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Enthusia: Professional Racing
5. Juni 2005

Gran Turismo hier, Gran Turismo dort - will man eine realistische Fahrsimulation spielen, führt kein Weg an dem Sony Titel vorbei. Selbst in der vierten Auflage kann man den Genrekönig, trotz einiger Schwächen, nach wie vor uneingeschränkt empfehlen. Warum eigentlich? Immerhin müsste es doch zahlreiche Konkurrenten geben, die der Bestsellerreihe den Rang streitig machen wollen. Aber aus irgendeinem Grund traut sich niemand an den Champ - zumindest bis jetzt. Konami, bekannt für zahlreiche Top-Titel wie Silent Hill, Metal Gear Solid und Zone of the Enders, will als Neuling im ernsthaften Rennspielbereich gleich ganz vorne mitmischen. Ob den Japanern dieses Kunststück mit Enthusia: Professional Racing gelingt, wird unser ausführlicher Test zeigen.

Enthusia Life

Eines muss man den Entwicklern lassen, schon das Intro weiß dank ausgefallener Präsentation und eigenwilliger Optik (es erinnert mehr an einen Musikclip, als an typische Rennspieleinführungen) zu überzeugen. Es macht einfach Lust auf mehr. Im Hauptmenü angekommen, warten mehrere Optionen auf den Spieler. Herzstück und Hauptschwerpunkt des Spiels ist der Enthusia Life Modus. In diesem Modus muss sich der Spieler von ganz hinten, nach ganz vorne kämpfen und zum besten Rennfahrer der Welt avancieren. Das ist leichter gesagt als getan, muss man sich doch um knappe 1000 Plätze verbessern. Erschwert wird die Situation durch die Einführung eines dynamischen Wochensystems. Damit entspricht jedes gefahrene Rennen einer Woche, abgebrochene oder verlorene Events können nicht wiederholt werden, wodurch ihr einen Punkteverlust hinnehmen müsst. Zudem kostet das Wechseln eures fahrbaren Untersatzes und das Auffüllen der Enthu-Punkte wertvolle Zeit - Zeit in der ihr keine Rennen fahren könnt. Das macht sich dann meistens in Platzverlusten bemerkbar. Wer also ganz vorne mitmischen möchte, muss eine kontinuierliche Leistung vorweisen. Aber nicht nur Siege zählen, sondern vor allem die Punktechancen. Wer nur leichte Rennen mit guten Wettfaktoren gewinnt, braucht sich nicht wundern, warum er trotzdem nicht aufsteigt. Nur wer nach und nach auch die anspruchsvolleren Kurse in kaum überlegenen Wagen meistert, darf  auf viele Punkte hoffen. Ihr seht, im Grunde wirkt sich das Können des Spielers recht dynamisch auf das „Vorwärtskommen" im Spielverlauf aus. Dadurch entsteht ein immerwährendes Bestreben nach besseren Platzierungen. Im Klartext: Ihr startet immer wieder ein Rennen, frei nach der Devise: Nur noch 20 Platze nach vorn.

Etwas misslungen ist dagegen das Enthu-Punkte System. Zwar soll es den Spieler dazu motivieren, die Rennstrecken besser zu meistern und Karambolagen zu vermeiden, jedoch wirkt die Umsetzung etwas unausgegoren. Prinzipiell besitzt jeder Fahrer einen Enthu-Balken. Von diesem Enthu-Balken werden bei Bandenberührungen, Zusammenstößen mit anderen Fahrzeugen und auch beim Fahren im Kiesbett Punkte abgezogen. Erreicht die Anzeige während eines Rennens die magische Ziffer „0", bekommt ihr (egal ob ihr gewonnen habt) in der Auswertung keine Skillpunkte gutgeschrieben. Letztere dienen zur Erhöhung und Erholung des Enthu-Balkens und zum Tunen (das bei Enthusia automatisch geschieht) des eingesetzten Fahrzeugs. Dummerweise scheint dieses System jedoch nur auf den Spieler zuzutreffen, da die Computerfahrer sich einen Dreck darum scheren. Schlimmer noch, der Spieler wird sogar mit Punkteabzug bestraft, wenn die KI (Künstliche Intelligenz) Fahrer in sein Heck rauschen. Und Karambolagen sind zumindest in der Startphase der Rennen nicht zu vermeiden, denn schließlich will ja jeder auf der Ideallinie fahren. Somit ist es ratsam insbesondere vor schwierigen Strecken oder harten Konkurrenten immer über einen ordentlichen Vorrat an Enthu-Punkten zu verfügen.

VG-WAS???

Zentraler Bestandteil und laut der Entwickler auch ein wichtiges gameplaybindendes Argument ist das VGS - Visual Gravity System. Diese Funktion soll dem unbedarften Videospieler die Fliehkräfte, die während des Fahrens auf das Auto einwirken, verdeutlichen. Dazu gibt es zum einen den schwarzen Rahmen, der sich je nach Kurvenlage auf dem Bildschirm verschiebt und somit das Sichtfenster des Fahrers simulieren soll. Die zweite grafische Anzeige ist in der Mitte zu finden und soll euch den Punkt verdeutlichen, auf dem am Auto die meisten Kräfte einwirken. Weiterhin könnt ihr leicht bemerken, welches Rad, wie blockiert (Kurvendriften, Anfahren). Das alles nutzt aber Ottonormalspieler recht wenig, da man nicht direkt darauf reagieren kann, bzw. die Wirkung nur im Augenwinkel wahrnimmt. Die Frage ist also, braucht man das VGS System? Ich für meinen Teil habe es komplett abgeschaltet, da ich keinen Unterschied in meinem Fahrverhalten mit und ohne VGS feststellen konnte. Man kann also sagen, dass die Entwickler sich mit dem Feature zwar Mühe gegeben haben, der Sinn und Nutzen des Systems allerdings bezweifelt werden darf.

Drive Drive Revolution

Trotz der Stolpersteine ist Enthusia nicht wirklich schwer oder frustrierend geraten. Problemlos habe ich mit meinem AMG Mercedes die Top-Hundert geknackt und fuhr von Sieg zu Sieg. Einzig die letzten Rennen boten eine größere Herausforderung an den geübten Profi, da die hochgezüchteten Highspeed-Boliden etwas mehr Feingefühl beim Lenken benötigen und man permanent schwierige Events in Angriff nehmen muss, damit man immer viele Punkte gutgeschrieben bekommt. Wer jedoch nach wirklich schwierigen Aufgaben sucht, sollte sich dem Enthusia Revolution Modus widmen. Angelehnt an die populären Dance Dance Revolution (in Europa „Dancing Stage") Spiele, müsst ihr mit einem vorgegebenen Wagen verschiedene Markierungen durchfahren, um dadurch unterschiedliche Manöver auszuführen. Am ehestens sind diese Prüfungen mit den Lizenztests von Gran Turismo zu vergleichen, mit dem Unterschied, dass die Konami-Entwickler dem Ganzen einiges mehr Pfiff verpasst haben. Bevor ihr alle Stages erfolgreich mit einem „S"-Ranking absolviert habt, dürfte einiges an Zeit vergehen. Definitiv eine gute Idee, verpackt in einem einfallsreichen und witzigen Modus.

Glückslotterie

Was sich die Entwickler bei der Lotterieziehung nach einem Rennen überlegt - oder besser nicht überlegt - haben, bleibt mir ein Rätsel. Neue Fahrzeuge gewinnt ihr nämlich nur, wenn ihr bei den Veranstaltungen auf dem Siegertreppchen steht und noch das Glück besitzt, die Lotterie zu überstehen. Denn die Autos werden ausgelost und wie beim Glücksspiel so üblich, könnt ihr auch Pech haben und nichts bekommen. Das kann schon ziemlich ärgerlich sein, wenn man an einem bestimmten Wagen interessiert ist. Dafür sehen die Kraftfahrzeugen wenigstens ihren realen Vorbildern zum verwechseln ähnlich und erreichen fast die Qualität von Gran Turismo 4 Modellen. Lediglich die etwas dezenteren Spiegelungen und die fehlenden Rückfahrscheinwerfer fallen negativ auf. Mehr Sorgfalt hat man beim Fahrverhalten walten lassen. Mit eingeschalteten Fahrhilfen steuern sich die Autos wie in Gran Turismo, ohne Fahrhilfen wachsen die Anforderungen an den Spieler zwar, für meinen Geschmack untersteuern die Autos aber viel zu stark. Insbesondere bei den leitungsfähigeren Wagen fällt das stark auf. Auch das Driften geht etwas zu leicht von der Hand. Gerüchten zufolge soll Konami in „letzter Minute" das Handling noch verwässert haben, da es Journalisten auf der Tokyo Game Show `04 noch zu schwer und zu realistisch war. Wie dem auch sei, Gran Turismo Fans sollten vor keine unlösbaren Aufgaben gestellt werden, eine neue Realismus-Göttersimulation darf man anderseits auch nicht erwarten.

Quietschgeräusche

Ein weiteres Manko von Enthusia ist der Sound. Zwar erklingen die Motoren vielfältig und kraftvoll und auch Effekte wie das Reifenquietschen beim Kurvendrift wurden hervorragend (manches sogar besser als in Gran Turismo 4) eingefangen, allerdings bekommt man das Soundgewitter nur in läppischer Stereoabmischung zu hören. Das sorgt natürlich für Abzug, denn gerade bei aktuellen Spielen ist eine anständige Dolby Pro Logic II Abmischung unabdingbar. Das Ohr hört schließlich mit! Beim Soundtrack gehen die Meinungen dagegen auseinander. Ich persönlich finde die stimmungsvollen und poppigen Melodien erfrischend und unterhaltsam. Da verschmerzt man sogar die Tatsache, dass es pro Strecke nur ein Lied gibt, das dann im Loop abgespielt wird. Anderseits wird es auch Spieler geben, denen der leicht japanisch angehauchte Pop-Soundtrack nervig erscheinen wird. Das ist halt Geschmackssache, ich finde es erfrischend nicht immer nur zweitklassige Songs lizenzierter Künstler zu hören (wie es in letzter Zeit gang und gebe ist), sondern rausche lieber zu hymnenhafter Enthnomusik über die Nordschleife.

Wintertraum

Technisch gibt sich Enthusia keine Blöße und präsentiert sich mit felsenfesten 50 Bildern pro Sekunde. Weder Slowdowns noch Ruckler trüben das Renngeschehen oder beeinflussen die Präzision der Steuerung - genau so muss das sein. Das man dafür gerade bei den Texturen der Umgebungsgrafik etwas Sparen musste, lässt sich verschmerzen. Immerhin glänzen die abwechslungsreichen Kurse mit einem leichten Arcadetouch (a la Ridge Racer) und Regen- bzw. Nachtfahrten. Besonders imposant fand ich die Nachtvariante des Tsubaka Cursuits, die nicht nur stimmungsvoll aussieht, sondern gleichzeitig auch größere Anforderungen an den Fahrer stellt. Die Nordschleife ist den Entwicklern dagegen nicht ganz so gut geglückt, vermisst man doch die zahlreichen Bodenwellen, welche für den gewissen Nervenkitzel auf der Strecke sorgen. Enttäuscht bin ich zudem von der angekündigten zufallsgenerierten Wüstenstrecke, die mir im Spiel jedoch immer (!) Gleich vorkam. Zu den Fahrzeugmodellen habe ich weiter oben schon etwas geschrieben, so dass ich euch noch auf das leichte Flimmern (streckenabhängig) aufmerksam machen kann. Das ist zwar minimaler als bei Gran Turismo 4 hätte aber trotzdem vermieden werden können.

FAZIT:

Enthusia ist für ein Erstlingswerk nicht mal schlecht geraten und macht  trotz zahlreicher kleiner Macken sogar richtig Spaß. Nur leider gibt es da noch Sonys Gran Turismo 4, welches in praktisch allen Belangen besser  bzw. gleichwertig ist. Enthusia`s Problem liegt ganz einfach darin, dass es in den Bereichen nicht punkten kann, in denen Gran Turismo 4 Versäumnisse aufzeigt. Wo ist der Onlinemodus? Wo ist das Schadensmodell? Wo ist die realistischere Fahrphysik? Wo ist die Intelligenz der Computerfahrer? Würde Enthusia Antworten auf diese Fragen bieten, wäre es eine klare Alternative zum Rennspielchampion. So aber bleibt der Konami Titel im Grunde ein gutes Spiel, dass jedoch in den entscheidenden Bereichen nicht an dem Vorbild vorbeiziehen kann. Deshalb empfehle ich das Spiel eher den Zockern, die Gran Turismo 4 mittlerweile in- und auswendig kennen und neue Herausforderungen suchen. Alle anderen sind mit Sonys Rennspiel wesentlich besser bedient.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Hohe und stabile Framerate (50fps)
  • Innovationen durch abwechslungsreiche Modi
  • Gute Strecken- und Fahrzeugauswahl

Minuspunkte:

  • Manche Gameplayelemente nicht zu 100% zu Ende gedacht 
  • Dumme KI Gegner 
  • Viele kleine Mängel (siehe Text)


Infos zum Spiel
NameEnthusia: Professional Racing
SystemPlayStation 2
HerstellerKonami
EntwicklerKonami
GenreRennspiel
USKohne Altersbeschränkung
Preis59,95 €
PlatinumNein
Release
 06.05.2005
 03.05.2005
 17.03.2005
Spielerzahl2
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf465 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IINein
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Enthusia: Professional Racing
Gameplay
8.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
8.5
Sound
7.5
Singleplayer
8.0
Multiplayer
6.5
 

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