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Der Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter
10. Januar 2005

Insgesamt drei Videospiele gab es in letzter Zeit für die PlayStation 2 zum Thema „Herr der Ringe“. Während ein Spiel sich der Romanvorlage widmete, erschienen die anderen beiden Titel relativ zeitnah mit den Kinofilmen. Ist ja auch kein Wunder, basierten die beiden, von Electronic Arts entwickelten, Actionspiele nicht auf den Büchern, sondern auf den Filmen. Nachdem nun endlich alle drei Kinoepen auch auf DVD erhältlich sind, sollte man schon meinen, dass zumindest die Filmumsetzungen ein Ende hätten. Doch weit gefehlt! Auch 2004 veröffentlichte EA ein weiteres Spiel zur inwzischen legendären Filmsaga. Natürluch werden jetzt manche von euch denken, dass eine solche Aktion reichlich dumm wäre, doch die Bonzen vom größten Dritthersteller von Videospielsoftware denken da wohl etwasanders. Passend zu den unzähligen DVD Releaseversionen (die alle 6 Monate auf den Markt geworfen werden) gibt es erstmals ein Spiel, welches nur indirekt auf den Filmen basiert. Wie das geht, fragt ihr? Ich mich auch um ehrlich zu sein...

Herr der Ringe Fantasy X

Da die Meisten entweder die „Herr der Ringe“ Filme gesehen oder noch besser die Bücher gelesen haben, fasse ich den Hintergrund nur kurz (wenn das überhaupt möglich ist) zusammen. Das Tolkien Epos handelt von einem Ring, der alle anderen Ringe beherrschen kann. Dieser Ringe wurden vom Äonen, den Fürsten der Völker Mittelerdes, zum Geschenk gemacht. Unglücklicherweise schmiedete der dunkle Herrscher Sauron eben diesen einen Ring, damit er die Völker der Elben, Zwerge und Menschen unterwerfen konnte. In einem großen Krieg siegten die vereinten Völker über Sauron. Doch die Habgier der Menschen ließ es nicht zu, dass der Ring im Schicksalsberg zerstört wurde. Unter mysteriösen Umständen verschwand das magische Schmuckstück jedoch kurz darauf aus den Geschichtsbüchern. Als eines Abends Gandalf der Graue ein paar Hobbits (kleinen Leuten mit haarigen Füßen) einen Besuch abstattete, ahnte wohl noch keiner der Beteiligten, dass sie sich auf das Abenteuer ihres Lebens begeben würden. Ohne das Finale oder den eigentlichen Weg dahin zu verraten, schwenke ich stattdessen zur Geschichte unseres Helden Berethor um, eines gestandenen Soldaten aus der weißen Stadt, Minas Tirith. Vom dortigen Truchsess beauftragt sollt ihr dessen Nachwuchs finden und sicherstellen, dass er seine „unheilige“ Mission erfüllt. Boromir, Sohn des Denetor reist jedoch mit der Gemeinschaft des Ringes und somit wird es eure Aufgabe die Verschwörer einzuholen. Doch bevor Berethor die Chance dazu erhält, wird er von Ringgeistern überfallen und schwer verletzt. Nur dank der Hilfe einer Elbin namens Idrial kann er den dunklen Fürsten entkommen und sich wieder seiner Mission widmen.

Alles nur geklaut

Sobald man aktiv in das Spielgeschehen einsteigt, wird einem alles ziemlich bekannt vorkommen, zumindest wenn man Final Fantasy X/X2 von Square Enix kennt und gespielt hat. Was Electronic Arts hier abzieht ist schon äußerst dreist. Spielgeschehen, Kampfsystem und selbst der Stil sind so stark von dem japanischen Rollenspiel abgekupfert, dass man meinen könnte, man sitze vor dem neusten Werk der RPG Experten. Doch wie ein altes Sprichwort besagt, erreicht die Kopie niemals die Qualität des Originals und genau das trifft auch bei „Der Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter“ zu. Dabei passt alles augenscheinlich: Die Menüs sind ähnlich aufgebaut, am Ende des Kampfes bekommt man wie in FFX Erfahrungspunkte, der Kampfbildschirm sieht fast haargenauso aus, es gibt Zufallskämpfe und auch der Bildschirm, in dem man sich mit der Figur bewegt, könnte glatt eine 1:1 Kopie sein des Originals sein. Innovative oder eigene Ideen, sucht man fast vergeblich. Einzig der Kooperative Zweispielermodus (hier übernimmt jeder der Spieler die Hälfte der Figuren und man spielt zu zweit auf einem Bildschirm – das funktioniert ganz ordentlich, zieht nur leider das Spielgeschehen unnötig in die Länge, da Entscheidungen oft ausdiskutiert werden) und der Schatten Modus (hier übernehmt ihr die Rolle der Schergen und müsst die Heldentruppe vernichten – dafür bekommt ihr dann Bonusgegenstände) weisen Anzeichen für ein eigenes Spieldesign auf.

Insgesamt wäre diese Kopiererei ja (vielleicht) noch zu verschmerzen gewesen, wenn nicht der Umstand eines vermurksten Kampfsystems gegeben wäre. Rundenbasiert könnt ihr jeweils drei Charaktere in die Schlacht gegen Orks, Trolle und anderes Viechzeugs schicken. Dabei lässt euch das Spiel während den Kämpfen die Möglichkeit, Kämpfer, die auf der Reservebank sitzen, einzuwechseln (also wie in Final Fantasy X). Am Zug ist jeweils der jenige, der die beste Initiative besitzt (abzulesen an der Bildfolge am rechten Rand; vom Betrachter aus gesehen). Ihr habt dann die Wahl den Gegner entweder mit konventionellen Angriffen, Zaubersprüchen oder doch lieber mir magisch verstärkten Attacken Schaden zuzufügen. Alternativ dürft ihr natürlich eure Helden auch heilen oder von lästigen Verzauberrungen befreien. Leider spielt der Zufall eine große Rolle in den Auseinandersetzungen. Ab der Hälfte des Spiels beispielsweise hauen eure Schützlinge zu 50% daneben und selbst teuer erkaufte magische Attacken gehen regelmäßig ins Leere. Dieser Umstand (und natürlich das unausbalancierte System an sich) macht es nahezu unmöglich Taktiken zu planen und auszuführen. Richtig lachhaft werden die Bosskämpfe zum Schluss. Hier regiert das Trial & Error in Reinform (z.B.: Im Kampf gegen zwei Olifanten kann es nicht sein, dass die Viecher plötzlich jeweils acht Initiativen hintereinander haben, das heißt 16 Attacken gehen auf eure Kämpfer nieder, ohne das ihr die Möglichkeit habt, zwischendurch einzugreifen.). Richtig peinlich ist außerdem noch das Levelsystem geworden, wo ihr praktisch nach jedem Kampf neue Statuspunkte gewinnt, die ihr euren Recken anschließend aufbügeln müsst. Un so tragischer ist es, dass die Auflevelorgie praktisch keinen Nutzen besitzt, werden doch eure Feinde ja immer stärker (im letzten Abschnitt, trefft ihr Orks, die 100x so stark sind, wie noch am Spielanfang). Und das ist bei weitem noch nicht alles...Viele Details wirken unausgegoren und wenig durchdacht. Man weiß nach einem verhunzten Spielsystem wie in „Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter" zu schätzen, warum japanische Mammutrollenspiele nicht in 12 Monaten auf dem Markt erscheinen. Ein gutes Kampf- und Spielsystem braucht eben seine Zeit, Zeit. Und genau das hatte man bei "Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter" anscheinend nicht.

Von Heldentaten und Liebe

Neben dem Kampfsystem, enttäuscht auch die eigentliche Geschichte. Dank zahlreicher Videoschnipsel aus dem Film wird zwar eine gute „Herr der Ringe“ Atmosphäre geschaffen, jedoch konnte mich die eigentliche Story rund um den tapferen Kämpfer aus Minas Tirith nicht vollends in seinen Bann ziehen. Einer der größten Kritikpunkte ist dabei die miese Erzählweise. Denn erst gegen Schluss kommt das Abenteuer richtig in Fahrt und man erfährt langsam die Hintergründe um das Schicksal von Berethor. Die wiederum wirken nicht nur wie aus Einzelteilen zusammengeschustert, sondern auch höchst unglaubhaft. Ich hatte das Gefühl, dass die Entwickler sich zu stark auf die „Herr der Ringe“ Filme verlassen haben, ohne dem Spieler wirklich etwas Neues und Fesselndes zu bieten. Hier wurde definitiv Potential verschenkt.

Ohrgasmus

Allerdings ist nicht alles schlecht im neuesten EA Spiel. Der Sound beispielsweise kann auf ganzer Linie überzeugen, auch wenn der nur in Stereo abgemischt wurde. Die Sprecher der neuen Charaktere stammen alle aus dem Fernsehbereich und wirken halbwegs professionell und sobald man auf einen der Filmcharaktere trifft, hört man dessen Originalstimme aus dem Kino (einzige Ausnahme: Theoden, der hat aber auch nur einen Satz als Spielfigur zu sagen und fällt deshalb nicht ins Gewicht). Besonders die deutsche Stimme von Gandalf macht ihren Job bemerkenswert gut und begleitet den Spieler durch die zahlreichen Abenteuer mit Hinweisen und Erklärungen. Die Krönung der Soundkulisse ist jedoch der bombastische Filmsoundtrack, der die Schlachten perfekt untermalt. So und nicht anders muss sich ein Lizenzspiel annhören, Bravo EA!

Grafisches Mittelmaß

Grafisch sollte man keine Wunder erwarten. Der Stil des Filmes wird beibehalten und ein paar mächtige Gegner wissen durchaus zu gefallen, doch im Großen und Ganzen können die Figuren mit ihrem niedrigen Polycount und dem matschigen Texturen, sowie die kargen Landschaftspfade nicht mit vergleichbaren (älteren) Spielen, wie Final Fantasy X mithalten. Zudem fällen öfters mal ein paar heftiger Ruckler (insbesondere in Innenräumen, aber auch bei Zaubersprüchen im Kampf) auf, die angesichts der nicht gerade übermäßig berauschenden Grafik hätten vermieden werden können. Insgesamt bekleckern sich die Entwickler in dem Gebiet nicht gerade mit Ruhm, machen ihre Sache aber immer noch ordentlich.

FAZIT:

Als ich die DVD das erste Mal ins Laufwerk meiner PS2 schob, hatte ich ehrlich gesagt richtig Lust und Laune, mich durch dieses Rollenspiel zu kämpfen. Aus der guten Laune wurde allerdings schnell Frust. Gerade das Kampfsystem, das zu lineare Gameplay (Shops, Nebenaufträge -> alles nicht vorhanden) und die langweilige (neue) Geschichte im „Herr der Ringe“ Universum konnten mich nur im Ansatz überzeugen und fesseln. Eine ausgefeilte Spielbalance, sowie raffinierte Kampftaktiken sucht man vergebens, stattdessen sollte man eine gehörige Portion Glück mitbringen, um das Spiel erfolgreich meistern zu könne. Was bleibt ist ein ordentliches, oberflächlich kopiertes Final Fantasy X im westlichen Fantasy Outfit welches für Mittelerde Fans und Hardcore Rollenspieler vielleicht noch interessant ist. Anfänger sollten jedoch lieber zum vielzitierten Square Enix Epos greifen.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Sehr gute deutsche Synchronisation
  • Coop Modus
  • Zugängliche Spielmechanik

Minuspunkte:

  • Final Fantasy X Kopie
  • Nicht ausbalanciert und zufallsabhängig
  • Ruckelnde Videoschnipsel


Infos zum Spiel
NameDer Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter
SystemPlayStation 2
HerstellerElectronic Arts
EntwicklerElectronic Arts
GenreRollenspiel
USKab 12 Jahren
Preis59,99 €
PlatinumJa
Release
 04.11.2004
 02.11.2004
 22.12.2004
Spielerzahl2
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf106 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IIJa
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Der Herr der Ringe: Das dritte Zeitalter
Gameplay
6.5
Atmosphäre
7.5
Grafik
7.0
Sound
9.0
Singleplayer
7.0
Multiplayer
7.0
 

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