Previews  Reviews     PS4  PlayStation VR  PS3  Vita  PSP  PS2  Hardware  Specials 
Need for Speed: Carbon
14. Januar 2007

Nachdem der letzte Need for Speed Ableger namens „Most Wanted“ auf ganzer Linie enttäuschte, versucht EA nur knappe zwölf Monate später, mit einem angepassten Konzept wieder verlorenen Boden gut zu machen. Ob es den Amerikanern gelingt, das ehemals gute Image der Serie wieder aufzupolieren, oder ob „Carbon“ nur ein weiterer Schritt in die Unterdurchschnittlichkeit darstellt, klärt unser neuester Test.

Trendfahrer

Die Geschichte des Spiels schließt an das Ende des Vorgängers an. Der Spieler flüchtet aus Rockport und kehrt in seine Heimatstadt Palmont City zurück. Doch der Empfang fällt nicht gerade herzlich aus, da die ehemaligen Freunde nicht sonderlich gut auf den Spieler zu sprechen sind. War er es doch schließlich, der damals mit der Kohle aus einer Rennveranstaltung vor der Polizei abgehauen ist…

Die Inszenierung der Story ist wirklich gut gelungen und verbindet gekonnt echte Schauspieler mit der Spielgrafik. Und ohne zu viel verraten zu wollen, Kinofeeling ist bei Need for Speed: Carbon garantiert vorhanden. Wenn man überhaupt etwas aussetzen könnte, dann vielleicht nur, was für einen schrecklichen Modegeschmack die Rennfreaks im Spiel haben. Denn so wie bei „Carbon“ rennt wohl außer in irgendwelchen Schicki-Micki Diskotheken niemand rum. Spielerisch dürfte dagegen alles bekannt sein. Man fährt Rennen, motzt sein Auto auf, fährt wieder Rennen, kauft sich ein neues Auto, motzt dieses wieder auf und so weiter und so fort. Das der neueste Need for Speed Ableger dennoch einige Änderungen im Gameplay aufweist, kann nach „Most Wanted“ eigentlich nur Gutes verheißen. Was sich im Detail geändert hat, erfahrt ihr auf den nächsten Zeilen.

Was ist neu?

Obwohl das Spieldesign im Grunde dem des Vorgängers gleicht, gibt es auch ein paar Gameplayneuerungen, die es wert sind, einzeln erörtert zu werden. Den Anfang macht das neue Autosculpt Tuning System, dass euch erstmalig erlaubt, diverse Spoiler, Stoßstangen, Felgen und Motorhauben an Hand von mehreren Parametern im Detail zu verändern. Das macht riesig Spaß und hebt die ganze Tuninggeschichte auf ein ganz neues Level. Schade nur, dass das unübersichtliche und umständliche zu bedienende Shopsystem des Vorgängers auch in „Carbon“ wieder zu finden ist. Hier besteht eindeutig Verbesserungsbedarf! Die zweite Neuerung betrifft das Crew-Racing. Hier war ich anfangs ziemlich skeptisch, da ich fand, dass dieses Feature schon beim Konkurrenten Juiced absolut für die Tonne war. Doch EA hat es besser hinbekommen: Im Laufe der Zeit stehen euch drei Arten von Helfern zur Verfügung. Scouts, Blocker und Schlepper. Einen könnt ihr fast zu jedem Rennen mitnehmen. Während der Scout permanent Abkürzungen auskundschaftet, kann euch der Schlepper einen Geschwindigkeitsboost versorgen und der Blocker hält Verfolger auf Abstand. Letzterer wird übrigens der am häufigsten genutzte sein, da die anderen beiden nicht wirklich Einfluss auf das Renngeschehen haben. Allerdings verfügt jedes Teammitglied über zusätzliche Eigenschaften, die sich auf das Spiel im Allgemeinen auswirken. Der eine sorgt zum Beispiel dafür, dass es Rabatt auf Autoteile gibt, der andere ist nützlich, damit der Fahndungslevel in den Bezirken gesengt wird usw. Das gleicht zwar den eigentlichen Nutzen der einzelnen Gesellen wieder etwas aus, trotzdem wird man wohl die meiste Zeit einen Blocker aktiviert haben, da er insgesamt die praktischsten Eigenschaften hat. Im Spiel selbst funktioniert das Crewsystem meistens recht gut, nur ab und an hackt die KI der Kollegen aus, oder sie fahren wie unsereins in unterlegenen Autos hinterher. Besser als bei Juiced ist die Integration aber allemal geworden. Die letzte Neuerung ist bei den Canyon Duellen zu finden. Wie in japanischen Szenekreisen schon lange üblich, geht es seit dem dritten The Fast and the Furious Film auch im EA Spiel zu zweit eine kurvige Bergstrecke hinunter. Ziel ist es dabei, so dicht wie möglich am Heck des Gegners zu bleiben, um viele Punkte zu sammeln. In der zweiten Runde fahrt ihr dagegen vor raus und solltet dementsprechend den Gegner auf Abstand halten, wenn ihr gewinnen wollt. Zusätzlich erschwert werden diese Events durch die Tatsache, dass ihr in den Kurven abstürzen könnt, weswegen man zwangsläufig Bremsen und Driften muss. Die Duelle sind jedenfalls eine tolle Ergänzung und bei gleichen Fahrzeugklassen auch sehr fair gehalten.

Spielbalance ist wichtig, habt ihr gehört?!?

Die meiste Kritik muss sich „Carbon“ bei der Spielbalance und dem Schwierigkeitsgrad gefallen lassen. Denn Beides wirkt sehr zufällig und lässt Feinarbeit vermissen. Aber ich erkläre euch das am besten einmal an einem Beispiel:

Anfangs bekommt man die Möglichkeit aus drei verschiedenen Fahrzeugklassen zu wählen. Muscle, Exoten und Tuner stehen zur Auswahl. Alle Autos fahren sich ein wenig anders und je nachdem für welchen Typ man sich entscheidet, desto unterschiedlich fallen die Startpunkte aus. Während man mit den Tunern im Stadtteil Downtown beginnt, findet man sich mit dem Musclecar ganz unten in Kempton wieder. Weil ich aber einfach etwas Neues probieren wollte, entschied ich mich für den Alfa Braera, einen Exoten. Demzufolge musste ich als erstes den Bezirk Fortuna erobern, um weiterzukommen. Die ersten Rennen stellten kein Problem dar und ich gewann alles beim ersten Anlauf. Nur beim Duell gegen den Boss sah ich absolut keinen Stich. Mein mittlerweile voll aufgemotzer Alfa war einfach zu langsam. Was tun? Beim Autohändler stand zwar nun ein Stufe 2 Auto (mit deutlich besseren Werten), aber dazu fehlte mir einfach das Geld. Die einzige Möglichkeit an diese Kiste heranzukommen war, alle Rennen nochmals zu wiederholen. Aber für jeden zweiten Durchlauf gab es bei Sieg nur noch lächerliche 700 Credits. Wenn man 40.000 davon braucht, fährt man eine ganze Weile. Ohne mich – sagte ich mir und ließ das Spiel fortan in der Verpackung. Irgendwann (schließlich musste ich ja noch eine Rezension schreiben) legte ich „Carbon“ wieder in meine PS2. Doch dieses Mal wählte ich die Tuner aus und investierte keinen Cent in das Ausmotzen. Schon bald schwamm ich im Geld, kaufte mir ein Stufe 2 Auto (Mitsubishi Eclipse GT), servierte den Boss im zweiten Bezirk ab und fuhr mit seinem aufgetunten Aston Martin weiter. Auch der dritte Boss in Kempton stellte keine große Hürde dar und ich gewann auch dieses Rennen. Nur wurde es jetzt frustrierend schwer, da mein aktuelles Auto für den letzten Stadtteil einfach zu langsam war. Dazu kam noch, dass einfallende Crews auch allesamt Stufe 3 Fahrzeuge besaßen und das einzige Auto dieser Klasse, dass ich mir hätte kaufen können, war eine Corvette, die sich jedoch total mies fährt und über ein äußerst bescheidenes Handling verfügt. Was nun, fragte ich mich zum zweiten Mal…

Ihr seht, während das Spiel unter bestimmten Bedingungen kinderleicht ist, kann es plötzlich auch nervig schwer werden. Die ganze „es hängt alles vom Spieler ab“ Einstellung funktioniert einfach nicht richtig. Hätten die Entwickler diese „Offenheit“ des Konzeptes ein wenig ausführlicher getestet, wären mit Sicherheit die vielen Sackgassen aufgefallen, in denen man landen kann. Dazu kommt noch, dass das überteuerte Tuning absolut weglassbar ist und man muss sich fragen, wieso es überhaupt eingebaut wurde. Nur zum Protokoll, ich habe es mit der Corvette dann doch irgendwann geschafft, weiter zu kommen und konnte mittels des neuen Supras weitere Autos frei spielen, um dann mit Hilfe des Lancer Evo den großen Lamborghini zu erobern.

Von Kühen und Bullen

Etwas das mich im Vorgänger richtig nervte, waren die Verfolgungsjagden. Nicht nur das man die Polizei loswerden musste, stellenweise durfte man auch noch absichtlich deren Aufmerksamkeit erregen, um sie dann wieder abzuhängen. Für mich hatte das wenig mit Spielspaß zu tun! In „Carbon“ ist die Polizei auch vertreten und es kann fast genauso nervig werden, wie im Vorgänger, wenn man nicht das richtige Crew Mitglied benutzt. Nur durch den Einsatz von Blocker Neville, hat man fast nie mit der örtlichen Polizei zu tun. Andernfalls jagen euch die Gesetzeshüter an fast jeder Ecke und diese abzuhängen, ist besonders am Anfang äußerst frustrierend, da sie eure Karre hartnäckig und mit vielen Kollegen verfolgen. Für die Zukunft wünsche ich mir einfach, dass dieses Feature entweder ganz rausfliegt, oder komplett optional wird. Denn selbst die wenigen Verfolgungsjagden, die ich in meinem zweiten Anlauf ausstehen musste, waren schon zuviel.

 

Tief in der Nacht

Gott sei dank hat man bei EA eingesehen, dass der Vorgänger nicht gerade toll auf der PlayStation 2 aussah. „Carbon“ macht nämlich seinen Job trotz gleicher Engine wesentlich besser. Das liegt vor allem an der passenderen Farbwahl (alles wirkt bläulich, nächtlich) und den minimal besseren Umgebungstexturen. Dadurch wird ein weitaus atmosphärischeres und stimmigeres Bild erzeugt. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass sich bis auf die hübscheren Automodelle nicht viel seit Need for Speed: Underground 2 getan hat. Die frei befahrbare Stadt ist nach wie vor menschenleer (bis auf die wenigen anderen Fahrzeuge), kennt nur eine Tageszeit (Mitternacht) und hat mit vielen Framerate Problemen zu kämpfen. Gerade bei der Bildwiederholrate hatte ich mir ein wenig mehr Stabilität versprochen, aber selbst die knappen 25 Bilder pro Sekunde werden immer wieder durch heftige Ruckler (besonders gegen Ende des Spieles und bei den Drift Rennen) unterbrochen. Wenigstens hat man an den Ladezeiten und dem Speichervorgang gefeilt, denn beide Sachen gehen mittlerweile äußerst flott über die Bühne. Aber nicht nur die Grafik ist wieder etwas besser geworden, auch beim Soundtrack hat sich EA ein wenig mehr Mühe gegeben. Geboten wird eine ordentliche Mischung aus Rock, Elektro und Hip Hop, die zwar keinen Preis verdient, aber immerhin wieder deutlich hörbarer ausfällt, als noch in „Most Wanted“. Einzelne Titel lassen sich übrigens deaktivieren, so dass man nur noch zu den Songs fährt, die man auch hören möchte. Nichts zu bemängeln, gibt es dagegen an der professionellen deutschen Sprachausgabe, die dem englischen Original in nichts nachsteht. Besser ist zudem auch die Integration der interaktiven Musik gelungen, die bei bestimmten Events abgespielt wird. Besonders hervorzuheben sind dabei die Canyon Duelle, welche mit treibenden Trommelrythmen unterlegt wurden. Das sorgt für zusätzliche Adrenalinschübe.

FAZIT:

Im Grunde handelt es sich bei dem aktuellen Need for Speed Ableger um das gleiche Spiel wie „Most Wanted“ nur mit angehefteten „Underground“ Features. Das kann man nun positiv oder negativ sehen. Mir persönlich hat „Carbon“ ein wenig besser gefallen, da EA an vielen Ecken und Kanten des Vorgängers (Grafik, Sound, Tuning) etwas nachgebessert hat. Warum die Spielspaßwertung dennoch nur marginal höher ausfällt, kann man der mangelhaften Qualitätskontrolle des Herstellers zuschreiben. Die lachhafte Spielbalance, mit dem teilweise unerträglich unfairen Schwierigkeitsgrad (+ der unterirdischen Framerate) lassen das Konzept in Verbindung mit den vielen Abstürzen nämlich ziemlich unausgereift und wenig durchdacht erscheinen.

[ Review verfasst von .ram ]

PS: Wenn wird eigentlich die Pussy Bremse (aka Speadbreaker) abgeschafft? Das Spiel läuft doch schon oft genug in Zeitlupe und in einem Rennspiel haben Matrix Effekte einfach nichts zu suchen!

Pluspunkte:

  • Autosculpt Tuning
  • Tolle Fahrzeugauswahl
  • Atmosphärische Story

Minuspunkte:

  • Sieht aus wie „Underground 2“ in Blau
  • Tuning im Karrieremodus unwichtig
  • Teilweise frustrierend unfair


Infos zum Spiel
NameNeed for Speed: Carbon
SystemPlayStation 2
HerstellerElectronic Arts
EntwicklerElectronic Arts
GenreRennspiel
USKab 12 Jahren
Preis54,99 €
PlatinumJa
Release
 09.11.2006
 31.10.2006
 21.12.2006
Spielerzahl2
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf2910 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IINein
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

vergrössern
vergrössern
vergrössern
vergrössern
vergrössern

Screenshot Galerie
Need for Speed: Carbon
Gameplay
7.0
Atmosphäre
8.5
Grafik
6.0
Sound
8.0
Singleplayer
6.5
Multiplayer
4.0
 

Impressum - Team - Cookie-Policy - Datenschutzerklärung

Alle Produkttitel | Herstellernamen | Warenzeichen | Grafiken und damit verbundene Abbildungen sind Warenzeichen und/oder urheberrechtlich geschütztes Material ihrer jeweiligen Inhaber.
All referenced company names, characters and trademarks are registered trademarks or copyrights of their respective owners.

Copyright © 2011 chrizel
Powered by KooBI 2.2 © 2004
dream4