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Evolve
10. Februar 2015

Wie hieß es schon beim SciFi Klassiker "Predator": "Wenn es blutet, können wir es töten." Getreu des Satzes schickt euch das Team hinter Left 4 Dead auf Monsterjagd. Mit insgesamt 12 Jägern darf man sich der rauen Umwelt und den Bewohnern des Planeten Shear stellen. Das Besondere an diesem Spiel, man darf aktiv in die Rolle des Monsters schlüpfen und selbst auf Jägerjagd gehen. Vorausgesetzt man verhält sich taktisch schlau genug und setzt geschickt die Fähigkeiten ein. Doch richtig gefährlich wird man erst, wenn man sich getreu dem Spieletitel weiter entwickelt.

Kambodscha ist ja dagegen das reinste Kansas

Der Planet Shear wird von einer Monster Welle überrannt. Seltsame Kreaturen, welche nur vom Trieb der Zerstörung und Evolution getrieben werden. Woher sie kommen ist unbekannt, aber man kann sie töten. Um der Monsterplage Herr zu werden und die verbleibenden Siedler zu retten, wird der beste Jäger der Galaxie gerufen, William Cabot. Zusammen mit seinem Team aus Elite-Jägern macht er sich an diese undankbare Arbeit und bereitet alles für die Evakuierung vor.
Eindrucksvoll schildert das animierte Opening diese Szenen, danach ist aber Schluss. Bei Evolve kommt die derzeit beliebte flexible Kampagne zum Einsatz. Statt einer fein ausgearbeiteten Geschichte darf man sich fünf generisch erstellten Missionen stellen. Zwar wird versprochen, dass jeder Einsatz einzigartig sei, doch Handlungstechnisch spürt man nichts von den angeblich 1.000 verschiedenen Varianten. Man bekommt beim Start der Kampagne eine Rolle zugewiesen und danach darf man die verschiedenen Aufgaben erfüllen. Diese teilen sich in Retten, zerstören und töten auf. Je nachdem wie erfolgreich die Mission war, bekommt man eine kurze Animationsszene zu sehen. Nach fünf Runden ist man am Ende und man sieht die Jäger vom Planeten abziehen. Einzig die Jäger bringen etwas Abwechslung und Informationen ins Spiel. Diese sind gut vertont und haben für jede Gelegenheit den passenden Spruch. Auch reagieren sie immer anders auf die verschiedenen Jäger im Team. Der Start Absprung zum Start ist wohl das beste Erlebnis im ganzen Spiel. Diese Szenen wirken sehr natürlich und man hat richtig das Gefühl, dass es Profis sind und die Jagd ihren Lebensinhalt darstellt!

Ey man, du blutest! Ich habe keine Zeit zu Bluten!

Trotz der langen Entwicklungsphase haben es nur 12 Jäger in das fertige Spiel geschafft. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass sich diese Jäger nochmal in die vier Klassen Medic, Trapper, Support und Assault aufsplittern. Doch wer etwas Zeit mit Ihnen verbringt, wird schnell merken, dass sich diese sehr unterschiedlich spielen. Maggi, Trapperklasse, verlässt sich zum Aufspüren des Monsters auf ihren "Hund", währen Cabot Lebewesen markiert und hofft, dass das Monster seinen Peilsender frisst. Jeder der drei Klassen-Charaktere ist auf seine Art einzigartig und benötigt eine eigene Taktik. Welche Rolle er bei der Jagd zu spielen hat, ist klar definiert. Dem Medic sein oberstes Ziel ist es seine Kameraden am Leben zu halten, man hat aber auch die Möglichkeit aktiv Schaden zu verursachen. Mit einer panzerbrechenden Munition kann man die Panzerung schwächen. Hier kommt der Assault zum Einsatz, der mit seinem Schild auf Nahe Distanz ordentlich Schaden verursacht. Damit das Monster nicht entkommen kann, ist der Trapper da. Er hat die Möglichkeit eine Arena aufzubauen, aus der das Monster nicht fliehen kann und kann es mit Harpunen am Platz halten. So fixiert, kann der Support einen Luftschlag befehligen. Jede Klasse hat seine Rolle und Daseinsberechtigung, auch ist Teamarbeit gefragt. Alleinige Aufklärungstouren sind in diesem Spiel nicht erwünscht und enden mit dem sicheren Tod des Egomanen. Aus diesem Grund wird jede Runde mit allen 4 Klassen gespielt. Eine Mischung aus 2 Assault und 2 Medic ist nicht möglich.

Damit es zu keinen Streitereien kommt, wer welche Rolle übernehmen soll, wurde ein Präferenzen System integriert. Man reiht aneinander welche Klassen man bevorzugt. In der Praxis funktioniert dieses System sehr gut. Man sollte sich aber damit abfinden, dass man hin und wieder die Rolle einer bestimmten Klasse übernehmen muss. Leider führt dieser Umstand dazu, dass viele schon vor dem Rundenstart abbrechen. Glücklicherweise wird der fehlende Jäger dann von der KI übernommen. Die KI verhält sich ausnahmsweise sehr schlau und fällt im aktiven Spiel kaum auf. Eigentlich ist diese so gut, dass man bei einem Offline Spiel in der Monsterrolle kaum eine Chance hat.
Man merkt, dass den Entwickler die Jäger sehr wichtig waren, spielerisch wie auch gestalterisch. Alle besitzen sehr gut ausbalancierte Fähigkeiten, die sich in ihrer grafischen Gestaltung wiederspiegeln. Zur Personalisierung hat jeder der 12 Jäger dutzende Sprüche für jede Situation parat. Am gesprächigsten sind sie vor dem Abwurf aus dem Schiff. Hier tauschen die Jäger Weisheiten und Alltagsgeschichten aus und geben der Welt von Evolve Charakter.

Wir werden hier alle sterben!

Als Gegenpart zu den Jägern stehen drei Monster zur Verfügung. Der mächtige Goliath, der blitzeschleudernde Kraken und der mysteriöse Wraith. Alle drei Monster sind sehr unterschiedlich gestaltet und verlangen Einarbeitungszeit. Zu Beginn darf man nur den Goliath steuern. Ein mächtiger Gegner der sich auf den Nahkampf spezialisiert hat. Mit ihm schleudert man Steine und rammt die Gegner. Doch bevor man soweit ist, muss man sich weiterentwickeln. Die erste Phase der Monster ist nicht gerade eine Bedrohung für die Jäger wie auch für die übrigen Bewohner von Shear. Man macht anfangs nur Jagd auf Kleinvieh und versucht genug Erfahrungspunkte für die Evolution zu bekommen. Endlich in Phase 2 angekommen hat man eine reale Chance die Jäger zu überrumpeln. Hier gilt es klug die vorhandenen Fähigkeiten einzusetzen. Jeder Tastendruck veranlasst eine andere Attacke. Diese sollte man bedacht aneinander reihen, da diese eine gewisse Zeit zum Aufladen benötigen. Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, kann den Jägern so lange entkommen, bis man in Phase 3 angekommen ist. In dieser Stufe ist man eine beachtliche Bedrohung, der sich die Jäger klug entgegen stellen müssen. Trotz der schier endlosen Zerstörungskraft des Monsters kann man schnell zu Boden gehen, wenn man die Jäger nicht mit Bedacht ausschaltet. Man sollte stets im Hinterkopf behalten, dass ein erledigter Trapper das Energiefeld zum Zusammenbruch bringt, was für eine schnelle Flucht von Vorteil sein kann. Hingegen bedeutet ein toter Sanitäter ein schnelles Ende für das gesamte Team. Ist man doch unterlegen, ist es keine Schande den Rückzug anzutreten, um Kleinvieh zu jagen und die Panzerung wiederherzustellen. Eine unbedachte Flucht kann aber Spuren hinterlassen, welche die Jäger leicht folgen können. Vögel auf dem Weg können versehentlich aufgescheucht werden und verraten die Position, Spuren sind deutlich sichtbar wenn man nicht schleicht und tote Tiere ziehen Aasfresser an. Zumindest ist man mit der erweiterten Bewegungsfreiheit den Jägern weit überlegen.

Der Goliath ist von den Monstern der Einfachste und unkomplizierteste. Mit einer guten Mischung aus Kraft und Panzerung kommt man mit ihm sehr schnell klar. Der Kraken hingegen ist der Fernkämpfer und Fallensteller. Er segelt begrenzt durch die Luft und lässt mächtige Blitz Angriffe auf die Gegner niederregnen. Seine Attacken benötigen Genauigkeit und Vorbereitung, doch ist man einmal im Blitzregen gefangen findet man schnell sein ende. Der Wraith hingegen ist der mysteriöse der Truppe. Wenig Gesundheit und wenig Panzerung verlangen nach einen wohlüberlegten Vorgehen. Hier arbeitet man mit Tricks um die Gruppe zu trennen und die Jäger einzeln auszuschalten. Gewiss ein Monster, dass nicht für jeden schnell zugänglich ist und seine Zeit benötigt.

Ich schneide ihm deinen Namen ins Fleisch!

Was sich Jäger und Monster teilen ist das Levelsystem. Bevor man sich den anderen Charakteren annehmen kann, muss man diese durch Repetition freischalten. Bestimmte Angriffe müssen oft genug ausgeführt werden um z.B. die Waffe zu stärken. Erst wenn diese 3 Punkte gemeistert sind, bekommt man Zugriff auf den nächsten Charakter. Nun beginnt das Spiel von vorne. Unglücklicherweise bekommt man keinen Bonus, wenn man einen Punkt bereits gemeistert hat. Der Gedanke der Entwickler war wohl, dass der Spieler dann öfters die anderen Fähigkeiten einsetzt. In den Ansätzen ein sehr interessantes System, was bei den Jägern noch einigermaßen funktioniert, aber dazu führt, dass man im Multiplayer lange nur dieselben Charaktere sieht. Auch scheinen Spieler diese nur sehr selten zu wechseln, da man bereits sehr viel Zeit in die Meisterung des Charakters gesteckt hat und mit ihm am besten umgehen kann. Die Monsterspieler haben es noch schwerer. Im Gegensatz zu den Jägern, werden deutlich mehr Punkte für die Meisterung benötigt. Jede Attacke muss sitzen, um wirklich effektiv und schnell diese Punkte zu bekommen. Ein sehr ärgerliches System, das wohl auf dem Papier sehr gut funktioniert hat, aber für Gelegenheitsspieler das Grauen ist.

Neben der Charaktermeisterung gibt es noch den üblichen Levelaufstieg und ein allgemeines Meisterungssystem für erledige Aufgaben, wie die Anzahl der getöteten Jäger usw. Diese schalten weitere Bonus Punkte, wie für ein schnelleres Aufladen des Jetpacks oder bessere Panzerung für Monster frei. Ebenfalls werden auf diese Art auch Embleme zur Gestaltung freigeschaltet. Dies und die wenigen Charakter Skins sind auch die einzigen Möglichkeiten sich im Spiel kreativ zu entfalten. Wer gerne seinen Lieblingsjäger personalisieren möchte, ist hier fehl am Platz. Die Entwickler haben eine sehr genaue Vorstellung wie ihre Jäger und Monster aussehen sollen und über welche zusätzlichen Fähigkeiten sie verfügen dürfen. Ob diese "Hardcore Balancing" im Jahre 2015 noch angebracht ist, ist eine eigene Diskussion für sich. Zumindest sorgt dieses System für keine Ungerechtigkeit.

Du bist so... abgrundtief hässlich!

Über die gestalterische Vision der Entwickler kann man sich nicht beklagen. Das Design sprüht nur von dem dreckigen SciFi Stil, den man sich von dieser Art Spiel erhofft. Hier ist nichts steril oder glatt gebügelt. Die Jäger und Monster haben im gestalterischen Sinne Ecken und Kanten, die sie einzigartig machen. Schon der Absprung aus dem Schiff ist ein Erlebnis für sich und ist gesät mit liebevollen Details. Es beginnt mit einem Schwenk über den persönlichen Jäger und endet mit der Warnlampe, die das Öffnen der Luke bekannt gibt. Danach stürzt man in die Welt von Shear. Hier erwartet einen eine dichte Atmosphäre, die mit reichlich außerirdischem Getier und Pflanzen geschmückt ist.
Als Grundgerüst wurde die 4. Generation der CryEngine gewählt, welche eine sehr gute Leistung bringt. Da man sich auch nicht mit einer PS3 Version herumschlagen musste, kann man die volle Leistung der PS4 ausspielen was man deutlich spürt. Zwar kann man die 60FPS der PC Version nicht erreichen, doch liefert man konstante 30FPS. Die Framerate geht nur kurz in die Knie, wenn man aus dem Schiff abspringt und die ganze Karte überblickt. Was wohl viele als schlechte Grafik betiteln, lässt sich auf die Gestaltung zurückführen. Es fehlt einfach an "bunten" und gut ausgeleuchteten Ecken, um die Grafik bewundern zu können. Auch akustisch kann man nichts schlechtes sagen. Das SciFi Setting wurde bestens umgesetzt und die Musik sorgt für ein herrlich beklemmendes Gefühl. Auch die Soundeffekte der Tiere, Monster und Umgebungen sind eine Ohrenweide. Die gute deutsche Synchronisation der Charaktere ist ein weiterer großer Pluspunkt. Dies wird eigentlich nur mehr dadurch übertroffen, dass man zur perfekten englischen Synchronisation wechseln kann.

FAZIT:

Die vielen Anspielungen zu John McTiernans Meisterwerk Predator sind bewusst gewählt. Das ganze Spiel erinnert mich einfach zu sehr an diesen Film. Auf einer Seite das Elite Soldaten Team, dass mitten in einem Dschungel auf der Suche nach einer unbekannten Bedrohung ist. Wie der Predator im Film agiert man als Monster ähnlich. Man schleicht sich durch den Dschungel, frisst und entwickelt sich weiter. Danach schaltet man gezielt einen Gegner nach dem anderen aus. Im Gegensatz zu Dutch im Film sollte man sein Team stets zusammen halten, da man nur gemeinsam stark ist. Kommt es aber doch zu einer Situation, in der man wie Schwarzenegger dem Monster alleine gegenüber steht und es mit Glück doch noch erledigt, ist es ein grandioses Gefühl. Leider gelingt es dem Spiel nicht diese Blockbuster Elemente oft genug einzufangen. Die zwar gut ausgearbeiteten Jäger, Monster und Karten haben sehr viel Charme, doch wird man das Gefühl nicht los, es ist nur ein Grundgerüst. Es fehlt einfach an Abwechslung und das leidige Levelsystem verhindert das man anfangs verschiedene Charaktere testen kann. Man darf sich langwierig durch das Freischaltungssystem kämpfen, nur um festzustellen, dass der erste Jäger die richtige Wahl war. Was das eigentliche Gameplay betrifft, da gibt es nichts zu bemängeln. Das Spiel will ein Jagdspiel sein und das ist es auch. Jeder muss seine Rolle spielen und sollte davon nicht abweichen. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht. Das System ist von Grund auf gut durchdacht und dementsprechend gestrickt! Dies wiederum führt dazu, dass man Gelegenheitsjäger schnell vergraulen wird. Auch die fehlende Personalisierung trägt dazu bei. Wenn selbst Borderlands mit den einfach austauschbaren Köpfen dies ermöglicht, warum nicht auch Evolve. Es fehlt einfach die persönliche Note die man von derzeitigen Spielen gewohnt ist. Was ich persönlich auch schmerzlich vermisse sind Jagd-Trophäen. Der Jäger lebt von diesen Trophäen und präsentiert diese gerne den anderen Jägern. Evolve hingegen bietet nur einfache, trockene Statistiken. Ob das der Sinn einer Jagd sein soll, wage ich zu bezweifeln.

Bleibt nur mehr die Frage ob man sich lange genug für Evolve motivieren kann. Das Grundgerüst ist da, es fehlt nur noch an Füllmaterial, wie auch die versprochene bessere Balance zwischen Jäger und Monster. Letztendlich sollte man sich aber im Klaren sein, was für ein Spiel man sich hier kauft. In erster Linie nämlich ein Coop-Spiel, welches viel Zeit zur Perfektion benötigt und kein Spiel für eine schneller Runde zwischendurch. Abschließend noch etwas zum Thema DLC. Ja, der Shop ist gut gefüllt, diese sind aber nur Skins und haben keinen Einfluss auf das Spiel. Wer bereit ist für diese minimalistische Charaktergestalltung die Kreditkarte zu zücken, kann es gerne machen. Bezüglich der versprochenen Monster und Jäger würde ich die Erfahrung anderer Spieler abwarten. Teures Geld für einen Charakter auszugeben, der einem nicht liegt, halte ich für völlig unsinnig!

[ Review verfasst von Andy ]

Pluspunkte:

  • Gelungenes Klassensystem
  • Authentisches SciFi Setting samt guter Grafik
  • Solide KI

Minuspunkte:

  • Frustrierendes Freischaltesystem
  • Wenig Umfang
  • Lange Spielersuche

OnPSX Playlist



Infos zum Spiel
NameEvolve
SystemPlayStation 4
Hersteller2K Games
EntwicklerTurtle Rock Studios
GenreEgo-Shooter
USKab 16 Jahren
PEGI18+
Preis59,99 €
Release
 10.02.2015
 10.02.2015
Spielerzahl4
SpracheDeutsch
Englisch
TexteDeutsch
Englisch
MehrspielermodusJa
Online spielbarJa
Online FunktionenJa
720pJa
1080pNein
Mehr...

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Screenshot Galerie
Evolve
Gameplay
8.0
Atmosphäre
9.0
Grafik
8.0
Sound
6.0
Spielspass
8.0
 

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