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Pursuit Force
23. Oktober 2005

Siehe an, was lag denn da, verpackt in einen unscheinbaren Umschlag eines Tages in meinem Briefkasten? Ein perfekt aufgemachtes Promopackage zu dem kommenden PSP Actionspiel Pursuit Force. Nachdem ich schon auf der Games Convention die Möglichkeit hatte, mich mit den Entwicklern zu unterhalten und auch das Spiel vor Ort ausgiebig antesten konnte, war ich natürlich wahnsinnig überrascht, als ich zwei Monate vor der regulären Veröffentlichung mit einem Rezensionsexemplar bedacht wurde. Nach ausgiebigem Spielen, steht mein Fazit fest. Auf den folgenden Zeilen erfahrt ihr, ob Pursuit Force der erhoffte Actionkracher geworden ist, oder ob wieder einmal zuviel Wirbel um nichts gemacht wurde.

OLD SCHOOL

Klassische Arcadekonzepte sucht man heutzutage vergebens, stattdessen dominieren einfallslose Ego-Shooter oder das 1023te Rennspiel die Charts. Gott sei dank bietet sich die tragbare PlayStation eben gerade für solche kurzweiligen Spiele an. Zum Beispiel kann man während einer Pause oder einer Zugfahrt, schnell die PSP aus der Tasche holen, anschalten und ein Spiel für 15 Minuten zocken. Und eben für solche Gelegenheiten wurde Pursuit Force konzipiert. Angelehnt an das kultige Chase HQ, müsst ihr Verbrecher auf Highways verfolgen und ausschalten. Aber im Gegensatz zum Taito Klassiker, rammt ihr die anderen Fahrzeuge nicht von der Straße, sondern springt einfach auf die Motorhaube der Fahrzeuge und erledigt die Insassen. Das hat natürlich den praktischen Vorteil, dass ihr immer wieder einen neuen Untersatz fahren könnt. Doch so einfach, wie es sich in der Theorie anhört, ist es dann aber nicht...

Als Mitglied der „Pursuit Force“ erwarten euch im Hauptmenü neben dem Karrieremodus, noch die beiden Spielmodi Zeitrennen und Rennen. Während ihr beim Zeitrennen gegen die Uhr auf den verschiedensten Strecken antretet, müsst ihr bei den Rennen unterschiedliche Missionsziele erreichen. Das macht die Sache natürlich interessanter, denn Aufgaben wie der Transport von Uran sorgen für ausreichend Nervenkitzel. Bemerkenswert ist zudem, dass gerade auf den Stadtstrecken immer ein gewisses „Burnout-Feeling“ aufkommt. Dank reichlichem Gegenverkehr, Schadensmodell und abwechslungsreicher Kulisse könnten Unbedarfte die Spiele durchaus verwechseln. Schade nur, dass man auf einen richtigen Rennmodus mit Computergegnern, oder menschlichen Spielern verzichtet hat, dass hätte die Langzeitmotivation nämlich gewaltig in die Höhe geschraubt. Aber kommen wir zurück zum Karrieremodus, dem eigentlichen Herzstück des Titels.

Ich bin ein Polizist

Im Karrieremodus startet ihr von ganz unten, sozusagen frisch von der Akademie gekommen und müsst euch nach und nach durch die verschiedensten Ränge bei der Pursuit Force arbeiten. Dementsprechend ist euer erster Auftrag auch relativ „easy“, denn ihr müsst bei dieser Mission, nur einen Informaten zum Flughafen bringen. Wer sich jetzt eine Kaffeefahrt vorstellt, liegt jedoch falsch. Denn die Capelli Family will das verhindern und hetzt euch eine ganze Horde Killer auf den Pelz. Der Spieler muss nun das Fahrzeug inkl. Informant sicher zum Zielort schaffen. Dabei zählt ein gesunder Bleifuß genauso, wie ein treffsicheres Auge. Denn ihr könnt den Gangstern nicht durch perfekte Fahrweise entkommen, sondern müsst zwangsläufig zurückschießen. Je nachdem wie treffsicher ihr wahrt und wie schnell ihr es zum Ziel geschafft habt, bekommt ihr nach dem Abschluss einen Missionsrank zugewiesen. Dieser Rank dient im Zusammenspiel mit der Punktewertung als Vorbote von eventuellen Beförderungen. Im Laufe des Spieles werdet ihr es mit insgesamt fünf verschiedenen Gruppierungen zu tun haben. Da gibt es die Militär-Freaks, die High-Tech Amazonen und die Knastis. Jede Gang besitzt ihre eigenen Fahrzeuge, ihren eigenen Stil und eigene Waffen. Doch glaubt nur nicht, dass alle Missionen gleich verlaufen. Im späteren Spielverlauf müsst ihr beispielsweise den Präsidenten beschützen, einen Nuklear-Transport sicher zum Ziel begleiten, oder gemeingefährliche Killer jagen. Innerhalb einer Mission wechseln sich Verfolgungsjagden per Auto mit reinen Ballereinlagen aus Helikoptern ab, genauso wie Bootsaction zu Wasser mit Schleicheinsätzen zu Fuß. Da der Spielverlauf nicht linear aufgebaut ist, könnt ihr praktisch immer Missionen von verschiedenen Gangs auswählen. Am Ende wartet dann der obligatorische Bosskampf auf euch, der nicht wenig an die spektakulären Fights aus klassischen 2D Shootern erinnern. Doch so schön sich das alles anhört, so undurchdacht und unausgeglichen wirkt vieles. Erster großer Kritikpunkt ist das Fehlen eines Checkpointsystems, das gerade bei späteren Missionen für viel Frust sorgen kann. Vielmals reicht nämlich schon oft ein kleines Missgeschick, um die Einsätze zum Scheitern zu bringen und wenn man dann wieder zahlreiche Stellen von neuem meistern muss, die man gerade so beim ersten Durchgang geschafft hat, liegen die Nerven oftmals blank. Weiterhin muss ich bemängeln, dass viele Abschnitte sehr unausbalanciert wirken, so gibt es leichte Missionen und wiederum Bockschwere. Ein ausgeglichener Schwierigkeitsgrad wäre extrem wünschenswert gewesen. Der letzte große Minuspunkt findet sich bei der Kurvensteuerung der Fahrzeuge wieder. Selten lassen sich die vielen 90° Kurven per Drift nehmen und selbst mit Bremsmanövern kratzt man viel zu oft an der Bande entlang. Einen nicht ungewichtigen Anteil daran hat sicherlich die starre Kamera, die nicht mit dem Fahrzeug mitgeht, sondern erst hinterher schwenkt, wenn man die Kurve bereits hinter sich gelassen hat.

Last but not least, ist das Sprungsystem, mit dem man von Fahrzeug zu Fahrzeug springt und selbige kapert, nicht ganz ausgereift. Beispiele gefällig? Wenn man auf einer Motorhaube hängt, kann man bei gemeinen Kurven ganz schnell vom Auto fliegen und die Mission als gescheitert betrachten. Oder man nutzt das taktische „in Deckung gehen“ nur recht spärlich, da man in dem hektischen Spielablauf meistens einfach keine Zeit dafür findet. Somit rettet man sich teilweise mit dem letzten bisschen Energie zum spielinternen Nachladezyklus. Das sind zwar jetzt alles Kleinigkeiten, die man aber meiner Meinung nach, hätte vermeiden können. Letztlich läuft also einiges darauf hinaus, wie stressresistent der Spieler ist und wie viel Versuche er investieren möchte, bis er die jeweilige Mission schafft. Nur die Harten werden ohne Cheats das Ende in Pursuit Force sehen – versprochen.

Arcadegrafik

Betrachtet man nur die künstlerische Gestaltung, dann verdient Pursuit Force eine Auszeichnung. Die Levels sind nämlich allesamt äußerst abwechslungsreich gestaltet und bieten neben beeindruckenden Hochhausschluchten, auch mehrspurige Highways, Canyonlandschaften und verschneite Skigebiete. Alle Umgebungen strotzen dabei mit zahlreichen Details und animierten Objekten, wie zum Beispiel vorbei fliegenden Flugzeugen, oder sich im Wind drehenden Windrädern. Doch nicht nur die Landschaften sind eine Augenweide, auch die Fahrzeuge wissen mit einem ausgefeilten optischen Schadensmodell zu gefallen. Bemerkenswert ist zudem, dass der Gegenverkehr den Spielermodellen in Sachen Qualität in nichts nachsteht. Zwar muss man auch bei Pursuit Force mit einigen Framerateeinbrüchen leben, jedoch sind diese eher selten und keineswegs an der Tagesordnung. In Sachen Musik haben sich die Entwickler zudem mit Richard Jacques einen prominenten Komponisten ins Boot geholt, der auch schon für die fabelhaften Soundtracks von Headhunter und MSR (Dreamcast) zuständig war. Die in den Missionen verwendeten orchestralen Parts peitschen den Spieler immer wieder zu neuen Höchstleistungen an und gehen schnell ins Ohr. Da das Spiel komplett Deutsch synchronisiert wurde, darf man einigen guten Sprechern lauschen. Lediglich die Stimme der weiblichen Ansagerin fällt dabei etwas ab.

Bugs und andere Fehler

Obwohl diese Version (0.8) zur Rezension freigegeben ist, strotzt das Spiel nur so von Bugs und technischen Unzulänglichkeiten. Zwar ist anzunehmen, dass der Großteil bis zur Veröffentlichung Ende November beseitigt wird, aber trotzdem ist es meine Pflicht, euch darüber aufzuklären. So bin ich beispielsweise schon in der dritten Mission auf einen gigantischen Glitch gestoßen. Unbeabsichtigt durchfuhr ich eine Streckenbegrenzung und wunderte mich plötzlich, warum auf einmal die Grafik nicht mehr richtig dargestellt wurde. Ein anderes Mal stürzte das Spiel nach einem Teilabschnitt einer Mission komplett ab und dabei hatte ich schon ewig gebraucht, um überhaupt dorthin zu kommen. Weitere Ärgernisse sind zum Beispiel die Startansage beim Zeitrennen, die jedes Mal einen Zahlendreher beinhaltet (3, 1, Start, 2), fehlende Musik beim Neustart mancher Missionen und die vertauschten Kategorien bei der Fahrzeugauswahl in den Rennmodi (so steht z.B. ein Geländewagen in der Kategorie „Boote“).

FAZIT:

Selbst ohne die ganzen Bugs und Glitches unserer Testversion, ist Pursuit Force kein Meisterwerk. Das liegt primär am viel zu happigen Schwierigkeitsgrad, den unausbalancierten Levels und der miesen Kurvensteuerung. Dadurch artet das Spiel schnell in reines Trial & Error aus und dürfte somit jeden Ottonormalspieler vergraulen. Das Action-Puristen trotzdem ihren Spaß haben werden, ist vorstellbar. Denn allgemein hin gilt es als bewiesen, dass Die-Hard Fans besser mit Unzulänglichkeiten leben können, wenn das eigentliche Grundkonzept stimmt. Und eben dieses ist trotz aller Mängel äußerst erfrischend und irgendwie anziehend.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Geradlinige Daueraction
  • Hübsche Grafik
  • Mit Herzblut entwickelt

Minuspunkte:

  • Zu Schwer und Unausbalanciert
  • Wenig Langzeitmotivation
  • Viele Bugs und technische Mängel in der Testversion


Infos zum Spiel
NamePursuit Force
SystemPlayStation Portable
HerstellerSony
EntwicklerBigbig Studios
GenreAction
USKab 16 Jahren
Preis49,99 €
PlatinumJa
Release
 22.11.2005
 08.03.2006
 02.03.2006
Spielerzahl1
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusNein
InfrastructureNein
Ad-hocNein
DownloadcontentNein
Memorystick320 KB
Mehr...

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Screenshot Galerie
Pursuit Force
Gameplay
8.5
Atmosphäre
7.0
Grafik
8.5
Sound
9.0
Singleplayer
7.5
 

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