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Goblin Commander: Unleash the Horde
1. August 2004

Strategiespiele fristen seid jeher auf Konsole ein kümmerliches Dasein und auch auf der PlayStation 2 sieht es da nicht anders aus. Abgesehen von ein paar halbherzigen PC-Umsetzungen kommen Freunde des Genres kaum auf ihre Kosten, lediglich die Spielebibliothek aus vergangenen PSone-Tagen mit Perlen wie Command & Conquer 2, Warcraft II oder Frontschweine kann da ein wenig aushelfen. Allerdings dürfze inzwischen in jedem Haushalt ein PC stehen, der diese Titel einwandfrei, mit besserer Grafik und mit der dafür immer noch besser geeigneten Tastatur/Maus-Steuerung darstellen kann. Doch jetzt soll alles anders werden: Mit Goblin Commander verspricht Bigben Interactive ein Strategiespiel, welches perfekt auf die Eigenschaften einer Konsole (und ihren Controllern) zugeschnitten sein soll, um so auch Konsoleros den perfekten Strategiespaß zu ermöglichen. Doch nicht nur das, mit im Entwickler-Boot sitzen einige erfahrene Leute aus Blizzard´s Warcraft III-Team..., hält Goblin Commander also was es verspricht?

Das Spiel

"Unsere Geschichte läßt sich auf keine Vorsehung zurückführen. Keine Gottheit ersann uns, wir entstanden nicht aus dem Urschlamm. Solche Gescichten wollen wir getrost den Menschen überlassen mit ihrem unersättlichen Hunger nach Stolz. Unsere Rasse wurde nicht geboren, sondern erschaffen..."

Schon zu Beginn läßt Goblin Commander nichts anbrennen und entführt den Spieler in eine Fantasiewelt, die sich auf den ersten Blick hinter dem großen Warcraft III-Vorbild nicht zu verstecken braucht. Details der Story werden hier natürlich nicht verraten, lediglich soviel: Ihr müßt als Anführer eines Goblin-Clans sämtliche Clans einen (was natürlich am besten mit einem ordentlichen Feldzug geschieht), um dann gemeinsam gegen einen noch viel schlimmeren Feind anzutreten..., so scheint es... Zu Beginn erlernt man die recht umfangreiche Steuerung in einem kurzen Tutorial, welches einem zwar alle Feinheiten der Steuerung nahe bringt, aber nicht wirklich spannend ist. Hat man das erst einmal hinter sich gelassen, beginnt das eigentliche Spiel. Als Anführer des "Stonecrusher"-Clans zieht ihr in die Welt hinaus, in der allerlei Gefahren auf euch warten. Diese zeigen sich meist in Gestalt eines anderen Clans, den es in verschiedenen Missionen zu besiegen gilt. Erfahrene Echtzeit-Strategen werden sich gleich zu Beginn etwas umstellen müssen, den eine Basis wird in Goblin Commander nicht gebaut. Ihr habt von Anfangs an vorgegebene Gebäude und könnt lediglich im späteren Spielverlauf noch drei Wachtürme bauen, das war´s in baulicher Hinsicht aber auch schon. In den verschiedenen Gebäude kann man dann seine Einheiten kaufen und upgraden oder sich spezielle Titanen herbeirufen. Dieses sind große Wesen (z.B. Steinfresser oder Wildschwein mit Katapult), welche man direkt steuert und ins Gefecht führt. Dabei kommt natürlich eine gehörige Portion Action ins Spiel, die man sich aber auch so jederzeit holen kann, denn jeder Recke eurer Streitmacht läßt sich auf Wunsch direkt steuern, die anderen folgen ihm dann nach. Spielerisch macht es aber meist mehr Sinn, die kleinen Goblins alleine kämpfen zu lassen und nur die Titanen zu übernehmen (welche auch nur direkt steuerbar sind). Anfangs habt ihr nur einen Clan mit maximal 10 Kämpfern, später stehen euch bis zu drei Clans und somit 30 tapferen Mitstreitern zur Verfügung. Die Steuerung ist nach kurzer Eingewöhnung sehr gut und läßt kaum Wünsche offen. Es nervt nur etwas, dass die Goblins jeden Feind automatisch angreifen und man sie nur durch heftiges Knöpfedrücken wieder an ihren Platz bekommt, sehr ärgerlich, wenn sie so gegen ihnen überlegene Wachtürme oder Feinde anstürmen und alle dabei drauf gehen, nur weil man sie nicht einfach vom Ziel abbringen kann. Die Wegfindung dagegen ist wieder recht in Ordnung, nur selten verhaken sie sich mal hinter einem Stein oder Gebäude und müssen manuell herbeigeholt werden. Als Währung gibt es in Goblin Commander nur zwei Sachen, zum einen Seelen, die man an bestimmten Seelenbrunnen oder bei gefallenen Feinden erhält und zum anderen Gold, welches durch Abbau von Steinen und Gebäuden gewonnen wird. Der Abbau geht dabei sehr einfach vonstatten, einfach auf das entsprechende Objekt draufklicken und zack wird es zerstört und das Gold wandert in euren Besitz, wo ihr dann dafür wieder Upgrades oder neue Einheiten kaufen könnt. Die Seelen werden gebraucht, um eure Streitmacht wieder aufzustocken und neue Kämpfer zu erwerben, es ist daher sehr ratsam, die in den Gebieten verstreuten Seelenbrunnen schnell zu erobern und gut zu bewachen, damit euch der "Nachschub" an Seelen nie ausgeht. Eure Feinde gehen ebenfalls recht intelligent vor und versuchen, euch an euren Schwachstellen anzugreifen oder euch eure Seelenbrunnen wieder zu entreißen. Strategisch ist das Spiel bis zu einem gewissen Grad, aber alleine mit Taktik und Köpfchen wird hier niemand zum Erfolg kommen, massive zahlenmäßie Überlegenheit und der berühmt-berüchtigte "Rush" sind eher das Mittel zum Ziel. Strategisches Vorgehen ist vielleicht gefragt, wenn ich eine bestimmte Stellung erobern oder halten wollt, aber zum Ende der Schlachten läuft es eigentlich fast immer auf handfeste Massenschlachten hinaus und ihr mit eurem Titanen mittendrin. Was sich jetzt auf den ersten Blick etwas ernüchtern anhört ist in Wirklichkeit aber eine prima Sache, kein Spiel hat es bisher so gekonnt geschafft, Strategie- und Action-Elemente zu vereinen. Ihr steht vor den Toren der feindlichen Basis, das Katapult eures Wildschwein feuert mächtige Steinbrocken in die feindlichen Angriffer, über euch schwirren die Pfeile eurer Bogenschützen und in eurer Flanke versuchen eure Nahkämpfer verzweifelt dem Ansturm der Gegner Herr zu werden..., und als schon alles verloren scheint, trifft endlich die ersehnte Verstärkung aus der heimatlichen Basis ein und schlägt große Breschen in die Reihen eurer Feind..., der Weg ins Herz der Feindbasis ist offen... Solche Szenen sind nicht selten und beschreiben gut den Charakter des Spiels, Action-Strategie und der Spieler immer mittendrin. Ebenfalls sehr lobenswert ist die Möglichkeit, immer und jederzeit abspeichern zu können, auch keine Selbstverständlichkeit heutzutage. Der Schwierigkeitsgrad ist anfangs ziemlich moderat, zieht aber später schon ordentlich an, so dass man seine Einheiten nicht mehr einfach so ins Feuer werfen sollte, sondern etwas planvoller handeln. Gekämpft wird in verschiedenenen abwechslungsreichen Gebieten, von Wald- über Schnee- hin zu Sumpfleveln ist alles dabei, was das Herz begehrt.

Multiplayer

Goblin Commander bietet auch einen Multiplayer-Modus, hier können zwei Hobby-Generäle gegeneinander antreten. Der Bildschirm wird dabei vertikal geteilt, Online- oder LAN-Optionen gibt es nicht. Leider kann man im Spiel auch nicht den Screen zentrieren, so dass der linke Spieler immer etwas weniger sieht als der Rechte, weil das ganze Bild PAL-typisch leicht nach links verzogen ist. All zu viel erwarten sollte man vom Multiplayer nicht, da jeder genau die Aktionen seinen Gegners sieht, ist großes strategisches Vorgehen sowieso kaum möglich und meistens endet es in einer Massenschlacht, die irgendein Spieler halt irgendwann gewinnt, austricksen ist wie gesagt nur schwer möglich. Der Multiplayer ist somit eine nette Sache, aber auch nicht mehr.

Grafik

Grafisch gibt sich Goblin Commander recht bieder, die Grafik ist bestenfalls zweckmäßig. Verwaschene Bodentexturen, ab und zu deutliche Polygonkanten sowie ein leichtes Ruckeln in größeren Gefechten entsprechen abgesehen von einigen hübschen Effekten nicht mehr aktuellem PlayStation 2 Standart. Allerdings läßt sich das Spiel jederzeit kontrollieren und die Grafik erzeugt zumindest eine eine zum Spiel passende Atmosphäre, von daher kann man ihr auch nichts wirklich ankreiden, Technik-Freaks sollten aber einen Bogen drum machen.

Sound

Hier kann man sich nicht beschweren, das Spiel wird durchweg von stimmungsvollen und passenden Klängen begleitet, die Schlachtgeräusche sind sauber und einer Synchronisation ist man geschickt aus dem Weg gegangen, indem man den Goblins einfach eine Phantasie-Sprache spendierte, welche aber sehr gut klingt und in gutem Deutsch als Untertitel wiedergegeben wird.

Fazit:

Goblin Commander ist Warcraft III in der "Very-Light"-Version. Auf PlayStation 2 findet man jedenfalls bisher kein ähnliches Spiel und schon gar keines, welches auch eine so saubere und zweckmäßige Steuerung bietet. Das Spiel hat eine schöne Atmosphäre, eine gute Story und spielt sich einfach gut, Konsolen-Generäle mit Hunger nach Nachschub und Fantasy-Freunde sollten auf jeden Fall einmal einen Blick drauf werfen!

 

Pluspunkte:

  • sehr gute Steuerung
  • spannend und atmosphärisch
  • passender "Action"-Anteil

Minuspunkte:

  • schwache Grafik
  • simpler Multiplayer



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Screenshot Galerie
Goblin Commander: Unleash the Horde
Gameplay
8.0
Atmosphäre
8.0
Grafik
6.5
Sound
7.5
Singleplayer
8.0
Multiplayer
7.0
 

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