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GrimGrimoire
22. Oktober 2007

Echtzeitstrategiespiele (kurz RTS = Real Time Strategy) gehören auf Konsolen nicht gerade zu den beliebtesten Genres, umso mehr verwundert es, dass der neueste Vertreter dieser Gattung auch noch aus dem fernen Japan stammt. Merkwürdig ist das deshalb, da solche Spiele eher in den westlichen Regionen zu Hause sind. Wie sich der mutige Vorstoß des asiatischen Vanillaware Entwicklungsteams bei uns im Test geschlagen hat, erfahrt ihr in unserem brandneuen Test. In diesem Sinne viel Spaß mit unserer Rezension.

Von Zauberern und der Zeit

Die Hintergrundgeschichte beginnt relativ flach und ist auch auf den ersten Blick ein wenig ab gedroschen. Die junge Lillet Blan stammt aus einer armen Familie und verkörpert die Freundlichkeit in Person. Ihr Wunsch eine große Zauberin zu werden und damit ihrer Familie und anderen Menschen zu helfen, hat sie bestrebt, stets ehrgeizig und zielgerichtet zu lernen. Letzten Endes hat sie sich dadurch auch eine Einladung in den berühmten Silver Star Tower erarbeitet, um dort bei dem noch viel bekannteren Gammel Dore in die Zauberlehre zu gehen. Wie sich aber bald herausstellt, ist der Turm mit zahlreichen merkwürdigen Persönlichkeiten bevölkert - sowohl Lehrer als auch Schüler, die alle ihre eigenen Probleme miteinander haben. Zu allem Überfluss ist der riesige Turm auch nicht ganz frei von Geistern, denn früher einmal hat dort der mächtige und böse Archmage gehaust. Was die Geschichte dann doch noch richtig interessant macht, ist die plötzliche Tiefe der Charaktere. Mehr und mehr erfährt der Spieler interessante und unheimliche Dinge über die bizarren Mitmenschen. Aber nicht nur das sorgt für Spannung, auch das Konzept der Erzählung ist erfrischend anders. Am Besten stellt man sich „GrimGrimoire“ wie eine Mischung aus Harry Potter und dem Film The Butterfly Effekt vor, denn am fünften Tag ihrer Ausbildung erlebt Lillet wahrlich grausige Dinge: Plötzlich sterben alle um sie herum und der finstere Archmage wandelt wieder unter der Lebenden. An dieser Stelle wacht die junge Aspirantin jedoch in ihrem Bett auf und muss feststellen, dass sie den ersten Tag im Silver Star Tower erneut durchlebt. Nur mit dem Unterschied, das sie mittlerweile über Sachen im Bunde ist, die sie vorher nicht wissen konnte und so beginnt die Jagd auf den Verräter - denn einen muss es geben, schließlich erwacht der Archmage nicht einfach so...

1994 - Sie nannten es GrimCraft

Gespielt wird jeweils ein Tag an der Universität. Anfangs wird man durch ein ausführliches Tutorial (das übrigens perfekt in das Spielgeschehen integriert wurde) geführt und lernt die Grundmechanismen des Gameplays kennen. Diese erinnern frappierend an das uralte PC Spiel „WarCraft“. Anders als im PC-Spiel sieht man die Landkarte jedoch als platte 2D Umgebung, die man von oben nach unten und von links nach rechts scrollen kann. Dank mehrerer Stockwerke, Abgründe, Treppen und dem Nebel des Krieges bietet sich jedoch ein ähnliches Levelbild wie in den ersten Echtzeitstrategiespielen auf dem PC. Sprich um von A nach B zu kommen, muss man die vorgegebenen Wege nutzen oder auf Flugeinheiten setzen. Aber nicht nur das erinnert stark an „WarCraft“ und Konsorten: Auch das Abbauen von Kristallen und der Transport zu den Beschwörungszirkeln, sowie das Upgraden und Schützen eben jener kann die vielen Gemeinsamkeiten nicht verbergen. Wenn man so will, gibt es sogar Zusammenhänge bei der Auswahl der Völker. Während es in „WarCraft“ zwei oder drei Völker gibt, greift Lillet in „GrimGrimoire“ auf verschiedene Zauberarten (Alchemie, Zauberei, Glamour und Nekromantie) zurück und kann somit komplett andere Truppen nutzen. Der eigentliche taktische Clou besteht nun darin, mit den richtigen Elementen zu spielen bzw. die vorhandenen Ressourcen (Truppenzahl ist immer limitiert) geschickt einzusetzen, um die Mission zu gewinnen. Die Ziele unterscheiden sich dabei kräftig voneinander. Manchmal muss man den Gegner komplett vernichten, dann nur diverse Gebäude zerstören, oder einfach eine zeitlang ausharren. Die Schwierigkeit reicht von anfangs sehr leicht bis hin zu fordernd / schwer und das trotz auswählbarer Spielhärte vor jeder Mission. Zusätzlich stehen auch noch Bonusaufträge zur Verfügung, die jedoch einige Erfahrung zum erfolgreichen Bestehen voraussetzen. Insgesamt spielt sich „GrimGrimoire“ dennoch ziemlich gut. Die Bedienung mittels Joypad geht überraschenderweise flott von der Hand und auch sonst macht der Titel nicht viel falsch. Zum Beispiel friert die Zeit beim Auswählen von Einheiten kurzzeitig ein, so dass man im Eifer des Gefechts keine falschen Befehle geben kann. Trotzdem tauchen auch ein paar kritikwürdige Punkte auf. Man kann zum Beispiel beschworene Einheiten nicht wieder vernichten, um eine andere Kreatur zu erschaffen und trotz der intuitiven Bedienung vermisst man doch ein paar tiefer gehende Automatisierungsoptionen und ein besseres Wegpunktesystem. Im Großen und Ganzen stellt das zwar nichts Fatales dar, aber es zeigt auch, dass das eigentliche Gameplay nicht ganz vollkommen ist und für den einen oder anderen auch zu simpel wirken könnte.

Malerisches Kunstwerk

Bei der Grafik kann „GrimGrimoire“ besonders glänzen, da der visuelle Stil schlichtweg umwerfend ist! So eine liebevolle und verspielte 2D Optik bekommt man heutzutage wahrlich selten zu sehen. Aber nicht nur der an westliche Märchen erinnernde Stil weiß zu gefallen, sondern auch die flüssigen Animationen, die großflächigen Charakterportraits in den Zwischensequenzen und die detaillierten Hintergründe sorgen für ein stimmiges Ambiente. Alles wirkt einfach wie aus einem Guss - was jedoch in der Hektik des Gefechtes auch zu Unübersichtlichkeit führen kann, da man nicht sofort eine Figur auf den detailreich gezeichneten Hintergründen erkennen kann. Zudem sorgen fast bildschirmfüllende Monster wie Drachen doch für ein paar gehörige Slowdowns, was bei einem Echtzeitstrategiespiel auch nicht unbedingt von Vorteil ist. Die musikalische Untermalung kann dafür aber vollends überzeugen und schmeichelt mit einem pompösen, aber niemals nervigen, Soundtrack die Ohren. Durch die gelungene englische Synchronisation werden die verschiedenen Charaktere außerdem gut getroffen und versprühen gleich noch einmal soviel Charme. Die einzige wirkliche Enttäuschung ist die fehlende Eindeutschung. Das komplette Spiel ist nämlich in englischer Sprache gehalten und nicht einmal deutsche Untertitel gibt es. Schade!

FAZIT:

Wer hätte das gedacht? „GrimGrimoire“ spielt sich relativ flott und wirkt ziemlich durchdacht. Sogar eine spannende Geschichte gibt es. Klar, wer ihr einen neuen Anwärter auf die RTS-Krone erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Gerade auf dem PC gibt es haufenweise bessere und auch fortschrittlichere Echtzeitstrategiespiele. Wer jedoch auf der Suche nach einem ausgefallenen PS2 Abenteuer ist und noch dazu über gute Englischkenntnisse verfügt, der dürfte an diesem liebevollen Spiel jedoch durchaus Gefallen finden. Für mich ein sehr interessantes und spaßiges Spiel.

[ Review verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Fantastische 2D Grafik
  • Durchdachte Steuerung
  • Coole Geschichte

Minuspunkte:

  • Komplett in Englisch
  • Später teilweise unübersichtlich
  • Wenig Abwechslung bei den Levelkarten


Infos zum Spiel
NameGrimGrimoire
SystemPlayStation 2
HerstellerKoei Tecmo
EntwicklerVanillaware
GenreStrategie
USKab 12 Jahren
Preis39,99 €
PlatinumNein
Release
 28.09.2007
 26.06.2007
 12.04.2007
Spielerzahl1
SpracheEnglisch
TexteEnglisch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IINein
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
GrimGrimoire
Gameplay
8.0
Atmosphäre
8.5
Grafik
8.5
Sound
8.5
Singleplayer
8.0
 

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