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Midnight Club 3: DUB Edition
7. Mai 2005

Tuning-Rennspiele sind nach wie vor angesagt und immer mehr Hersteller warten mit eigenen Schöpfungen auf. Wer jetzt denkt, das neueste Rockstar Spiel gehöre auch zu diesen Trendtiteln, liegt falsch, denn die Midnight Club Serie blickt bereits auf eine lange Tradition zurück. Schon zum Launch der PlayStation 2 erschien das erste Spiel der Reihe und lockte den Spieler schon damals mit Wettkämpfen in nächtlichen Städten vor die Konsole. Jahre später veröffentlichte Take2 mit Midnight Club 2 ein Internet-fähiges Rennspiel, das sogar noch vor dem offiziellen Onlinestart der PS2 in Europa erschien. Trotzdem schaffte die Serie nie den großen Durchbruch, da weder Spielkonzept, noch die technische Umsetzung wirklich für Begeisterungsstürme sorgten. Mit dem dritten Teil der Reihe, Midnight Club 3: DUB Edition, soll sich dies endgültig ändern. Wir haben uns den "Blockbuster" vorgenommen und berichten, wie gut das Spiel in unserem peniblen Werkstattest abgeschnitten hat.

DUB Edition

Wie im Vorwort schon erwähnt, hat mittlerweile jeder große Hersteller ein Tuning-Rennspiel im Programm. Egal ob THQ (Juiced), Electronic Arts (Need for Speed: Underground), oder Codemasters (Street Racing Syndicate) - jeder Publisher möchte ein möglichst großes Stück vom Umsatzkuchen haben. In erster Linie bedeutet zwar eine große Auswahl für den Spieler oberflächlich mehr Abwechslung, doch bei näherer Betrachtung wird man schnell feststellen, dass sich die Titel im Grunde kaum unterscheiden. Das fängt bei der Fahrzeugauswahl (die typischen Import-Tuner wie Skyline, Lancer, RX-8) an und endet bei der vom Film "The Fast and the Furious" inspirierten Veredelung. Um sich aus diesem Einerlei abzuheben, gingen die Rockstars eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Szenemagazin DUB ein. Im Nachhinein betrachtet, war das die richtige Entscheidung, denn durch das Magazin konnte man nicht nur auf umfassende Erfahrungswerte der Redakteure zurückgreifen, sondern durfte auch den, maßgeblich durch das Heft geprägten, Tuningstil übernehmen.

Autotraumland

Knappe 70 verschiedene lizenzierte Fahrzeuge warten auf den Spieler, darunter viele amerikanische Modelle, wie der Dogde Charger, Cadillac Cien oder der Crysler 300C. Europäer werden jedoch genauso gut mit Volkswagen und Mercedes bedient, wie Fans von japanischen High-Tech Sportlern. Unterteilt sind die Autos in verschiedenen Kategorien, um eine bessere Übersicht zu gewährleisten. Zusätzlich existiert noch eine feine Auswahl an Motorrädern. Neben aktuellen Chopper-Modellen der Herstellern West Coast Customs und Hotmatch, findet man auch ein paar waschechte Rennmaschinen von Ducati und Kawasaki. Das Handling wurde in Hinblick auf Midnight Club 2 komplett überarbeitet und an die einfache Steuerung der Vierräder angepasst. Dadurch sollten selbst Fahranfänger in der Lage sein, binnen weniger Minuten durch den regen Verkehr der drei Städte San Diego, Atlanta und Detroit zu düsen, ohne jede Viertelmeile unsanft an Häusern zu landen. Die amerikanischen Metropolen wurden übrigens originalgetreu in das Spiel eingefügt und sollten für Ortskundige einen gewissen Widererkennungswert besitzen.

Get the party started

Eure Karriere beginnt ihr in San Diego, dass in den Staaten einen recht bemerkenswerten Ruf als Tuning-Hochburg besitzt. Mit der Hilfe des freundlichen Mexikaners von Nebenan (der euch außerdem zahlreiche Tipps zum Spiel gibt) legt ihr euch erst einmal einen fahrbaren Untersatz zu. Die Auswahl ist allerdings stark beschränkt, so dass anfangs nur eine Handvoll Autos zur Verfügung steht. Für ein wenig Veredelung bleibt leider kein Geld mehr übrig - also geht es raus, in das städtische Nachtleben. Entweder am frühen Abend, um Mitternacht, oder am frühen Morgen durchfahrt ihr die lebhafte Metropole. In aller Ruhe und ohne Zeitdruck dürft ihr euch mit der Gegend vertraut machen. Fühlt ihr euch dann bereit genug ein Rennen zu bestreiten, stehen euch mehrere Optionen zur Auswahl. Entweder ihr sucht euch einen anderen Fahrer und fordert ihn heraus (meistens müsst ihr dann 3-4 Rennen absolvieren) oder ihr sucht euch eines der optionalen Events, die über die Stadt verstreut sind. Letztere eigenen sich besonders für das schnelle Beschaffen von Barem. Um jedoch im Spiel weiter zu kommen, ist es unumgänglich die anderen Fahrer zu schlagen, denn nur so kommt ihr a) zu neuen Tuningteilen für eure Fahrzeugklasse und b) schaltet ihr neue Cups, Tournaments und Herausforderungen frei. Wie schon bei den Vorgängern liegt das Hauptaugenmerk jedoch auf Checkpointrennen. Meistens müsst ihr eine bestimmte Fix-Strecke gewinnen, aber ab und an werdet ihr auch Rundenrennen und Wettkämpfe auf abgesperrten Strecken austragen. Das dadurch gewonnene Geld sollte dann sofort wieder in das Tuning eures Untersatzes wandern.

Breiter, Tiefer, Besser

Das Tuning in Midnight Club 3 staffelt sich in mehrere Unterpunkte. Wichtigster Aspekt ist mit Sicherheit die Motorisierung. In insgesamt drei Stufen könnt ihr euer Gefährt hoch züchten und zur PS-Schleuder umbauen. Wirkliche Veränderungen im Fahrverhalten werdet ihr trotzdem kaum bemerken. Außer das die Fahrzeuge schneller beschleunigen und eine höhere Endgeschwindigkeit besitzen, sind mir keine Verbesserungen im Fahrverhalten aufgefallen. Optisch dagegen habt ihr die Chance, euer braves Allerweltsauto in ein aggressives Monster zu verwandeln. Neben Reifen, Felgen, Aufhängung, Stoßstangen, Schwellern, Motorhauben, Spoilern usw. erwarten euch noch zahlreiche klassenspezifische Tunerteile. So lassen sich nur bei Musclecars und Luxuslimosinen vergoldete Zierleisten anschrauben, das Dach in der Höhe verkürzen und spezielle Stile für Lichter und Motorhauben auswählen. Schade nur, dass man nicht jedes Auto optisch verändern kann. Gerade bei den teuren Sportwagen darf man lediglich die Farben / Vinyls ändern, aber kein Karosserietuning vornehmen.

Special FX

Damit die Hatz quer durch die Städte nicht zu schwer wird, spendierten die Entwickler den Fahrzeugen zahlreiche Eigenschaften, die ein Durchkommen durch den dichten Verkehr erleichtern sollen. Zum einen wäre da der Windschattenturbo, der wie der Name schon verrät, durch Fahren im Windschatten des Gegners aufgeladen wird. Ist der Balken voll, solltet ihr schnell die R1 Taste drücken, bevor die Turboleiste wieder abnimmt. Timing spielt bei diesem Manöver eine große Rolle, denn welchen Sinn macht es, vor einer 90° Kurve den Turbo durch zu hämmern? Ähnlich wie bei der Nitroeinspritzung prescht ihr mit wahnwitziger Geschwindigkeit nach vorne. Solltet ihr die nächste Kurve zu spät nehmen, könnt ihr bei den Import-Tunern beispielsweise den L3 Stick drücken, um das Drift-Feature zu aktivieren. Hierbei wird die Zeit verlangsamt und ihr könnt euch in aller Ruhe, um die Kurve schlängeln. Eine weitere Spezialfähigkeit ist bei den Trucks zu finden. Im Agro-Modus seit ihr für kurze Zeit unverwundbar und könnt durch den Verkehr heizen, ohne das euch auch nur ein Auto aus der Bahn wirft. Um diese Modi aufzuladen, müsst ihr natürlich schon vorher rabiat fahren - meistens lassen sich kleine Zusammenstöße mit Autos, Tonnen und Laternen aber sowieso nicht vermeiden.

Wie gestalte ich ein Spiel besonders unfair?

Dieser Abschnitt dreht sich nur um ein Thema: Warum spielt sich Midnight Club 3 nur so frustrierend? Sicherlich hat die unkonstante Framerate (dazu später mehr) etwas damit zu tun, mir sind jedoch auch noch andere Unzulänglichkeiten aufgefallen. Das KI – Gummiband lässt euch beispielsweise nie einen wirklichen Vorsprung heraus fahren, denn die Gegner ziehen immer hinterher. Im Gegenzug dürfen die auch noch mit 10 Nitroturbos und allgemein höherer Geschwindigkeit fahren. Dann wäre noch die Polizei, die den Spieler in einigen Rennen verfolgt. Ihr habt übrigens richtig gelesen, nur der Spieler wird verfolgt, selbst wenn er den anderen hinterherfährt. Drängen euch die Gesetzeshüter mal ab, oder bekommt ihr die Fahrfehler der saudummen Computerfahrer zu spüren, klebt ihr entweder praktisch an den Gebäuden, oder ihr schleudert wie ein Pinball durch die Gegend. Meistens jedenfalls, müsst ihr das Rennen sowieso neu starten, da ihr keine Chance mehr auf den Sieg habt. Richtig genervt haben mich die Rennarten, die nur ein oder zwei Checkpoints besitzen. Hier muss man erst einmal mühevoll eine brauchbare Route herausfinden, bevor man sich an die Arbeit macht, dass Event zu gewinnen. Anderseits gibt es dann wieder Rennen, die man schon beim ersten Versuch gewinnt. Der Schwierigkeitsgrad ist definitiv nicht ausbalanciert und sorgt somit immer wieder für Up`s und Down`s beim Spielvergnügen.

Preis der Schönheit

Auf den ersten Blick sieht Midnight Club 3: DUB Edition in allen Bereichen besser aus als der Vorgänger. Die Autos wirken weitaus detaillierter und besitzen schöne Spiegel- und Lackeffekte, die Visualisierung der Geschwindigkeit ist ähnlich gut umgesetzt worden, wie bei Burnout 3 und die Effekte bei den Spezialmanövern wissen auch zu überzeugen. Selbst die drei Städte sehen bombastisch und realistisch aus. Es gibt Unmengen an Verkehr, Passanten und Animationen (wie einen riesigen Baukran) zu bestaunen. Dazu gesellen sich noch Feuerwehren und Krankenwagen die durch die Städte jagen, Polizeiwagen, die Raser verfolgen und Straßenbahnen, die durch die City rollen. Der Detailreichtum ist einfach immens und selbst die verschiedenen Nachtzeiten (früher Abend, Mitternacht und früher Morgen) wurden atmosphärisch in Szene gesetzt. Dazu gesellen sich noch Effekte für Nebel und Regen (Schnee in Detroit), wobei gerade die Letztgenannten durch eine ausgezeichnete Umsetzung überzeugen können. Kurzum, die Grafik vermittelt eine superbe Atmosphäre und wirkt dennoch wie aus einem Guss. Man könnte also kaum glücklicher sein, wäre da nicht die Framerate. Im Gegensatz zu Midnight Club 2 war es den Entwicklern nämlich nicht mehr möglich, die Bildwiederholrate während der Rennen stabil zu halten. Zeitweise sackt die Action auf dem Bildschirm glatt auf weniger als 10 Bilder pro Sekunde ab und dabei ist es egal ob die Gegner vor oder hinter euch fahren. Der Unterschied zum flüssigen Cruise-Modus ist extrem und macht exaktes Handling zu einem Ding der Unmöglichkeit - teilweise bewegt sich das Geschehen sogar am Rande der Unspielbarkeit! Dafür kann es nur eine gehörige Abwertung in der Grafikrubrik geben.

An dieser kleinen Zusammenstellung könnt ihr euch ein Bild von der grafischen Evolution der Serie machen. Allerdings ist es schwer für den zweiten und dritten Teil ungeschönte Screenshots zu finden. Auf einem Fernsehgerät sehen die beiden Titel nämlich weitaus niedrig aufgelöster aus und besitzen keine perfekte Kantenglättung.

113 Songs

Der Soundtrack in Midnight Club 3 fährt mit über hundert verschiedenen Songs auf. Dabei unterteilen sich die Tracks in fünf verschiedene Genres: Rap, Dancehall, Techno, Drum`n`Bass und Rock. Somit sollte man meinen, dass fast jeder Musikgeschmack zufrieden gestellt wird. Leider stimmt das nicht ganz, denn die Musikuntermalung von Midnight Club 3 gehört zu den wenigen, die man lieber permanent weiterspult oder ganz ausschaltet. Davon abgesehen, dass ich mit Hip-Hip und Drum`n`Bass überhaupt nichts anfangen kann, überzeugt nicht einmal die Rocksparte. Abgenudelte Schwarten wie Marylin Mansons „Rock is Dead“ drängen mich bestenfalls zum Ausschalten der Musik! Lediglich die Detroit Techno Sparte weiß dank der Zusammenarbeit mit dem Underground Resistance Label zu überzeugen. Ein weiterer Minuspunkt ist das Fehlen einer editierbaren Playlist und nicht einmal die Einstellungen hinsichtlich der Stilrichtungen werden gespeichert. Nach jedem Neustart dürft ihr wieder die einzelnen Kanäle anwählen. Im Gegensatz zum Soundtrack überzeugen immerhin die Effekte, die dank Dolby Pro Logic II Mix und Hollywood-Akustik für ein ordentliches Ohrenrauschen sorgen.

Multiplayer

Wie schon Midnight Club 2 bietet auch der dritte Teil einen umfangreichen Onlinemultiplayer Modus für bis zu 8 Spieler. Neben zahlreichen neuen Rennarten wie Capture the Flag und Rocket, kann man natürlich auch normale Rennen bestreiten. Eingewählt wird mit Hilfe der bekannten Gamespy Technologie und sollte niemanden vor schwerwiegende Probleme stellen. Einmal im Internet, dürft ihr euch eure Freunde in einer Buddy-Liste vormerken und verschiedenen Club beitreten. In den Rennen selbst, tretet ihr mit einem der maximal dreißig Fahrzeuge an, die ihr vorher festgelegt habt. Flüssig läuft die Internetraserei nicht ab, macht aber gegen menschliche Spieler bedeutend mehr Spaß. Ab und an trüben zudem einige Lags das Spielgeschehen. Dummerweise muss man bei der PS2 Variante auf Headset Support verzichten, somit ist Chatten nur sehr eingeschränkt möglich. An einen Splitscreenmodus (unspielbar!) und einen Netzwerkmodus für das Offlinevergnügen wurde übrigens auch gedacht.

FAZIT:

Was soll ich sagen? Nach ausgiebigem Spielen steht für mich fest: Frust und Spaß liegen bei Midnight Club 3: DUB Edition eng nebeneinander. Soviel Laune auch das Erkunden der Städte und das Tuning der tollen Fahrzeuge macht, soviel Hass empfinde ich auch auf dieses Spiel. Es kotzt mich einfach an, wenn ich kurz vor dem Ziel eine schlecht sichtbare Ausfahrt verpasse, an einem schlecht wahrnehmbaren Auto hängen bleibe, oder einfach nur dank der miesen Framerate und der damit verbunden trägen und ungenauen Steuerung, an einer Häuserwand ungewollt lande. Der Glücksfaktor ist gerade bei späteren Rennen extrem hoch. Dazu kommen dann auch noch die Probleme mit der Künstlichen Intelligenz der Gegner, sodass fahrerisches Können eigentlich nur nebensächlich gefordert wird. Schade eigentlich, denn anfangs sah es so aus, als ob Midnight Club 3: DUB Edition das Zeug besitzt, Need for Speed: Underground 2 vom Tuning-Thron zu stoßen. Durch die zahlreichen Schwächen werden die positiven Aspekte des Spiels jedoch immer wieder ausgeglichen, ohne das sich der Titel großartig vom EA-Vorbild absetzen kann. Was bleibt ist ein Spiel, das nur schwerlich uneingeschränkt zu empfehlen ist. Die-Hard Tuning-Fans werden sicherlich ihren Spaß an dem Titel haben, wer allerdings in erster Linie ein faires und damit spielbareres Rennspiel sucht, sollte sein Glück lieber bei Electronic Arts versuchen.

[ Midnight Club 3 Vs. NFS: Underground 2 - Der knallharte Vergleich ]

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Geniale Autoauswahl
  • Drei Städte
  • Großer Umfang

Minuspunkte:

  • Miese, unkonstante Framerate
  • Unfair bis zum Abwinken
  • Lahmer Soundtrack


Infos zum Spiel
NameMidnight Club 3: DUB Edition
SystemPlayStation 2
HerstellerTake 2
EntwicklerRockstar San Diego
GenreRennspiel
USKab 6 Jahren
Preis59,99 €
Release
 19.04.2005
 12.04.2005
Spielerzahl8
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf155 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IIJa
EyeToyNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Midnight Club 3: DUB Edition
Gameplay
7.5
Atmosphäre
8.0
Grafik
8.0
Sound
8.0
Singleplayer
7.5
Multiplayer
7.5
 

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