Resident Evil: Dead Aim
Resident Evil 4 ist schon in Arbeit. Da wird es Zeit, sich mit anderen „Resident Evil”-Teilen in Stimmung zu bringen und sich auf den kommenden absoluten Mega-Gruselschocker vorzubereiten. Zwar liegt der Release von Resident Evil: Dead Aim schon eine ganze Weile zurück, doch wir nehmen diesen Horror-Actiontitel nun noch einmal in unsere Gefilde und testen ihn im kompromisslosen Review auf Herz und Nieren. Ob Capcoms Resident Evil-Schützling diesen Test besteht, erfahrt ihr hier ...
Resident Evil: Dead Aim verbindet Horror-Adventure und Lightgun-Shooter. Mit der Knarre im Anschlag pirscht ihr euch durch zombieverseuchte Gruselkulissen, die viel typisches „Resident Evil“-Flair bieten.
Wieder einmal wird die Welt von einem Wahnsinnigen bedroht. Dieses Mal ist es der leicht feminine Morpheus D. Duvall, der einen sehr ausgeprägten Sinn für das Schöne hat. Morpheus war bis vor kurzem bei der Umbrella Corporation angestellt, die für die Monsterseuche in Form des T-Virus, G-Virus usw. in Raccoon City verantwortlich ist. Er soll für die Vorfälle am 11. Mai 1998 in Raccoon City (Ansatzpunkt des ersten Teils von „Resident Evil”) als Sündenbock herhalten. Um sich an Umbrella zu rächen, stahl er das T-Virus und einige Biowaffen. Die entstandenen T-Virus-Monster hält er in Kältekammern fest und bietet sie nun auf einem Luxusdampfer verschiedenen Terroristen an. Hier steigt der Held Bruce McGivern ein. Der lässige und coole Typ gehört einer amerikanischen Organisation zur Bekämpfung von Umbrella an. Er wird entsandt, um den Machenschaften Duvalls ein Ende zu setzen. Genau denselben Auftrag hat die chinesische Geheimagentin Fong-Ling. Denn auch Verbrecher aus ihrem Land nehmen an den illegalen Kaffeefahrten Duvalls teil.
Kreuzfahrt des Grauens
Zunächst übernehmt ihr die Rolle von Bruce McGivern, dann hin und wieder die von Fong-Ling. Gewöhnlich seht ihr die Helden aus der Verfolgerperspektive und steuert sie mit dem Steuerkreuz der Namco G-Con 2 Lightgun (oder auch mit dem Controller) durch die dreidimensionalen Räumlichkeiten des Kreuzfahrtschiffs, später auch durch Abwasserkanäle und Forschungslabors der Umbrella Corporation. Mit den beiden Tasten A und B der Plastikknarre öffnet ihr Türen und hebt Gegenstände wie Heilkräuter, Dokumente, Waffen und Munition auf.
Sobald ihr einen Zombie oder etwas Ähnliches seht, das eine Lebensbedrohung darstellt, drückt ihr einmal kurz den Abzug der Kanone. Die Ansicht wechselt dann blitzschnell in die Lightgun-Perspektive. Mit jeder weiteren Betätigung des Abzugs schießt ihr. Das Steuerkreuz dient nun zum Umschauen. Wenn ihr euch bewegen möchtet, müsst ihr zusätzlich die B-Taste gedrückt halten. Bei Kopftreffern werden die Zombies gegen die Wand geschleudert. Um Munition zu sparen, solltet ihr die Untoten möglichst schnell ausschalten. Ist euer Magazin leer, wird automatisch nachgeladen. Manche Exemplare benötigen mehrere Kugeln. Ihr könnt aber auch nachladen, indem ihr einfach neben den Bildschirm schießt oder die Taste am unteren Ende des Lightgun-Griffs drückt, um nicht in Bedrängnis zu geraten. Auf eurem Weg durch das Schiff, die Abwasserkanäle und die geheimen Forschungslabors werdet ihr mit allerlei ekeligen T-Virus-Geburten konfrontiert. Die meiste Zeit schlagt ihr euch durch Horden unterschiedlicher Zombies: männliche, weibliche, langsame, schnelle, Kapitäne, Wissenschaftler und auch Exemplare ohne Haut. Es gibt jedoch auch massig weitere Monster und Viecher, die vor allem wesentlich gefährlicher sind. Auf diese trifft man im Laufe des Spiels in Form von Zwischengegnern bzw. Bossfights.
Auf dem Schiff macht man erstmals Bekanntschaft mit den Huntern, die den einheimischen Fröschen ähneln und über eine gewaltige Sprungkraft verfügen. Später trifft man unter anderem auf einen „Tentakel-Tyrannen“, den fetten, mutierten Schwerverbrecher „Pluto“ und eine gewaltige Schabe, die zwar nicht viel einsteckt, dafür aber große Insekten auf euch hetzt. Außerdem gibt es noch diverse andere Monster und Mutanten, darunter verschiedene Ausführungen des Oberschurken. Für diese Kämpfe und Bosse müsst ihr euch immer andere Taktiken zurechtlegen und natürlich muss auch das Waffenarsenal stimmen. Denn diese Gegner sind kaum mit einer normalen Handfeuerwaffe zu besiegen, da diese nicht die nötige Durchschlagskraft besitzt. Dafür gibt es die halbautomatische Pistole, die drei Kugeln hintereinander abfeuert, die Schrotflinte, die alle Monster aus nächster Nähe wegbläst, die schallgedämpfte Pistole, die hellhörige Monster ohne Probleme zur Strecke bringt, das Maschinengewehr, das aus euren Opfern ein Sieb macht, die Magnum, die eine sehr hohe Zielgenauigkeit hat und auch aus nächster Nähe ziemlich reinhaut, sowie den Granatwerfer, der ganze Gruppen auf einmal zersprengt. Allerdings steht dieses Arsenal nur Bruce McGivern zur Verfügung. Fong-Ling kann nur auf ein Maschinengewehr und eine schallgedämpfte Pistole zurückgreifen. Hier wird deutlich, dass die hübsche Chinesin nur eine Nebenfigur ist und keine zweite richtige Spielfigur. Schade, Capcom. Diese Chance hätte sich sehr gut angeboten, um dem Spiel mehr Umfang und Substanz zu verleihen.
Love Boat of Death
Wie bei jedem „Resident Evil” gibt es natürlich auch wieder einige Rätsel. Diese sind jedoch recht oberflächlich gestaltet und ohne größere Probleme zu lösen. Mal muss ein Ventil für eine Druckluke gesucht werden, mal muss eine Magnetkarte gefunden und in den richtigen Port eingesteckt werden, mal müssen Schlüssel für verschlossene Türen gesucht werden und mal müssen Codes für abgetrennte Bereiche herausgefunden werden. Meist bekommt man schon Hinweise zu diesen Rätseln in herumliegenden Dokumenten und Büchern. Ihr könnt also getrost drei Gänge runter schalten und eure Aufmerksamkeit stattdessen auf das Ballern konzentrieren.
Technisch ist das Spiel sehr solide. Die Grafik ist sauber, allerdings dominieren die Farben grau, braun, schwarz und beige stark. Dafür sind die Gegneranimationen klasse geworden. So stolpern die Zombies immer wieder anders, die Hunter springen wild umher und beim dicken, blinden Monster namens Pluto schwabbeln die Fettmassen, wenn er auf einen zustürmt. Auch die Trefferanimationen der Einschüsse sehen spitze aus. Wenn man einen Zombie an einer sehr empfindlichen und kritischen Stelle trifft, knallt es ihn gegen die hintere Wand. Beim Runterrutschen auf den Boden hinterlässt er eine Blutspur und sackt schließlich in sich zusammen.
FAZIT:
Es ist ein kurzes, einfaches, aber sehr unterhaltsames Horror-Survival-Abenteuer, gepaart mit einer gewaltigen Ladung Action im „Resident Evil“-Stil. Dazu kommen abwechslungsreiche Rätsel, ein hohes Gegneraufkommen, Lightgun-Unterstützung, massig Waffen und der schon fast mystische „Resident Evil“-Flair. „Dead Aim“ hat ohne Frage einiges zu bieten und richtet sich vor allem an die actionorientierte „Survival-Horror“- & „Resident Evil“-Fangemeinde. Gerade durch die Erforschung der spärlich beleuchteten und sehr dunklen Räume und Gänge kommt Gruselfeeling auf. Abgesehen von der sehr kurzen Spielzeit von nur 2,5 bis 3 Stunden gibt es kaum etwas zu beanstanden. Die Grafik ist in jeder Hinsicht ordentlich und obendrein gibt es eine 60-Hz-Option im Spiel für Vollbildgenuss. Auch der Sound vermittelt wie gewohnt eine schaurige Horrorkulisse. Leider gibt es nichts Besonderes freizuschalten, was dem Spiel gerade in Sachen Wiederspielwert und auch in Hinsicht auf den Umfang durchaus gut getan hätte. „Dead Aim“ gibt der Resident-Evil-Survivor-Serie endlich wieder einen besseren Ruf, nachdem die Spiele „Survivor I“ (PS1) und „Survivor II“ (PS2) eher unterdurchschnittlich waren.
[ Review verfasst von Sir_Manu ]
Pluspunkte:
- Toller „Resident Evil“- & Grusel-Flair
- äußerst spannende Bosskämpfe
- großes Waffenarsenal
Minuspunkte:
- Viel zu kurz
- optisch nur wenig Abwechslung
- etwas detailarme und sich wiederholende Grafik