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Naughty Bear
25. Juli 2010

Teddybären sind kuschelig, immer gut gelaunt und tun Gutes, so sieht es zumindest bei den Glücksbärchis aus und auch bei den Teletubbies – Gott weiß, was das für Viecher sind. Doch jetzt kommt Naughty Bear und mischt die Idylle kräftig auf!

Niemand hat Naughty lieb!

Auf Perfection Island, wo immer die Sonne scheint, lebt eine Hand voll Knuddelbären mit so niedlichen Namen wie Cuddles oder Chubby und sie sind den ganzen Tag lang überglücklich. Doch im Zentrum der Insel wohnt Naughty Bear in seiner alten Hütte im Sumpf. Niemand mag ihn, viele wollen ihn von der Insel werfen – und dafür muss jeder von ihnen mit Füllwolle bezahlen! In jeder der sieben Episoden findet sich ein anderer Aufhänger für ein knuffiges Massaker. Zuerst wird Naughty nicht zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, später will ein Ölbaron in seinem Sumpf nach Öl bohren oder sie lassen ihn bei der Bürgermeisterwahl nicht abstimmen.

Teddys am Rande des Wahnsinns

Jede Episode startet in Naughtys Hütte und man erreicht über Türen die anderen drei Teile der Insel, die viel zu klein ist, wie schnell klar wird. Bereits nach der zweiten Episode hat man alle Locations gesehen und muß sich bis zum Ende des Spiels mit Wiederholungen begnügen. Zwar bringen spätere Episoden einige Veränderungen mit sich, doch die sind nur sehr dezent, der Level an sich bleibt gleich. Zudem tauchen im Verlauf des Spiels noch neue Bären auf. Doch ob nun Soldat, Ninja, Zombie oder Roboter, am generellen Vorgehen ändert dies nur wenig. Hat man die anderen Bären dann gefunden, kann man seiner Phantasie ihren Lauf lassen, wie man sie möglichst kreativ ins Jenseits befördert. Dazu stehen von Ästen über Baseball- und Golfschlägern bis zu Maschinenpistolen einiges zur Verfügung. Wer den offenen Konflikt scheut, legt eine Falle aus und versteckt sich einfach im Wald, denn dort wagen sich nur wenige Teddys hinein. Oder man sabotiert diverse Gegenstände und wartet bis sich ein Bär sich an die Reparatur macht. Nun hat man die Wahl zwischen einem schnellen Ableben des Opfers und einem anständigen Angstschock. Wer ihnen zuviel Angst macht, treibt die Bären in den Wahnsinn, so dass sie sich selbst töten, wenn man sie ein weiteres Mal erschreckt. Durch Fallen verletzte Bären darf man durch den so genannten Ultra-Kill effektvoll über die Klinge springen lassen. Jede Waffe und jeder sabotierte Gegenstand hat einen einzigartigen Ultra-Kill. Das klingt erstmal nach sehr viel Spaß, doch wird schnell langweilig. Einen Bären mit einem Sicherungskasten zu grillen oder die Kniescheiben zu zerschießen macht eben nicht ewig Spaß. Nach einer Stunde hat man so gut wie alle Kills gesehen. Schade ist zudem, daß der spaßigste Teil des Spiels, nämlich das Planen von hinterhältigen und möglichst spektakulären Fallen, durch den stets heruntertickenden Punktemultiplikator zunichte gemacht wird. Sofern man also Fortschritt erspielen will, muss man auf den Multiplikator achten, was nur wenig Planung erlaubt.

Der Kampf gegen die Monotonie

Ihr habt es vielleicht schon rausbekommen: Naughty Bear hat große Probleme mit Wiederholung und fehlender Abwechslung. Und auch mit schlechtem Game Design. Da die Story hauchdünn und eigentlich total egal ist, besann sich das Entwicklerteam auf alte Spielhallentugenden, nämlich den (Online-)Highscore. Je nach erreichter Punktzahl werden zusätzliche Kostüme für Naughty freigeschaltet, die Vorteile wie erhöhte Lebensenergie oder mehr Kraft bringen. Jede Episode hält noch einmal vier weitere Herausforderungen bereit, die letztlich nur die Spielregeln des jeweiligen Levels verändern. Entweder darf Naughty nicht getroffen oder gesehen werden, muss alle Bären in den Wahnsinn treiben oder alle Gegner vor Ablauf eines knappen Zeitlimits töten. Doch diese Aufgaben sind eher lästig, als daß sie Spaß machen. Leider müssen einige der Herausforderungen gemeistert werden bevor die nächste richtige Episode freigeschaltet wird. Teilweise spielt man ein und das gleiche Level also drei oder vier Mal am Stück bevor die nächste Episode an der Reihe ist. Und wo wir schon bei Monotonie sind: Der Multiplayer-Modus. Naughty Bear ist ein Paradebeispiel für eine langweilige Mehrspielererfahrung. In vier nicht gerade durchdachten und schon gar nicht spannenden Modi dürfen bis zu vier Spieler sich gegenseitig die Wolle aus dem Leib prügeln. Der Netzcode geht dabei in Ordnung: Keine Lags, übersichtliche Lobby, für den Umfang recht viele Match-Optionen und Figurenanpassung. Spielerisch gibt es hingegen nur langweilige Matches auf Mini-Karten. Aber um einige Spielpartner zu finden, muss man sowieso Glück haben, denn so viel los ist nicht auf den Servern.

Segen und Fluch: Die KI

Die KI ist erstaunlich gut an das Spielgeschehen angepasst. Die Bären reagieren auf Geräusche in ihrer Umgebung, bemerken von Naughty zerstörte oder sabotierte Geräte, versuchen bei Gefahr im Auto oder Boot zu flüchten, holen per Telefon Hilfe, verstecken sich in Schränken oder verbarrikadieren sich in Häusern und lachen über Naughty, wenn er vorm Fenster steht und nicht rein kann. Sie kommunizieren auch untereinander, so dass ein besorgter Bär leicht die anderen anstecken kann und ehe man sich’s versieht, heben alle Waffen auf und hecken einen Schlachtplan aus. Sie erschrecken sich beim Anblick toter Kameraden und flüchten wenn sie verletzt sind. Exekutiert Naughty einen ihrer Freunde vor ihren Augen, so kann schnell eine Massenpanik ausbrechen oder den einen oder anderen in den Wahnsinn treiben. Leider ist die KI völlig ratlos, wenn Naughty direkt vor ihren Augen im Wald verschwindet oder davon läuft. Und obwohl dies wahrscheinlich ein gewolltes Verhalten ist, hätte es besser gelöst werden können. Der Rest ist eher in die Schublade „Durchschnitt“ einzuordnen. Weder Sound noch Grafik sind wirklich zeitgemäß oder reißen irgendwen vom Hocker, erfüllen aber ihren Zweck. Der Kommentator mit Märchenonkel-Stimme ist ein netter Touch, verliert aber genau wie alles andere in diesem Spiel auch schnell seinen Charme. Die Framerate bricht oft und gerne auch für längere Zeit spürbar ein. Unspielbar ist es zwar nie, aber einige Male kurz davor. Für diese Performance sind auch die Ladezeiten eindeutig zu lang. Eine abgrundtiefe Abscheulichkeit ist hingegen die Kamera. Seit jeher ein Problem bei Videospielen, aber in letzter Zeit gab es doch eher selten Totalausfälle. Naughty Bear ist mal wieder einer. Obwohl die Kamera frei drehbar ist, springt sie gerne hin und her oder auch mal in Objekte hinein. Die Transparenz von Objekten vor der Kamera ist leider nicht hoch genug, so dass man immer noch zu wenig sieht. Dazu setzt die Kamera Ultra-Kills in festen Winkeln in Szene, schwenkt danach aber wieder in eine komplett andere Position, was die oft nötige Flucht vor den anderen Bären nach einem Kill sehr holperig gestaltet.

FAZIT:

Hier wurde so viel Potential verschenkt! Die Idee einer Kinderserienparodie mit einem Anarcho-Bär in der Hauptrolle, der die Sonnenscheininsel seiner Kollegen aufmischt ist so vielversprechend, doch die Umsetzung so schlecht. Zudem hinkt Naughty Bear technisch wie spielerisch hinterher. Das Beste an diesem Spiel waren leider die Trailer im Vorfeld. Naughty Bear sollte nur in kleinen Dosen genossen werden, um zumindest den letzten Rest Spielspaß zu bewahren.

[ Review verfasst von Sanguinis ]

Pluspunkte:

  • Schönes Setting
  • Überraschend gute KI
  • Einige lustige Namen für Ultra-Kills

Minuspunkte:

  • Kamera und Framerate aus der Hölle
  • Grottiger Multiplayer-Modus
  • Hochgradig fehlende Abwechslung


Infos zum Spiel
NameNaughty Bear
SystemPlayStation 3
EntwicklerArtificial Mind & Movement
GenreAction
USKab 16 Jahren
PEGI12+
Preis49,90 €
PlatinumNein
Release
 25.06.2010
 25.06.2010
Spielerzahl4
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenJa
HeadsetJa
720pJa
1080pNein
Sixaxis Tilt SupportNein
PlayStation MoveNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Naughty Bear
Gameplay
4.0
Atmosphäre
5.0
Grafik
3.5
Sound
4.0
Spielspass
4.0
 

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