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Heavenly Sword
18. September 2007

Der PlayStation 3 Zug kommt so langsam ins Rollen und ein Hype-Kracher nach dem Anderen taucht in den Läden auf. Neben „Lair“ (OnPSX Review) haben wir uns ein zweites, von vielen Spielern heiß ersehntes, exklusives PS3 Spiel vorgenommen und verraten euch in einem durch und durch kompromisslosen Test, ob „Heavenly Sword“ den zahlreichen Vorschusslorbeeren gerecht werden kann, oder ob der Titel einen ähnlichen Weg einschlägt, wie das bereits erwähnte Factor 5 Drachenspiel.

Kung Fu Hustle

Die Hintergrundgeschichte von „Heavenly Sword“ birgt viel Potential: Die Welt wird vom Krieg erschüttert. Der finstere König Bohan zieht plündern und mordend durch das Land. Zurück bleibt oftmals nur eine breite Spur der Verwüstung. Doch Bohan kämpft nicht nur um des Kampfes Willen, nein, er hat ein klares Ziel vor Augen. Er will ES finden - das sagenumwobene himmlische Schwert. Vor Jahrhunderten half es einem Krieger des Lichtes den dämonischen Rabenkönig zu besiegen. Nach dem Kampf verschwand der wackere Held jedoch im Nichts und nur das Schwert blieb zurück. In ihm steckt aber nach wie vor die Kraft des Himmels. Ein mutiger Klan hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, das Heavenly Sword zu beschützen und bis zum Tag der Wiedergeburt des Kriegers zu hüten. Nariko sollte dieser Krieger sein, doch…

Die Handlung ist insgesamt ziemlich komplex aufgebaut, zumindest der Teil, der vor den aktuellen Geschehnissen angesiedelt ist. Im Spiel selbst gibt sich die Story dagegen nicht sonderlich spannend und wartet ein um das andere Mal mit merkwürdig peinlichen Einlagen auf. Beispielsweise sorgt General "Fliegender Fuchs" öfters für einen ungewollten Lacher. Ob die Entwickler das wirklich beabsichtigt haben, kann ich nicht sagen, doch von der Art der Inszenierung her, erinnerte mich „Heavenly Sword“ frappierend an das ähnlich überdrehte/überzeichnete asiatische Filmwerk „Kung Fu Hustle“. Verschenktes Potential in meinen Augen, denn die großartig konstruierten Zwischensequenzen hätten ein besseres Drehbuch wirklich verdient. Am Ende sind die Einspieler somit ganz nett geraten und locken vor allem durch die tolle Optik, aber wirklich anschauenswert sind sie dagegen nur selten. Ein Fehler - denn sobald eine Zwischensequenz nicht fesseln kann, besteht in einem Actionspiel eigentlich kein Grund mehr, sie noch länger anzusehen.

Easy Going

Eines vorweg, „Heavenly Sword“ ist kein „Ninja Gaiden“ oder „God of War“. Bei beiden Spielen fällt nämlich das Kampfsystem weitaus ausgeklügelter und vor allem fordernder aus. Bei „Heavenly Sword“ steht dagegen die optische Vision im Vordergrund. Beides hat seine Vor- und Nachteile Während „Ninja Gaiden“ vom Spieler perfekte Beherrschung der Steuerung abverlangt, kann man „Heavenly Sword“ auch einfach so beenden – ohne ein Profizocker zu sein. Für Spieler, die diese Art von Nervenkitzel aber brauchen, wird „Heavenly Sword“ bestenfalls ein Dessert zum Nachtisch sein und nur wenig Grund zum erneuten Durchspielen bieten. Andererseits sehen die Kämpfe im Spiel natürlich absolut spektakulär aus und lassen einem schon beim Zusehen ganz kribbelig werden. Und das ist auch schon etwas wert, wie ich meine. Das „Heavenly Sword“ komplett auf Tasten für Block- und Springaktionen verzichtet (geblockt wird durch Ruhighalten des Controllers), ist prinzipiell kein Beinbruch, schränkt aber das Gameplay in Bosskämpfen etwas ein bzw. erschwert es ein wenig (Konterangriffe sind eher Glückssache). Das kann jedoch auch daran liegen, dass man es von ähnlichen Spielern eben anders gewöhnt ist. Ansonsten fehlt aber nix im Repertoire und es gibt auch in diesem Spiel spezielle Super-Angriffe, Schütteleinlagen via Sixaxis Controller und cool inszenierte Endgegnerfights. „Heavenly Sword“ könnte somit eigentlich als gutes Spiel durchgehen, wäre da nicht Narikos Sidekick Kai. Die Missionen mit dem leicht verwirrten Fräulein stellen sich nämlich als wahre Achillesferse von „Heavenly Sword“ heraus. Zum einen wird man jedes Mal von neuem genötigt, mit der unpräzisen Bewegungssteuerung beim Schießen umzugehen und zum anderen, macht sich in den Aufträgen eine Vielzahl von Designpatzern bemerkbar. Beispiel Eins: Man schleicht sich mit Kai in eine feindliche Festung hinein, plötzlich stürmen mehrere Gegner in den fast runden Innenraum herein. Lediglich Barrieren (die Kai überspringen kann, die Feinde aber nicht) sorgen für ein wenig Deckung. Nun muss der Spieler mittels Sixaxis Mechanik die Gegner ausschalten. Nahkampfangriffe beherrscht Kai nämlich nicht. Schon alleine das ist sehr fragwürdig, aber es geht noch weiter: Neben der Hektik nervt nun vor allem die ultra-pingelige Kollisionsabfrage. Trifft man einen Gegner nicht genau an einer Körperstelle, hat man halt Pech gehabt. Mit der unpräzisen Steuerung ist das logischerweise nicht sonderlich schwer. Jetzt könnte man natürlich die Außenperspektive nutzen, aber dort trifft man nur, wenn ein Scherge direkt vor einem steht. Andernfalls feuert Kai munter daneben. ARGH! Beispiel Zwei: In einem Rundgang stürmen mehrere Wachen auf das Mädel ein. Kai kann diese neuen Gegner nur per Kopfschuss erledigen, oder durch die Zughilfenahme von explosiven Fässern. Um schnell von einer Seite zur anderen zu gelangen, darf Narikos Freundin zudem über diverse Querverbindungen sprinten, die über den Saal reichen. Jetzt frage ich mich aber: Warum kann sie nicht einfach oben stehen bleiben und die Feinde von dieser Stelle aus in Seelenruhe eliminieren? Platz ist nämlich ausreichend vorhanden. Ihr seht also, dieser ganze Kai und Bogenschuss Spielanteil wirkt reichlich aufgesetzt und nicht sonderlich durchdacht. Umso unverständlicher finde ich es, dass dieser Aspekt auch noch knapp die Hälfte der Spielzeit einnimmt. Wieso gibt es davon so viel und warum im Gegenzug nur so wenig Schwert-Action? Die gebotenen Kämpfe sind ja durch ihre Linearität und das Beschränken auf Arenen (größtenteils) sowieso nicht gerade ein Garant für viele Spielstunden. Trotz dieser desaströsen Designschwachstelle sollte ein normaler Spieler keine größeren Probleme haben. Nach fünf bis sechs Stunden ist die Sache gegessen und das Einzige, was nochmals zum Spielen einlädt, ist die Ranking-Jagd. Nur wenn man in jedem Kapitel drei Medaillen abfassen kann, schaltet sich alles frei. Von diversen Animefolgen (die die Vorgeschichte erzählen), über Making-Ofs bis hin zu diversen Artworks.

Ein zweischneidiges Schwert

Technisch kann „Heavenly Sword“ zu gleichen Teilen entzücken wie auch enttäuschen. Besonders imposant sind die Zwischensequenzen, die (zumindest mit englischen Stimmen) absolut lippensynchron präsentiert werden und mit geschmeidigen Animationen und ultra-scharfen Texturen aufwarten. Die Einspieler sind dadurch richtige Hingucker und sorgen immer wieder für offene Münder. Die eigentliche Spielgrafik kann zwar nicht ganz mithalten, sieht aber dennoch bombastisch genug aus, um das Prädikat, „Next-Generation“ ehrlich zu verdienen. Neben der gigantischen Weitsicht sorgt vor allem der auffällige Einsatz der Havok-Physikengine für eine realistische Umgebung - egal ob Feind, Kiste, Obst oder Stühle - alles fällt authentisch zu Boden und bleibt dort sogar (auch als nutzbares Objekt) liegen. Dadurch wirken die Schlachtfelder nicht wie geputzt, sondern verdeutlichen in glaubhafter Weise, wie der Wirbelsturm mit Namen Nariko durch die Landschaft pflügt. Diese grafische Brillanz hat jedoch ihren Preis. „Heavenly Sword“ hat nämlich mit zwei großen Mankos zu kämpfen: Der ruckligen Bildwiedergabe und dem Tearing. Ersteres tritt recht häufig auf und macht sich bei einem Kampfspiel, bei dem jede Sekunde über Sieg oder Niederlage zählt, schon einmal nicht sonderlich gut. Das Tearing dagegen kommt nur in bestimmten Levels zum Vorschein, dann aber meistens ziemlich stark. Schade um die wirklich hübschen Umgebungen und tollen Animationen der Spielfiguren. Aber vielleicht hätten ein paar Kompromisse bei der Gestaltung der Umgebung für eine stabilere Technik gesorgt. Denn ein flüssiges Spiel ist mir immer noch lieber, als ein träges Abenteuer, dass immer wieder von nervigen Slowdowns gestört wird.


Gollum ist König!

Ich denke mal, dass der Ton in „Heavenly Sword“ einen extra Absatz verdient. Schon alleine wegen der oskarverdächtigen Aufführung von Andy Serkis, der im Spiel König Bohan spricht bzw. spielt. Der alte Kriegstreiber kommt nämlich perfekt mit einer Mischung aus Wahnsinn und eiskalter Berechenbarkeit rüber. Da können die anderen englischen Sprecher nicht ganz mithalten. Besonders Nariko und Kai klingen mit ihren alt-englischen Akzenten etwas fehl am Platz. Die deutsche Sprachausgabe kann dagegen besonders mit Narikos Stimme punkten, die das Äquivalent zu purem Sex darstellt. In diese Stimme könnte ich mich glatt verlieben. Dummerweise fällt aber der Rest mächtig ab (Ausnahme: Fischschwanz und Kai). Besonders Bohan verliert in der deutschen Version viel von seiner Persönlichkeit. Aber auch die restlichen Sprecher können nur wenige Akzente setzen – General Fliegender Fuchs ist dafür ein passendes Beispiel. Die musikalische Untermalung ist übrigens pompös und gleichermaßen wunderschön, nur aber selten wirklich passend. Ein gutes Beispiel ist der Bosskampfes mit Fischschwanz. Dort wirkt die lustvoll vor sich hinplätschernde Musik völlig fehl am Platz.

Anmerkung: Während des Testes ist auf einer Anlage der Sound immer wieder ins Stocken geraten, aus meinen Surround Boxen kam jedoch alles einwandfrei heraus. Eventuell lag das jedoch an unserer Testversion, die nicht ganz mit der finalen Fassung übereinstimmen muss.

FAZIT:

Seit Monaten umgibt das mystische „Heavenly Sword“ ein riesiger Hype und dementsprechend waren auch meine Erwartungen an diesen Titel extrem hoch. Doch was ich letztendlich geboten bekam, war dann doch ein wenig enttäuschend. Nicht unbedingt von der Grafik, denn die ist wirklich himmlisch - insbesondere in den Zwischensequenzen – nein, vielmehr von dem durchwachsenen Gameplay. Zwar funktioniert das Schwertkampfsystem im Spiel auch ohne Block- und Springtaste recht gut, aber dieser ganze Bogenschießen-Bockmist durchwässert den Spielspaß doch ein wenig zu stark. Wieso wurde überhaupt soviel Wert auf diese Sixaxis-Spielerei gelegt? Wenn das Ganze wenigstens tadellos funktionieren würde, dann könnte ich das ja noch irgendwie nachvollziehen, aber so? Die Missionen mit der jungen Kai wollen einfach keinen Spaß machen und spielen sich komplett zähflüssig. Hätte „Heavenly Sword“ auf diesen Aspekt verzichtet, wäre eine höhere Wertung ohne Probleme drin gewesen, aber so zieht der umfangreiche „Kai-Anteil“ das Endergebnis deutlich runter.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Nariko – Ich will dich heiraten!
  • Spektakuläre Kämpfe
  • Grandioser König Bohan (zumindest im englischen Ton)

Minuspunkte:

  • Viel zu viel ungenaues Bogenschießen
  • Niedrige Framerate + Tearing
  • Wenig spannende Zwischensequenzen


Infos zum Spiel
NameHeavenly Sword
SystemPlayStation 3
HerstellerSony
EntwicklerNinja Theory
GenreAction
USKab 16 Jahren
Preis69,99 €
PlatinumJa
Release
 19.09.2007
 12.09.2007
 15.11.2007
Spielerzahl1
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
HeadsetNein
720pJa
1080pNein
Sixaxis Tilt SupportJa
Mehr...

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Screenshot Galerie
Heavenly Sword
Gameplay
7.0
Atmosphäre
7.5
Grafik
8.0
Sound
8.0
Spielspass
7.5
 

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