Marvel Tõkon: Fighting Souls
Arc System Works und ihre Beat`em Ups, wie Guilty Gear, BlazBlue oder Dragon Ball FighterZ, haben nie den Erfolg der Tekken- oder Street Fighter Serie gehabt, sind aber nicht weniger beliebt bei Fans des Genres. Die Spiele strotzen vor Spieltiefe und bieten echten Profis ungemeine Möglichkeiten. Manchmal können die Spiele aber auch für Neulinge etwas überfordernd sein. Dementsprechend war ich sehr gespannt, wo Marvel Tõkon: Fighting Souls landen wird. In unserem Test klären wir das und noch viel mehr.
Der etwas andere Team-Prügler
Im Kern ist Marvel Tõkon: Fighting Souls ein Team Fighter, wie es auch Tekken Tag Tournament oder Dragon Ball FighterZ waren. Man wählt ein Team aus vier Charakteren und zieht dann in den Kampf. Da hört die Vergleichbarkeit aber auch schon auf. Denn beispielsweise hat nicht jeder Charakter eine eigene Lebensleiste, sondern eine gemeinsame. Zudem hat man gar nicht das volle Team zu Beginn zur Verfügung. Man startet das Match mit seinem ersten Fighter und nur ein weiterer Fighter ist verfügbar. Diesen kann man entweder als Assist nutzen oder auch direkt zu dem Charakter wechseln, falls das Matchup vielleicht ungünstig war. Weitere Charaktere müssen freigeschaltet werden, indem man einen Wallbreak durchführt. Jeder Wallbreak schaltet einen weiteren Charakter frei. Alternativ erhält man einen Charakter, wenn man den Kampf verliert. Dann ist in der nächsten Runde direkt der zweite freigeschaltet. Das ermöglicht es den Verlierern, wieder zurückzukommen, da mehr Assists wieder mehr Möglichkeiten bedeuten.

Chaos in Tüten
Außerdem hat jeder Assist eine bestimmte Aufgabe. Jede Position der Assists hat eine bestimmte Funktion und z.B. Hulk in der ersten Assist-Position führt eine andere Aktion aus als in der letzten Position. In der Theorie steht es den Spielern frei zu entscheiden, ob sie das Spiel quasi nur mit einem Charakter bestreiten und die anderen nur für Assists nutzen oder auch aktiv die anderen Charaktere nutzen wollen. Beispielsweise gibt es da Möglichkeiten, den eigenen kontrollierten Charakter als Assist für sich selbst beim Tausch der Charaktere zu nutzen. Ziemlich fortgeschrittener Tobak, woran wahrscheinlich 90% der Spieler nicht einmal denken werden. Das Spiel ist generell recht komplex mit verschiedenen Mechaniken und Leisten, die man im Auge behalten muss und manche Charaktere führen noch völlig eigene Mechaniken ein. Zudem tummeln sich im schlimmsten Fall bis zu 8 Charaktere auf dem Bildschirm. Trotzdem hat Arc System Works mit den Autocombos versucht, Neulingen den Einstieg zu erleichtern. Wer einfach nur eine der Aktionstasten drückt, kann eine Autocombo vollführen, die dann in einem Special endet. Das reicht, um in das Spiel zu kommen und zumindest die Singleplayer-Inhalte zu bestreiten. Aber online wird man damit wenig Erfolg haben.

Galaktus at home
Es gibt aber auch die Möglichkeit das Spiel zu lernen, wer denn auch die Zeit investieren will. Zwar ist das Tutorial zu Beginn etwas viel in kurzer Zeit, aber anschließend gibt es die Möglichkeit spezialisierte Tutorials für jeden Charakter zu spielen. Diese zeigen nicht nur die Grundmoves des Charakters, sondern zeigen später auch ganze Kombos. Zudem gibt es noch kleine Kombo-Puzzle, die es erfordern das ihr beispielsweise mindestens X Schaden verursachen und eure Kombo in einem bestimmten Angriff beenden müsst. Das sorgt noch mal dafür sich mit den Mechaniken ganz neu auseinanderzusetzen und auch zu experimentieren. Ansonsten gibt es einen Story-Modus im Episoden-Format zu den fünf Teams. Jedes Team bekommt 10 Episoden, die euch eine kleine Geschichte erzählen. Darin geht es darum das der Champion die Erde heimsucht und ein Turnier ausruft. Wenn jemand ihn besiegen kann, dann zieht er weiter. Ansonsten wird der Planet zerstört. Wirklich spannend ist die Geschichte nicht, wird aber in netten Comic-Strips zwischen den Kämpfen erzählt. Leider sind vier Geschichten quasi Kopien voneinander und einzig die Geschichte rund um Doom und sein Team unterscheidet sich leicht. Übrigens ist der Champion kein neuer Charakter, sondern existierte bereits im Marvel Universum und wurde so aus der Vergessenheit gerettet.

Lobbies als Zeitvertreib
Wer sich online mit anderen messen möchte, hat mehr Möglichkeiten als nur Ranglisten-Kämpfe. Natürlich kann man sich mit Freunden gezielt treffen oder aber einer Lobby beitreten. Dort kann man mit einem kleinen Avatar ein Gebiet erkunden, andere Leute treffen, mit ihnen sprechen, sich an virtuellen Arcade-Maschinen zum Kampf treffen oder sogar Minispiele spielen. Die sind ein netter Zeitvertreib, aber nicht der Rede wert. Glücklicherweise kann man das auch umgehen und direkt ins Matchmaking gehen, um entweder Casual- oder Ranglisten-Matches zu spielen. Das Matchmaking funktioniert mittlerweile gut und dank Rollback-Netcode laufen die Kämpfe astrein. Es ist aber empfehlenswert Crossplay mit dem PC auszuschalten. Denn die PC-Version hat solch hohe Hardware-Anforderungen das die meisten PCs Probleme haben werden. Wenn der PC-Spieler dann technische Probleme bekommt, hat das auf den PlayStation Spieler negativen Einfluss. Ein Match mit 8 Rollback-Frames macht dann nämlich keinen Spaß mehr. Hier muss Arc System Works noch nachbessern.\

Technik
Das Spiel verfügt über insgesamt 21 Charaktere aus dem Marvel Universum und die initiale Charakter-Auswahl dürfte für fast alle etwas bereithalten. Es gibt Fan-Lieblinge, wie Iron Man, Deadpool oder Wolverine und auch unterschiedliche Kampftypen, wie den Hulk oder Loki. Trotzdem dürften manche einige Charaktere, wie z.B. Thor oder Venom vermissen. Der erste Season Pass ist aber bereits angekündigt und es dürften viele weitere Charaktere in der Zukunft erscheinen. Grafisch kann das Spiel sich sehen lassen und bietet Cel-Shading Grafik mit vielen Details und natürlich läuft alles butterweich mit 60 Bildern pro Sekunde. Verschiedene Grafikmodi gibt es hier nicht. Sie werden aber auch nicht benötigt. Musikalisch hat jeder Charakter ein eigenes Theme erhalten, was gerne etwas rockiger daherkommt und perfekt zum jeweiligen Charakter passt. Die Sprachausgabe gibt es auf Englisch oder Japanisch und immerhin Texte gibt es auch auf Deutsch.
FAZIT:
Marvel Tõkon: Fighting Souls ist ein gelungenes Beat`em Up mit wirklich einzigartigen Charakteren und sehr viel Spieltiefe. Die Spieltiefe kann aber auch zum Problem werden, weil Neulinge erstmal mit Mechaniken überladen werden und man aktiv Zeit investieren muss, um das de Komplexität kontrollieren zu können. Insbesondere online sieht man ansonsten gar kein Land, was etwas frustrierend sein kann. Offline gibt es zwar einige Modi, um sich die Zeit zu vertreiben. Aber langfristig will man sich wahrscheinlich online mit anderen messen. Ein Dragon Ball FighterZ war hier z.B. deutlich einsteigerfreundlicher und bot trotzdem Spieltiefe für Profis. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich die Community in Zukunft entwickelt und ob das Spiel einen langen Atem haben wird abseits neuer Charaktere. Wer also Lust hat sich mit einem Beat`em Up tiefer auseinanderzusetzen, wird hier auch die richtigen Tools finden, um das Spiel zu lernen. Wer aber nur einen kurzen Spaß zwischendurch sucht, könnte etwas überfordert zurückgelassen werden.
[ Review verfasst von crack-king ]
[ Gespielt auf der PlayStation 5 Pro mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Hohe Spieltiefe
- Charaktere bieten genug Abwechslung
- Charakter-Tutorials sind toll, um das Spiel zu lernen
Minuspunkte:
- Die Geschichte ist recht langweilig
- Das Spielprinzip kann Neulinge schnell überfordern
- PC-Version kann im Crossplay Einfluss auf die Online-Performance auf der PS5 haben
Spielinfos