht schnell, dass die Geschwister einen Großteil ihres Lebens bei ihren Großeltern verbrachten und sie sich oft nur selbst hatten. Doch Zeiten und Menschen ändern sich, das Leben geht weiter und Finn fühlt sich zunehmend vernachlässigt, als Scarlett zum Beispiel ihren ersten Freund kennen lernt. So flüchtet sich Finn in seine eigene Welt, leidet an Depressionen und zieht sich immer mehr zurück. An ihn heranzukommen fällt somit immer schwerer, was mir im Spiel durch wabernden schwarzen Nebel visualisiert wird.

Tiefgründige Handlung meets oberflächliche Technik

“Blackwood Crossing” lässt einen glauben, dass es sich hier um ein typisches Point 'n´ Click Adventure handelt, doch schnell wird einem klar, dass das Gameplay eher rudimentär daherkommt. So besitze ich zwar ein Inventar und kann gelegentlich Gegenstände aufnehmen, jedoch werden diese nicht knifflig in Puzzles integriert. Die meiste Zeit höre ich mir die Dialoge an und verknüpft diese mit dem passenden Pendant. Dabei entstehen teils größere Laufwege, welche aufgrund der arg gemächlichen Laufgeschwindigkeit und den nicht immer sauber triggernden Antworten etwas nervig sind. Auch ist das Fenster der aufnehmbaren /zu benutzenden Gegenstände arg klein, sodass ich oft mehrmals zum Objekt laufen musste, um dieses aufzuheben/zu benutzen. Teils lief ich auch etwas ziellos umher, da man hier nicht an die Hand genommen wird. Ebenfalls Grund zum Meckern ist die Grafik. Zwar ist der Comiclook stimmig, doch leider nicht sonderlich detailliert und es kommt auch immer mal wieder zu Slowdowns, welche die eh schon gemächliche Spielgeschwindigkeit noch mehr ausbremst. Dafür sind wiederum die englischen Sprecher (es gibt nur deutsche Untertitel) allesamt sehr gelungen, wie auch der Soundtrack.

FAZIT:

“Blackwood Crossing” mit einer Spielspaßwertung zu bewerten fällt reichlich schwer, da das Point 'n´ Click Adventure eher ein interaktiver Film ist und spielerisch nicht sonderlich fordern daherkommt. Die “Rätsel” in Dialogform wiederholen sich und auch die anderen Gameplayelemente sind eher rudimentär gehalten. Die Technik hat ebenfalls so seine Macken, wie auch die störrische Steuerung. Doch wie schon beim technisch ebenfalls schwachen “Life is Strange” überzeugt die Geschichte dahinter und zieht einem in seinen Bann, sodass die zirka vier Stunden wie im Fluge vergehen. Den Mut eine solche Geschichte als Spiel umzusetzen verdient auf jeden Fall Anerkennung und trägt dazu bei, dass Spiele auch mal im Feuilleton Gehör finden und nicht nur negativ in der Boulevardpresse auftauchen. Es wäre schön, wenn sich auch mal größere Studios mit tiefgründigen Themen auseinandersetzen würden und nicht diese, wenn überhaupt, nur vage anschneiden, denn ich denke, dass die Spieler und Kritiker dies auch zu würdigen wüssten.

[ Review verfasst von Shagy ]

[ Gespielt auf der PlayStation 4 Pro und einem 1080p TV ]

Pluspunkte:

  • Nachdenkliche, ernste und mutige Geschichte
  • Gute Sprecher und Soundtrack
  • Surreale Atmosphäre

Minuspunkte:

  • Rudimentäres Gameplay
  • Einfache Rätsel
  • Schwache Technik



Infos zum Spiel
NameBlackwood Crossing
SystemPlayStation 4
HerstellerPaperSeven
EntwicklerPaperSeven
GenreAdventure
PEGI12+
Preis15,99 €
Release
 04.04.2017
 04.04.2017
Spielerzahl1
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
Speicherbedarf4,3GB
720pJa
1080pJa
Videos
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Screenshot Galerie
Blackwood Crossing
Gameplay
5.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
6.0
Sound
7.0
Spielspass
8.0
 

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