A Plague Tale: Resonance
Die beiden „A Plague Tale“-Spiele bestechen durch eine dichte Atmosphäre und einen treffsicheren Grafikstil. Beim Gameplay gehen die Ansichten dagegen auseinander: Mir gefielen die Puzzles, das ewige Schleich- und Versteckspiel hingegen weniger. In „Requiem“ gab es erste Anzeichen eines Kampfsystems, doch erst im neuesten Teil, der eigentlich ein Prequel sein möchte, hat diese Action-Komponente so richtig Einzug gehalten.
Schatzsuche im Mittelmeer
Die Protagonistin Sophia wurde als kleines Kind in ein Kloster verschleppt und der Prima Makula ausgesetzt, um ihre Visionen auf Papier zu bringen. Eines Tages wird sie von ihrem Vater gerettet und wächst von nun an bei den Plünderern auf. Alex, Sophias Vater, sucht immer noch nach einer Heilung für die Krankheit seiner Tochter und ist sich sicher, dass er sie auf einer Insel im Mittelmeer finden wird. Neben ein paar Schätzen natürlich – warum sonst sollten sich Piraten jahrelang auf eine Erkundung begeben? Das ist nicht ganz klar, doch Jahre später, als Sophia eine erwachsene Frau ist, ergibt sich die Chance, einen Schlüssel in Venedig zu rauben. Dieser soll die verschlossenen Tore auf der Insel öffnen. Doch die Plünderer werden verraten, die Armee tritt auf den Plan und verfolgt sie. Letztendlich landen Sophia und ihre Freundin Leni auf der sagenumwobenen Insel. Die Schatzsuche kann beginnen!
Auf in den Kampf
Die größte Neuerung in „Resonance“ ist zweifellos das Kampfsystem. Während Amicia und Hugo in „Innocence“ und „Requiem“ noch ziemlich wehrlos waren, ist die Protagonistin des aktuellen Abenteuers, Sophia, ganz anders. Als Plünderin hat sie das Kämpfen gelernt und schreckt nicht davor zurück, den Schergen den Garaus zu machen – und das auf durchaus blutige Art und Weise. Es ist beeindruckend, wie dabei das Blut an Feldern und Wänden spritzt. Die Kämpfe sind natürlich nicht ultrakomplex – man hat eine Angriffstaste, kann blocken und ausweichen, schwere Attacken ausführen und mittels Fokus auch spezielle Tricks. Mithilfe von Resonanz-Punkten können neue Fähigkeiten freigeschaltet und diese anschließend gemeistert werden. Durch gefundene Armreife, Anstecker usw. lassen sich Boni verbessern. Die Gegner sind noch recht vielfältig: vom flinken Schwertkämpfer über den Speerträger, der aus der Entfernung angreift, bis hin zu Kombinationen aus Schwert und Schild, Meuchelmördern und großen Bastardschwert-Recken ist alles dabei. Wenn man es mit Bogenschützen zu tun hat, sollte man am besten den Greifhaken benutzen, um sie an sich heranzuziehen. Bosskämpfe gibt es nur wenige, die vor allem eine gute Reaktion auf die Angriffe verlangen (gelb = blockbar, rot = ausweichen).

Das Labyrinth ist ein Puzzle
Zunächst einmal gibt es keine Ratten, die Makula aber dennoch. Die Türrätsel in „Resonanz“ involvieren Licht, Farbkombinationen oder hergeleitete Lösungen aus Schriftzeichen. Keines der Rätsel dürfte wirklich kniffelig sein. Sollte man dennoch einmal nicht weiterwissen, helfen entweder die Gefährten oder ein Blick in Sophias Notizbuch. Dort findet ihr Erklärungen zu den Skizzen. Wenn auch das nicht hilft, kann man nach kurzer Zeit eine Spielhilfe aktivieren. So bleibt man zumindest immer im Spielfluss. Das ist gut, denn die Puzzle-Dichte ist ziemlich hoch – das erwartet man am Anfang gar nicht. Ansonsten dominieren Geschicklichkeitspassagen das Spielgeschehen. Es gibt ebenso Schleichabschnitte und Hetzjagden, bei denen man vor dem Minotaurus fliehen muss. Nebenbei kann man Artefakte und verschiedene Glücksbringer finden. Letztere sind für bestimmte Buffs zuständig bzw. erhöhen deren Chance. Ab und zu stolpert man auch über Resonanzpunkte, die es ermöglichen, neue Fähigkeiten zu erlernen und zu meistern.

Theseus und der Minotaurus
Im Verlauf des Abenteuers steuert man sowohl die Plünderin Sophia als auch Theseus. Der antike Krieger erscheint in Sophias Visionen und kämpft in einem blutigen Turnier unter den Augen von König Minos und seinen Untertanen. Diese Kapitel sind stark auf das Kämpfen fokussiert, erzählen aber auch die Geschichte der Insel und die des Minotaurus. An dieser Stelle möchte ich aber nicht zu viel verraten. Zwar empfand ich das Finale als durchaus befriedigend, den Story-Verlauf jedoch weit weniger gut. Alles ergibt erst am Ende Sinn – und auch nur, wenn man den Vorgänger tatsächlich abgeschlossen hat. Ansonsten fallen ein paar wichtige Informationen weg, allen voran, was es mit der Prima Makula auf sich hat und wieso das auch in der Antike eine Rolle spielte. Zudem weist die Geschichte einige logische Lücken auf bzw. passt nicht alles gut zusammen. Woher wussten die Plünderer von dem Schatz? Wussten sie es überhaupt oder suchten sie nur nach einer Heilung für Sophia? Wer steuert die Armee? Wieso gab es in der Antike schon Sphären und Wunder der Technik? Und natürlich die Frage, was sich tatsächlich hinter dem Minotaurus versteckt…

Die Insel der (Alb)Träume
Die Serie konnte schon immer mit ihrer visuellen Gestaltung überzeugen, der Stil passte einfach perfekt. Auch wenn es technisch erst auf der PS5 so richtig rundlief. „Resonance“ knüpft an diese Tugenden an: Vor allem die Charaktermodelle sehen fantastisch aus, da sie äußerst realistisch sind. Es sind keine Supermodels, sondern Menschen, die man optisch nicht immer als Ideal bezeichnen würde. Doch auch die Hintergründe wissen zu gefallen: Venedig zu Beginn legt die Messlatte ziemlich hoch, was mit der hellenischen Insel dann nicht mehr ganz zu halten ist. Es sieht zwar immer noch toll aus, aber es fehlt stellenweise das Imposante. Immerhin gelingt es den Entwicklern, das Abenteuer nicht zu düster werden zu lassen. Auch wenn gegen Ende des Spiels nicht mehr die unbeschwerte Atmosphäre des Anfangs zu sehen ist.

In technischer Hinsicht gibt es zwei Grafikmodi (Performance und Qualität). Ersteres läuft mit 60 fps, bei Letzterem wird dagegen die Auflösung zu Lasten der Framerate bevorzugt. Beim Anti-Aliasing gibt es ebenfalls zwei Optionen: TAA und PSSR, wobei Letzteres mein Favorit war. Damit sah das Bild auf der PS5 Pro noch einmal deutlich schärfer aus. Die Bewegungsunschärfe sollte man dagegen komplett deaktivieren, da das Bild ansonsten bei Kameradrehungen ziemlich schmierig und nachziehend wirkt. Die chromatische Aberration lässt sich ebenfalls nach Belieben justieren. Es gibt jedenfalls zahlreiche Optionen, auch was die Barrierefreiheitseinstellungen betrifft. So kann man das Abenteuer in verschiedenen Schwierigkeitsstufen bestreiten und sich zusätzlich noch fast unverwundbar machen. Die vielfältigen Möglichkeiten im Spiel sind vorbildlich. So hat jeder die Chance, das Action-Adventure bis zum Schluss zu erleben.
Die deutsche Sprachausgabe ist ebenfalls erstklassig und die Dialoge passen zu den Charakteren – da wird halt auch mal „Halts Maul“ gesagt. Über allem thront jedoch der Soundtrack. Neben behutsamen Klängen gibt es Choräle, mittelalterliche Klimperei, antike Sounds und eine bedrohliche Untermalung, wenn man dem „Minotaurus“ begegnet. Alles in allem wird dabei ein tolles Sammelsurium an Musik geboten, das das Geschehen am Bildschirm jederzeit perfekt untermalt.
Was Bugs betrifft, lief das Abenteuer ziemlich rund; nur eine Sache fiel negativ auf. Bei jedem Neustart musste der Skalierungs-Modus von TAA auf PSSR geändert werden.

FAZIT:
Endlich kämpfen! Diese Gameplay-Komponente hat mir in den vorherigen Spielen einfach gefehlt. Das ständige Schleichen, Ausweichen und Wegrennen war auf Dauer zu öde, auch wenn es zwischendurch gute Puzzles gab. In „Resonance“ gibt es zwar noch mehr Rätsel, aber Sophia kann auch mit der Waffe umgehen und kennt keine Gnade. Das Kampfsystem funktioniert gut, das Parieren und Ausweichen klappt wunderbar, sodass die Kämpfe das Geschehen ordentlich auflockern, ohne allzu kompliziert auszufallen. Natürlich gibt es noch ein paar Schleichpassagen und Hetzjagden, aber deutlich weniger als in den Vorgängern. Was mir dagegen nicht sonderlich gefallen hat, war die allgemeine Geschichte. Ich mochte zwar die Spielcharaktere und gewissermaßen auch das Mysterium, aber manche Dinge waren dann doch etwas an den Haaren herbeigezogen. Beispielsweise frage ich mich, wieso die Armee ein so großes Interesse an dieser „Schatzsuche“ hat. Dafür fehlt mir schlichtweg ein Oberscherge. Atmosphärisch ist das Abenteuer aber top, was neben der Grafik vor allem am passenden Soundtrack liegt. Am Ende spielt sich das Prequel etwas anders als die Teile 1 und 2, wodurch es abwechslungsreicher wird. Insgesamt kann es aber nicht wirklich einen draufsetzen. Gut, aber ausbaufähig.
[ Review verfasst von .ram ]
[ Gespielt auf einer PS5 Pro mit 4K HDR TV ]
Pluspunkte:
- Endlich richtige Kämpfe mit Parieren und Blocken
- Hohe Rätseldichte
- Viele Barrierefreiheitsoptionen
Minuspunkte:
- Schwache Story
- Bosskämpfe ausbaufähig
- Man sollte „A Plagues Tale: Requiem“ durchgespielt haben
Spielinfos