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Assassin's Creed: Revelations
7. Januar 2012

Ezios drittes und letztes Abenteuer soll laut Ubisofts vollmundiger Ankündigung die Story um einen großen Schritt voranbringen und gleichzeitig auch Altair endgültig in Rente schicken. Nach dem so gut wie gar nicht vorhandenen Storyfortschritt vom Vorgänger Brotherhood klingt dies nach einem guten Kaufgrund, doch leider kann Revelations dieses Versprechen nicht ganz halten.

Methusalem unleashed

Am Anfang jongliert der Spieler mit drei Geschichten gleichzeitig, nämlich der von Altair, Ezio und Desmond. Doch zwei davon werden schon am Anfang ruhig gestellt, denn Ezio steht im Mittelpunkt, was ironisch ist, denn gemessen an der Spielzeit treibt er die Story am wenigstens voran. Der in die Jahre gekommene Ezio (immerhin Mitte 50, was im 16. Jahrhundert schon sehr beachtlich ist) turnt wie ein junger Gott über die Dächer von Konstantinopel, was mehr als ein bisschen unglaubwürdig daherkommt. Auch Ezios Witze über sein Alter können darüber nicht hinwegtrösten. Er durchkämmt die Stadt nach den Masyaf-Schlüsseln, die den Zugang zu Altairs Bibliothek blockieren. Ist ein Schlüssel erst gefunden, erlebt Ezio eine Erinnerung von Altair, welche großteilig nach den Ereignissen des ersten Assassin‘s Creed angesiedelt sind. Dabei ist die Verbindung zum großen Ganzen mehr als wackelig. Anstatt wie in den Vorgängern irgendwelchen berühmten historischen Persönlichkeiten hinterherzujagen und ihre Intrigen aufzudecken, wirken die Missionen, die zu den Schlüsseln führen wie eine Ansammlung kleiner unabhängiger Episoden, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben und auch bekannte historische Figuren suche ich fast vergeblich. Dazu kommt eine kleine Liebesgeschichte, die mehr als fehlplatziert wirkt, dabei aber mehr zur Suche der Schlüssel beiträgt als für das Spiel gut ist. Bleiben noch die Storys von Altair und Desmond. Altairs Sequenzen sind kurz und sehr beschränkt in ihren spielerischen Möglichkeiten. Und auch Desmond steht ein Trip in die Vergangenheit bevor, denn in halb Puzzle/halb Jump n Run-Einlagen in ungewohnter Ego-Perspektive läuft er durch abstrakte Block-Levels, die erzählen, wie er in die Fänge von Abstergo geraten ist, wie er mit den Assassinen in Kontakt kam und wer seine Eltern waren. Dabei scheint es sich noch nicht zu Ubisoft herumgesprochen zu haben, dass Jump n Run und Ego-Perspektive eine schlechte Mischung ist, denn obwohl es nur fünf kurze Abschnitte sind, ärgere ich mich dort immer über die auf 3rd Person ausgelegte Steuerung.

Über den Nutzwert der neuen Hakenklinge lässt sich streiten

Im Osten nichts Neues

Auf Ezio wartet also wieder eine neue Stadt – Konstantinopel, das Juwel des Ostens. Das Flair des Orients bringt zwar optisch viel Neues ins Spiel, doch hinter den Häuserfassaden ist alles wie immer. Die Stadt wird von Templern in Türmen kontrolliert, die ich erst erobern muss bevor meine Assassinen dort einziehen können. Das ermöglicht es mir, die Läden in der Nähe zu renovieren, was zu mehr Einkommen führt, welches in regelmäßigen Abständen im Banksafe landet. Damit kaufe ich Rüstungen, Waffen, Munition und Sehenswürdigkeiten – sofern mir danach ist, denn die Balance ist Ubisoft dieses Mal wirklich nicht gelungen. Das Problem des übermäßigen Reichtums aus den Vorgängern ist zwar mehr oder weniger beseitigt, doch auf Einkaufsbummel kann ich dieses Mal fast komplett verzichten, denn es ist nicht wichtig, die beste Waffe zu haben oder die beste Rüstung zu kaufen. Mehr als in allen anderen Teilen ist es einfach besser, die versteckte Klinge zu nutzen und wenn doch mal Schwert oder Dolch nötig sind, sorgt das immer noch viel zu einfache Kampfsystem dafür, daß die Werte dieser Waffe vollkommen egal sind. Dank Killstreaks, Combos und Counter Kills bekomme ich jeden Gegner mit jeder Waffe gleich schnell klein. Rüstungen bestimmen immer noch die Länge meines Gesundheitsbalkens, doch zum einen gibt es Medizin im Überfluss, zum anderen schenkt mir das Spiel recht bald nach dem Beginn die beste Rüstung vollkommen umsonst – und dass nur, weil ich mich ein wenig mit meinen Assassinen beschäftigt habe. Apropos Assassinen: Die funktionieren im Prinzip wie im Vorgänger. Ich kann sie zur Verstärkung rufen, den tödlichen Pfeilsturm auslösen und sie zwecks Erfahrungsgewinnung ins Ausland rund ums Mittelmeer schicken, um sie aufzuleveln und ihr Equipment zu verbessern. Neu hingegen ist, dass jeder Rekrut jetzt einer Waffengattung wie Dolch, Schwert oder Armbrust zugeordnet ist, was für einige Missionen von Belang ist. Meine Schützlinge können die Stadt jetzt auch einnehmen, so dass sie mir fortan Geld und Zutaten zum Bomben basteln liefert. Um die Stadt zu halten, muss ich allerdings permanent Rekruten in die Stadt schicken und sie dort Missionen absolvieren lassen, um meinen Einfluss zu behalten. Klingt simpel, artet bei über 10 Städten jedoch in mehr Arbeit aus als einem lieb ist. Zudem es nach einer bestimmten Zeit unmöglich wird, genug Einfluss zu generieren, so dass die Templer die Stadt belagern und ich Rekruten von außerhalb hinschicken muss, die sie wieder befreien. Das letzte neue Assassinen-Feature ist Den Defense, eine halbgare Variante von Tower Defense. Wenn die Templer-Anzeige zu lange gefüllt ist, greifen sie einen eurer Türme an. Dann stellt sich Ezio auf ein nahegelegenes Dach und kann verschiedene Arten von Assassinen auf angrenzenden Dächern postieren, die dann die Templer-Soldaten auf der Straße zu eurem Turm angreifen. Leider versperrt der immer im Bildschirm stehende Ezio ein wenig die Sicht, was die ganze Sache umständlicher macht als sie eigentlich sein müsste. Zudem ist dieses Feature (zu Recht) vollkommen optional, denn es ist einfach nur nervig.

Die neuen Bomben – keine Bombensache

Die größte Neuerung sind die Bomben. Mittels der neuen Werkbänke kann Ezio verschiedene Sprengsätze herstellen, die eine Vielzahl an Effekten haben können. Die Palette reicht dabei von tödlichen Splittergranaten über zeitverzögert detonierenden Bomben, die eine Giftwolke freisetzen bis zu hochexplosiven Tretminen. Doch es muss nicht immer gleich wer sterben, denn es gibt nicht tödliche Alternativen. Knallbomben bringen Wachen dazu, ihren Posten zu verlassen, Rauchbomben erschaffen ideale Fluchtmöglichkeiten oder verschleiern die eigenen Attentate. Um Verfolger aufzuhalten, kann Ezio mit Krähenfüßen oder Katzengold gefüllte Bomben hinter sich auf den Boden werfen oder Gegner verwirren, indem er eine mit Lammblut gefüllte Bombe auf die Gegner wirft. Jede Bombe besteht aus drei Komponenten: die Hülle entscheidet über den Zeitpunkt der Detonation, die Art des Schwarzpulvers über den Wirkungsbereich und die Füllung über den Effekt. Das klingt alles sehr vielfältig anwendbar, kommt im Gameplay aber nur selten zur Anwendung. Schnell hat man seine Favoriten gefunden und benutzt nur wenig andere Bomben – wenn man sie überhaupt benutzt, denn nur äußerst selten denkt man sich, wie gut jetzt Bombe XY einsetzbar wäre. Dank des generell niedrigen Schwierigkeitsgrads gibt es nur sehr wenige knifflige Stellen. Auch hier ist die Balance der Zutaten schlecht, denn bereits nach kurzer Zeit herrscht kein Mangel an keiner Zutat, denn so ziemlich jede erledigte Wache hat Schwarzpulver und andere Zutaten bei sich; dazu stehen überall in der Stadt sich automatisch wieder auffüllende Kisten mit weiteren Zutaten herum. Die gesamte Stadt ist eigentlich ein gigantisches Pulverfass.

Es gibt auch Abschnitte, in denen man Altair steuern darf

Konstantinopel, die Tearing-Perle des Ostens

Genau wie bei den Features hat sich auch in Sachen Technik nur wenig verändert. Neu hingegen ist das Vorkommen eines nervigen Bugs, der es unmöglich machen kann, das Spiel zu beenden, da er die Erfüllung von Missionszielen verhindert. Äußerst ärgerlich, da er vor allem in Story-Missionen vorkommt. Das bereits altbekannte Tearing fällt immer noch negativ auf, doch auch plötzlich aus dem Nichts auftauchende Passanten, gegen die Ezio schon laufen kann bevor er sie sehen kann, gibt es zu bestaunen. Zudem reagieren die Wachen teils sehr irrational auf Ezios Handlungen. Manchmal greifen sie einfach an, wenn sie ihn sehen (obwohl Ezio nicht gesucht wird), mal rempelt er in einen Zivilisten und die Wachen greifen sofort an. Läuft Ezio aber in vollem Sprint eine Wache um, stehen die anderen nur blöd daneben und wundern sich. Zieht Ezio ein Schwert und läuft damit herum ohne wen anzugreifen, schreiten die Wachen ein; zieht er aber seine Armbrust, stellt sich einen Meter vor eine Wache und hält ihr den gezielten Bolzen direkt ins Gesicht, ist ihnen das egal – zurückgeschlagen wird erst, wenn der Bolzen im Kopf steckt. Auch in Sachen Sound und Steuerung hat sich nicht viel getan, was heißt: Gut, aber nicht großartig. Negativ aufgefallen sind mir noch die Dialoge, die von gut bis mies alles bieten und dabei viele Klischees bedienen und die schwächsten der gesamten Serie sind.

Mit Abstergo auf der Pirsch

Bleibt noch der Multiplayer Modus, in dem der Spieler als talentierter Abstergo-Agent im Animus nach Assassinen sucht. Im Vergleich zu anderen Spielen wartet hier noch eine Mini-Geschichte auf den Spieler. Anstatt immer nur die Level steigen zu sehen und auf die nächste Freischaltung zu warten, bekommt der Spieler alle paar Level Sequenzen serviert, die ihm Zugriff auf Abstergo-Dateien gewähren und so die Geschichte der Templer erzählt. Zudem hat der Spieler viel mehr Möglichkeiten der Personalisierung als im Vorgänger. Ob Farbwahl, angepasste Gliedmaßen und Gesichter, eigene Fertigkeitspaletten, der Titel oder das eigene Wappen, der Editor lässt viel Spielraum für Kreativität – vorausgesetzt, man verdient im Spiel genügend Abstergo-Credits, denn mit denen werden so gut wie alle Freischaltungen bezahlt. Der Multiplayer Modus ist die einzige Baustelle, bei der ich guten Gewissens sagen kann, dass eine echte Weiterentwicklung stattgefunden hat. Der Multiplayer Modus bei Brotherhood hat mich wirklich nicht angesprochen, doch Revelations leistet hier eine Menge Aufbauarbeit, was man allein daran sehen kann, dass die Server noch gut gefüllt sind und es kein Problem ist ein Spiel in allen Modi zu finden.

Der Multiplayer Modus wurde gehörig aufgebohrt

FAZIT:

Revelations ist im Prinzip das gleiche Spiel wie Brotherhood und Assassin’s Creed 2, nur durch eine andere Stadt und kleine Details unterscheiden sie sich voneinander – wobei viele der neuen Features nicht gerade positiv zum Spielerlebnis beitragen. Alle drei Titel sind gute Spiele, doch es muss für den nächsten Teil etwas Neues her. Genau wie die Vorgänger hat mich auch Revelations gut unterhalten, wenn auch nicht so gut wie die Vorgänger, was vor allem an den halbgaren Neuerungen wie Den Defense, den neuen Mittelmeer-Missionen und den Bomben liegt. Der Multiplayer Modus allerdings hat eine Klasse zugelegt und ist auf einem guten Weg. Dieses Mal leidet leider auch die Story gewaltig, was bisher ein starker Punkt der letzten Spiele war. Die erhofften Enthüllungen bleiben am Ende aus, der angekündigte Riesensprung für die Story war nur ein kleiner Hüpfer – und selbst der findet erst auf der Zielgeraden des Spiels statt.

[ Review verfasst von Sanguinis ]

Die zweite Meinung:

Ich muss mich Sanguinis anschließen. Irgendwie ist die Luft raus. Im Grunde hat sich nämlich nicht viel getan. Außer einem Tapetenwechsel (Konstantinopel) und vielen unnützen Neuerungen (Bomben, Den Defense) hat sich eigentlich nur der Mehrspieler Modus zum Positiven entwickelt. Der Rest ist altbekannt und langweilt auf Dauer auch irgendwie – zumal die Story selbst im vierten Spiel nicht so recht zu Potte kommt und nach wie vor viele Fragen offen lässt. Insofern ist „Revelations“ im Großen und Ganzen gut aber nicht atemberaubend. Mein Favorit bleibt immer noch Teil 2. Übrigens: Die Erstauflage bietet als Bonus noch den ersten Teil (OnPSX Review) der Serie auf Blu-ray an. Damals konnte noch das Spielerlebnis – trotz immenser technischer Mängel – flashen, heutzutage wirkt Teil 1 aber ohne Ende angestaubt.

[ Kommentar verfasst von .ram ]

Pluspunkte:

  • Erheblich verbesserter Multiplayer Modus
  • Alte, spaßige Features immer noch präsent
  • Lange Spielzeit

Minuspunkte:

  • Online Pass für Multiplayer Modus
  • Schlechte, unzusammenhängend wirkende Story
  • Deplatziert wirkende Mini-Spiele (Den Defense, Mediterrane Missionen)



Infos zum Spiel
NameAssassin's Creed: Revelations
SystemPlayStation 3
HerstellerUbisoft
EntwicklerUbisoft Montreal
GenreAction-Adventure
USKab 16 Jahren
PEGI18+
Preis59,99 €
PlatinumNein
Release
 15.11.2011
 15.11.2011
 01.12.2011
Spielerzahl8
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenJa
HeadsetJa
720pJa
1080pJa
Sixaxis Tilt SupportNein
PlayStation MoveNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Assassin's Creed: Revelations
Gameplay
7.0
Atmosphäre
7.5
Grafik
7.5
Sound
7.5
Spielspass
7.0
 

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