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PS5

Halo: Campaign Evolved

12. September 2026

Lesezeit: 8 Min.

Halo: Campaign Evolved

Als Halo: Combat Evolved 2001 erschien, war der Master Chief für PlayStation-Spieler vor allem eine Figur aus einer anderen Welt - im wahrsten Sinne des Wortes. Das erste Halo gehörte zu den Spielen, die man kannte, ohne sie selbst spielen zu können. 25 Jahre später ändert sich das: Mit Halo: Campaign Evolved kommt der Auftakt der Serie erstmals auf eine PlayStation-Konsole. Dabei wurde das ursprüngliche Spiel nicht einfach technisch aufpoliert. Halo Studios hat den Klassiker in der Unreal Engine 5 neu aufgebaut und dabei Modelle, Umgebungen, Beleuchtung und Effekte komplett überarbeitet. Gleichzeitig bleibt das eigentliche Gerüst des Spiels weitgehend erhalten. Das macht die Neuauflage zu einem interessanten Experiment. Ein Shooter, dessen grundlegende Mechaniken aus dem Jahr 2001 stammen, muss sich heute gegen mehr als zwei Jahrzehnte Genreentwicklung behaupten. Die entscheidende Frage ist deshalb weniger, ob Halo: Campaign Evolved moderner aussieht - das tut es zweifellos -, sondern ob sich das ursprüngliche Spieldesign auch 2026 noch überzeugend spielt.

Ein neuer Einstieg in die Serie

Wer bislang keinen Kontakt mit Halo hatte, kann ohne Umwege loslegen. Campaign Evolved setzt kein Wissen über die bisherigen Spiele voraus und erzählt die Geschichte des ersten Teils als eigenständiges Erlebnis. Im Mittelpunkt steht natürlich die ursprüngliche Kampagne. Nach dem Absturz der Pillar of Autumn landet der Master Chief auf einem gewaltigen Ringplaneten und beginnt nach und nach herauszufinden, was sich hinter dieser künstlichen Welt verbirgt. Für die Neuauflage wurde die Geschichte allerdings erweitert. Mehrere zusätzliche Missionen sind zeitlich vor den Ereignissen des Originals angesiedelt und sollen Zusammenhänge verdeutlichen, die im ursprünglichen Spiel nur am Rand behandelt wurden. Gerade wer Halo zum ersten Mal spielt, profitiert davon. Auch beim gemeinsamen Spielen gibt es mehr Möglichkeiten. Die komplette Kampagne lässt sich im Koop absolvieren – sowohl online als auch lokal im Splitscreen. Letzteres ist heutzutage keineswegs selbstverständlich und passt gut zu einem Spiel, das ursprünglich stark von gemeinsamem Spielen geprägt war. Ein Bestandteil der ursprünglichen Halo-Erfahrung fehlt allerdings: einen kompetitiven Mehrspieler-Modus gibt es nicht. Campaign Evolved konzentriert sich tatsächlich auf die Kampagne. Wer also auf klassische Mehrspielerpartien gehofft hat, bekommt diesen Teil der Serie hier nicht geboten. Das ist umso erwähnenswerter, weil die Kampagne selbst keine außergewöhnliche Länge erreicht. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sollte man ungefähr acht bis zehn Stunden einplanen. Für einen zweiten Durchlauf stehen höhere Schwierigkeitsgrade, Schädel-Modifikatoren und Sammelobjekte zur Verfügung.

Ein Spielgefühl, das erstaunlich gut gealtert ist

Das vielleicht Bemerkenswerteste an Campaign Evolved ist, wie wenig grundsätzlich verändert werden musste, damit sich die Gefechte auch heute noch gut anfühlen. Halo zwingt den Spieler selten dazu, eine Begegnung auf genau eine bestimmte Art zu lösen. Stattdessen entsteht viel von dem Reiz daraus, die vorhandenen Möglichkeiten miteinander zu kombinieren. Schilde, Deckung, Waffenwahl und Positionierung spielen dabei zusammen. Besonders wichtig ist die Beschränkung auf zwei gleichzeitig tragbare Waffen. Dadurch wird der Waffenwechsel zu einer tatsächlichen Entscheidung. Eine Plasmawaffe eignet sich beispielsweise hervorragend gegen Schilde, während klassische Feuerwaffen ihre Stärken gegen andere Ziele ausspielen. Wer seine Ausrüstung passend zur Situation zusammenstellt, hat einen deutlichen Vorteil. Auch die Gegner tragen viel zum Charakter der Kämpfe bei. Die unterschiedlichen Feindtypen reagieren nicht völlig identisch auf den Spieler. Grunts können nach dem Verlust eines Elite-Gegners in Panik geraten, während die Elites deutlich aggressiver auftreten und versuchen, ihre Position zu verändern oder den Spieler unter Druck zu setzen. Auf höheren Schwierigkeitsgraden wird diese Dynamik besonders wichtig. Fehler lassen sich dann nicht mehr so leicht korrigieren. Begegnungen, die auf normal noch relativ unkompliziert wirken, verlangen plötzlich wesentlich mehr Planung.

Eine willkommene Abwechslung zu den Fußpassagen sind die Fahrzeuge. Der Warthog gehört dabei natürlich zu den bekanntesten Elementen des Spiels. Mit ihm über größere Areale zu fahren und währenddessen von einem KI-Mitspieler unterstützt zu werden, vermittelt ein ganz anderes Spielgefühl als die normalen Feuergefechte. Gleiches gilt für den Scorpion, mit dem sich größere Gegnergruppen und Stellungen wesentlich direkter bekämpfen lassen. Das Fahrverhalten dürfte allerdings nicht jedem sofort gefallen. Die Fahrzeuge reagieren teilweise deutlich rutschiger, als man es von heutigen Shootern gewohnt ist. Nach etwas Eingewöhnung passt dieses Verhalten jedoch erstaunlich gut zum ursprünglichen Charakter des Spiels.

25 Jahre später sind die alten Schwächen noch sichtbar

Die Neuauflage bewahrt nicht nur die Stärken des Originals. An einigen Stellen nimmt sie dessen Schwächen praktisch mit in die Gegenwart. Das fällt insbesondere bei bestimmten Innenbereichen auf. Einige Korridore und Räume unterscheiden sich optisch nur wenig voneinander. Dadurch kann die Orientierung unnötig schwierig werden und längere Abschnitte wirken stellenweise wie ein Déjà-vu. Besonders deutlich wird dieses Problem in der Bibliothek. Der Abschnitt war bereits im ursprünglichen Halo nicht gerade für seine Abwechslung bekannt. Die neue Technik kann zwar die Optik verbessern, ändert aber nichts daran, dass sich das grundlegende Leveldesign hier teilweise wiederholt. Auch bei den Missionszielen hält sich Campaign Evolved weitgehend an die alte Formel. Häufig besteht die Aufgabe darin, einen bestimmten Bereich zu erreichen, etwas zu aktivieren oder eine Position lange genug zu halten. Moderne Shooter bieten hier teilweise wesentlich mehr Variationen. Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Spiels. Wer ein möglichst originalgetreues Halo-Erlebnis erwartet, dürfte die Zurückhaltung begrüßen. Wer dagegen eine Neuinterpretation erwartet, die das ursprüngliche Design grundlegend weiterentwickelt, könnte sich an einigen Stellen mehr Mut wünschen. Trotzdem bleibt die eigentliche Steuerung überzeugend. Bewegungen und Schusswechsel reagieren präzise, Treffer fühlen sich unmittelbar an und die Waffen besitzen klar unterscheidbare Eigenschaften.

Grafik & Sound

Der größte Unterschied zum Original ist natürlich die Präsentation. Schon auf der Pillar of Autumn ist zu erkennen, wie umfassend die technische Überarbeitung ausfällt. Oberflächen, Licht und Schatten erzeugen eine wesentlich detailliertere Umgebung als noch im Original. Gleichzeitig versucht die Neuauflage, die Atmosphäre des ursprünglichen Schauplatzes beizubehalten. Noch stärker fällt der Unterschied beim ersten Betreten der Außenbereiche auf. Die gewaltige Ringstruktur ist nach wie vor eines der zentralen visuellen Elemente von Halo. Mit moderner Beleuchtung, größerer Sichtweite und dichterer Vegetation wirkt diese Landschaft deutlich lebendiger als früher. Auf der PS5 stehen zwei Darstellungsoptionen zur Verfügung. Der Performance-Modus zielt auf 60 fps und läuft dabei überwiegend stabil. Lediglich in besonders aufwendigen Situationen, insbesondere während bestimmter Fahrzeugsequenzen, kann die Bildrate vereinzelt nachgeben. Wer stattdessen die maximale Bildqualität bevorzugt, kann den Qualitätsmodus verwenden, muss dafür allerdings mit 30 fps leben. Bei einem Shooter fällt der Unterschied im Spielfluss entsprechend stärker ins Gewicht als bei langsameren Genres. Die Ladezeiten spielen dagegen kaum eine Rolle. Insgesamt hinterlässt die technische Umsetzung einen sehr soliden Eindruck. Campaign Evolved will keine technische Demonstration sein, die jede aktuelle PS5-Hardware bis an ihre Grenzen bringt. Die Neuinterpretation funktioniert vielmehr dort am besten, wo sie die markanten Schauplätze des Originals neu in Szene setzt.

Auch akustisch bleibt die Verbindung zum ursprünglichen Halo deutlich hörbar. Die Musik von Martin O'Donnell und Michael Salvatori gehört zu den Elementen, die das Spiel schon damals unverwechselbar gemacht haben. Die neu eingespielten Stücke behalten ihre charakteristische Mischung aus Chor, Atmosphäre und rhythmisch deutlich stärker betonten Passagen. Die Musik reagiert außerdem dynamisch auf das Geschehen und trägt dadurch ihren Teil dazu bei, dass größere Gefechte intensiver wirken. Bei den Soundeffekten gibt es ebenfalls wenig Anlass zur Kritik. Schüsse lassen sich voneinander unterscheiden, Waffen besitzen ausreichend Gewicht und auch die bekannten Geräusche rund um die Energieschilde sind sofort wiederzuerkennen. Die deutsche Synchronisation erfüllt ihren Zweck, erreicht für mich aber nicht ganz die Wirkung der englischen Stimmen. Wer die Wahl hat und Wert auf die ursprüngliche Atmosphäre legt, dürfte mit der englischen Fassung besser bedient sein. Etwas schade ist, dass die Neuauflage keine Möglichkeit bietet, zwischen der neuen und der klassischen Audiovariante umzuschalten. Gerade bei einem Spiel mit einer so starken Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit wäre ein direkter Vergleich eine nette Ergänzung gewesen.

FAZIT:

Halo: Campaign Evolved ist kein Versuch, aus Halo: Combat Evolved ein völlig neues Spiel zu machen. Genau darin liegt letztlich sowohl seine größte Stärke als auch seine größte Einschränkung. Das Fundament funktioniert weiterhin. Die Gefechte sind präzise, die Waffen unterscheiden sich sinnvoll voneinander, die Gegner sorgen für interessante Situationen und die Fahrzeugabschnitte bringen die nötige Abwechslung. Auch nach 25 Jahren ist nachvollziehbar, weshalb das ursprüngliche Halo einen solchen Einfluss auf das Genre hatte. Gleichzeitig hat sich das Spieldesign nicht überall gleich gut gehalten. Wiederholende Innenbereiche, Backtracking und teilweise sehr einfache Missionsziele erinnern daran, dass hier ein Spiel aus einer anderen Ära modernisiert wurde. Die technische Überarbeitung kann solche Strukturen verbessern, aber nicht vollständig verschwinden lassen.

Für Neueinsteiger ist Campaign Evolved deshalb wahrscheinlich die zugänglichste Möglichkeit, den ersten Halo-Teil kennenzulernen. Veteranen bekommen dagegen vor allem eine technisch erheblich modernisierte Version eines Spiels, dessen grundlegende Identität bewusst erhalten wurde. Wer eine komplett neu gedachte Kampagne erwartet, könnte sich mehr Veränderungen wünschen. Wer dagegen sehen möchte, wie gut sich das ursprüngliche Halo-Konzept mit moderner Technik verträgt, bekommt hier ein überzeugendes Ergebnis. Halo: Campaign Evolved macht aus einem Klassiker keinen modernen Shooter nach aktuellem Lehrbuch. Es zeigt vielmehr, dass viele der Ideen, die Halo vor 25 Jahren besonders gemacht haben, noch immer funktionieren - auch wenn nicht jede Entscheidung aus dem Jahr 2001 heute genauso frisch wirkt.

[ Review verfasst von Dimi ]

[ Gespielt auf einer PS5 mit 4K HDR TV ]

Pluspunkte:

  • Zeitlos gutes Gunplay
  • Grafisch und akustistisch auf Höhe der Zeit
  • Komplette Kampagne im Online- und Splitscreen-Koop spielbar

Minuspunkte:

  • Kein kompetitiver Mehrspieler-Modus enthalten
  • Wiederkehrende Innenareale sorgen im Mittelteil für Durchhänger
  • Kein Umschalten zwischen neuer und originaler Präsentation möglich

WERTUNG

Atmosphäre
8.0
Gameplay
8.0
Grafik
8.0
Sound
8.0
Werbung
Halo: Campaign Evolved
Screenshots
Halo: Campaign Evolved
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Halo: Campaign Evolved
Halo: Campaign Evolved +52
Videos
Roundtable Reveal
Silent Cartographer 13 Minute Gameplay
ONPSX Gameplay Video #01 +1
Name Halo: Campaign Evolved
Release 28.07.2026
Plattform PS5
Genre Ego-Shooter
Publisher Microsoft
Preis 59,99 €
USK ab 16 Jahren
PEGI PEGI 16+
Spieleranzahl 1-4
Sprache Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch
Texte Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch
100 GB Multiplayer Online spielbar Online Funktionen PS5 Pro Cloud-Streaming PS5 & PS Portal (Premium) Vibration & Trigger-Effekt Online-Spiel optional PS Plus erforderlich In-Game-Käufe optional
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