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Need for Speed: Most Wanted
3. Januar 2006

Was, dieses Jahr gibt es kein neues Need for Speed: Underground? Was ist passiert? Hat EA etwa das Konzept weiterentwickelt und bringt uns ein komplett neues Spielerlebnis auf den Fernsehbildschirm? Ja und nein. Während Need for Speed: Most Wanted sich in vielerlei Hinsicht von den beiden Vorgängern unterscheidet, existieren nach wie vor mehr als genug Parallelen um den Titel in eine ähnliche Schublade einzuordnen. Da aber letzten Endes das Gesamtergebnis zählt, habe ich mich für euch auf die rauen Straßen von Rockport City begeben und berichte ausführlich von meinen Eindrücken.

Surprise, Surprise

Die größte Überraschung wird gleich am Anfang verraten. In „Most Wanted“ wird nämlich nicht mehr nur in den Abendstunden bzw. in der Nacht gefahren. Um genauer zu sein, man steigt überhaupt nicht mehr in sein Auto ein, sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist. Zwar hatte ich mir auch gewünscht, endlich einmal wieder am Tage in Need for Speed die Straßen unsicher zu machen, aber das man dafür gleich komplett auf die Abendstunden verzichtet, war nicht Bestandteil meines Wunsches. Zur Ehrenrettung sei jedoch gesagt, dass es immerhin drei unterschiedliche Tageszeiten gibt - die aber leider nicht sonderlich in der braun-gelben Hölle namens Rockport auffallen. Diese Stadt beherbergt dafür den Schauplatz für das bisher storylastigste Need for Speed Videospiel.

Als erfahrener und gestandener Street Racer sucht man in dem verschlafenen Küstenstädtchen neue Herausforderungen in der lokalen Tuningszene. Mit einem hoch gezüchteten BMW M3 wendet man sich natürlich gleich an den örtlichen Obermacker und gibt sich nicht lange mit den „Losern“ ab. Dumm nur, das Razor, der lokale „Chef“, kein Freund von Fairness ist und ihr kurzer Hand euer wertvolles Auto bei einem Duell verliert. Und als ob das nicht schon reichen würde, wartet auch noch der Sheriff auf euch und verfrachtet euch für ein paar Tage hinter Gitter. Als Glück im Unglück könnte man den Umstand bezeichnen, dass ihr ja kein Fahrzeug mehr besitzt, weshalb euch die Polizei wieder laufen lassen muss. Kaum aus dem Gefängnis raus, wartet schon die geheimnisvolle Schönheit Mia auf euch, die euch nicht nur mit Tipps im laufenden Spiel versorgt, sondern euch auch mit ein paar Dollar wieder auf die Beine hilft. Das Ziel ist klar: Rache an Razor nehmen und den eigenen Wagen zurückgewinnen. Um jedoch gegen den tätowierten Fiesling ganz „legal“ antreten zu können, müsst ihr erst in der Blacklist genannten Rangordnung aufsteigen. Nur wenn ihr den zweiten Platz erobert, muss sich das Großmaul euch stellen...

Schwarze Liste

Wie der Name schon suggeriert, ist die Blacklist kein Einkaufszettel, sondern eine Auflistung der gefährlichsten Street Racer in Rockport und Umgebung. Um jedoch gegen einen dieser „Harten Kerle“ antreten zu können, müsst ihr euch erst einmal Respekt verschaffen. Den bekommt ihr, indem ihr diverse Rennen und Meilensteine absolviert. Während ein Großteil der Events in ähnlicher Form schon in den Vorgängern existierte, haben sich ein paar Neuerungen dennoch eingeschlichen. Wie zum Beispiel die Radarfallenveranstaltungen, bei denen nicht zählt, wer als erster durch das Ziel rauscht, sondern wer sich bei den, auf der Strecke verteilten, Radarfallen mit der höchsten Geschwindigkeit blitzen lässt. Das macht tierisch viel Spaß und ist eine willkommene Abwechslung. Verschlechtert haben sich dafür im Gegenzug die Drag-Rennen. Während früher einmal das Schalten der Gänge und Zünden des Nitros im Vordergrund standen, verkommen diese Eigenschaften nun bestenfalls zur Nebensache. Dadurch, dass die Drag-Strecken sehr lang gezogen sind und nicht nur Gegenverkehr bieten, sondern auch mit Kurven und Kuppen aufwarten, wird ein Sieg eher zum Glücksfall. Mit Können hat das jedenfalls nur noch wenig gemein, vielmehr spielt das Glück eine entscheidende Rolle. Die zweite Kategorie, in der man sich beweisen muss, sind die Meilensteine. Bei diesen Herausforderungen handelt es sich jedoch nicht um normale Rennen, sondern um Aufgaben, die mit der Polizei zu tun haben. Neben Blitzerfotos mit bestimmten Geschwindigkeiten, muss man auch eine bestimmte Anzahl an Polizeifahrzeugen  rammen und dann entkommen, oder man muss eine bestimmte Summe an Schaden anrichten und dann erfolgreich verschwinden. So oder so, ist bei den Meilensteinen die Polizei involviert, was uns zu den Verfolgungsjagden bringt.

Fuck the Police

Die Idee, welche hinter der Wiedereinführung der Polizeiverfolgungsjagden steht (letzter Auftritt: NFS: Hot Pursuit 2), ist gar nicht mal so dumm. Allerdings ist die Ausführung im Spiel eher als „Misslungen“ zu bezeichnen. Während die Cops einem nämlich am Heck hängen, fällt es schwer, sie wieder loszuwerden. Denn umso länger man sich mit den Gesetzeshütern abplagt, umso heftiger werden die Verfolgungen. Das geht sogar soweit, dass die Staatsbediensteten mit SUVs den Spieler rammen und Straßensperren errichten. Loswerden kann man die Polizei eigentlich nur durch geschicktes Fahren und dem Ausnutzen von zerstörbaren Objekten. Doch selbst dann ist noch nicht alles ausgestanden. Sobald man die Polizei abgehängt hat, füllt sich so genannter ein Flucht-Balken. Erst wenn dieser Balken voll ist, hat man die Cops erfolgreich abgeschüttelt. Da sich der Balken aber nur langsam füllt, besteht immer wieder die Chance, dass die Polizei euch findet und das ganze Spiel von vorne beginnt. Zwar haben die Designer auch einige Verstecke eingebaut, die den Fluchtbalken schneller voll werden lassen, doch auch diese kann man nur nutzen, wenn man bereits außer Sicht der Gesetzeshüter ist. Schon zu anfangs empfand ich die Polizeiverfolgungen als viel zu langwierig und dadurch extrem nervig. Später wird das dann noch schlimmer und ich hörte mich ein um das andere Mal diese „Gameplayneuerung“ verfluchen! Dabei hätte es so spaßig werden können, wenn die Entwickler darauf geachtet hätten, dass man die Cops schnell und leicht durch gute Fahrkünste wieder abschütteln kann. Denn sein wir doch mal ehrlich, es ist doch totaler Unsinn, wenn ein 08/15 Polizeiwagen meinen 280 PS Tunerschlitten bei Vollgas überholt!

Tuning für Anfänger

Darf man endlich einen anderen Blacklist Fahrer duellieren, fällt der verhältnismäßig niedrige Schwierigkeitsgrad sofort ins Auge. Wirklich herausfordernd sind diese Duelle nämlich niemals. Mit einem voll aufgemotzten Wagen ist es kein Problem, den Gegner immer auf Distanz zu halten Als Siegerbonus winken dem Spieler zwei Auswahlmöglichkeiten aus sechs Symbolen. Während man einerseits spezielle Tuningteile und Vinyls aussuchen darf, verstecken sich unter den Zufallssymbolen neben dem Fahrzeugschein des Gegners auch noch Geldbeträge und Haftentlassungspapiere. Um alles in „Most Wanted“ zu erspielen, kommt man also nicht um mehrmaliges Durchspielen des Storymodus herum. Kleiner Tipp am Rande: Beim ersten Mal empfiehlt es sich immer auf die Zufallssymbole zu setzen, denn mit ein wenig Glück gewinnt man oftmals ein neues, meist schon voll aufgemotztes Fahrzeug. Mit diesem Schlitten übersteht man wiederum die nächsten Rennen, bis man wieder ein neues Fahrzeug besitzt. Es ist also quasi überflüssig, sich ein eigenes Auto zu kaufen und das dann mit viel Geld aufzutunen. Und das hat auch seinen Grund. Die Tuningmöglichkeiten haben in „Most Wanted“ nämlich gegenüber den Vorgängern drastisch abgenommen. So darf man nicht mehr Heck- und Frontschürze extra auswählen, keine Spiegel mehr kaufen und auch keine Lichter mehr tauschen. Das alles findet sich in wenigen kompletten Bodykits wieder. Auch bei den Vinyls wurde gespart – nicht nur bei der Auswahl, sondern auch bei der Vielfalt. So kann man beispielsweise keine mehrschichtigen Aufkleber mehr auftragen. Für gestandene Tuningfans ist „Most Wanted“ somit ein regelrechter Rückschritt. Enttäuschend!

You drive me crazy

Gewöhnungsbedürftig ist zumindest am Anfang das überarbeitete Fahrmodell. Zwar ist „Most Wanted“ immer noch in erster Linie ein Arcadespiel, aber die hoch gezüchteten Boliden lenken sich nun weitaus realistischer. Dreher durch zuviel Gas und Bordsteinkanten wirken sich jetzt verstärkt auf das Fahrverhalten aus. Insgesamt also eine Verbesserung, wenn man vernünftig steuern könnte, denn durch die rucklige Grafik wird das nämlich praktisch unmöglich. Damit man trotzdem noch um steile Kurven fahren kann, haben die Entwickler eine weitere Neuerung eingebaut. Die Rede ist von dem Speedbreaker, der euch auf Knopfdruck in eine Art Zeitlupenmodus versetzt, in dem ihr gefahrlos auch die schwierigsten Passagen nehmen könnt. In der Praxis erweist sich diese Hilfe jedoch als ziemlich nutzlos, da man mit gekonnten Drifts (soweit es die miese Framerate erlaubt) auch die gröbsten Problemstellen umfahren kann. Einen richtigen Rüffel fangen sich die Entwickler dagegen für die misslungene Padbelegung ein. Bei keiner der insgesamt zehn möglichen Konfigurationen ist es möglich mit der X-Taste Gas zu geben und auch noch mit einer anderen Taste die Perspektive zu verändern. Und das obwohl immer noch ein oder zwei mögliche Tasten verfügbar sind. Es ist mir einfach schleierhaft, wie man nach so vielen Need for Speed Spielen noch einen solchen Fehler machen kann.

PSOne Forever!

Auch heute noch drehe ich gerne ein paar Runden mit Ferrari und Co. in Need for Speed: Hot Pursuit 2 auf der PlayStation 2. Zwar verfügt auch dieses Spiel über keine souveräne Framerate, aber dafür weiß es immerhin mit schicken Automodellen und einer herrlichen Umgebungsgrafik zu überzeugen. Umso größer war der Schock, als ich mich erstmals hinter das Steuer meines BMW M3 in „Most Wanted“ klemmte. Wie hässlich sieht denn das bitteschön aus? Alles ist eine braun- gelbe Melanche, die dank lächerlich aufgelöster Texturen und einem allgegenwärtigen Blurreffekt zu einer einzigen verschwommenen matschigen Masse mutiert, die bestenfalls noch auf der PlayStation 1 hätte überzeugen können. Besonders die extrem übel in Szene gesetzten transparenten Wolken, verfolgen mich auch heute noch im Schlaf. Gelungen sind dagegen die Automodelle, die mit einer tollen Modellierung und recht ansehnlichen Lichteffekten zu gefallen wissen. Da verschmerzt man auch, dass das ein oder andere Vinyl etwas zu grob aufgelöst ist und dadurch ziemlich pixelig wirkt. Einen der wenigen coolen Effekte kann man bewundern, wenn man aus einem Tunnel brettert. Dann überflutet nämlich das grelle Sonnenlicht kurzzeitig den ganzen Bildschirm. Aber was nützt die ganze Effekthascherei, wenn neben der Umgebungsgrafik auch noch die Framerate unter aller Sau ist. Zu keinem (!) Zeitpunkt läuft das Spiel auch nur annähernd flüssig. Wenn mehrere Polizeifahrzeuge euch am Heck klemmen oder zwei Gegner vor euch rumkurven, gibt es sogar richtig heftige Slowdowns. Dass die wenig berauschende Optik auch kein brauchbares Speedgefühl erzeugen kann, dürfte dann niemanden mehr überraschen. Aber selbst das ist noch kein Grund, auch noch die restliche Präsentation zu versauen. Denn eines steht fest, die schlecht aufgelösten Rendervideos ruckeln wie die Hölle und das hätte man mit ein wenig mehr Mühe definitiv vermeiden können. So nicht EA!

Music for the angsty Generation

Es ist schon eine schwierige Sache, den passenden Soundtrack zusammenzustellen. Schließlich muss die Musik das Spielgeschehen unterstützen und trägt in vielen Fällen nicht unwesentlich zur Atmosphäre bei. So gesehen, empfand ich die „Underground 1 & 2“ Soundtracks immer als gelungen und abwechslungsreich - die Songauswahl passte einfach zum Gameplay. Bei „Most Wanted“ ist das nicht der Fall. Vielmehr ist die hier gebotene Musikauswahl das Nervigste, was meine Ohren seit langem ertragen mussten. Drittklassige Ami-Hypebands wie Avenged Sevenfold und Mastodon wechseln sich mit abgehalfterten Elektrogrößen wie The Prodigy ab und ließen mich schon nach einer Stunde Spielzeit den Lautstärkeregler für die Musik runterdrehen. Da kann man sogar darüber froh sein, dass man gerade mal mickrige 26 Songs zu hören bekommt. Gäbe es nämlich mehr von dieser schrecklichen „Musik“, würde ich mir die Lauscher freiwillig abschneiden! Unter diesem Lärm geht übrigens auch das eigentlich nette (zuschaltbare) Feature mit der interaktiven Musik, die immer bei Verfolgungsjagden einsetzt, total unter. Über ein weiteres neues „Feature“ bin ich mir noch uneinig: Sobald ihr mit eurem Fahrzeug nämlich über Straßenkuppen springt, setzt die Musik kurzzeitig aus. War das so gewollt oder ist das nur ein Hinweis auf weitere schlampige Programmierung? Ordentlich klingen dagegen die Motorensounds und die deutsche Sprachausgabe. Ersteres röhrt fett aus den Boxen, während bei Letzterem alle Sprecher äußerst professionell klingen.

Ich sehe schwarz

Zum fünfzehnjährigen Jubiläum der Serie brachte Electronic Arts nicht nur die normale Version von Need for Speed: Most Wanted in den Handel, sondern auch ein paar Exemplare der limitierten BLACK Edition. Diese bietet gegenüber der Standardvariante nicht nur ein anderes Cover, sondern auch ein paar Extras. Neben einem Making Of und anderen Videos / Konzeptzeichnungen, warten auf den Spieler zudem noch ein paar neue Fahrzeuge (darunter auch das einzige Muscle Car im Need for Speed Fuhrpark), sowie einige exklusive Vinyls.

Weniger Mühe hat sich EA allerdings mit dem Multiplayermodus der PS2 Version gemacht. Obwohl anfangs noch groß angekündigt, entfernte man den Onlinemodus wenige Wochen vor Auslieferung. Sehr zum Ärgernis der vielen Fans, denn immerhin konnte man „Underground 1“ und „Underground 2“ auch schon über das Internet spielen. Für mich ist das nur ein weiterer Beweis dafür, mit wie wenig Aufwand EA die PS2 Version fertig stellte. Hauptsache vor Weihnachten in den Läden – die Qualität ist dabei egal, die Leute werden es sowieso kaufen.

FAZIT:

Jedes Jahr ein neues Need for Speed und jedes Jahr nimmt die Qualität weiter ab. Der jüngste Vertreter der einstmals genialen Serie, ist nach meiner Meinung sogar der bisherige Tiefpunkt der Reihe. Dabei liegt das weniger am ganz brauchbaren Spielkonzept, als vielmehr an der miesen Technik und den vielen anderen Macken, wie zum Beispiel: Wenig Tuningabwechslung, eine grafisch hässliche Stadt als Schauplatz, ein grottiger Soundtrack und dieses ultra nervige Polizei-Feature. In der Summe versalzen diese vielen Ärgernisse den gesamten Spielspaß. Somit bleibt mir nur übrig, euch von der PS2 Variante von Need for Speed: Most Wanted abzuraten. Eigentlich ist es sogar schon richtig frech, wie Publisher EA das Sony Publikum mit dieser üblen Portierung abspeisen will. Finger Weg!

[ Review verfasst von .ram]

Pluspunkte:

  • Wirkt filmischer als die Vorgänger
  • Man fährt endlich wieder tagsüber
  • Neben Tunern auch Sportwagen vorhanden

Minuspunkte:

  • Hässliche Grafik
  • Nervige Polizeiverfolgungsjagden
  • Kein Onlinemodus für die PS2 Version


Infos zum Spiel
NameNeed for Speed: Most Wanted
SystemPlayStation 2
HerstellerElectronic Arts
EntwicklerEA Black Box
GenreRennspiel
USKab 12 Jahren
Preis59,99 €
PlatinumJa
Release
 23.11.2005
 15.11.2005
 22.12.2005
Spielerzahl2
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf98 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IIJa
EyeToyNein
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Screenshot Galerie
Need for Speed: Most Wanted
Gameplay
7.0
Atmosphäre
7.0
Grafik
4.5
Sound
5.0
Singleplayer
6.0
Multiplayer
4.0
 

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