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Alone in the Dark
2. September 2008

Videospiel-Urgestein Atari beauftragte die Leute von Hydravision („Obscure" OnPSX PS2 Review) eine PS2-Version ihres potenziellen Blockbusters „Alone in the Dark" zu entwickeln. Die PS3-Fassung, die währenddessen bei Eden Games entsteht, wird erst Ende des Jahres erscheinen, doch die PS2-Version lässt bereits erahnen, was uns auf PS3 erwarten wird. Das Ziel, ein gruseliges Horror-Abenteuer zu schaffen, ist gelungen. Leider im falschen Sinne, denn das einzig gruselige und schockierende ist das Endprodukt selbst.

Wie? Wo? Was?

Als Spieler schlüpft man in die virtuelle Haut von Edward Carnby, dem Helden vergangener Alone in the Dark Teile. Dieser müsste eigentlich weit mehr als 80 Jahre auf dem Buckel haben, doch er sieht immer noch aus wie ein Mittdreißiger. Warum Carnby scheinbar nicht älter wird, ist unter anderem Bestandteil der Story. Er erwacht zu Beginn auf einer Trage und lauscht dem Gespräch mehrerer Männer. Man merkt schnell, dass diese Kerle nichts Gutes im Schilde führen, fordern sie doch den Tod Carnbys. Mit einer Pistole im Rücken und der unfreundlichen Stimme eines Ganoven im Gehörgang wird man hinfort geführt. Doch bevor der böse Bube Carnby die Lichter auspusten kann, wird er von einer Schattengestalt weggezerrt und das Unheil nimmt seinen Lauf. Es gilt nun, unbeschadet aus dem einstürzenden Gebäude zu entkommen und gleichzeitig herauszufinden warum Chaos herrscht und wo diese merkwürdigen Risse herkommen. Kurze Zeit später trifft man Sarah, die einem auf weiten Strecken des Spiels Gesellschaft leisten wird. Sie gibt später vereinzelte Tipps und wird ein wichtiger Bestandteil der Story.

„Komm du Idiot, lass uns Fangen spielen!"

Bereits nach wenigen Spielminuten nimmt das Unheil seinen Lauf. Man kämpft mit der hakeligen Steuerung, dümpelt durch dunkle Gebiete, die teils derart schlecht ausgeleuchtet sind, dass es trotz Taschenlampe schwer fällt, sich zu orientieren. Verlaufen ist dann aber doch kaum möglich, da die Laufwege und auch Bereiche an sich sehr kompakt gehalten sind. Es fühlt sich an, als läuft man kurz zur Tanke und zurück. Die Ego-Ansicht spielt sich besser als die Über-die-Schulter-Perspektive, doch leider wechselt das Spiel an einigen Stellen automatisch die Ansicht. Gerade Rätsel lassen sich aus der Ich-Ansicht sehr anständig lösen - da kommt Adventure-Feeling auf. Sollte man während den nächtlichen Erkundungstouren auf Gesellschaft stoßen, so handelt es sich dabei entweder um einen stummen NPC, meist jedoch um einen der eineiigen Zwillings-Zombies. Sie sind nicht besonders schlau und können auch nicht gut sehen, doch immerhin haben sie jederzeit Zeit für einen kleinen Moonwalk - denn auf der Stelle trampeln, ohne vorwärts zu kommen, ist eine ihrer Spezialitäten. Ein weiteres Merkmal dieser Mutanten ist, dass sie unheimlich faul sind. Man muss meist nur wenige Schritte vor ihnen davon laufen oder um eine Ecke biegen und schon geben sie auf. Will man dann doch rohe Gewalt sprechen lassen, so zieht man die Pistole, zielt über Kimme und Korn und hofft, dass die Kugeln ihr Ziel finden. Das weiß man nämlich nie so recht, da man als Spieler so gut wie keine Rückmeldung über einen Treffer erhält. Alternativ lässt sich jeder der Gegner mit einem Flammen-Angriff besiegen. Kaum in Brand gesteckt, streicht jeder noch so wütende Gegner die Segel.

Hängt man an einer Stelle im Spiel fest, dann liegt das zu 99 Prozent an den oft unlogischen Rätseln. Meistens hat man zwar einen Schimmer davon, was zu tun ist, weiß aber nicht so recht, wie man es anstellen soll. Glücklicherweise haben die Entwickler die nützlichen Gegenstände nah am wichtigen Ort platziert. Zur Not lässt sich mit einem Druck auf R3 Edwards inneres Sichtfeld aktivieren. Des Rätsels Lösung leuchtet einen förmlich an. Oftmals ist es nur notwendig, irgendwas abzubrennen oder irgendwo raufzuklettern, doch gerade gegen Ende steigt das Niveau der Rätsel. Skripts, die notwendig für den Spielverlauf sind, sind leider so schlecht eingebunden, dass sie schlichtweg nicht ausgelöst werden. Oft kommt es vor, dass man erst mehrmals an bestimmten Stellen entlang laufen muss.

Schumi mit Augenbinde

Wenn die Laufwege zu lang sind oder man wieder mal auf der Flucht ist, platziert Edward seinen Hintern auf dem Fahrersitz eines Autos, schließt dieses kurz und braust davon. Leider scheint Mister Carnby sonst Automatik zu bevorzugen, denn der Sound der Autos bei gut 80 km/h klingt so, als würde man den zweiten Gang kräftig ausfahren - mit einem Rasenmäher. Zudem ist die Steuerung der Fahrpassagen bei weitem nicht optimal. Ob mit Ego- oder Third-Person-Ansicht, die Autos steuern sich schwammig und lassen sich nur schwer manövrieren. Ausflüge in die Straßengräben New Yorks sind da vorprogrammiert. Zum Glück hat jemand vor einiger Zeit die Respawn-Punkte erfunden. Wenn man grad nicht forscht, fährt oder fies zu Gegnern ist, muss man die Klettereinlagen meistern. Eindeutig einer der größten Kritikpunkte. Edward springt (meist aufgrund unpassender Kameraeinstellungen) sehr ungenau und die Seile, an denen man eigentlich nur entspannt klettern soll, mutieren gern mal zu unkontrollierbaren Kobras. Sie bewegen sich willkürlich, schleudern Edward durch die Luft, bleiben an Wänden kleben. Als würde sich ein Schlangenbeschwörer mit Turban hinter der nächsten Ecke verstecken. Die reinste Glitchorgie. In Kapitel 7, Akt 3 verhindert solch ein Bug sogar das Weiterspielen und man muss Gebrauch vom Kapitel-Aufbau des Spiels machen.

No more Frustmomente für Möchtegern-McGyver?

Hängt man nämlich an einer Stelle im Spiel fest, kann man diesen Akt des jeweiligen Kapitels überspringen und etwas später wieder ins Spiel einsteigen. Nur schade, dass man dann Munition und Heilspray aufs Neue suchen darf. Speichern kann man dann übrigens auch nicht, also merkt euch, in welchem Kapitel ihr zuletzt gewesen seid. Als Non-Plus-Ultra wurden im Vorfeld die interaktive Umgebung und die Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Utensilien angepriesen. Das mag vielleicht auf den Next-Gen-Versionen überzeugend sein, doch auf PS2 sind diese beiden Features kaum noch präsent. Gegenstände aus Holz lassen sich nur in selten in Brand setzen, der Interaktionslevel mit der Umgebung ist quasi null und selbst einige Utensilien-Verbindungen haben es nicht auf die PS2 geschafft. Es lässt sich kein Loch mehr in einen Benzintank stechen, um das auslaufende Benzin zu entzünden, in Alkohol getränkte Munition gibt es ebenfalls nicht mehr. Die wenigen Kombinationen die bleiben, lassen sich zudem nur umständlich ausführen. Bis man Feuerzeug und Heilspray oder Pistole und Taschenlampe in beiden Händen hält, sind einige Klicks notwendig. Des Weiteren steht Edward Verbandszeug zur Verfügung, dass er sich in Echtzeit anlegt. Selbst seine Munitionsvorräte sind unter seinem Mantel zu sehen. Nette Sache. Die einzigen Gegenstände, mit denen Edward interagieren kann, sind mit einem kleinen X-Button gekennzeichnet, doch diesen übersieht man leider sehr leicht.

Zum Glück ist's dunkel...

Wer befürchtet hat, dass die technische Umsetzung auf PS2 misslingt, der darf aufatmen - sie ist misslungen. Völlig verwaschene Texturen sind genauso peinlich wie die steifen Animationen, hässliche Charaktermodelle und zahlreiche Clipping-Fehler. Trotzdem schaut das Spiel irgendwie stimmig aus. Einziger Lichtblick ist hier die orchestrale Untermalung. Die Stimmen des Chors passen sehr gut zum Spielgeschehen und sorgen dafür, dass man zumindest ansatzweise Angst bekommt. Wenn die restlichen Effekte auch so gut gelungen wären, hätte „Alone in the Dark" wenigstens in einem Punkt überzeugen können. Manche Zombies klingen allerdings, als hätten sie eine schwere Bronchitis, andere hören sich wie ein sabbernder Staubsauger an. Völlig unpassende und demotivierte Synchronsprecher tun da ihr Übriges. Einzig allein Edwards deutsche Stimme kann einigermaßen überzeugen.

FAZIT:

Ich wollte das Spiel wirklich mögen. Echt jetzt. Im Vorfeld hatte ich mich drauf gefreut, den Controller in die Hand zu nehmen, doch jedes Kapitel des Spiels trug seinen Teil dazu bei, dass ich Hass für dieses Spiel empfunden habe. Mein Controller hat es zum Glück heil überstanden. Teilweise macht das Spiel echt Spaß - wenn man sich mit den vielen Macken zufrieden gibt. Also ärgert man sich nach und nach immer mehr darüber, dass die Entwickler so einen Schund auf die PS2 gebracht haben. Daran haben die über 2 Jahre  gearbeitet?! Drei Buchstaben: OMG! Da hat das Spiel so viele gute Ansätze und die scheinbar überforderten Entwickler schaffen es nicht auch nur einen wirklich fehlerfrei oder gut umzusetzen - absolut enttäuschend. Einzig und allein die Rätsel im letzten Kapitel fand ich wirklich gelungen. Die Story enttäuscht schließlich auch, denn völlig überraschend endet das Spiel nach gut 10 Stunden und man hat das Gefühl, dass es einfach noch ein weiteres Kapitel geben muss. Gibt's aber nicht. Teilweise war die Story ja recht spannend. Wer trotzdem eigene Erfahrungen sammeln will, der sollte lieber zur 360-Fassung greifen oder sich im Herbst die PS3-Version zulegen.

[Review verfasst von sirteen]

Pluspunkte:

  • Die musikalische Untermalung gefällt
  • Schwierige Stellen darf man überspringen
  • An sich gute Ideen...

Minuspunkte:

  • ...doch die Umsetzung der Ideen ist so la-la
  • Viele Bugs lassen das Spiel unfertig wirken
  • Technisch von Vor-Vorgestern


Infos zum Spiel
NameAlone in the Dark
SystemPlayStation 2
HerstellerATARI
EntwicklerHydravision Entertainment
GenreHorror
USKab 16 Jahren
Preis49,95 €
PlatinumNein
Release
 20.06.2008
 23.06.2008
Spielerzahl1
SpracheDeutsch
TexteDeutsch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzNein
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf87 KB
Progressive ScanNein
Dolby ProLogic IINein
EyeToyNein
HeadsetNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Alone in the Dark
Gameplay
5.0
Atmosphäre
5.0
Grafik
3.5
Sound
5.0
Singleplayer
4.0
 

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