Star Trek: Voyager - Across the Unknown
Das deutsche Entwicklerstudio Gamexcite ist bisher bekannt für durchschnittliche Asterix Kost auf dem Smartphone und einen Konsolenableger. Ob sie aus purem Glück zur Star Trek: Voyager-Lizenz gekommen sind oder ob der Publisher Daedalic Entertainment diese noch in der Hinterhand hatte, wird wohl ein Rätsel bleiben. Genauso rätselhaft ist, wie dieses kleine Team ein so überraschend unterhaltsames und forderndes Star-Trek-Spiel schaffen konnte.
Gestrandet im Delta-Quadranten
Eingefleischten Star-Trek-Fans brauche ich die Geschichte der Voyager wohl nicht zu erzählen. Für alle, die eine Auffrischung brauchen oder sich zum ersten Mal mit der Voyager auseinandersetzen: Auf ihrer Mission, ein Maquis-Schiff zu suchen und zu stellen, wird die USS Voyager, ein Raumschiff der Intrepid-Klasse, in den Delta-Quadranten transportiert – rund 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Crew, angeführt von Captain Janeway und ergänzt durch Teile der Maquis-Mitglieder, tritt ihre Heimreise zur Erde an und schlägt sich quer durch diesen unerforschten Teil des Weltalls.
Immer auf der Suche nach Ressourcen und einer möglichen Abkürzung nach Hause treffen sie auf ihrer Reise nicht nur zahlreiche neue Völker, sondern auch alte Feinde: die Borg. Gerade diese werden später zum Hauptfeind und mit Seven of Nine kommt eine der interessantesten Figuren der Star Trek Geschichte hinzu – abgesehen vom Doktor! Die Serie wurde damals durch ihr familiäres Setting und das Unerwartete getragen. War die erste Staffel noch relativ durchwachsen, steigerte man sich immer weiter und lieferte wirklich starke Serienkost. Darum dürften vielen Namen wie Tom Paris, Chakotay, B’Elanna Torres, Kes oder die freche Naomi Wildman in guter Erinnerung sein. Diese Fans sind auch die Zielgruppe des Spiels, denn wer keine Erfahrung mit der Reise der Voyager hat, wird bei vielen Textsequenzen verwirrt bleiben. Die Präsentation ist nämlich nicht die Stärke dieses Spiels!
Das Leben im Delta-Quadranten
Nach einer sehr unspektakulären Intro-Sequenz findet man sich auf einer Sektorenkarte mit zahlreichen Planeten und der Position der Voyager wieder. Die Aufgabe ist es nun, die Hauptziele (goldene Markierungen) oder Nebenziele (blaue Markierungen) abzuarbeiten und in den nächsten Sektor zu springen. Insgesamt zwölf Stück gilt es zu durchqueren, bevor man die Erde erreicht. Das Gameplay findet auf vier Ebenen statt: Raumschiff, Sektor, Außenmission und Weltraumkampf. Es ist am besten mit einem Runden Strategie Spiel gemischt mit einem Rollenspiel zu vergleichen: Jeder Zug ist eine Runde, und ein digitaler Würfelwurf im Hintergrund errechnet, ob Ereignisse positiv oder negativ verlaufen.
• Das Raumschiff: Um die Gefahren zu überstehen, muss man die Voyager verbessern. Man beginnt mit der Reparatur der Quartiere und öffnet neue Teilbereiche für neue Technologien. Diese gilt es in einem eigenen Technologie Baum zuerst zu erforschen. Zentral ist hier das Energie- und Personalmanagement. Man muss oft Bereiche deaktivieren, um Ressourcen zu sparen und das begrenzte Personal einzusetzen. Auch die Crew-Moral muss hochgehalten werden, damit das Schiff effektiv bleibt. Es gilt stets die Waage zwischen notwendigen Räumen und Kampfstationen zu halten. Denn an jeder Ecke kann ein zufälliger Weltraumkampf lauern und da will man keine deaktivierten Laser haben.
• Der Sektor: Hier scannt man Planeten nach Ressourcen. Man sucht die effizienteste Route, denn fällt der Warp-Reaktor aus, endet die Reise jäh. Bei Landungen entscheidet oft das Glück (der Würfelwurf), ob und wie viele Materialien man bekommt. Da diese Bereiche bei jedem Durchlauf neu generiert werden, bieten sie immer eine neue Herausforderung. Auch Nebelfelder und Meteoritenschauer setzen dem Schiff zu und sind einzuplanen.
• Außenmissionen: Man schickt bis zu drei Mitglieder mit unterschiedlichen Stärken los. Das Spiel zeigt fair an, welche Skills benötigt werden. Der Einsatz selbst wird über ein Textfenster und Zufallsereignisse gelöst. Erfolgreiche Missionen steigern das Level des Mietglied und bringen auch zusätzlich Materialen. Dieser Teil lässt sich am besten mit alten Text Adventure vergleichen.
• Weltraumkampf: In diesem Modus wechselt man in einen eigenen Kampfbereich. Die Voyager umkreist automatisch die Feinde und feuert Phaser ab, Torpedos könnt ihr jedoch direkt auslösen. Zu Anfang wählt man auch drei Crewmitglieder mit Kampf-Fähigkeiten, die man effektiv einsetzen sollte und einen Cool Down haben. Da keine direkte Steuerung möglich ist wählt man, ob man sich offensiv oder defensiv verhalten soll. Bei den feindlichen Schiffen lassen sich unterschiedliche Systeme (Waffen, Schilde oder Warp) anzielen. Auch hat man ein Energie Management, um Energie in Schilde oder Waffen zu lenken. Gerade im leichten Modus sind diese Kämpfe keine Herausforderung, dass ändert sich jedoch sehr schnell beim höheren Schwierigkeitsgrad.
Das Jahr der Hölle
Wer seine erste Reise antritt, wird mit Mechaniken und Erklärungen bombardiert. Das Spiel ist nicht einfach; es empfiehlt sich, auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad zu starten, um wichtige Gameplay Elemente zu verstehen. Wer so anfangs die Crew-Moral vernachlässigt und nicht die richtigen Räume baut, findet sich schnell in eine Abwärtsspirale. Immer wieder wird man vor Szenarien gestellt, wo man eine Entscheidung treffen muss. Ein entsprechender Skil Check verrät ob dies eine Erfolg war oder Misserfolg. Dies ist der Moment, welcher die Handlung ändern kann, aber auch Figuren permanent sterben lässt. Viele dieser Ereignisse kann man beeinflussen in dem man die notwendige Technologie oder Level hat. Doch am Ende zählt auch hier das Würfelglück, was schnell zu Frust führen kann. Die Entwickler raten sogar dazu, Sektoren zu wiederholen und so neue Wege oder Technologen zu finden. Jedoch teilte die Fangemeinde nicht diesen Designansatz und nach Kritik wurde per Patch immerhin das manuelle Speichern erlaubt und im einfachsten Modus die negativen Ereignisse abgeschwächte. Die wahre Herausforderung wartet dennoch noch immer im höchsten Schwierigkeitsgrad.
Grafisches Minimum
Zwar werkelt im Hintergrund die Unreal Engine 5, aber von Lumen und Naniten merkt man hier nichts. Grafische Highlights findet man hier nicht viele. Die Figuren sind ordentlich modelliert, jedoch fehlt eine gewisse Nähe zum Original. Auch die Umgebung und Kampfbildschirm kann mit einigen netten Elementen überraschen, wenn man nah genug heranzoomt. Jedoch bekommt man davon wenig während des Spielens mit. Zumindest wurde das Design der Star-Trek-Sprache angepasst und viele der kleinen Nuancen helfen über die Schwächen hinwegzusehen. Jedoch macht es die sehr zähe Präsentation schwer der Handlung zu folgen. Oft wird diese nur in Textfenstern erzählt oder einen Ausschnitt von der Brücke oder Krankenstation, wo die agierten Figuren stehen. Hier und da gibt es eine kurze Zwischensequenz, aber auch die ist kein Highlight. Akustisch ist das Voyager-Thema am Anfang das Highlight. Während der Reise gibt es passende und ruhige Star Trek Hintergrundmusik. Das vertraute Star Trek Piepsen und die Suren des Warpreaktor hilft bei der Emersion. Sprachausgabe gibt es während der Missionen nicht, nur am Start eines Sektors gibt es einen unterhaltsamen Logbucheintrag von Tuvok oder Tom Paris, vertont von den Originalsprechern.
FAZIT:
Star Trek: Voyager – Across the Unknown ist ein roher Diamant. An allen Ecken merkt man, dass es von einem unerfahrenen Team erstellt wurde. Der Schwierigkeitsgrad schwankt stark, die Mechaniken sind teils schlecht erklärt und die Präsentation ist mager. Doch schleift man diese Ecken ab, tritt ein unterhaltsames Spiel zutage. Die Entscheidung, die Rahmenhandlung der Voyager mit Roguelike-Elementen im Stile von FTL zu verbinden, war hervorragend. Das Team versteht den Kern der Serie und integriert viele der besten Episoden als Haupt und Nebenmissionen. Auch das man alternative Wege und Lösungen abseits der Serie bietet sorgt für interessante Gameplay Elemente. So habe ich den Doktor gegen Erster getauscht, was zahlreiche Außenmissionen leichter machte. Für meinen nächsten Durchgang überlege ich abseits des Kanons zu wandern und die Oberste Direktive zu ignorieren. Dürfte ein interessantes Experiment werden. Daher kann ich ruhiges Herzen eine Empfehlung für Fans aussprechen aber auch für Taktiker einen Blick wert – aber es hilft deutlich, ein Trekkie zu sein!
[ Review verfasst von Andy ]
[ Update 1.4 ]
[ Gespielt auf einer PlayStation 5 mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Gute Nutzung der Lizenz
- Gameplayloop funktioniert
- „Was wäre Wenn“ Szenarien
Minuspunkte:
- Präsentation könnte besser sein
- Schwankender Schwierigkeitsgrad
- Wo ist der Delta Flyer?
Spielinfos





