Previews  Reviews     PS5  PSVR2  PS4  PSVR  PS3  Vita  PSP  PS2  Hardware  Specials 
Cairn
22. Februar 2026

Es lässt sich nicht leugnen: Klettern liegt aktuell voll im Trend. Ob beim gemütlichen Indoor-Klettern in der Freizeit oder in spektakulären Free-Solo-Dokumentationen auf Netflix – der Sport ist überall präsent. Auch in der Welt der Videospiele zeigt sich ein wachsendes Interesse an der Vertikalität, und Titel mit Kletterfokus nehmen spürbar zu. Mit Cairn wagt sich nun ein weiterer Vertreter daran, die Gipfel des Genres zu erklimmen. Doch schafft es das Spiel wirklich, sich oben zu behaupten, oder stürzt es in die Tiefe? Das verraten die folgenden Zeilen.

Alle Wege führen nach oben

In Cairn schlüpft man in die Rolle von Aava – dem quasi virtuellen Pendant zu Alex Honnold, der mit seiner beeindruckenden Free-Solo-Kletterei auf Netflix weltweit für Aufsehen gesorgt hat. Aava gilt als renommierte Free-Solo-Bergsteigerin, die bereits unzählige Gipfel bezwungen hat. Doch nun steht sie vor ihrer bislang größten Herausforderung: dem mysteriösen Berg Kamo, den noch kein Kletterer vor ihr bezwingen konnte. Genau hier beginnt eure Geschichte – eingeleitet von einem angenehm gestalteten Tutorial, in dem ihr zunächst drei Testwände erklimmt, bevor es zu einem ersten kleineren Aufstieg geht. Diese Anfangsminuten vermitteln ein gutes Gespür für das Spiel und seine Protagonistin.

Schon bald wird aber klar, dass Aava keine typische Frohnatur ist. Sie trägt nicht nur einen physischen, sondern auch einen psychischen Rucksack mit sich. Klettern steht für sie ganz klar an erster Stelle, doch im Laufe des Spiels wird deutlich, dass Aava im Mittelpunkt vieler Menschen aus ihrem Umfeld steht – sei es das Marketing-Team, das dringend neue Fotos verlangt, oder ihre Freundin, die einfach nur einmal etwas von ihr hören möchte. Diese Situationen bilden einen deutlichen Kontrast zu Aavas tiefer Liebe zum Berg – einer Liebe, die stark genug ist, alles andere von ihr fernzuhalten, im Guten wie im Schlechten. Mit dem Aufstieg des Berges Kamo entfaltet sich nach und nach Aavas Geschichte, die der Spieler in seltenen, aber eindrucksvollen Momenten erfährt. Im Zentrum steht jedoch stets das Klettern selbst – eine direkte Widerspiegelung von Aavas bemerkenswert widerstandsfähiger Natur.

Aller Anfang ist schwer

Das Klettern steht klar im Mittelpunkt des Spiels – und dabei haben sich die Entwickler von The Game Bakers eine ausgesprochen interessante Mechanik einfallen lassen. Während man Aava auf ebenem Boden noch ganz klassisch mit dem linken Analogstick bewegt, ändert sich das Spielgefühl beim Klettern grundlegend: Hier steuert man direkt die Arme und Beine der Protagonistin. Mit dem linken Stick bestimmt man die Richtung, in die das jeweilige Körperteil greifen oder treten soll, und durch Drücken der Viereck-Taste aktiviert man die Bewegung. Das Spiel unterstützt den Spieler dabei, indem es automatisch meist das passende Glied auswählt, um den nächsten Griffpunkt zu erreichen. Dennoch kann es vorkommen, dass versehentlich das falsche Körperteil aktiviert wird – was leicht dazu führt, dass Aava den Halt verliert und abstürzt. In solchen Momenten lässt sich per Schultertaste das gewünschte Körperteil auch manuell auswählen, was für mehr Kontrolle sorgt. Das eigentliche Klettern ist erfreulich anspruchsvoll. Statt durch auffällige Markierungen die Richtung vorzugeben, fordert das Spiel selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad durchdachte Routenplanung. Jede kleine Rille, jeder Vorsprung kann entscheidend sein und will gezielt genutzt werden, um den Berg Schritt für Schritt sicher zu bezwingen.

Um eure Reise jedoch nicht gänzlich unmöglich zu machen, bietet das Spiel eine Reihe hilfreicher Gegenstände an. Dazu zählen unter anderem Bohrhaken, die eure Ausdauer regenerieren, sowie Kletterkreide, die den Halt am Fels spürbar verbessert. Gleichzeitig müsst ihr stets Aavas körperliche Verfassung im Blick behalten – Hunger, Müdigkeit oder Verletzungen können schnell zum Verhängnis werden. Kommt es doch einmal zu Problemen, finden sich entlang des Weges zahlreiche Checkpoints. Dort lässt sich nicht nur der Spielstand speichern, sondern auch Mahlzeiten zubereiten oder blutige Finger wieder verarzten. Außerdem kann man an diesen Rastpunkten mit Hilfe seines Support-Roboters gesammelten Müll in praktische Ressourcen wie Kreide oder Bohrhaken umwandeln. Diese Checkpoints liegen meist an flacheren Stellen des Berges, an denen die Handlung in kurzen Sequenzen weitergeführt wird – entspannende Momente, die einen angenehmen Kontrast zum teils nervenaufreibenden Klettern bilden.

Zwar wirken Aavas Kletterkünste und die teils akrobatischen Verrenkungen hin und wieder etwas unrealistisch, doch angesichts der zahlreichen Herausforderungen, die das Spiel stellt, ist es doch ganz angenehm, dass man seinen Weg nach oben hin und wieder leicht austricksen kann, wenn Aava plötzlich ein paar unglaubliche Biegungen auf vertikale Parkett legt. Dennoch ist der Aufstieg alles andere als ein Spaziergang. Besonders dann, wenn man sich für einen falschen Pfad entschieden hat, der kaum Griffe oder Vorsprünge bietet, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als den Rückweg anzutreten und eine alternative Route zu finden. Gerade diese Momente machen jedoch den Reiz des Spiels aus – das befriedigende Gefühl, endlich den nächsten Rastpunkt zu erreichen, oder vielleicht sogar eine versteckte Passage im Berg zu entdecken, die nicht nur mit nützlichen Gegenständen belohnt, sondern auch die Geschichte auf spannende Weise vorantreibt. Beeindruckend ist zudem, dass sich der Berg Kamo auf vielfältige Weise erklimmen lässt – ein geradliniger Weg ist hier Fehlanzeige. Insgesamt hat mich das Klettererlebnis enorm begeistert, auch wenn es durchaus Momente gab, in denen ich vor Frust am liebsten ins Kissen gebissen hätte. Zum Glück bleibt das Spiel vor allem im einfachen Modus fair, da es – ähnlich wie in Forza Horizon – eine Sofortwiederholung erlaubt, mit der man die Zeit ein Stück zurückdrehen kann. Zugegeben: Es gab zahlreiche Situationen, in denen ich den Controller nach einem Sturz am liebsten durch den Raum geworfen hätte. Doch am Ende überwog stets das Erfolgsgefühl, den Berg Stück für Stück zu meistern – ein Motivationsschub, der mich immer wieder zum Weitermachen antrieb.

Im Weiter, immer Höher

In Sachen Grafik setzt das Spiel auf einen schlichten Comic-Look statt auf hochdetaillierte und pompöse Texturen. Dennoch überzeugt der Stil auf ganzer Linie: Die Umgebungen wirken ansprechend und erstaunlich detailreich, während unterschiedliche Wetter- und Lichtbedingungen dafür sorgen, dass das Spiel nie steril oder eintönig wirkt. Etwas störend fällt jedoch die teils schwankende Framerate auf, die in anspruchsvolleren Szenen spürbar an ihre Grenzen stößt. Auch die Kamera hätte etwas Feinschliff vertragen können – sie sitzt häufig zu nah am Charakter, was nicht nur den Überblick über die Kletterrouten erschwert, sondern auch durch den massiven Rucksack des Protagonisten teilweise die Sicht blockiert. Die etwas träge Drehgeschwindigkeit tut ihr Übriges und kann gerade in hektischen Momenten schnell zu unnötiger Frustration führen. Dadurch geht mitunter auch das Gefühl für die imposante Größe des Berges verloren, das meist nur in Zwischensequenzen wirklich zur Geltung kommt.

Technisch wird das Erlebnis jedoch von einer hervorragenden Soundkulisse abgerundet. Besonders die Wettereffekte wissen zu beeindrucken und fügen sich atmosphärisch perfekt ins Geschehen ein. Auch die Sprecherleistung von Aavas Synchronstimme ist herausragend – vor allem ihre Schmerzens- und Angstschreie wirken derart authentisch, dass man unweigerlich mit ihr mitfühlt.

FAZIT:

Cairn ist ein mitreißendes Spiel, das sich seinen Platz an der Spitze des digitalen Kletter-Genres redlich verdient hat. Es gelingt dem Titel, eine gelungene Balance aus spannender Erzählung und sauber umgesetztem Gameplay zu finden. Zwar schleichen sich hin und wieder kleinere technische Probleme ein, und auch der Schwierigkeitsgrad zeigt sich nicht immer einsteigerfreundlich – wer dem Spiel jedoch eine faire Chance gibt, wird mit vielen Stunden intensiver und abwechslungsreicher Unterhaltung belohnt.

[ Review verfasst von Dimi ]

[ Gespielt auf der PS5 mit 4K HDR OLED TV ]

Pluspunkte:

  • Anspruchsvolles, aber motivierendes Gameplay
  • Spannende narrative Elemente, die Abwechslung und emotionale Tiefe bringen
  • Atmosphärische Präsentation mit beeindruckender Bergkulisse

Minuspunkte:

  • Teilweise unsaubere Technik mit kleineren Performance-Problemen
  • Schwierigkeitsgrad kann Einsteiger schnell überfordern.
  • Steuerung erfordert etwas Eingewöhnungszeit und Präzision



Infos zum Spiel
NameCairn
SystemPlayStation 5
PublisherThe Game Bakers
EntwicklerThe Game Bakers
GenreAdventure
USKab 12 Jahren
Preis29,99 €
Release
 29.01.2026
 29.01.2026
Spielerzahl1
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
HeadsetNein
Videos
Mehr...

vergrössern
vergrössern
vergrössern
vergrössern
vergrössern

Screenshot Galerie
Cairn
Gameplay
8.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
7.0
Sound
7.5
Spielspass
8.0
 

Impressum - Team - Cookie-Policy - Datenschutzerklärung

Alle Produkttitel | Herstellernamen | Warenzeichen | Grafiken und damit verbundene Abbildungen sind Warenzeichen und/oder urheberrechtlich geschütztes Material ihrer jeweiligen Inhaber.
All referenced company names, characters and trademarks are registered trademarks or copyrights of their respective owners.

Copyright © 2011 chrizel
Powered by KooBI 2.2 © 2004
dream4