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Just Cause
25. November 2006

Grand Theft Auto von Rockstar Games hat es vorgemacht und alle anderen Hersteller machen es nach. Die Rede ist natürlich von Free-Roaming Spielen, die nach wie vor sehr beliebt bei den Spielern sind. Schließlich bieten sie spielerische Freiheiten, die man in anderen Videospielen in der Form einfach nicht findet. Klar, dass mittlerweile jeder große Hersteller ein Spiel dieser Art in seinem Portfolio hat. Sei es nun Electronic Arts mit Der Pate: Das Spiel, Activision mit True Crime oder Vivendi Games mit Scarface, jeder möchte am Thron des Genreprimus Grand Theft Auto: San Andreas rütteln. Doch leider gelingt das nur den Wenigsten. Nun betritt mit Eidos ein weiterer Herausforderer den Markt. Wie sich deren Just Cause in unserem Testlabor geschlagen hat, erfahrt ihr in unserem neuesten Review.

Willkommen in der Pampa

Das Szenario verspricht durchaus interessant zu werden. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Undercover Agenten Rico Rodgriguez (stellt ihn euch einfach wie einen halbwegs gelungenen Antonio Banderas Verschnitt vor) und muss die kleine verschlafene Bananenrepublik San Esperito von dem tyrannischen Diktator Salvador Mendoza befreien. Der Clou an der Sache ist jedoch, dass die Inselrepublik mit ihren 1025 Quadratkilometern Landfläche nicht gerade klein ausfällt und im Vergleich mit anderen Free Roaming Spielen sogar regelrecht riesig wirkt. Das hat seine positiven aber auch seine negativen Seiten, wie sich beim Spielen zeigen wird. Durch das realistische Größenverhältnis erscheint San Esperito anfangs zum Beispiel glaubhafter, als der etwas zusammengequetscht wirkende Bundesstaat „San Andreas“ in GTA, aber im Gegenzug präsentiert sich die Bananenrepublik dafür auch um einiges leerer und langweiliger als San Andreas. Und um einen Kritikpunkt gleich vorwegzunehmen, Just Cause kann (wie eigentlich auch nicht anders zu erwarten) die riesige Welt kaum für sich nutzen, weshalb man recht schnell von den langen Reisen zwischen den Missionen genervt ist. Aber zurück zur Geschichte, dass Spiel beginnt mit Ricos Absprung aus einem fliegenden Flugzeug. Ziel des Spielers ist es nun, an einem nahen Strand zu landen. Dabei werdet ihr gleich mit einem wichtigen Utensil vertraut gemacht, dem Fallschirm. Diesem wird im weiteren Spielverlauf eine nicht geringe Bedeutung zu teil, da ihr öfters von Helikoptern/Flugzeugen oder gar Berggipfeln abspringen werdet – wie ein richtiger Actionheld eben. Die Steuerung ist dabei auf den ersten Blick recht einfach gehalten, offenbart jedoch bei längerer Benutzung einige Schwächen. Besonders die kontextbasierten Kommandos, wie zum Beispiel das Aus-/Aufsteigen aus einem Fahrzeug, belegen wichtige Tasten doppelt, weshalb zumindest mir öfters Fehler unterliefen. Gleiches gilt übrigens auch für den Greifhaken, der zwar in der Theorie recht cool klingen mag, aber in der Praxis nur umständlich einzusetzen ist. Die Idee dahinter war, dass man sich schnell an Fahrzeuge heranziehen kann, um diese ruckzuck zu übernehmen. Allerdings muss man den Haken immer wieder über ein Menü manuell anwählen, was die ganze Aktion aufwendiger gestaltet, als nötig gewesen wäre. Deshalb habe ich den Greifhaken schließlich in der Praxis nur wenig genutzt, zumal ich im Schnitt von zehn angepeilten Fahrzeugen, auch nur eines traf. Aber nicht nur diese Utensilien weisen Mängel in der Bedienung auf. Die Belegung der Granaten auf L1 ist in meinen Augen auch nicht gerade gelungen, da man immer wieder aus Versehen die Taste in der Hitze des Gefechts drückt und ungewollten Schaden an seinen Verbündeten oder gar sich selbst anrichtet. Ein weiter Minuspunkt ist bei der Fahrzeugsteuerung zu finden. Gas und Bremse wurde nämlich auf die beiden Triggertasten R2 und L2 gelegt, die aber nicht analog abgefragt werden und deshalb gefühlvolles Gasgeben und Abbremsen einfach nicht möglich ist. Diese Steuervariante mag vielleicht auf der Xbox360 funktionieren, aber wenn man ein Spiel auf die PS2 portiert, erwarte ich wenigstens, dass man sich ein paar Gedanken über eine sinnvolle Anpassung des Tastenlayouts macht. Das so was auch geht, zeigt das Zielsystem, dass im Allgemeinen recht gut funktioniert, selbst wenn die Lock-On Funktion kaum zu gebrauchen ist, weil sie nur schlecht auf Gegner reagiert. Aber dank der einfachen Handhabung sollte es trotzdem keine großen Probleme bereiten, die Kommunisten anzuvisieren und abzuschießen. Weniger erfreulich ist dafür, dass leer geschossene Waffen nicht automatisch gewechselt werden, obwohl es dafür eine Option im Menü gibt. Dadurch ist man immer wieder gezwungen, verschiedene Waffen aufzuheben, da man sonst Gefahr läuft, in einer brenzligen Situation ohne Munition dazustehen.

El Kommandante

Alles ist an Just Cause jedoch nicht missraten. Ein cooles Feature ist zum Beispiel, dass man neben den Storymissionen (dazu komme ich gleich noch), auch den Rebellen und einem freundlich gesonnenen Drogenkartell helfen kann, die Kontrolle über die Inseln zu übernehmen. Dazu startet man in instabilen Regionen über einen jeweiligen Helfer einfach eine blutige Befreiungsaktion. Im weiteren Verlauf stürmt man mit zahlreichen verbündeten Genossen oder Gangstern eine Ortschaft/Villa, schaltet erst die Verteidiger aus, um dann verschiedene Straßensperren in die Luft zu jagen und die Dorfflagge zu erobern. Gelingt euch dies, verschwindet die Polizei aus der Region, es schalten sich neue Verstecke frei und ihr bekommt Punkte gut geschrieben, die euch in den jeweiligen Gesellschaften Aufstiegschancen ermöglichen. Dafür bekommt ihr letztendlich bessere Ausrüstung zur Verfügung gestellt. Persönlich haben mir die, immer nach dem gleichen Prinzip ablaufenden, Befreiungsmissionen einen Riesenspaß gemacht, weil sie viel zur Atmosphäre auf der lateinamerikanischen Inselgruppe beiträgt. Leider und das sehe ich als großen Minuspunkt an, gibt es in den Ortschaften keine Krankenhäuser und Waffengeschäfte, wo man seine Lebensenergie wieder auffüllen könnte und nachmunitioniert. Dazu, wie auch zum Abspeichern, muss man immer wieder in ein Versteck zurück. Und hier kommt wieder die riesige Welt ins Spiel, denn manchmal dauert es einfach viel zu lange, bis man eben jene Unterkunft erreicht. Die Entwickler haben zwar auch die Möglichkeit eingebaut, sich per Hubschrauber direkt an den gewünschten Ort bringen zu lassen, aber erstens ist das wieder mit Ladezeiten verbunden und zweitens sieht man auf der Übersichtskarte nur schwerlich, welches Versteck in der Nähe liegt und welche Ausrüstung (zum Beispiel Helikopter) vorrätig ist. Was gibt es sonst noch? Nicht mehr viel, um ehrlich zu sein. Man kann ein paar Rennen fahren, die aber aufgrund der katastrophalen Physik der Autos quasi unspielbar sind (alle Bodenfahrzeuge schlittern wie auf Eis) und man kann sich noch auf die Suche nach diversen Päckchen machen, die zusätzliche Punkte/Respekt einbringen. In den befreiten Ansiedlungen warten zudem noch weitere kleine Missionen auf euch, die das Spielgeschehen auflockern sollen, aber durch die simple Art nach kurzer Zeit mächtig langweilen.

Vin Diesel meets James Bond

Die Storymissionen sind dagegen etwas aufwendiger gestaltet und werden jeweils mit einer kleinen Videosequenz eingeleitet. Die Rahmenhandlung kann man jedoch getrost vergessen, da Charaktere und Handlung einfach nur öde in Szene gesetzt wurden. Vor allem diese kraftstrotzende Agentin ging mir tierisch auf den Senkel. Die ist nicht nur absolut stereotypisch, sondern sieht auch noch wie ein Mann aus. Kein Wunder also, dass die USA sie an den Arsch der Welt versetzt haben. Aber zurück zu den Aufträgen, die an sich recht abwechslungsreich sind, teilweise allerdings auch ziemlich chaotisch wirken und Feintuning vermissen lassen. Zum Beispiel stehen oftmals diverse Spezialfahrzeuge zum Erfüllen der Ziele zur Verfügung. Nach meinen Erfahrungen gestaltet sich aber alles schwieriger, wenn man diese nutzt. Außerdem können, und ich betone können, zu jeder Zeit Helikopter zufällig auftauchen und euch das Leben zur Hölle machen. Überhaupt wirkt der Schwierigkeitsgrad manchmal eher zufällig gewählt, als sorgfältig geplant und ausgetüftelt. In Verbindung mit den seltenen Checkpoints verkommen einige Missionen somit zum reinsten Trail & Error. Erschwerend kommt hinzu, dass die instabile Framerate das Geschehen stark beeinträchtigt und sogar für den einen oder anderen Tod in der letzten Sekunde verantwortlich gemacht werden kann. Alles in allem wird zu wenig geboten, um wirklich als Ansporn zu dienen, das Spiel zu beenden. An der riesigen Welt hat man sich nämlich schnell satt gesehen und dank der technischen Defizite schaut man noch stärker auf das (hier nur unterdurchschnittliche) Gameplay.

Willkommen in 1994

Das könnte man denken, wenn man die Grafik von Just Cause sieht. Zwar wird die riesige Welt noch halbwegs flüssig dargstellt (extreme Ruckler und Slowdowns gibt es jedoch, wenn viel auf dem Bildschirm los ist), aber zu was für einem Preis? Reinploppende Baumkronen, Animationen die so hölzern, wie Holz nur sein kann, sind und was das Schlimmste ist, absolut keine Schatten! Schaut man sich die mehr als passabel aussehende Xbox360 Fassung an, muss man sich ernsthaft fragen, ob die Entwickler nicht einfach für die PS2 Variante alle Details runtergeregelt oder gar komplett ab geschalten haben. Richtig übel sieht die Grafik in den Städten aus, die so karg und detailarm modelliert sind, dass man am liebsten seine PS2 wieder ausschalten möchte. Nur selten gibt es auch ein paar halbwegs hübsche Momente (zum Beispiel in den kleinen Ortschaften, oder beim Sonnenuntergang am Strand) zu sehen. Der Großteil des Spiels (inkl. der Zwischensequenzen) kann aber getrost als totaler Technikunfall abgeschrieben werden, was sich unter anderem auch bei dem grottigen Fahrzeugdesign offenbart. Beim Sound sieht es zwar etwas besser aus, aber einen tollen Radio Soundtrack sucht man vergebens. Die vereinzelten Latinrhytmen werden nur selten eingespielt, so dass man die meiste Zeit komplett ohne Musik durch die Gegend reist. Stattdessen darf man der mehr als mittelmäßigen deutschen Sprachausgabe mit den immergleichen Samples lauschen, die schon nach einer Stunde zum Ausschalten drängen.

 

Ungeziefer im Paradies

Just Cause zählt mit Sicherheit zu den bugverseuchtesten Spielen, die ich auf der PlayStation 2 gespielt habe. Und damit meine ich nicht das kleine Krabbelzeugs, das in der Flora und Fauna umherwuselt, sondern Programmfehler und damit verbunden eine katastrophale Qualitätskontrolle. Den auffälligsten Bug dürften mit Sicherheit die vielen Helikopterabstürze darstellen. Immer wieder kommt es vor, dass aus heiterem Himmel, Helikopter auftauen und zu allen Seiten abstürzen. Ein weiterer Programmfehler: Das Fehlen von Fahrzeugen. Plötzlich ist die Insel wie ausgestorben und es gibt überhaupt keine Autos oder Helikopter mehr. Da hilft nur noch, den Spielstand neu zu laden. Ein ungewolltes Zufallselement ist zudem in den Storymissionen zu finden. Dort kann man nämlich das Pech haben, das man auf Kampfhelikopter trifft, die man nur schwerlich vom Himmel holen kann, da man sie kaum sieht. Extrem leicht fällt dagegen das Verschrotten des eigenen Fluguntersatzes. Dazu muss man nur landen wollen und zwei Meter über dem Boden aus dem Gefährt abspringen. Der Helikopter stürzt sofort ab, explodiert und reißt Rico mit in den Tod - wie toll! Und noch einer: Die Übersichtskarte im PDA kann im Gegensatz zur Xbox360 Variante, nicht sonderlich großgezoomt werden, weshalb diese Inselkarte zu nichts taugt, da man weder Straßen noch sonst irgendwas erkennen kann.

FAZIT:

Just Cause macht vieles falsch und nur wenig richtig. Die Physik, das nervige Missionsdesign, die hässliche Grafik, die langweilige Welt, die schlecht angepasste Steuerung und die einfältige Story lassen nicht viel Spaß beim Spielen aufkommen - ganz zu schweigen von den unzähligen Bugs, die das Geschehen zusätzlich beeinträchtigen. Meiner Meinung nach haben die Entwickler ganz klar die Prioritäten falsch gesetzt. Anstatt sich nämlich auf das Darstellen einer riesigen Welt zu konzentrieren, hätte man den Fokus eher auf das Gameplay legen sollen. Da man das jedoch ganz klar versäumte, bildet Just Cause neben True Crime: New York City das Schlusslicht bei den Free Roaming Spielen, so dass man dieses Machwerk getrost im Regal stehen lassen kann.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Riesige Welt
  • Ein paar gute Ideen, wie den Abholservice per Helikopter
  • Erobern von Dörfern und Drogenvillas

Minuspunkte:

  • Unzählige Bugs
  • Grafik unter PS1 Niveau
  • Leere Welt


Infos zum Spiel
NameJust Cause
SystemPlayStation 2
HerstellerEidos
EntwicklerAvalanche Studios
GenreAction
USKab 16 Jahren
Preis54,99 €
PlatinumNein
Release
 22.09.2006
 26.09.2006
Spielerzahl1
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf429 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IINein
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Just Cause
Gameplay
4.5
Atmosphäre
4.5
Grafik
3.5
Sound
4.0
Singleplayer
4.5
 

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