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The Eye of Jugdment
8. Dezember 2007

Was passiert, wenn Realität und Videospiel miteinander verschmelzen? Wenn plötzlich eine Kreatur aus einer stinknormalen Karte auf dem Bildschirm zum Leben erwacht? Wenn man sie anstubbsen kann und sie daraufhin böse zurück faucht? Dann – ja dann hat man gerade das brandneue exklusive PS3 Spiel „The Eye of Judgment“ in seine Konsole geworfen. Sony läutet mit dem Titel eine komplett neue Ära der Videospiele ein. Wieso fragt ihr? Bisherige EyeToy-Spiele boten nämlich nur eine beschränkte Interaktion mit dem TV-Schirm. „The Eye of Judgment“ vollzieht dagegen den nächsten Schritt und präsentiert das, was dem Begriff augmentierte Realität, am nächsten kommt: Interaktion mit Computerwesen! Doch was nützen die besten Ideen und die neuesten technischen Spielereien, wenn das Gameplay nicht stimmt? Genau – gar nichts und deshalb haben wir uns „The Eye of Judgment“ vorgenommen und verraten euch, wie es um die Spielbarkeit des hochinnovativen Titels steht.

Fünf gewinnt

Das grundlegende Gameplay hört sich anfangs recht simpel an: Auf einem insgesamt neun Felder umfassenden Spielplan kämpfen zwei Spieler mit jeweils dreißig Spielkarten (Zauber und Kreaturen) um die Vorherrschaft. Sieger ist derjenige, der am Ende des Spieles fünf von neun Feldern hält. In der Praxis fällt das Spielprinzip dann doch nicht ganz so einfach aus, denn man hat allerhand Sachen zu beachten. Doch dazu später mehr. Wenden wir uns zunächst dem Aufbau des Titels zu: Nachdem man die neue PlayStation Kamera namens „PlayStation Eye“ über ein USB-Kabel (welches mit 1,5 Metern allerdings viel zu kurz ist) an die Konsole angeschlossen und in das beigelegte Stativ eingesetzt hat, wird der Spielplan ausgelegt. Der Plan besteht aus Stoff und macht einen ordentlichen Eindruck, ist aber gefaltet und sollte vor dem Spielen am besten noch einmal gebügelt werden, damit man später nicht mit Falten zu kämpfen hat. Das Stativ wird aus Plastikteilchen zusammengesteckt, wirkt deswegen auch nicht sonderlich hochwertig, ist aber stabil und erfüllt seinen Zweck. Die PS3 erkennt die angeschlossene Kamera ohne mit der Wimper zu zucken und es muss auch nichts mehr zusätzlich installiert werden. Die Kamera kann man nun an vier Stellen um den Plan positionieren, hierzu durchläuft man ein kurzes Erklärungsmenü, in welchem die Kameraposition festgelegt und ein Funktionstest durchgeführt wird. Hat man das erledigt, kann es theoretisch losgehen. Im Startpaket werden neben der Kamera und dem Spiel auch noch dreißig Karten und ein Booster-Pack mitgeliefert. Die dreißig Karten bestehen aus vier Aktionskarten, mit denen man im Spiel bestimmte Aktionen auslösen kann, sowie sechsundzwanzig normalen Spielkarten. Im Booster-Pack befinden sich nochmals acht verschiedene Spielkarten, die zufällig gemischt wurden. Die Grundregeln bekommt man in einigen gut verständlichen Tutorialvideos beigebracht. Das dünne Handbuch erweist sich dagegen als keine allzu große Hilfe. Damit ihr aber auch ohne Spielkauf einen Einblick in das Spielprinzip bekommt, will ich euch einen kleinen Überblick verschaffen.

Eroberer der neun Felder

Auf dem Spielplan sind wie schon erwähnt, neun Spielfelder verzeichnet. Jedes Spielfeld gehört einem von fünf (Stein, Wasser, Holz, Feuer und Biolith) Elementen an. Zugleich besitzt auch noch jedes Feld eine Rückseite, welche zu einem anderen Element zählt. Legt man nun eine Holz-Kreatur wie beispielsweise eine Elfe auf ein Holzfeld, bekommt die Elfe als Bonus zwei Lebenspunkte zu ihren normalen Werten dazu addiert. Würde man sie dagegen auf ein Steinfeld legen, bekäme das Mädel sofort zwei Lebenspunkte abgezogen. Jedes Element hat also ein Gegenelement, Wasser ist logischerweise das Gegenstück zu Feuer und Stein eben zu Holz. Lediglich Biolith, eine Art Mechanik, ist neutral und bringt einzig und allein Biolith-Kreaturen zusätzliche Lebenspunkte. Soviel zur Beschaffenheit des Spielfeldes. Das Spiel beginnt nun folgendermaßen: Man stellt sich ein Deck aus genau dreißig Karten zusammen. Dabei muss man beachten, dass einige Karten nur einmal oder in einer begrenzten Anzahl vorhanden sein dürfen. Danach werden die dreißig Karten umgedreht als so genannte „Bibliothek“ neben das Spielfeld gelegt. Zu Beginn des Matches darf jeder Spieler fünf Karten davon abheben. Gefallen einem die Karten nicht, darf man einmalig noch einmal ziehen. Ist das erledigt, fängt der erste Spieler an, eine Karte auszuspielen. Jede Karte benötigt eine bestimmte Anzahl von Manapunkten. Hat man also eine Kreatur, die nach fünf Manapunkten verlangt, kann man diese nur auslegen, wenn man fünf Manapunkte gespart hat. Anfangs startet man lediglich mit zwei Manapunkten, bekommt aber jede Runde zwei Weitere dazu. Wird eine Karte besiegt und muss vom Feld genommen werden, gibt es ebenfalls noch einmal einen Manapunkt. Am Besten versucht man natürlich die Karten eines bestimmten Elements auf ein Feld des gleichen Elements zu platzieren, um die zusätzlichen Lebenspunkte für diese Karte zu bekommen. Aber nicht nur wo man die Karte hinlegt, ist wichtig, sondern auch wie man sie hinlegt. Jede Karte kann nämlich vorwärts, seitwärts und rückwärts ausgespielt werden. Kann eine Kreatur beispielsweise nur nach links oder rechts angreifen, muss man sie natürlich entsprechend hinlegen. Hinsichtlich einer strategischen Vorgehensweise ein nicht zu unterschätzender Punkt! Ist der erste Spieler mit seinem Zug fertig, kommt der zweite Kämpfer an die Reihe. Pro Runde darf man immer wieder eine Karte von der Bibliothek abheben. Da neun Spielfelder nicht gerade viel sind, kommt es schon sehr schnell zu ersten Kampfhandlungen. Diese laufen automatisch ab. Man legt dazu einfach die entsprechende Karte ab und das Spiel beginnt eine pompöse Kampfsequenz abzuspielen. Liegt eine Karte bereits auf dem Spielfeld und sie soll noch einmal angreifen, muss dafür eine Aktions-Karte auf diese gelegt werden. Ebenso kann man damit die Runde beenden, Aktionen abbrechen oder sich den genauen Status aller Karten anzeigen lassen. Neben den normalen Kreaturkarten gibt es auch noch Zauberkarten mit verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Das Tolle an diesen Karten ist, dass viele davon nicht mal Mana kosten, also quasi „umsonst“ eingesetzt werden können. Zauberkarten kommen im Spiel oft Schlüsselrollen zu, besonders wenn Kreaturkarten keine Wende im Kampf herbeiführen kann. Diese Zauberkarten ermöglichen es auch, gegnerische Karten umzudrehen, sich neues Mana zu besorgen, Heilzauber auszulösen oder die Elemente auf den Feldern auszutauschen. Wurde eine Zauberkarte verwendet, muss sie abgelegt werden, ebenso wie Kreaturkarten, die im Spiel besiegt werden. Sollte ein Spieler alle seine Karten verlieren, ohne das der andere fünf von den neun Feldern hält, ist das Spiel ebenfalls vorbei.


Man sieht, ganz so einfach wie auf den ersten Blick fällt das Spielprinzip dann doch nicht aus. Zudem gibt es auch noch weitere Feinheiten und Möglichkeiten, auf die ich an dieser Stelle aber nicht eingehen kann, schlicht und einfach weil das Review dann ins Bodenlose ausufern würde. Interessanterweise ließe sich das Spiel aber auch ohne Kamera und Fernseher spielen. Das Spielsystem funktioniert nämlich theoretisch auch so. Allerdings würde dann etwas Magie verloren gehen, denn zu einem nicht gerade kleinen Teil zieht das Spiel seinen Reiz aus der coolen PlayStation Eye Einbindung. Wenn man erst einmal eine Kreatur auf seiner Handfläche beschworen hat, ist das ein ziemlich cooles Gefühl.

Trading World Online

Allerdings wäre „The Eye of Judgment“ nur halb so spannend, wenn man sich nur mit dem Computer messen könnte. Neben einem normalen Zweispielermodus, bei dem man zusammen vor einer PS3 spielt, kann man auch noch Online gegeneinander antreten. Prinzipiell läuft das genauso ab, wie bei einem normalen Spiel gegen die CPU. Ein paar Besonderheiten gibt es aber dennoch, schon alleine um ein faires Match zu gewährleisten. So muss man vor dem Spiel sein Deck elektronisch registrieren. Dadurch weiß das Spiel immer, was für Karten bei einem Duell gezogen werden können. Aber um die ganze Sache noch schummelunfreundlicher zu gestalten, gibt die PS3 auch noch vor, welche Karte man als nächstes aus der Bibliothek ziehen darf. Das geht zwar etwas zu Lasten der Strategie, da man – wenn man Pech hat – nur Karten aufnehmen darf, die einem in einer bestimmten Situation absolut gar nichts nützen. Aber das gewährleistet auch, dass man sein Deck vorher nicht so konstruieren kann, um eine Killerkombination zu haben. Weiterhin ist es ratsam, sich mit Boosterpacks einzudecken, denn Online trifft man mit Sicherheit auf Spieler, die weitaus mehr Karten besitzen, als man selber. Um Online also gut dabei zu bleiben, kommt man nicht um die Anschaffung weiterer Karten herum. Sicher, dass ist wohl auch Sinn eines Sammelkartenspiels (Trading Card Game), aber das kann auch ganz schnell ziemlich teuer werden. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass sich die Karten trotz angeblicher Kopierschutzmechanismen kinderleicht vervielfältigen und ausdrucken lassen. Im Endeffekt werden dadurch die originalen Karten niemals den Wert erreichen, den seltene Exemplare in anderen Sammelkartenspielen wie zum Beispiel „Magic the Gathering“ innehaben.

Technika Obscura

Eines meiner Hauptprobleme beim Spielen war, dass die Kamera bei normaler Raumbeleuchtung Karten oft nicht erkannte. Allerdings denke ich nicht, dass es an der Kamera liegt, denn nach einem kurzen Ziehen und Wiederanschließen des USB-Kabels wurden die Karten immer einwandfrei erkannt. Ich vermute also, dass es sich dabei um einen Programmfehler handelt, der durch ein Update behoben werden könnte. Abgesehen davon funktioniert die Kamera aber prima, die Karten werden schnell und richtig gescannt und Aktionen zügig umgesetzt. Lediglich auf dem TV Bildschirm wirkt das Spielfeld etwas zu blass und man erkennt oft nur sehr schlecht, welches Element auf welchem Feld liegt. Ansonsten hinterlässt das Spiel grafisch einen sehr guten Eindruck. Die Kämpfe werden beispielsweise ziemlich aufwendig und bombastisch inszeniert und das Kreaturendesign ist äußerst vielfältig. Nichtsdestotrotz hat man sich daran schnell satt gesehen, weshalb die Option der vereinfachten Kampfdarstellung einem flüssigen Spielen später sehr zu Gute kommt. Fast noch imposanter ist jedoch der gelungene Heavy Metal Soundtrack. Dieser lädt geradezu ein, den Lautstärkeregler nach rechts zu reißen und ganz tief in die Phantasiewelt abzutauchen.

Fehlt hier etwas?

Das Spiel ist klar für Duelle gegen andere menschliche Spieler ausgelegt. Zwar gibt es auch eine Option, um gegen den Computer anzutreten, aber diese dient wohl nur zum Üben. Wer einen richtigen Story-Modus sucht, wird jedenfalls nicht fündig werden. Das ist ein wenig schade, denn man hat zwar die tollsten und einfallsreichsten Phantasiewesen vor sich liegen, aber wieso man kämpft, woher die Kreaturen kommen und um was es bei diesem Krieg überhaupt geht, erfährt man nicht. In meinen Augen wurde hier klar Potential verschenkt, denn außer ein paar spärlichen Karteninfos, wird über das Spieluniversum nichts weiter verraten.

FAZIT:

„The Eye of Judgment“ ist ein Erlebnis - definitiv. Sony beschreitet mit dem Titel neue Wege und gewährt zudem einen Ausblick auf die Zukunft des interaktiven Entertainments. Aber nicht nur technisch hinterlässt der Titel einen bleibenden Eindruck, auch spielerisch wird solide Kost geboten. Kartenfans und Strategiefanatiker bekommen somit ein erfrischendes Spielerlebnis geboten. Jedoch sollte man sich immer vor Augen halten, dass das Spiel a) ziemlich ins Geld gehen kann, wenn man bestimmte oder alle Karten haben möchte und b) durch den fehlenden Story-Modus im Einzelspielermodus recht schnell langweilig wird. Wer dagegen öfters Online oder mit Freunden spielt, wird sich daran nur wenig anstoßen.

[ Review verfasst von Pry ]

Pluspunkte:

  • Innovatives Spielkonzept
  • Gutes Karten Gameplay
  • Tolle Präsentation

Minuspunkte:

  • Kameraerkennung funktioniert nicht immer
  • Kein Story-Modus
  • Kann ziemlich ins Geld gehen


Infos zum Spiel
NameThe Eye of Judgment
SystemPlayStation 3
HerstellerSony
EntwicklerSony
GenreEyeToy
USKab 6 Jahren
PlatinumNein
Release
 24.10.2007
 24.10.2007
Spielerzahl2
SpracheEnglisch
TexteDeutsch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenJa
EyeToyJa
HeadsetJa
720pJa
1080pNein
Sixaxis Tilt SupportNein
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Screenshot Galerie
The Eye of Jugdment
Gameplay
8.0
Atmosphäre
7.0
Grafik
8.5
Sound
8.5
Spielspass
7.0
 

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