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Enchanted Arms
13. August 2007

Japanische Rollenspiele sind schon etwas Feines, oder zumindest waren es, denn nach Final Fantasy XII und dessen revolutionären Neuerungen fällt es mir wahrlich schwer zu einem altbackenen Titel wie Enchanted Arms zurück zu gehen. Warum wollt ihr wissen? Ich will es euch im folgenden Test gerne verraten.

Sexuelle Unterschiede

Held der Geschichte ist Atsuma, ein fauler Draufgänger, der – so scheint es zumindest – nicht gerade der Hellste ist. Ihm zur Seite stehen seine Freunde Toya (der Super-Duper Frauenschwarm) und Makoto. Letzterer ist, wie soll ich sagen, stockschwul – und das wird auch bei jeder Gelegenheit demonstriert (die englische Synchronstimme unterstreicht das noch). Mir ist es ja im Grunde egal, was für Vorlieben irgendwelche Menschen haben, aber die schwule Attitüde wirkt in dem speziellen Fall extrem aufgesetzt, zu gleich jedoch auch ganz und gar nicht lustig. Vielmehr nervt sie schon nach wenigen Minuten und wird mit fortlaufender Spielzeit immer unglaubwürdiger. Schade, denn das nimmt der Story (und den ellenlangen Dialogen) viel Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit. Da könnte man doch glatt froh darüber sein, dass die angehenden Zauberer (engl. Enchanter) die böse Ice Queen wecken und daraufhin von der Bildfläche verschwinden. Zumindest alle bis auf Atsuma, dessen teuflischer Arm ihn vor der Hexe schützt. Klar, dass er sich daraufhin auf macht, seine vermissten Freunde zu suchen. Natürlich nicht ohne neue Begleitung in Form von Karin, Raigar und vielen Monstern – hier genannt Golems. Diese Kreaturen ähneln irgendwie den bekannten Pokemons (sehen aber viel cooler aus) und helfen unserem Helden extrem in den unzähligen Schlachten. Denn davon gibt es nämlich mehr als genug…

Nächste Generation? Mit Sicherheit nicht…

Ausgetragen werden diese Kämpfe im traditionellen Rundenmodus auf einer taktischen Karte. Diese ist in Kästchen und zwei Hälften unterteilt. Auf der einen Seite nehmen die Gegner Aufstellung und auf der Anderen die Spielercharaktere. Hört sich nicht einmal so übel an, aber schon jetzt machen sich erste Mängel breit: Man kann weder die Aufstellung ändern (wird per Zufall immer wieder neu ausgewürfelt) und man kann auch nicht auf die andere Seite des Spielfeldes gelangen. Strategische Entscheidungen sind dadurch stark eingegrenzt. Das man bis zum Schluss alle Züge auch noch rückgängig machen und neu planen kann, hilft dem Anspruch auch nicht gerade. Hat man schließlich alle Aktionen ausgewählt, führt die Party diese dann auch promt hintereinander aus, erst danach ist der Gegner an der Reihe. Beachten muss man somit also nur die Vitality Points, die nach einem Kampf (in dem man Schaden eingesteckt hat) abnehmen. Hier helfen nur die seltenen Aufladestationen, oder das vorübergehende Verbannen des Partymitgliedes auf die Auswechselbank. Ansonsten muss man nur noch das typische „Elemente auf andere Elemente“ Schema im Hinterkopf behalten, um erfolgreich aus den Kämpfen hervorzugehen sein. Mit den eingesackten Erfahrungspunkten lassen sich zum normalen Level-Up auch noch die eigenen Attribute zusätzlich verbessern, oder man investiert das Geld in neue Golemkerne. Diese dienen als Grundlage für die Erschaffung von neuen Kreaturen. Neben typischen Dungeons (auch auf der Oberfläche) existieren auch noch zahlreiche Minigames (Roulette, Bingo, Duelle usw.), Sidequests (Elementarwächter) und vereinzelte Bosskämpfe, die besonders viel von der Gruppe abverlangen. Die Gegner Entdeckungsrate ist dabei unterschiedlich hoch – manchmal kann man keine drei Meter laufen, ohne über ein Monster zu stoßen – und ein anderes Mal trifft man selbst auf drei Kilometer keine Golemseele. Zwischendurch wird immer wieder an monsterfreien Orten gequatscht, gekauft und Zeug verscherbelt. Irgendwie kennt man das alles schon aus anderen Spielen. Wirklich Neues wird nicht geboten. Zumindest bis auf den Enchantment Tanz, der dazu dient, die Leiste mit Spezialenergie zu füllen, um die großen „Ex-Boost“ Zauber vom Stapel zu lassen. Das kann man zu jeder Zeit und so oft wie man lustig ist tun. Dazu muss man nur die R1 Taste drücken und schon strampelt sich Atsuma auf einem Diskoparkett die Füße wund – natürlich zum Wippen des Sixaxis Joypads. Also wenn das nicht beknackt ist, weiß ich auch nicht! Der Humor ist, wie bereits angesprochen, fast immer unpassend und dermaßen überzogen, dass es schon weh tut. Da frage ich mich sogar, ob es überhaupt gut ist, dass der Titel über eine anständige Spielzeit verfügt und auch noch zum sammeln der knapp 130 Golems einlädt. Denn wirklich genießen tut man das Gameplay nur in den seltensten Augenblicken. Zu veraltet und angestaubt wirkt dafür die gesamte Erfahrung.

Xbox City

Wie das Spieldesign gehört auch die Technik nicht gerade zum Besten auf dem Markt. Zwar kann man nicht von einer Totalentgleisung reden, aber mehr als Durchschnitt ist nicht drin. Dazu gibt es zu viele und zu lange Ladezeiten und größtenteils mäßige Texturen. Nur an einigen Stellen sieht das Spiel schön aus. Die stocksteifen Charaktere (mit vielen Clipping-Fehlern) und Monster mit ihren hölzernen Animationen helfen da auch nicht. Besonders die Gespräche sind ein wahrer Graus – mal abgesehen von ihrer ausufernden Länge. Hier werden nur zwei große Portraits eingeblendet, die lediglich vereinzelt durch andere Posen ersetzt werden. Steinzeit! Immerhin kann man mit der „X“-Taste gut durch das Gelaber durchskippen, weshalb man wenigstens nicht auch das noch ertragen muss. Die englischen Sprecher vertonen nämlich sonst nur Pornos, weswegen die auch im Spiel alle gestelzt oder sackgängerisch klingen. Bloß gut das man auch auf die japanische Audiospur umschalten kann. Lesen muss man übrigens so oder so, denn das Spiel wurde nicht eingedeutscht. Das bedeutet englische respektive japanische Sprachausgabe und englische Texte. Das einzig Gute an der ganzen Aufmachung ist die Tatsache, dass man zu jederzeit (und an jedem Ort) speichern kann. Das ist ein Feature, das auch andere Spiele gerne übernehmen können. Aber davon abgesehen, entspricht die Präsentation bestenfalls einem mittelmäßigen Xbox (1) Spiel.

Versionsunterschiede

Das Spiel erschien anfangs nur auf der Xbox360 und wurde erst später für die PlayStation 3 umgesetzt. Allerdings nicht ganz haargenau – neben technischen Änderungen (längere Ladezeiten, schlechtere Texturen) und dem Hinzufügen der Sixaxis Bewegungsmechanik (Tanzen, Aufladen von Special Moves, Minigames) gibt es auch noch zahlreiche Veränderungen am Gameplay bzw. Spielverlauf. Dabei wurden zum Beispiel einige kniffelige und lang gezogene Passagen entfernt, um das Spielerlebnis fließender zu gestalten. Auch fehlen ein/zwei Golems aus dem Original, wobei die PS3 Version neue Monster dazu bekommen hat. Löblich sind dagegen die vielen neuen Zwischensequenzen und die direkten Eingriffe beim Gameplay. So wird die Party nun nach jedem (!) Kampf komplett geheilt und man muss nur noch auf die Vitality Points beim Spielen aufpassen. Das erleichtert das Vorankommen später ungemein.

FAZIT:

Es hat schon seine Gründe, warum japanische Rollenspiele, die zum Launch einer Konsole erscheinen, immer in die Kategorie „Verzichtbar“ gehören. Neben einer wenig beeindruckenden Grafik bietet Enchanted Arms auch noch ein unausgegorenes Kampfsystem, nervige Dialogen und eine langweilige Story. Irgendwie kennt man das alles schon aus anderen Titeln und zwar in besserer Form. Wirkliches Next-Gen Feeling macht sich zudem durch das lineare Leveldesign und die vielen Zufallskämpfen überhaupt nicht breit. Das Spiel könnte somit höchsten eingefleischten RPG Fans ein wenig Spaß machen, alle anderen dürfen den Titel aber getrost im Regal liegen lassen.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Englische und Japanische Sprachausgabe
  • Umfangreich
  • Allerlei eingebaute Glücksspiele

Minuspunkte:

  • Altbackene Grafik
  • Altbackenes Spielprinzip
  • Makoto


Infos zum Spiel
NameEnchanted Arms
SystemPlayStation 3
HerstellerUbisoft
EntwicklerFrom Software
GenreRollenspiel
USKab 6 Jahren
Preis61,99 €
PlatinumNein
Release
 23.03.2007
 03.04.2007
 25.01.2007
Spielerzahl1
SpracheEnglisch
Japanisch
TexteEnglisch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
HeadsetNein
720pJa
1080pNein
Sixaxis Tilt SupportJa
Mehr...

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Screenshot Galerie
Enchanted Arms
Gameplay
6.0
Atmosphäre
6.0
Grafik
6.0
Sound
5.5
Spielspass
6.0
 

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