#DRIVE Rally
Oh, sieh an, ein neues Rallye-Spiel! Keine Simulation, kein WRC, sondern ein fokussiertes Arcade-Spiel mit stylischer Cartoon-/Retro-Optik. Erinnert irgendwie an Sega Rally, V-Rally oder Colin Mc Rae Rally. Ob das Indie-Spiel aus Polen jedoch mehr als eine Hommage an die zahlreichen Rallye-Spiele der 90er Jahre ist, klärt unser neuer Test.
Team-Rally
Der Kampagnenmodus von #DRIVE Rally ist einfach gehalten. Man wählt eines von sechs Teams mit drei unterschiedlichen Autos aus und bestreitet damit Zeit-Herausforderungen in drei Klassen. Insgesamt gibt es also 9 Rennen mit 3 bis 4 Etappen pro Team. Die Etappen sind unterschiedlich lang, von 2 bis fast 10 Minuten ist alles vertreten. Das Renngeschehen ist jedoch auf ein Gebiet pro Team beschränkt. Das ist auf Dauer etwas eintönig. Zumal es weder unterschiedliche Tageszeiten noch Regen oder Schnee gibt. Wenigstens wird der Fortschritt problemlos gespeichert, sodass man auch zwischen mehreren Teams hin- und herwechseln kann, um mehr Abwechslung zu erhalten. Der Schwierigkeitsgrad ist auf „Normal” keine große Herausforderung, lässt sich aber nach oben oder unten justieren. Die Steuerung stellt hingegen eine Herausforderung dar. Die Autos fahren sich alle unterschiedlich, und auch der Untergrund (Straße, Feldweg, Schnee) wirkt sich leicht auf das Steuerverhalten aus. Doch insgesamt schaukeln die Gefährte zu stark. Drifts und präzises Kurvenschneiden sind eher Fehlanzeige. Immerhin lassen sich die meisten Absperrungen durchfahren, allerdings bleibt man gelegentlich an Bäumen, Brücken oder Holzzäunen hängen, was mitunter zu drei Drehern am Stück führen kann. Fährt man abseits der Wege, wird man ausgebremst oder gar zurückgesetzt und erhält dadurch Negativ-Sekunden.

Man verdient Geld durch gewonnene Rennen, welches man wiederum in andere Autos, Farben oder Anbauteile investieren kann. Ein Motor-Tuning ist nicht möglich, da es drei unterschiedliche Klassen gibt. Optisch darf man jedoch verschiedene Bauteile austauschen. Neben der Kampagne kann man sich übrigens auch noch im Schnelles Rennen und Freie Fahrt-Modus austoben. Hier muss man Buchstaben für Wörter und diverse andere Items finden, um die nächste Spielumgebung freizuschalten. Das ist ein netter Zeitvertreib, zumal man mit jedem freigeschalteten Auto die Umgebung erkunden kann.
Es gibt außerdem einen Party-Modus, bei dem bis zu acht Spieler nacheinander mit einem selbst gewählten Fahrzeug an einer Konsole antreten. Dann wird ermittelt, wer auf einer Etappe der Beste ist. Einen Split-Screen- oder Online-Modus gibt es nicht.

Vroom, Vroom, Vrooooooom
Die minimalistische Polygon-Optik weiß mit ihrem gefälligen Cartoon-Stil zu überzeugen. Die zahlreichen Fahrzeuge ähneln dabei mehr oder weniger stark ihren realen Vorbildern. Auch die sechs Umgebungen unterscheiden sich visuell deutlich voneinander. Allerdings wirkt vieles grobschlächtig, vor allem bei der Umgebungsgrafik. Das fängt schon im ersten Areal an, in dem das Städtchen zum Beispiel lieblos wirkt. Aber auch in späteren Abschnitten in Japan oder Mexiko fehlt es an Liebe zum Detail. Das Menü und das allgemeine Benutzerinterface sind ebenfalls simpel aufgebaut, dafür aber effektiv und gut lesbar. Warum läuft das Spiel dann nicht mit einer stabilen Framerate? Dass im Hintergrund der eine oder andere grobe Fade-in auftaucht, sei dahingestellt. Aber Tearing? So gut sieht das Spiel nun wirklich nicht aus! Interessanterweise gab es anfangs nur drei Ansichten: von hinten, aus dem Cockpit und eine isometrische Einstellung mit größerem Blickwinkel, die aber gefühlt langsamer läuft. Dann wurde via Patch noch eine Motorhauben-Ansicht (mit Tearing) und eine Rücksichtsbank-Cockpit-Perspektive hinzugefügt, die jedoch ziemlich verzichtbar ist. Beim Sound wird zwar Synthie-Musik aufgefahren, die aber nicht über 08/15-Fahrstuhlgedudel hinauskommt. Besser machen es da schon die verschiedenen Beifahrer der Teams, die Persönlichkeit zeigen. Vor allem Emma mit ihrem hysterischen Gekreische ist auf eine gewisse Art und Weise komisch. Am Ende fehlt jedoch der gewisse Aha-Effekt. Das Spiel ist zwar nicht schlecht und keinesfalls lieblos aufgezogen, doch es gelingt #DRIVE Rally nicht, den Kern des Spielspaßes der oben erwähnten 90er Jahre Rallye-Spiele einzufangen. Wie es besser geht, zeigt beispielsweise das kürzlich erschienene Denshattack! Dort passen Stil, Akustik, Technik und Gameplay perfekt zusammen.

FAZIT:
Ich mag den Stil, aber #DRIVE Rally fehlt der Feinschliff, um wirklich zu überzeugen. Die Rennen sind bestenfalls funktional, die Steuerung ist nicht griffig genug, die Kampagne ist auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal” viel zu leicht und die Grafik enttäuscht auf einer PS5 Pro. Die Musik ist nicht direkt nervig, aber auch kein Highlight, genauso wie die verschiedenen Co-Piloten. Zudem wären Kurvenpfeile sehr nützlich gewesen, da der Beifahrer bei schnellen Wechseln nicht hinterherkommt. Was bleibt, ist ein umfangreiches Rallye-Spiel, das gerne ein kultiges Arcade-Spiel wäre, aber nicht mit den Größen des Genres mithalten kann. Nett, aber verzichtbar.
PS: Das Spiel ist digital erhältlich, hat aber auch eine physische Disc-Version von Meridiem Games spendiert bekommen. Neben dem Rennspiel werden noch ein paar Aufkleber und ein kleines Artbook beigelegt.
[ Review verfasst von .ram ]
[ Gespielt auf eienr PS5 pro mit 4K HDR TV ]
Pluspunkte:
- Umfangreich
- Cooler visueller Stil
- Einfache Raserei ohne Schnörkel
Minuspunkte:
- Technisch kein Highlight
- Autos schaukeln zu stark
- Keine Herausforderung
Spielinfos