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Primal
11. Oktober 2004

Ich mag ungewöhnliche Frauen. Nur hat es die Heldin von Primal ziemlich in sich. Zum einen ist sie eine Halbdämonin und zum anderen mit einem ziemlich vorlauten Mundwerk gesegnet. Die Rede ist von der Kellnerin Jennifer Tate, kurz Jen, die als Astralprojektion ihrer selbst Oblivion, eine Dimension voller Dämonenrassen, durchstreift. Selbstverständlich hat sie sich keineswegs freiwillig zu diesem Vorhaben gemeldet. Eigentlich will Jen nur ihren Freund Lewis finden, der nach einem Auftritt seiner Band verschleppt wurde. Dass sie dafür in ihrem eigenen Krankenzimmer auf sich selbst schauen kann und fortan einen steinernen Begleiter hat, stößt nicht unbedingt auf ihr Wohlwollen. Zu allem Überfluss soll sie für Arella, der Herrin der Ordnung, das Gleichgewicht zwischen Ordnung und Chaos wiederherstellen. Dafür ist es unablässig, dass Arella's engster Vertrauter und Jen's neuer Begleiter Scree sie durch alle 4 Dämonenreiche Oblivions führt. Die Story ist zwar nicht sonderlich originell und aufgrund der wenigen agierenden Figuren in jeder Welt auch nicht besonders tief schürfend, schlecht ist die Geschichte aber auch wieder nicht. Die beiden sympathischen Hauptfiguren geben der Handlung genügend Pep und dadurch ist es immer wieder eine Freude, neue Videosequenzen mit Jen und Scree zu sehen. 

Vier Reiche

Jede der vier Welten ist unterschiedlich: Solum - eine Winterwelt, Aquis - eine Wasserwelt, Aetha - eine mittelalterliche Welt und Volca - eine Tempelwelt tief in einem Vulkan. In jedem der Reiche erhält Jen eine dämonische Gestalt mit der sie die Fähigkeiten, Waffen und Kampfbewegungen der jeweiligen Dämonenrasse annehmen kann. Diese sind zum Absolvieren der Welten unbedingt erforderlich. Hauptsächlich nutzt man jedoch die Dämonengestalt der gerade besuchten Welt, bei manchen Rätseln werden allerdings auch die anderen Dämonenformen benötigt. Fröhliches Morphing ist also angesagt, denn Jen kann ihre Dämonengestalt unter den Augen des Spielers in Echtzeit wechseln. Grafisch sind die Welten (Ausnahme: Aquis) düster und stimmungsvoll zugleich gehalten. So berauschend Aetha und Volca dem Spieler näher gebracht werden, so enttäuschend präsentiert sich leider die Wasserwelt Aquis. Da sich Jen in diesem Reich überwiegend unter Wasser bewegt, erscheint alles in einem grünlichen Schimmer. Düster ist das zwar auch, die Orientierung wird dadurch aber ungemein erschwert. Von stimmungsvoller Grafik kann nicht wirklich die Rede sein. 

Zum Glück ist das der einzige grobe Makel an der ansonsten gelungenen optischen Präsentation. Die Entwickler werfen zwar nicht mit bombastischen Effekten um sich, wenn jedoch in die Trickkiste gegriffen wird, dann werdet ihr kaum enttäuscht sein. Über Feuern und Fackeln flimmert die Luft, es gibt Regen- und Schneefall, Lichtquellen verursachen Schatten, in der Entfernung liegt ein sanfter Unschärfeeffekt (der unter Wasser noch verstärkt wird), bei vielen Details hat man sich reichlich Mühe gegeben. Auch können die Lichteffekte der Waffen und die atemberaubenden Verwandlungen von Jen auf ganzer Linie überzeugen. Clippingfehler oder Slowdowns kann man nur sehr selten beobachten und dank 60 Hz Vollbild + Progressive Scan darf man Primal auch in hoch aufgelöstem Vollbild erleben. Ein weiterer Vorteil: Dank Streaming wird nur bei Zwischensequenzen der Spielfluss von einer kleinen Ladezeit unterbrochen. Nur die Kamerasteuerung hätte noch einen Tick besser ausfallen können. Gerade bei Kämpfen oder wenn Scree eine Wand entlang krabbelt, verliert man öfters mal die Übersicht. Eine manuelle Justierung ist zwar vorhanden, bessere Kameraeinstellungen  hätten dem Spiel jedoch auch nicht geschadet. 

Wie im Kino

Der Sound, abgemischt in Dolby Pro Logic II, braucht sich praktisch nicht hinter der gelungenen Grafik zu verstecken. Die orchestrale Hintergrundmusik unterstützt das Setting und die Atmosphäre ungemein. Schade nur, dass pro Welt gerade mal ein/zwei verschiedene Stücke gespielt werden. Etwas mehr Umfang hätte dem Soundtrack sicherlich nicht geschadet. Gleiches gilt für die Industrial Rock Musik von „16 Volt“, die während der Kämpfe aus den Boxen schallt. Wenn man schon eine Gruppe anheuert, die für das Spiel komponiert, sollte ihrer Musik auch mehr Platz eingeräumt werden. Immerhin weiß der Spieler dank der härteren Musik, wenn ein Gegner angreift. Denn diese wird nur eingespielt, wenn sich Kämpfe anbahnen und fadet wieder aus, wenn alle  Feinde besiegt sind.

Je nach Belieben kann man zwischen englischer und deutscher Sprachausgabe wählen. Beide nehmen sich vom Qualitätsniveau her nicht viel. Man merkt zu jeder Sekunde, dass Sony auf professionelle Sprecher zurückgegriffen hat. So wird Jen beispielsweise von der deutschen Synchronstimme von Pamela Anderson gesprochen. Im englischen darf man dagegen Andreas Katsulas (aus Babylon 5) und Hudson Leick (aus Xena) lauschen. 

Action Adventure = Abenteuer und Kämpfe

Die Kampfsteuerung ist bei weitem nicht so gut wie die Figurensteuerung. Letztere ist ziemlich intuitiv und einfach zu beherrschen. Dank des im Spiel integrierten Tutorials sollte man auf keine Probleme stoßen. Einzig Besitzer kleiner Fernsehgeräte (34 cm Bildschirmdiagonale), die in Kombination mit AV Kabeln spielen, sein gewarnt. Die Schrift ist bei dieser Kombination sehr klein und sehr unscharf. RGB Spieler haben dieses Problem natürlich nicht, denn da ist sogar die kleine Schrift gestochen scharf. Aber zurück zur Kampfsteuerung - Jen haut den Dämonen mittels der Schultertasten eins um die Ohren. Das funktioniert lediglich mittelmäßig und ist nicht gerade befriedigend umgesetzt. Laut den Entwicklern soll es 20 verschiedene Moves pro Dämonengestalt geben und durch rechtzeitiges Drücken sollte man in der Lage sein, diverse Kombos auszuführen. In der Theorie klingt das gut, praktisch ist es nicht umsetzbar. Vielmals ist man gezwungen gegnerische Angriffe abzublocken, so dass man zu Kombinationen erst gar nicht kommt. Sollte man doch einmal der Versuchung unterliegen, wird die eigene Lebensenergie schnell vom Gegner dezimiert. Dann kann nur noch Scree helfen, der durch das Aufsammeln von Energie (die tote Feinde hinterlassen) Lebensenergie für Jen speichert. Im Kampf ist diese Übertragung jedoch nur schlecht möglich, da die Angreifer einen dafür nicht in Ruhe lassen. Als letzten Ausweg kann man zwar noch auf Energiesteine (findet man in verschiedenen Ecken der Reiche) zurückgreifen, die sollte man aber lieber für die Bosskämpfe aufheben. Schon alleine für die finale Schlacht kann man getrost fünf dieser Steine einrechnen. Um die Lebensenergie von Scree muss man sich zum Glück keine Sorgen machen, da der alte Haudegen in Kämpfen zu Stein erstarrt. So ist Jen immer auf sich allein gestellt, muss sich zusätzlich aber auch nicht um Scree sorgen. 

Switch – die Frau im Dämon

Stets und ständig kann man zwischen den beiden Charakteren umschalten. Der gerade nicht gesteuerte Charakter trottet dem anderen dann brav hinterher, zumindest wenn es das Terrain zulässt. Bei Hindernissen bleibt der andere Charakter allerdings meistens zurück. Auffällig wird es dann bei den Rätseln, wenn man auf die Hilfe des jeweiligen Anderen angewiesen ist. Praktisch alle Rätsel sind nämlich nur im Teamwork gemeinsam zu lösen. Dann heißt es den Charakter umschalten und den ganzen Weg noch einmal laufen. 

Überhaupt liegt das Augenmerk der Entwickler stärker auf Rätseln anstatt auf den recht fordernden Kämpfen. So erkundet man überwiegend die Levels und löst verschiedene Aufgaben. Diese sind mit einem gesunden Menschenverstand immer zu lösen und fordern keine verschrobenen Gedankengänge. Zudem bleibt der Spielablauf immer strikt linear, so dass man nicht Jahre mit der Suche nach einem Weiterkommen verbringen muss. Primal lässt sich insgesamt recht flüssig spielen und stellt keine zu hohen Anforderungen an den Spieler. 

Limited Edition

Zur Veröffentlichung von Primal brachte Sony zudem eine limitierte Erstauflage auf den Markt. Diese besondere Edition ist schon an der DVD Hülle zu erkennen, die mit durchsichtigem Plastik und einem silbernen Cover aufwartet. In der Verpackung befindet sich neben einer VIP Karte (mit deren Hilfe ihr Zugriff auf exklusive Inhalte auf www.primalgame.com erhaltet), ein hochwertiges (auf Pergament) gedrucktes Handbuch und eine Soundtrack CD, die fünf Songs von „16 Volt“ enthält.

FAZIT:

Sony hat mit Primal ein technisch sehr solides und vor allem düsteres Action-Adventure abgeliefert, das lediglich an kleineren Mängeln krankt. Für Genrefreunde, die lieber Rätsel lösen, anstatt zu Kämpfen, kann ich das Spiel uneingeschränkt empfehlen. Actionpuristen sollten lieber zu einem anderen Titel greifen. Dank der optischen Präsentation, dem atmosphärischen Gameplay und dem sympathischen Heldengespann, fesselt Primal ungemein. Mit einem Spielumfang von vier Welten und einer Spieldauer von ca. 20 - 25 Stunden bekommt man mehr als bei vielen anderen Spielen heutzutage geboten und genug Gegenwert für sein sauer verdientes Geld.

[ Review verfasst von Justicer ]

Pluspunkte:

  • Schöne, stimmungsvolle Grafik
  • Faire und nicht zu schwere Rätsel
  • Levelarchitektur

Minuspunkte:

  • Kampfsteuerung
  • Mangelhafte Wegfindungsroute des zweiten Charakters
  • Enttäuschende 2.Welt


Infos zum Spiel
NamePrimal
SystemPlayStation 2
HerstellerSony
EntwicklerSCEE Studio Cambridge
GenreAction-Adventure
USKab 16 Jahren
Preis59,99 €
PlatinumNein
Release
 09.04.2003
 25.03.2003
 18.03.2004
Spielerzahl1
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusNein
Online spielbarNein
Online FunktionenNein
60HzJa
Vollbild 50HzJa
PAL BalkenNein
Speicherbedarf400KB
Progressive ScanJa
Dolby ProLogic IIJa
EyeToyNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Primal
Gameplay
8.5
Atmosphäre
9.0
Grafik
9.0
Sound
8.0
Singleplayer
8.0
 

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