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Splinter Cell: Chaos Theory
30. Mai 2005

Wenn die K*** mal wieder richtig am Dampfen ist, gibt es meist nur eine Lösung: Die Ein-Mann-Armee wird aus der Schublade geholt und soll es richten. Im Fall von Splinter Cell ist das natürlich Sam Fischer. Allerdings unterscheidet er sich in einer Sache entscheidend von Einzelkämpfern alá John McLane (Stirb Langsam) - er legt nicht gleich alles in Schutt und Asche, sondern versucht so unbemerkt wie möglich seine Missionsziele zu erreichen. Das ist natürlich nicht immer einfach, aber mit Hilfe jeder Menge technischer Spielereien und einem zuverlässigen Team im Hintergrund ist er in der Lage, auf dem ganzen Erdball die Interessen der USA zu vertreten.

Globalisierung?

Als Anlass für den erneuten Einsatz von Sam Fischer dient mal wieder eine Krise mit möglicherweise globalen Auswirkungen. China und Nordkorea scheinen diesmal Hand in Hand gegen Japan und seine Verbündeten zu agieren. Als Gegenreaktion wartet die USA natürlich gleich mit dem obligatorischen Säbelrasseln auf und schickt den modernsten Zerstörer in die Krisenzone. Fischer schlägt sich währenddessen im tiefsten Südamerika herum, um einen Computerspezialisten zu befreien, der maßgeblich an der Entwicklung neuer Computer-Algorithmen beteiligt war, die in die Hände von Terroristen zu fallen drohen. Von da an wird Sam Fischer kreuz und quer über den Globus geschickt, um da zu infiltrieren, wo offiziell kein Weg hineinführt.

Die Story reißt dabei keineswegs vom Hocker, ist jedoch dank längerer technischer Erklärungen zur Computertechnik für den Laien mitunter unverständlich und erfüllt wie so oft bei Tom Clany alle gängigen Klischees. Seitdem der Kalte Krieg beendet und der Ostblock zerfallen ist, wird mindestens in jedem zweiten Spiel (besonders wenn es ein Tom Clancy Spiel ist) einer der verbliebenen kommunistischen Staaten hervorgekramt. Das ist armselig. Hinzu kommt bei Splinter Cell: Chaos Theory eine solch realitätsferne Inszenierung, dass die Geschichte praktisch sehr unglaubwürdig wirkt und dementsprechend eher ein Fall für die "Drittklassige Actionfilm Geschichten" Mülltonne ist. Technisch ist die Story allerdings erstklassig umgesetzt. Hochwertige Rendervideos lösen sich mit umfangreichen Mission-Briefings und Funk-Dialogen ab.

Die Qual der Wahl

Gleich zu Beginn stellt man euch vor eine schwierige Entscheidung: Kooperativer Modus/Einzelspieler oder Online-Multiplayermodus?

Die Wahl liegt bei euch:

Im reinen Einzelspielermodus steht dem Spieler der komplette Handlungsstrang zur Verfügung, der aus 10 einzelnen Missionen besteht. Der Koop-Modus setzt indirekt auch im Storyverlauf an, besitzt jedoch eigenständige Missionen, die für 2 Spieler ausgelegt sind. Allerdings merkt man sofort, dass der Koop-Modus nur ein rangeschustertes Element ist und spielerisch einfach keine Klasse besitzt. Auf vertikal geteiltem Split-Screen geht man zu zweit zu Werke. Dabei von einer Story zu reden wäre vermessen, trotzdem müssen die vier vorhanden Missionen der Reihe nach absolviert werden. Warum man die dann aber in eine Unzahl kleinster Missionsschnipsel zerstückelt hat, ist mir schleierhaft. Hätten es Checkpoints nicht auch getan? Zumindest wären dann die Ladezeiten weggefallen. Meine Vermutung tendiert hier stark zum Schwierigkeitsgrad, denn der artet regelmäßig in reines Trial and Error aus. Schuld daran sind der durch Splitscreen begrenzte Sichtausschnitt, die stockdunklen Maps, die unfaire Verteilung von Gegnern und Selbstschussanlagen, sowie fehlende Ausrüstung der Agenten. Wenn man nach etwa 20 Versuchen endlich weiß, wie man den Abschnitt zu spielen hat (man hat endlich den Weg gefunden, der passierbar ist), dauert es nicht einmal eine Minute bis das Missionsziel erreicht ist. Warum man dieses eigentlich zu erfüllen hat, scheint keine Rolle zu spielen, denn erklärt werden die Missionen nicht. Auch wirkt es keineswegs aufbauend, dass ich meinen gefallenen Kameraden innerhalb von 30 Sekunden mittels Adrenalinspritze wiederbeleben kann. In 99% der Fälle ist er nämlich an extrem ungünstigen Stellen gefallen und ein Herankommen dementsprechend nur schwer möglich. Durch die finsteren Karten kann man Gegner einfach nicht sehen und die im Einzelspielermodus sehr hilfreichen Sehhilfen (Nachtsicht und Thermosicht) warten hier mit einer ungenügenden Reichweite auf. Zudem ist das jeweilige Gekriesel des Sichtmodus durch den kleineren Bildausschnitt beinahe nicht zu entziffern. Ein nettes Detail sei aber noch erwähnt, die Räuberleiter. Beide Spieler können eine Räuberleiter bauen, um über Hindernisse zu klettern, oder die Gegend zu observieren. Ebenso muss ich jedoch erwähnen, dass die Räuberleiter nur an fest vorgegebenen Punkten auf der Karte funktioniert.

Der Online-Modus dagegen ist ein würdigerer Multiplayer-Modus Vertreter, zumindest in spielerischer Hinsicht. Bei der Technik gibt es nämlich einen riesigen Haken, Chaos Theroy benutzt noch die alte Splinter Cell; Pandora Tomorrow Engine. Auch das Anlegen eines extra Online-Accounts bei Ubisoft, reißt mich nicht gerade zu Jubelstürmen hin, gestaltet sich im Gesamten jedoch relativ unproblematisch, wenn man endlich einen freien Benutzernamen gefunden hat und nicht wie ich, ein knappes Dutzend Versuche benötigt, um einen Account-Namen einzugeben, der noch nicht vergeben ist. Im Gegensatz zum Singleplayermodus bietet man uns hier ein echtes Tutorial, eines für die Spione und eines für die Söldner. Empfehlenswert sind beide, denn sowohl Steuerung als auch Ausrüstung weichen stellenweise erheblich vom Standard ab. Dafür bekommt man drei Spielmodi spendiert, die das klassische Deathmatch gut verwässern. Neutralisierung, Sicherstellung und Sabotage buhlen um die Gunst der Spieler. Mal gilt es Viren-Behälter sicherzustellen und am Drop-Point abzuliefern. Bei Sabotage dagegen muss man eben diese Behälter mit Hilfe eines Modems beschädigen und bei der Neutralisierung verhindert ein Sicherheitssystem den Zugriff auf die Behälter, so dass dieses erst einmal zu knacken ist, bevor es an ein Entschärfen der Viren geht. Eines haben alle gemeinsam, der Einstieg fällt nicht gerade leicht. Um den Anfang jedoch etwas zu vereinfachen, stehen alle Karten vorab schon zur Besichtigung bereit. Aufgrund der Dunkelheit, der unterschiedlichen Wege und vor allem aufgrund der verschiedenen Ausrüstungsgegenstände kann ich zu ausführlichen Rundgängen nur empfehlen. Wer sich übrigens auf ein fröhliches Geballer einstellt, darf sich getrost auf eine Enttäuschung gefasst machen. Die Spione halten nämlich einfach nichts aus und haben praktisch keine Waffe, um Söldner mal schnell ins Jenseits zu befördern. Schleichen und nicht entdeckt werden besitzt oberste Priorität. Nur loben kann ich den Online-Modus allerdings auch nicht. Fast ausnahmslos läuft das Spiel flüssig, bietet dafür aber bei weitem nicht die grafische Raffinesse des Einzelspielermodus - ein Tribut an die Performance. Oder besser gesagt, man merkt wie veraltet mittlerweile die Grafikengine aus Splinter Cell: Pandora Tomorrow gegenüber Chaos Theory wirkt.

Klarer Sound, aber stockdunkle Nacht

Bei der Grafik haben die Entwickler gegenüber Splinter Cell: Pandora Tomorrow noch einiges verbessert und verfeinert. Sam Fischer sieht noch ein Stückchen besser aus (obwohl die Figurenmodelle generell nicht in der Oberliga mit mischen) und auch die Texturen sind sehr detailliert ausgefallen. Besonders bemerkenswert ist der Einsatz der sogenannten "Geo-Texturen", die ein plastisches Abbild einer 2D Wandtapete erlauben - damit bekommt man schon fast einen adäquaten Ersatz zum Bump Mapping geboten. Und vieles wirkt echter und dreidimensionaler. Bezahlt wird dieses grafische Update jedoch mit immer wieder auftretenden Einbrüchen in der Framerate und enormer Dunkelheit. Praktisch hat man somit von der verbesserten Grafik nicht übermäßig viel, denn der permanente Einsatz des Nachtsichtgeräts ist unabdingbar. Das dabei der Helligkeitskontrast schon fast an die Schmerzgrenze gebracht wurde, führt zu Abzügen in der Grafikwertung. Realismus hin oder her, wenn das Spiel im allgemeinen viel zu dunkel ist und dann die "grüne Sicht" schon bei kleinsten Lichtquellen übersteuert, tut das in erster Linie den Augen weh. Damit Hand in Hand gehend, kann das Umschalten zwischen Nacht- und Normalsicht auch schnell auf die Nerven gehen. Etwas weniger Realismus zugunsten der Spielbarkeit hätte hier Wunder gewirkt.

Auch der Sound kommt nicht ganz ohne Kritik weg. Die deutsche Stimme von Sam Fischer, gleichzeitig auch die Synchronstimme von Nicolas Cage, wirkt meiner Meinung nach etwas deplaziert, erledigt jedoch trotz alledem einen professionellen Job. Weniger professionell waren dagegen die Dialogschreiber, die Sam allerlei nicht sonderlich lustige Witze und Sprüche auf das Auge drückten. Gegnergespräche sind dagegen hörenswert und strotzen vor lauter gutem Humor. Ansonsten gibt es nichts Negatives. Dolby Pro Logic II Kodierung ist ebenso an Bord wie eine kleine, aber feine Musikauswahl, die genau so klingt, wie man sie in Agentenspielen erwartet. Den Soundeffekten wird schon wie in den Vorgängern eine besonders hohe Aufmerksamkeit entgegen gebracht, nehmen sie doch einen sehr wichtigen Pfeiler in dem Gameplaygerüst ein. So muss das sein!

Die Steuerung unseres Helden (3rd Person - 2 Sticks) geht geübten Spielern locker von der Hand. Neueinsteiger werden eine oder zwei Missionen benötigen, um die Steuerung zu verinnerlichen. Doch dann gehen selbst die gewagteren Manöver problemlos von der Hand, zumal viele Aktionen durch eingeblendete Auswahllisten aktiviert werden können. Ein klassisches Tutorial sucht man zumindest in der Einzelspielerepisode vergeblich. Lediglich ein sogenanntes Ausbildungsvideo steht dem zukünftigen Agenten zur Verfügung, das auf der linken Bildschirmhälfte die verschiedensten Bewegungen und Manöver von Fischer zeigt und auf der rechten Seite die erforderlichen Eingaben anhand eines 3D-Controllerschemas einblendet Meines Erachtens kein wirklicher Ersatz, da man sich nur schlecht auf beides konzentrieren kann.

Was mir allerdings richtig sauer aufstößt, sind sie unzähligen Ladebildschirme und Ladezeiten. Es dauert schlichtweg ewig, in den Menüs zu navigieren und ein Spiel zu laden. Anscheinend war Ubi Soft gewillt Ghost Recon 2 vom Thron zu schubsen und mit Splinter Cell: Chaos Theory einen neuen Rekord aufzustellen. Wenn ich für ein Menü mit 3D-Hintergrund geschlagene 10 Sekunden warten muss, vergeht mir die Lust am Zocken. Auch der mehrmalige Zugriff auf die Memorycard artet beim Starten fast zum Geduldsspiel aus. Ähnlich verhält es sich beim Speichern während der laufenden Mission. Kombiniert wird das alles noch mit einer umständlichen Menüführung, die aus verschiedenen Ebenen besteht, welche jeweils separat geladen werden. Auch mit dem Platz auf eurer Memorycard geht man bei Splinter Cell nicht gerade sparsam um. Knapp 600 kB wird für ein Profil verlangt, im Koop-Modus ist man sogar dazu gezwungen, ein zweites Profil für Spieler 2 anzulegen, welches wiederum mit der gleichen Datenmenge zu Buche schlägt.

FAZIT:

Eines haben Tom Clancy Spiele neuerdings gemein - die Story ist nicht gerade von guten Eltern. Klischeebeladen und mit simplen Gut/Böse Mustern angereichert, erscheint es mir langsam ratsam, den Zusatz Tom Clancy unter den Tisch fallen zu lassen. Das ändert allerdings wenig daran, dass Splinter Cell: Chaos Theory seinen Vorgängern alle Ehre macht und mit erstklassigem Stealth-Gameplay aufwarten kann. Zwar sind die spielerischen Neuerungen etwas marginal ausgefallen, doch kann die gute Technik den Spieler im Singleplayermodus fesseln. Etwas weniger gelungen ist der Onlinemodus, der im Prinzip nur ein Update der bekannten Modi aus dem Vorgänger ist. Kein Wunder also, dass man bei Ubi Soft gleich die alte Engine genommen hat. Zudem erklärt sich dadurch auch die Frage, warum der Koop Modus nicht online spielbar ist. Mit etwas mehr Mühe wäre sicherlich auch Chaos Theory in seiner vollen Pracht online stabil gelaufen, aber so erweckt es den Anschein, als ob man sich nicht so recht in die Sache hineingekniet hat.

[ Review verfasst von Justicer ]

Pluspunkte:

  • Speichern während der Mission möglich
  • Koop- und Online-Modus
  • Sehr gute Grafik

Minuspunkte:

  • Onlinemodus basiert auf Splinter Cell: Pandora Tomorrow Engine
  • Koop-Modus praktisch unbrauchbar
  • Schwache Story


Infos zum Spiel
NameSplinter Cell: Chaos Theory
SystemPlayStation 2
HerstellerUbisoft
EntwicklerUbisoft
GenreTaktik-Shooter
USKab 16 Jahren
Preis59,99 €
PlatinumNein
Release
 01.04.2005
 28.03.2005
 17.11.2005
Spielerzahl4
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf580 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IIJa
EyeToyNein
HeadsetJa
Mehr...

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Screenshot Galerie
Splinter Cell: Chaos Theory
Gameplay
9.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
9.0
Sound
9.0
Singleplayer
9.0
Multiplayer
7.5

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