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Colin McRae: DiRT
21. Oktober 2007

Sony hat mit „Motorstorm“ (OnPSX Review) bereits eindruckvoll bewiesen, wie ein Rally/Off-Road Spektakel auf einer Next-Generation Plattform auszusehen hat. Jetzt zieht die alteingesessene britische Entwicklerschmiede Codemasters nach und veröffentlicht mit „Colin McRae: Dirt“ den nunmehr sechsten Ableger der bekannten Rallyserie. Was sich seit den Vorgängern so alles getan hat, erfahrt ihr wie immer in unserem Test.

Gedenkminute

Eigentlich hat das ja in einem Videospielreview nichts zu suchen, aber ich finde schon, dass man ein paar Worte über das tragische Ableben des namensgebenden Rallypiloten Colin McRae (WRC Weltmeister 1995) verlieren sollte - immerhin verunglückte der Brite mit seinem Helikopter fast zeitgleich mit Erscheinen der PS3 Version. Besonders schwer wiegt dabei der Umstand, dass neben ihm auch noch sein Sohn und ein weiteres Kind an Bord waren. Rest in Peace Colin!

Auf zu neuen Ufern

Bislang konzentrierte sich die Colin McRae Serie nur auf den reinen Rallysport. Bei „Dirt“ gibt es jedoch erstmals weitere Disziplinen, die zwar allesamt auch im Off-Road Bereich angesiedelt sind, aber dem Spiel weitaus mehr Abwechslung verschaffen. Das diese „Abwechslung“ zu Gunsten der Tiefe des normalen Rallymodus gehen würde, war jedoch auch irgendwie abzusehen. Und so ist der Rallymodus zwar nach wie vor der umfangreichste Spielmodus in „Dirt“, musste aber im Vergleich zu früheren Episoden deutlich Federn lassen. Am Besten erörtere ich die neuen Spielmodi im Detail:

Rally

Der klassische Modus der Serie, bei dem man gegen die Uhr auf A nach B Etappen fahren muss. Zu den Ländern gehören Deutschland, Großbritannien, Spanien, Japan, Australien und Italien. Jedes Land bietet drei Strecken, die auch umgekehrt gefahren werden können. Leider fehlen markanten Etappen wie Schweden und Finnland, genauso wie verschiedene Witterungen (es gibt lediglich nasse Straßen, aber keinen Regen und auch keinen Schnee). Normalerweise kommt noch erschwerend hinzu, dass man sein Auto erst nach zwei Etappen reparieren darf - ein wichtiges strategisches Element, dass leider im Pyramiden-artigen Karrieremodus völlig unter geht. Unterm Strich sind diese Herausforderungen dennoch die Schönsten, da man hier die Grafikpracht des Spieles in vollen Zügen genießen kann und dank fehlender Computergegner auch an seinen Bestzeiten arbeiten kann.

Rallycross

Hier kämpft man gegen bis zu fünf weitere Fahrzeuge in einem richtigen Rundenrennen. Fordernd werden diese Veranstaltungen durch unterschiedliche Straßenbeläge, sowie die aggressiven Computer-Fahrer. Leider erweisen sich die Kurse als viel zu klein, um wirklich richtige Rennatmosphäre aufkommen zu lassen. Daher erinnern diese Veranstaltungen eher an Destruction Derbys - nur ohne umher fliegende Blechteile.

Rally Raid

Auf den ersten Blick interessant - mit schweren Jeeps und Rallytrucks quer Feld ein durchs Gelände. Im Spiel eher vergesslich, da die Kurse zwar groß sind, aber enge Spuren wirkliches Heizen verhindern und die kargen Wüstenlandschaften nicht gerade überwältigend schön sind. Etwas mehr Abwechslung - zum Beispiel durch Gebirgslandschaften, oder an einem See entlang - wären weitaus willkommener gewesen.

Crossover

Zeit zum Duellieren: In engen Motodrome Kursen geht es Mann gegen Mann. Einmal wird die Außenspur befahren und dann die Innenspur - zwei Runden, in denen man sein Auto perfekt beherrschen und bis zum Äußersten gehen muss. Wie immer die anspruchvollsten Sachen in einem Rallyspiel.

CORR

Mit leichten Trucks und umgebauten Buggys geht es in den Championship Off-Road Racing Veranstaltungen auf sandige Rennpisten. Sture Gegner sind an der Tagesordnung und das unrealistische Fahrgefühl sorgt für wenig Spaß. Die Buggys wirken viel zu leicht und lassen jeglichen Grip vermissen. Somit erinnern diese Rennarten eher an Mondfahrten, als an Off-Road Spektakel. Nicht einmal bleibende Spuren im Schlamm gibt es - das kann „Motorstorm“ weitaus besser!

Hill Climb

Für mich die schönste Ergänzung im Veranstaltungskalender. Mit einem Renntruck oder einem getunten Sportfahrzeug geht es Berge hinauf und zwar mitunter vom Fuß bis zur Spitze. Es werden unterschiedliche Straßenbeläge (Teer, Kies, Sand) und viele Kurven geboten, gefordert werden dagegen ein Bleifuß, Konzentration (es gibt keinen Beifahrer) und Ausdauer. Wer einmal Pikes Peak komplett hoch gerast ist, weiß was ich meine. Ärgerlicherweise leidet auch dieser Modus an akuter Umfangsarmut. Gerade einmal zwei Bergfahrten gibt es. Auch hier wäre weitaus mehr drin gewesen.

Der Karrieremodus, in dem man neue Fahrzeuge und Strecken / Etappen für die weiteren Spielmodi frei schaltet, ist ähnlich wie beim Vorgänger aufgebaut – als eine Art Pyramide, bei der man sich von ganz unten nach ganz oben kämpften darf. Für jedes gewonnene Rennen gibt es Punkte (zum Weiterkommen) und Geld (zum Kaufen von Fahrzeugen und Lackierungen). Die ersten Herausforderungen beschränken sich meistens auf ein Rennen oder einen Rallyabschnitt. Erst später sind zwei / drei Fahrten die Regel, aber auch hier kann man von komplexen Veranstaltungen nicht sprechen. Lediglich das allerletzte Event auf dem obersten Platz der Tabelle bietet unterschiedliche Disziplinen an, die man strikt hintereinander fahren muss - frei nach dem Motto, nur der Gesamtsieg zählt. Unter der Rubrik „Muss jeder für sich entscheiden“ fällt die Option, vor jedem Rennen den Schwierigkeitsgrad festzulegen. Damit gibt es zwar niemals irgendwelche Frustmomente, denn leicht ist hier wirklich leicht, aber dafür auch nur wenig Herausforderung. Warum soll ich mich auf dieser Strecke verbessern, wenn ich genauso genau so gut auf einer leichteren Stufe fahren kann und den Sieg bereits nach einem Versuch in der Tasche habe? Wenn es wenigstens zusätzliche Belohnungen für das Meistern der höheren Stufen gäbe, dann wäre das ja noch ein Ansporn, aber so hat man alles im Spiel spätestens nach neun Stunden frei geschalten. Was bleibt ist der Meisterschaftsmodus, der im Prinzip nichts weiter als ein umfangreicher Einzelrennenmodus ist und der unausgegorene Onlinemodus, der nur über unzureichende Optionen verfügt und bei dem auch nicht alle Veranstaltungen gefahren werden können. Lediglich Zeitrennen sind möglich. Diesen Pfusch (immerhin bot der Vorgänger einen weitaus besseren Mehrspielermodus) spürt man auch bei den Onlineranglisten, die für eine Strecke keine Abgrenzungen für Fahrzeugklassen kennt.

Simulation very light

„Colin McRae Rally“ war bislang zu keinem Zeitpunkt eine richtige Simulation, aber der gebotene - in meinen Augen - perfekte Mix aus Anspruch und Zugänglichkeit war einfach rundum gelungen. Man konnte sofort loslegen, aber es brauchte schon ein wenig Übung, um mit den Fahrzeugen auf den Strecken auf Bestzeitenjagd zu gehen. Mit „Dirt“ ist das etwas anders. Das Fahrmodell wurde stark in Richtung Arcade getrimmt und oftmals fühlen sich die Autos dadurch viel zu leicht an. Zudem stößt die versaute Bremssteuerung negativ auf. Bereits leichtes Antippen reicht aus, um die Fahrzeuge zur Vollbremsung zu überreden. Das ist viel zu übertrieben und kann erfahrenen Spielern oft wertvolle Sekunden in einem spannenden Event kosten. Mit einem Lenkrad gibt es die Probleme allerdings nicht. Da jedoch die Meisten sowieso nur mit Joypad spielen dürften, ist das dennoch ein schwerwiegender Minuspunkt in meinen Augen.

Wald und Wiesen TV

Optisch hinterlässt „Colin McRae: Dirt“ auf den ersten Blick einen berauschenden Eindruck. Absolut natürlich wirkende Rallyetappen in Deutschland, Japan und Großbritannien sorgen mit tollen Texturen und sanften Lichteffekten für authentisches Flair, die Fahrzeugmodelle sehen mit ihren komplett modellierten 3D Cockpits realistisch aus und das vierfache Anti-Aliasing sorgt dafür, dass keine unerwünschte Pixeltreppe das idyllische Bild zerstört. Auf den zweiten Blick fallen dann aber doch einige Sachen auf, die verbesserungswürdig sind: Da wäre die niedrige Framerate, die zwar konstant flüssig läuft, aber bei hoher Geschwindigkeit präzises Lenken fast unmöglich macht. Auch sehen die Buggy / Jeep Rennen alles andere als atemberaubend aus - hier hätte Codemasters ruhig ein paar Fantasiekurse kreieren können, die etwas anderes als Wüsten und Sandlandschaften zeigen. Insbesondere im Vergleich zu Sonys „Motorstorm“ wirkt dieser Bereich etwas schwach. Zu guter letzt gibt es da noch die langen Ladezeiten, die zwar durch Statistiken geschickt kaschiert werden, aber dank standardmäßiger Festplatte zumindest auf der PS3 vermeidbar gewesen wären. Einstimmiges Lob verdient dagegen die Soundkulisse, die sogar mit echtem 7.1 Surround Sound aufwarten kann. Aber auch Replay- und Menümusik, sowie die sehr guten deutschen Sprecher sorgen auf diesem Gebiet für Bestnoten. Beeindruckend war zudem auch die Präzision, mit der Kurven und Sprünge vom Beifahrer angesagt werden - bei den letzten Colin McRae Spielen war das nämlich noch ein großer Schwachpunkt.

Bessere Version?

Die PS3 Variante von „Dirt“ erschien Monate nach den PC und Xbox360 Fassungen. Doch das Warten hat sich gelohnt. Codemasters hat die Sony Variante nochmals ordentlich aufgemöbelt und damit zur besten Version gemacht. Das ätzende Tearing und Ruckeln der Xbox360 Fassung wurde genauso eliminiert, wie das überzogene Bloom-Lightning. Die Ladezeiten konnten zudem auch noch etwas nach unten gedrückt werden und dank Lenkrad Support, unter anderem für das Logitech G25, sowie unkomprimierten 7.1 Dolby Sound ist das Spiel ein Fest für Videospielfreunde.

FAZIT:

Codemasters gelingt mit „Colin McRae: Dirt“ ein guter Einstand auf der PlayStation 3. Das Spiel sieht beeindruckend aus, bietet viel Abwechslung und ist um einiges zugänglicher als die Vorgänger. Bei allem Lob bleibt aber immer noch genügend Raum für Verbesserungen: Sei es das Fahrmodell, die Steuerung oder der Onlinemodus - perfekt sind diese Sachen in „Dirt“ noch nicht. Trotz der Kritik macht das Spiel aber vor allem Eines - nämlich viel Spaß. Deshalb werden Rally und Off-Road Fans gleichermaßen vom Endergebnis nicht enttäuscht sein.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Geniale Optik
  • Viel Abwechslung
  • Variabler Schwierigkeitsgrad

Minuspunkte:

  • Steuerung und Fahrverhalten nicht optimal
  • Enttäuschender Onlinemodus
  • Relativ kurze Spielzeit


Infos zum Spiel
NameColin McRae: DiRT
SystemPlayStation 3
HerstellerCodemasters
EntwicklerCodemasters
GenreRennspiel
USKab 6 Jahren
Preis61,99 €
PlatinumJa
Release
 14.09.2007
 11.09.2007
Spielerzahl100
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenJa
HeadsetJa
720pJa
1080pNein
Sixaxis Tilt SupportNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Colin McRae: DiRT
Gameplay
8.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
9.0
Sound
10.0
Spielspass
8.0
 

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