Perfect Days
Der in diesem Moment schönste Film, den ich seit langem gesehen habe. Und dabei meine ich nicht nur, das es ein schöner (also guter) Film ist, sondern das das Gefühl den Film zu sehen einfach ... schön ist. Der deutsche Ausnahmeregisseur Wim Wenders folgt einem ruhigen, in sich gekehrten älteren Mann wie er öffentliche Toiletten in Tokio putzt.
Kann Toiletten säubern Zen sein?
Völlig entschleunigt folgt man dem geregelten Tagesablauf von Hirayama. Aufstehen, sich für die Arbeit fertig machen, stylische Toiletten säubern, die Badeanstalt besuchen, Wäsche waschen, in den gleichen Lokalitäten essen und Schattenspiele (jap. Komorebi) mit seiner kleinen Olympus Mju fotografieren. Dabei werden so gut wie keine Worte benötigt und wenn, reden eher die Nebenfiguren, während Hirayama fast stumm bleibt.
Zudem folgt die Kamera fast schon dokumentarisch dem Geschehen. Kein Wunder, sollte Wim Wenders doch eigentlich einen Dokumentarfilm über japanische öffentliche Toiletten machen, die zu Olympia zusammen mit berühmten Architekten konzipiert und gebaut wurden.
Erzählt werden dabei beiläufig kleine Geschichten, während die Figur des Hirayama weitestgehend diffus bleibt. Hier folgt schließlich mein einziger Kritikpunkt an "Perfect Days", da sich im letzten Drittel doch noch entschieden wurde Hirayama mehr Hintergrund zu geben. In meinem Augen ist dies allerdings überflüssig und hätte es nicht gebraucht, zumal hier auch sehr viel gesprochen wird. Um ein größeres Publikum zum Ende hin aber nicht zu verlieren, kann ich die Entscheidung allerdings auch nachvollziehen.
Dafür kann der grandiose Soundtrack wiederum überzeugen, dessen Songs von u.a. Patti Smith, Lou Reed, Van Morrison, The Kinks, The Velvet Underground, The Rolling Stones und weiteren perfekt zum jeweiligen Geschehen passen. Hier hat Musikliebhaber Wim Wenders ganze Arbeit geleistet!
FAZIT:
Also, schließt das Smartphone weg und lasst euch einfach knapp zwei Stunden mitnehmen. Keine Hektik (erstaunlich, wie das bei Tokyo als Schauplatz funktioniert), kein Krach, keine verschachtelte Story. Einfach nur die Schönheit des alltäglichen. Es lohnt sich. Versprochen!