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Final Fantasy Tactics: The War of the Lions
5. November 2007

1997 war ein großes Jahr für Squaresoft, erschien doch mit „Final Fantasy VII“ der vielleicht bekannteste und beliebteste Ableger der wichtigen Rollenspielreihe. Im selben Jahr, sozusagen im Kielwasser der RPG-Legende, veröffentlichten die Japaner aber noch ein zweites Spiel unter dem Final Fantasy Banner: „Final Fantasy Tactics“. Protzige 3D-Grafiken, Videosequenzen und eine filmreife Präsentation suchte man hier vergeblich. Wie der Name bereits andeutet, steht das Taktieren auf dem Schlachtfeld im Vordergrund - fast wie bei einer Partie Schach. Trotzdem wurde nicht auf eine liebevoll erzählte Geschichte verzichtet, in der auch die Welt Ivalice, die viele mittlerweile aus „Final Fantasy XII“ (OnPSX Review) kennen dürften, das Licht der Welt erblickte. Dummerweise kam das Spiel niemals nach Europa und das trotz des immensen Erfolges der PlayStation 1. Mit der PSP ändert sich dieser Umstand jedoch und Square-Enix veröffentlicht den Klassiker endlich auch in der Alten Welt.

Vom Adel und dem Pöbel

Die Story von „Final Fantasy Tactics“ beginnt langsam, kommt aber mit zunehmender Spielzeit in Schwung und ruck zuck steckt man mittendrin. Hauptcharakter ist ein Junge, der adelig geboren wurde, aber mit dem Pöbel fühlt. Ramza, aus dem Königshaus Beowulf, braucht allerdings etwas Zeit, bis er feststellt, dass die Monarchie in Ivalice nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Es werden Intrigen gesponnen und es wird pausenlos um die Vormacht gekämpft - der „kleine Mann“ auf der Straße geht dabei zu Grunde. Ramzas Jugendfreund und enger Verbündeter Delita ist ebenfalls kein Adliger und merkt früher als Ramza selbst, dass im Königreich vieles falsch läuft. Als Ramzas Vater, ein gutmütiger und weiser König, stirbt und Ramzas bösartiger Bruder an die Macht kommt, spitzen sich die Ereignisse zu und stürzen sowohl Ramza als auch seine Freundschaft zu Delita in eine tiefe Krise.

Erforschen? Fehlanzeige!

Startet man das Abenteuer, wird schnell klar, dass das Gameplay von „Final Fantasy Tactics“ mit dem eines klassischen Final Fantasys nur wenig zu tun hat. Im Grunde gibt es nämlich lediglich drei Szenarien: Das Kampf-Szenario, in dem man in taktischen, rundenbasierten Kämpfen alle Widersacher besiegen muss, die Story-Sequenzen, in denen die Geschichte voran getrieben wird und die Weltkarte, auf der man sich fortbewegt (und dabei von Zufallskämpfen überrascht wird) und auch die eigenen Truppen ausrüstet und managet. Shops, Städte und Dörfer gibt es auch, allerdings bestehen diese nur aus einem einfachen Menüsystem. Hier kann man jedoch neue Einheiten rekrutieren, klassische FF-Items wie Potions und Phönixfedern kaufen und natürlich Ausrüstung in Form von Schwertern, Helmen und Rüstungen erstehen. Die Menüführung ist dabei nach kurzer Eingewöhnungszeit erfreulich intuitiv, so dass das „Micro-Management“ recht flott von der Hand geht.

Art of War

Als Vorwarnung: Dieses Final Fantasy trägt das TACTICS nicht umsonst im Namen! Schaut man sich als Neueinsteiger die umfangreichen und massig vorhandenen Tutorials an, wird man im ersten Augenblick erschlagen. Mein Tipp: Einfach anfangen zu spielen! Die meisten Regeln versteht man, in dem man einfach ausprobiert was geht und die Züge des Feindes genau beobachtet. Und um die restlichen Unklarheiten zu beseitigen, lassen sich die sehr guten Tutorials jederzeit aus dem Spiel heraus aufrufen. Während der Kämpfe betrachtet man das Schlachtfeld aus einer isometrischen Perspektive. Dort positioniert und befehligt man die zweidimensionalen Bitmap-Figürchen. Die Kämpfe laufen wie gesagt rundebasiert ab – für jede Runde stehen pro Charakter zwei Züge zur Verfügung. Einmal darf man sich über das Schlachtfeld bewegen, wie weit hängt von den Fähigkeiten des Charakters ab und zum anderen darf man „handeln“, das bedeutet im Klartext: Angreifen, Items einsetzen oder andere Aktionen auszuführen. Dabei kommt es vor allem darauf an, die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt zu treffen und die passende strategische Marschroute zu finden. Erst Heilen oder erst Angreifen? In der Defensive bleiben und den Gegner auf sich zukommen lassen, oder volle Offensive? Schalte ich zuerst den Heilmagier aus, oder den Anführer, der ordentlich Schaden austeilt? Ein wenig Glück gehört im entscheidenden Moment allerdings auch dazu und oftmals ist es nur noch ein Angriff, der über Sieg oder Niederlage entscheidet. Geht dieser eben aufgrund einer der Zufallsfaktoren ins Leere, oder wird abgeblockt, kann das schon mal für Frust sorgen, denn so eine Taktik-Schlacht ist nicht unbedingt in fünf Minuten wiederholt. Einige der Auseinandersetzungen dauern gut und gerne auch mal eine halbe Stunde oder länger und so spannend es ist, wenn der Kampf ständig hin- und hergeht, ärgert man sich doch am Ende schon ein bisschen, wenn der Gegner nach 45 Minuten immer noch die Oberhand behält. Der Schwierigkeitsgrad könnte allerdings allgemein etwas besser ausbalanciert sein. Es kommt ab und an nämlich vor, dass man vor einem der schwierigen Story-Kämpfe einige Zufallskämpfe absolvieren muss, damit die eigenen Truppen ein paar Levels aufsteigen. Neben einem ausreichend hohen Level, der richtigen Taktik und dem nötigen Glück ist es bei „Final Fantasy Tactics“ vor allem wichtig, dass man sich bereits im Vorfeld auf die nächste Schlacht gut vorbereitet. Ausreichend Items sollten sowieso immer eingekauft werden und die Ausrüstung muss ebenfalls auf dem neusten Stand sein. Ganz zentral für den Erfolg ist aber auch das so genannte Job-System. Jeder der Untergebenen kann einen speziellen Beruf wie Ritter, Schwarzmagier, Mönch, Bogenschütze usw. erlernen. Insgesamt stehen 22 verschiedene Job-Klassen zur Auswahl. Jede dieser Job-Klassen hat seine eigenen individuellen Vor- und Nachteile und lassen die Spielfigur in einigen Fertigkeiten besonders effektiv werden. Beispielsweise kann ein Alchemist am Besten mit Heilgegenständen umgehen. In der Praxis sieht das dann so aus: Zwar kann auch der normale Soldat einen Heiltrank einsetzen und einige Alchemisten-Fähigkeiten erlernen, aber nur ein richtiger Alchemist ist auf dem Schlachtfeld wirklich nützlich. So kann er beispielsweise Heiltränke in einem viel größeren Radius über das halbe Schlachtfeld verteilen, während der Soldat nur sich selbst oder einen Kollegen auf einem der umliegenden Felder heilen kann. Die unterschiedlichen Jobs wirken sich übrigens in allen Bereichen aus: Angefangen bei Gegenständen, die nur bestimmte Job-Klassen anlegen können, bis zur Anzahl der Hit-Points oder der Reichweite zu Fuß auf dem Schlachtfeld – will man bei „Final Fantasy Tactics“ erfolgreich sein, ist es ungemein wichtig, dass man seine Charaktere mit dem Job-System auf bestimmte Fähigkeiten hin optimiert und richtig einsetzt. Im Kampf selbst ist es dann ebenfalls wichtig, dass die Charaktere ihre, durch den Job verliehenen, Spezialfähigkeiten auch nutzen, denn nur so erhalten sie Job-Punkte, die man nach dem Kampf darauf verwenden kann, die Job-Klasse zu verbessern.

Das Sahnehäubchen

Das PS1-Spiel ist ja bekanntermaßen ein Klassiker, umso erfreulicher ist es, dass Square-Enix die Geschichte dennoch mit tollen neuen animierten Zwischensequenzen im Cel-Shading-Stil und einem verbessertem Script aufgewertet hat. Nicht so toll sind dagegen die Slowdowns, die während der Kämpfe öfters mal auftreten. Die gab es nämlich im Original nicht. In Anbetracht dessen, dass man ein Taktik-RPG und kein schnelles Actionspiel vor sich hat, lässt sich das aber noch verschmerzen, denn der Spielfluss wird dadurch kaum beeinträchtigt. Ebenfalls neu sind übrigens zwei Multiplayer-Optionen, bei denen man entweder im Ad-Hoc Modus gegen einen Freund antreten kann, oder mit ihm zusammen Spezial-Missionen bestreiten darf. Ein Online-Modus fehlt dagegen komplett.

Nostalgische Optik

Die Grafik wirkt auf den ersten Blick veraltet, oder besser gesagt: Sie wirkt nicht nur so, sie ist es auch. Schließlich hat Square-Enix das Spiel, abgesehen vom passenden 16:9 PSP Format, optisch nur wenig verändert. Und somit hat man ein knapp 10 Jahre altes Spiel vor sich. Das ist aber nicht so schlimm, denn der etwas altbackene Look, der an frühere 16-Bit Rollenspiele erinnert, ist mit seinen knuffigen Charakteren, niedlichen Animationen und vielen schönen Details an den Figuren und in der Umgebung einfach zeitlos und sieht dank höherer PSP Auflösung auch nicht mehr so pixelig wie auf der PS1 aus. Der Soundtrack stammt zwar nicht von Final Fantasy-Legende Nobuo Uematsu, sondern aus den Federn von Masaharu Iwata und Hitsoshi Sakimoto (der unter anderem auch für „FFXII“ und „Vagrant Story“ verantwortlich war), ist aber dennoch ausgesprochen atmosphärisch und sehr episch angehaucht. Die Kampfmusik nervt beispielsweise auch nach mehrmaligem Hören nicht und der gesamte Soundtrack bietet sehr viel Abwechslung. Der Final Fantasy typische Charme ist somit auch hier auf jeden Fall da und das eine oder andere musikalische Thema erkennt man auch wieder.

FAZIT:

Wow, was für ein Spiel! Anfangs war ich als Taktik-RPG Neuling recht skeptisch, vor allem wegen der angestaubten Optik. Auch fühlte ich mich von den ersten Kämpfen etwas überfordert und die Hintergrundgeschichte schien im ersten Moment auch unnötig komplex und verworren zu sein. Aber als ich diese Anfangsschwierigkeiten überwunden hatte und mich ausführlich mit dem Kampfsystem auseinandergesetzt habe, ließ ich die PSP nicht mehr so schnell los. Das ging sogar soweit, dass ich den Handheld nicht einmal aus der Hand gelegt habe, als ich längere Kämpfe verlor – jedes Mal war der Wille zum erneuten Versuchen da. Die taktischen Möglichkeiten sind nämlich extrem umfangreich und trotzdem wirkt das Spiel zu keinem Zeitpunkt überladen oder kompliziert. Und dank der tollen Zwischensequenzen und der emotionsgeladenen Story fühlt man sich später mit Ramza und den schwierigen Entscheidungen, die er in seinem Abenteuer zu fällen hat, eng verbunden. Aber Achtung: Gute Englisch-Kenntnisse sollte man für den Abenteuerurlaub in Ivalice schon mitbringen, denn das mittelalterlich angehauchte Script ist nicht immer ganz einfach zu verstehen und deutsche Untertitel gibt es nicht.

[ Review verfasst von Sephi-Roth ]

Pluspunkte:

  • Spannende Taktik-Kämpfe, die einen an die PSP fesseln
  • Schöne Geschichte mit tollen Zwischensequenzen
  • Sehr guter Soundtrack

Minuspunkte:

  • Kleinere Slowdowns in den Kämpfen
  • Hoher Schwierigkeitsgrad, der ab und an für Frust sorgt
  • Technisch veraltet


Infos zum Spiel
NameFinal Fantasy Tactics: The War of the Lions
SystemPlayStation Portable
HerstellerKoch Media
EntwicklerSquare Enix
GenreStrategie
USKab 12 Jahren
Preis39,99 €
PlatinumNein
Release
 26.10.2007
 09.10.2007
 10.05.2007
Spielerzahl2
SpracheEnglisch
TexteEnglisch
MehrspielermodusJa
InfrastructureNein
Ad-hocJa
Game-SharingNein
DownloadcontentNein
Memorystick512 KB
Progressive ScanNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Final Fantasy Tactics: The War of the Lions
Gameplay
9.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
6.5
Sound
8.5
Singleplayer
8.5
Multiplayer
7.5
 

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