Zum Inhalt springen
PS5

Dragon Quest VII Reimagined

11. April 2026

Lesezeit: 7 Min.

Dragon Quest VII Reimagined

In einer Zeit, in der die Final Fantasy-Reihe zunehmend als Boomer-Franchise abgestempelt wird, drängt sich die Frage auf: Wie steht es eigentlich um Dragon Quest? Während die Serie einst zu den größten Namen der (insbesonderen japanischen) Spieleindustrie zählte, ist es um die traditionsreiche RPG-Franchise inzwischen merklich ruhiger geworden – nicht zuletzt, weil der lang erwartete zwölfte Teil weiterhin auf sich warten lässt. Damit die Marke jedoch nicht komplett in Vergessenheit gerät, hat Square Enix die Remake-Maschine erneut angeworfen und eine Neuauflage des siebten Teils veröffentlicht. Das Original, welches zum Ende der PS1-Ära veröffentlicht wurde, gilt für viele Fans als persönlicher Favorit – und war in jüngster Vergangenheit - abgesehen vom Nintendo-DS-Remake aus dem Jahr 2013 - nur schwer aufzutreiben. Umso erfreulicher ist es, dass Square Enix das klassische Rollenspiel nun in zeitgemäß überarbeiteter Form zurück auf den Markt bringt. Was die Neuauflage spielerisch und technisch zu bieten hat, erfahrt ihr in unserer aktuellen Review.

Eine Reise die ist lustig, eine Reise die ist schön

In Dragon Quest VII Reimagined startet das Abenteuer auf einer scheinbar friedlichen Insel, die als einziger bewohnter Fleck einer weiten, leeren Welt gilt. Der junge Held und seine Freunde führen ein unbeschwertes Leben - bis sie in den Ruinen nahe ihres Heimatdorfes ein mysteriöses Portal entdecken. Dieses Tor führt sie in vergangene Zeiten, zu längst verschwundenen Inseln und untergegangenen Königreichen. Nach und nach rekonstruiert die Gruppe durch ihre Reisen die einst zerstörte Welt und enthüllt dabei ein Netz aus Legenden, Göttern und dunklen Mächten, das weit mehr miteinander verknüpft ist, als es zunächst scheint.

Das Storytelling präsentiert sich in klassischer J-RPG-Manier, sprich: in Form endloser Dialogboxen, die leider nicht mehr vollständig vertont sind. Die Handlung selbst, die euch über zahlreiche Inseln führt und dabei mit einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere verknüpft, geht grundsätzlich in Ordnung, braucht allerdings eine ganze Weile, bis sie wirklich an Fahrt gewinnt. Doch das war ja schon im Original nicht anders. Der siebte Teil der Reihe galt schon immer als wohl der gemächlichste Vertreter der Serie. Einerseits tragen die vielen Dialoge und Figuren zweifellos zum Worldbuilding bei, andererseits fällt die erzählerische Belohnung am Ende nicht immer ganz zufriedenstellend aus. Hinzu kommt, dass ich mit den Hauptcharakteren einfach nie wirklich warm geworden bin. Klar, sie verfügen über unterschiedliche Persönlichkeiten, aber selbst nach etlichen Spielstunden kam bei mir nie das Gefühl auf, mit genau dieser Gruppe eine große Reise unternehmen zu wollen. Entweder sind sie zu vorlaut, zu belanglos oder schlicht zu übermütig - als eingespieltes Team, mit dem man sich gerne identifiziert, haben sie bei mir jedenfalls nicht gezündet. Und das hat letztlich auch meinem Spielspaß leicht geschadet.

Der Grind hört niemals auf

Spielerisch bleibt Dragon Quest VII Reimagined den klassischen Wurzeln der Serie treu, kombiniert sie aber mit einem modernen Feinschliff. Das rundenbasierte Kampfsystem präsentiert sich vertraut, wirkt durch die überarbeitete Benutzeroberfläche und flüssigere Animationen jedoch deutlich zeitgemäßer. Besonders angenehm fand ich, dass das Spiel nun auch einen Auto-Battle-Modus bietet - perfekt für längere Grind-Passagen oder entspannte Sessions, ohne ständig jeden Zug manuell eingeben zu müssen. Abseits der Kämpfe überzeugt das Spiel mit einer überarbeiteten Weltstruktur, schnelleren Wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie verkürzten Ladezeiten. Auch das Job-System wurde leicht angepasst und wirkt nun etwas zugänglicher, ohne an Tiefe zu verlieren. Insgesamt fühlt sich das Gameplay dank der zahlreichen Komfortfunktionen runder und flüssiger an, was vor allem Rückkehrer sofort zu schätzen wissen werden. Und neben den bereits angesprochenen Updates, geht Dragon Quest VII Reimagined teilweise sogar noch einige Schritte weiter und nimmt sich die Freiheiten, um das Grundgerüst des Klassikers auch in anderen Aspekten spürbar zu modernisieren. Mehrere Inseln - darunter El Ciclo, Grondal und Providence - wurden zum Beispiel komplett entfernt. Andere Gebiete wie Regenstein, Vogograd oder Nottagen sind optional geworden und bieten dadurch etwas mehr Flexibilität im Spielfortschritt. Auch das Klassensystem wurde deutlich überarbeitet – man kann nun nur die Fähigkeiten der gerade gewählten Klasse nutzen, behält also keine früher gelernten Skills. Neu hinzu kommt allerdings die sogenannte Moonlighting-Funktion, mit der zwei Berufe gleichzeitig aktiv sind, sowie der Career Sphere, der spontanes Wechseln der Klasse überall ermöglicht. Darüber hinaus wurde ein völlig neuer Arena-Modus in Dragon Quest VII Reimagined hinzugefügt. Hier können Spieler gegen immer stärkere Gegner antreten und wertvolle Belohnungen verdienen, indem sie sich durch die Kämpfe nach oben arbeiten. Dieser Modus richtet sich vor allem an das Endgame und bietet teilweise ausgesprochen harte Gegner - ideal, um die eigene Party-Strategie und Ausrüstung auf die Probe zu stellen.

Aber eine der gelungensten Neuerungen in Dragon Quest VII Reimagined betrifft die Spielfeinstellungen selbst. Erstmals lässt sich der Schwierigkeitsgrad umfassend anpassen – von der Stärke der Gegner über die Menge an Erfahrungspunkten bis hin zu den Goldbelohnungen nach Kämpfen. Dadurch können Spieler das Abenteuer ganz nach ihrem Geschmack gestalten: Wer mehr Herausforderung sucht, dreht die Regler nach oben, wer lieber entspannt spielt, reduziert sie entsprechend. Dieses flexible System sorgt dafür, dass sich die Reise sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene DQ-Veteranen ideal anfühlt.

Neuer Anstrich

Auch optisch hat das Spiel ein deutlich neues Gesicht bekommen. Zwar wurde kein vollständiges Grafik-Upgrade à la Final Fantasy VII Remake umgesetzt, doch die Entwickler haben die Originaldarstellung als Grundlage genommen und in fast jedem Detail von Grund auf überarbeitet. Das visuelle Update umfasst sämtliche Bereiche - von den Umgebungen über die Charaktermodelle und die Oberwelt bis hin zum Kampfbildschirm. Das Ergebnis ist beeindruckend: Es fühlt sich tatsächlich an, als würde man einen Anime spielen. Zusätzlich sorgen extrem kurze Ladezeiten und eine durchgehend stabile Framerate für ein rundum flüssiges Spielerlebnis. Besonders positiv fällt der Soundtrack auf, der mit zahlreichen Ohrwürmern überzeugt und das Spielgeschehen perfekt untermalt. Bei der Synchronisation musste ich allerdings Abstriche machen: Einige Sprecher liefern etwas überzeichnete Darbietungen, sowohl bei den Hauptfiguren - zu denen ich kaum eine emotionale Bindung aufbauen konnte - als auch bei den NPCs, deren teils befremdliche Akzente schnell an Reiz verlieren.

Zwar ist deutlich zu erkennen, dass Square Enix viel Aufwand betrieben hat, um unterschiedliche Facetten und Stile zu präsentieren, doch das Endergebnis wirkt stellenweise unausgewogen. Der musikalische Teil bleibt allerdings über jeden Zweifel erhaben und zählt zu den Highlights des Spiels.

FAZIT:

Dragon Quest VII Reimagined ist eine gelungene Neuauflage eines klassischen Rollenspiels, das spürbar mit viel Sorgfalt und Respekt vor dem Original umgesetzt wurde. Spielerisch wurde an den richtigen Stellen nachgeschärft, ohne den typischen Seriencharme zu verlieren, und auch technisch macht das Remake eine sehr gute Figur. Gerade die Komfortfunktionen, die überarbeiteten Systeme und die starke Präsentation sorgen dafür, dass sich das Abenteuer heute deutlich angenehmer spielt als noch damals. Trotzdem bleibt ein kleiner Haken: Die gemächliche Erzählweise, die ausufernden Dialoge und die für mich eher schwierig greifbaren Charaktere verhindern, dass der Funke durchgehend überspringt. Vor allem auf erzählerischer Ebene hat mich das Spiel nie ganz abgeholt. Umso mehr stechen dann aber der fantastische Soundtrack und die liebevoll überarbeitete Optik hervor, die das Abenteuer immer wieder tragen. Unterm Strich ist Dragon Quest VII Reimagined damit ein empfehlenswertes Remake für Fans klassischer J-RPGs - auch wenn es mich nicht in jedem Bereich vollkommen überzeugt.

[ Review verfasst von Dimi ]

[ Gespielt auf der PS5 mit 4K HDR OLED TV ]

Pluspunkte:

  • Beeindruckendes grafisches Update, das wie ein spielbarer Anime wirkt.
  • Flüssiges Gameplay mit Komfortfunktionen wie Auto-Battle und anpassbarer Schwierigkeit.
  • Flexibleres Job-System für mehr Spielbarkeit und Flexibilität.

Minuspunkte:

  • Übertriebene Synchronisation, die emotionale Bindung an Charaktere erschwert.
  • Gemächliches Storytelling mit langen Dialogen, das erst spät Fahrt aufnimmt.
  • Manche Sidequests eher langweilig und belanglos

WERTUNG

Atmosphäre
8.5
Gameplay
8.0
Grafik
8.0
Sound
8.0
Werbung
Dragon Quest VII Reimagined
Screenshots
Dragon Quest VII Reimagined
Dragon Quest VII Reimagined
Dragon Quest VII Reimagined
Dragon Quest VII Reimagined +29
Name Dragon Quest VII Reimagined
Release 05.02.2026
Plattform PS5
Genre Rollenspiel
Publisher Square Enix
Developer Hexadrive
Preis 69,99 €
USK ab 6 Jahren
PEGI PEGI 12+
Spieleranzahl 1
Sprache Englisch, Japanisch
Texte Deutsch, Englisch, Japanisch
8 GB
Zum Spiel