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L.A. Rush
25. Januar 2006

Kann sich noch jemand an die Test Drive Serie erinnern? Ihren Höhepunkt hatte die Rennspielreihe vor vielen Jahren mit dem dritten Spiel. Seitdem ging es nur noch bergab. Egal ob auf der PSOne oder der PlayStation 2, kein Test Drive Spiel konnte auch nur annähernd in irgendeine Spielspaßregion vorstoßen. Verantwortlich für diese Franchise Schändung war der britische Entwickler Pitbull Syndicate, der es trotz miserabler Produkte bis heute geschafft hat, im rauen Softwarebusiness zu überleben. Wegen dieser wenig ruhmreichen Vergangenheit hegte ich auch starke Zweifel gegenüber L.A. Rush. Denn wie die Test Drive Serie, ist auch die Rush Reihe weltbekannt und schlichtweg kult. Warum sollte also ausgerechnet ein Entwickler, der soviel unspielbaren Müll auf die Menschheit losgelassen hat, auf einmal ein gutes Videospiel programmieren? Das sich meine schlimmen Vorahnungen beim Spielen der Testversion bestätigten, beweist nur mal wieder eine Sache: Einmal Schrott Entwickler, immer Schrott Entwickler.

Pimp my Ride

Unfassbar und vollkommen unverständlich ist die rücksichtslose Vergewaltigung des eigentlichen Spielkonzepts. Boten die früheren Rush Spiele leicht zugängliches Arcade Gameplay mit vielen Spielmodi und einer effektgeladenen Grafik, wirft der neueste Teil all diese Tugenden komplett über Bord. Viel lieber setzt man auf die nach wie vor boomende Tuning Racer Klientel. Im Klartext bedeutet das, es gibt eine langweilige aber frei befahrbare Stadt, lizenzierte Amischlitten, nervige Checkpointrennen, Proll Tuning und einen drittklassigen Lizenzsoundtrack. Aber selbst mit diesem uninspirierten Konzept hätte man immer noch ein halbwegs passables Spielerlebnis auf die Beine stellen können. Doch was letztlich daraus geworden ist, verdient die Auszeichnung Gurke des Jahres!

Smack my bitch up

Eine „Goldene Himbeere“ (Hollywoods Auszeichnung für die schlechtesten Filme) sollte die Hintergrundgeschichte von L.A. Rush bekommen. In der Rolle von Trickz, einem durch illegale Autorennen reich gewordenen Straßenpimp, gibt man Partys am laufenden Band. Dumm nur, dass der neidische Industrielle Lidell es auf Trickz`s Fahrzeugsammlung abgesehen hat und ihm diese sozusagen per einstweiliger Verfügung „legal“ unter dem Arsch entwendet. Nur einen alten Nissan, Trickz erstes Auto, lässt er auf dem Hof des Luxusanwesens zurück. Logisch, dass sich Trickz und seine Freunde diese Tat nicht gefallen lassen und kurzum fordern sie den Bösewicht heraus - bei illegalen Straßenrennen! Zwischen den Rennen wischt Trickz zudem Lidell immer wieder eins aus und klaut nacheinander seine eigenen Autos zurück. Wahnsinn, was für eine geniale Geschichte!

Das Spiel bietet euch als Spielwiese ein recht akkurat nachgebautes und dementsprechend riesiges Los Angeles, das ihr frei erkunden könnt. Das eigentliche Spielgeschehen ist dabei recht linear aufgebaut. In den verschiedenen Bezirken warten insgesamt immer drei Rundenrennen auf euch. Qualifiziert ihr euch durch diese, schalten sich weitere Events frei. Diese Rennen sind dann fast ausschließlich Checkpointrennen, bei denen ihr eine Markierung nach der anderen abfahren müsst. Im Gegensatz zu anderen Rennspielen, macht sich jedoch hier ein fundamentaler Designfehler bemerkbar. Denn anstatt kurze Distanzen zu den einzelnen Checkpoints zu kreieren, haben es die Entwickler vorgezogen, die Wegpunkte kilometerweit auseinander zusetzen. Teilweise sieht man noch nicht einmal auf der Minikarte am linken unteren Bildschirmrand, wo sich der nächste Wegpunkt befindet. Zwar könnte man jetzt argumentieren, dass eben gerade dieses „Suchen“ eine Herausforderung an den Spieler darstellt, aber dem ist nicht so. Sich durch die dicht befahrenen Straßen kämpfen zu müssen und jedes Mal zu hoffen, dass man nicht schon wieder in den reichlich vorhandenen Gegenverkehr crasht, raubt dem Spieler den letzten Nerv. Zwangsläufig muss man jede einzelne Strecke auswendig lernen, um überhaupt eine Chance zu haben, da Fahrfehler häufig hart bestraft werden und die KI Fahrer gnadenlos an einem vorbeiziehen.

Bua Ya – thiz is my car

Nach einigen Rennen bekommt man dann erstmals die Chance, eines der geklauten Autos wiederzubeschaffen. Man fährt also zum Versteck des gesuchten Fahrzeugs und muss das gute Stück sicher und möglichst unbeschädigt, in die heimische Villa zurückbringen. Damit es dem Spieler aber nicht zu leicht gemacht wird, jagen Lidells Schergen in anderen Flitzern hinterher und versuchen euch immer wieder den Weg zu versperren. Das kann ganz schön nervig werden, da ihr fast immer quer durch die riesige Stadt fahren müsst und euch zur Navigation keine Karte zur Verfügung steht. Sehr realistisch, wenn man bedenkt, dass die Karte sonst immer abrufbar ist. Weiterhin müsst ihr aufpassen, dass euch die Schergen nicht einkreisen und stoppen, denn dann werdet ihr erwischt und der Fluchtversuch ist gescheitert. Aber auch auf euer zukünftiges Fahrzeug müsst ihr stets aufpassen, denn jeder Kratzer kostet euch am Ende Geld. Ihr werdet sozusagen dafür bestraft, dass ihr euch ein Auto zurückholt. Reparaturen sind nämlich fast immer unvermeidlich. Sollte euch das „neue“ Auto zudem nicht gefallen, könnt ihr es einmalig bei West Coast Customs aufmotzen lassen. Das geschieht in der Regel automatisch und ohne euer zutun. Lustigerweise ist aber gerade dieser Aspekt einer DER Spielspaßgaranten bei Tuningrennspielen. Das Kreieren von eigenen Designs, das Aufmotzen mit neuen Accessoires, das Umbauen einer Kiste… Das alles fehlt hier! Ihr habt keinen Einfluss darauf, wie das Design eures Fahrzeuges letztlich aussehen wird. Wie man so einen fundamentalen Designfehler heutzutage machen kann, ist mir schlichtweg unbegreiflich. Allein ein umfangreiches Tuning hätte den Titel noch vor der katastrophalen Wertung retten können. Nachdem man diesen Schock verdaut hat, bemerkt man die schönen Fahrzeuge, die fast ausschließlich amerikanischer Natur sind und von älteren Klassikern, über Muscle Cars und SUVs, bis hin zu High Tech Sportwagen eine tolle Auswahl an lizenzierten Fahrzeugen bietet. Wem das noch nicht reicht, der kann sich später auf mehr als ein Dutzend Konzeptfahrzeuge freuen. Diese exklusiven Autos sind in Zusammenarbeit mit dem „Rides“ Magazin entstanden und zeigen ein paar Vorschläge, wie sich die Redakteure die Fahrzeuge der Zukunft vorstellen. Unglücklicherweise scheinen die Schreiberlinge nicht gerade mit sonderlich viel Geschmack gesegnet worden zu sein, denn der Großteil der Konzeptschlitten sieht einfach nur hässlich wie die Nacht aus. Bevor ich jetzt zum nächsten Abschnitt weitergehe, muss ich euch noch von den Zusatzaufgaben berichten, die dem verhunzten Gameplay die Krone aufsetzen. Da gibt es zum einen die Bonusaufgaben, bei denen ihr ein Konzeptauto stehlen müsst, oder ihr müsst eine von Lidells Unternehmungen sabotieren. Als weiteres Beispiel für die Unfähigkeit der Entwickler soll uns eine der ersten Aufgaben dienen: Auf Zeit müsst ihr mehrere Werbeschilder von Lidells Firma zerstören. Während die Schilder im ganzen Viertel verteilt sind und nur über Rampen zerstört werden können, lässt dich die Aufgabe mit einem normalen Auto gar nicht bewältigen. Denn ein Schild, bei dem man vorher springen muss, um es zu erreichen, kann gar nicht zerstört werden. Immer wieder sprang ich unter dem Schild durch. Egal ob mit Nitro, oder noch hundert zusätzlichen Metern Anlauf. Erst der Einsatz eines Jeeps, der über größere Abmessungen verfügt, bringt den Sieg. Durch die höhere Fahrerkabine kann man auch dieses Schild (knapp) zerstören. Wow – spielen die Entwickler überhaupt ihr eigenes Spiel? Das ganze geht dann noch so weiter und so fort. Die versteckten Stunteinlagen, die mit einer bekloppten Fischaugenperspektive aufwarten und bei Versagen nicht wiederholt werden können (man muss erst umständlich zum Ausgangspunkt zurückfahren), nerven extrem und auch die Polizei, die den Spieler immer wieder verfolgt, sorgt für Unmut. Schließlich kann man die Gesetzeshüter nur schwerlich abschütteln. Kurz gesagt, dass Gameplay ist absoluter Schrott und wartet mit so vielen Unzulänglichkeiten auf, dass es echt nicht mehr feierlich ist.

Viel Verkehr

So schlecht die Spielmechanik auch ist, anerkennen muss man die gute technische Umsetzung. Zwar verfügt L.A. Rush über keine sonderlich hohe Framerate, aber für ein Rennspiel mit einer solch riesigen Stadt, ist die Bildrate erstaunlicherweise recht stabil. Klar, ein paar Ruckler und Slowdowns haben sich auch hier eingeschlichen, aber die findet man bei der Konkurrenz auch zur genüge. Besonders bemerkenswert ist der hohe Stadtverkehr, der nicht nur mit recht hübschen Fahrzeugmodellen glänzen kann, sondern auch über ein optisches Schadensmodellverfügt und richtige Insassen bietet. Die Spielfahrzeuge legen da noch einen drauf und sehen dank Hochglanzlack und schönen Lichteffekten ziemlich gut aus. Überhaupt ist es den Grafikern gelungen, Los Angeles recht realistisch wieder zu geben. Die einzelnen Stadteile überzeugen durch ihr jeweiliges Erscheinungsbild, es gibt mehrere Tages- und Nachtzeiten und die Sichtweite ist mit nur wenig Pop-Up auch äußerst ansprechend. Die verträglichen Ladezeiten unterstreichen den positiven Technikaspekt des Titels nur noch.

Aber das war es auch schon. Die Menüführung wirkt wenig durchdacht und lässt euch weder Events sofort wieder holen, noch die Musikauswahl ändern. Gerade wegen Letzterem muss man jedes Mal ins Hauptmenü zurückgehen, denn nur hier lassen sich die drei unterschiedlichen Musikrichtungen umschalten. Eine Songliste oder ähnlich Komfortables gibt es nicht. Da wirkt es regelrecht ironisch, dass man im Spiel an jeder Ecke mit Werbung für Apples I-River Player zugeballert wird. Beim Soundtrack selbst merkt man, dass Midway wohl nur ein paar Dollar locker machen wollte. Zwar gibt es drei Musikrichtungen: Hip Hop / Rock / Techno, doch nur die erstgenannte verfügt über bekannte lizenzierte Acts. Für die beiden anderen Musikrichtungen musste ein Soundlabor herhalten. Einige Sachen klingen davon zwar auch nicht schlecht, aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass Midway auf die restlichen Stilrichtungen keinen allzu großen Wert legte.

FAZIT:

So etwas ist mir schon seit Jahren nicht mehr untergekommen. Ein Spiel, das wirklich alle wichtigen Spielmechaniken gnadenlos verbockt und sich schämen sollte, überhaupt jemals in die Läden gelangt zu sein, wirkt auf mich einfach nur schockierend. Man sollte eigentlich denken, dass die britischen Entwickler wenigstens ein klein wenig mit den Jahren dazu gelernt haben. Aber Fehlanzeige – L.A. Rush ist der lebende Beweis dafür. Das Rennspiel macht zu keiner Sekunde auch nur annähernd Spaß. Die vielen Mängel sind dabei teilweise so offensichtlich, dass ich mich echt gefragt habe, ob das jemals einer von Midway Probe gespielt hat. Immerhin kann man diese Gurke ohne Probleme im Laden erkennen, der Stempel „MTV Games“ suggeriert nämlich genauso schlechte Unterhaltung, wie der gleichnamige US Musiksender tagtäglich im Fernsehen von Neuem unter Beweis stellt. Finger Weg!

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Gute Free-Roaming Engine
  • Hübsche Fahrzeugmodelle
  • Authentisches LA

Minuspunkte:

  • Das komplette Gameplay
  • Lahmer Soundtrack
  • Dämliche Story


Infos zum Spiel
NameL.A. Rush
SystemPlayStation 2
HerstellerMidway
EntwicklerPitbull Syndicate
GenreRennspiel
USKab 12 Jahren
Preis44,99 €
PlatinumNein
Release
 14.10.2005
 10.10.2005
Spielerzahl2
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf205 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IINein
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
L.A. Rush
Gameplay
2.5
Atmosphäre
5.0
Grafik
8.0
Sound
4.0
Singleplayer
2.5
Multiplayer
2.0
 

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