Star Wars: Zero Company
Im Bereich der rundenbasierten Strategiespiele gibt es nur eine Referenz und die lautet XCOM 2! Kein anderes Taktik-Strategie-Spiel konnte in den letzten Jahren einen derartigen Erfolg in allen Spielergruppen verzeichnen. Zuständig war hier auch Designer Greg Foertsch, der nun sein eigenes Studio, Bit Reactor, gegründet hat und zusammen mit Respawn Entertainment ein rundenbasiertes Taktikspiel im Star-Wars-Universum umsetzte.
Zwielicht der Klonkriege
Es sind die letzten Jahre der Klonkriege. Die Republik verliert sich zunehmend in einem Konflikt, den kaum noch jemand versteht und in dem beide Seiten massive Verluste zu beklagen haben. In dieser Grauzone operiert Zero Company – eine Einheit aus zusammengewürfelten Soldaten und Glücksrittern beider Seiten. Angeführt vom ehemaligen Offizier der Großen Armee, Tesh Keff Hawks, versucht das Team, Geld auf beiden Seiten des Konfliktes zu verdienen. Um seine Unterfangen in die Tat umzusetzen, musste aber eine beachtliche Summe vom Hutten Syndikat geliehen werden, was sich nun als großer Fehler herausstellt. Bevor sich Hawks auf der anderen Seite des Pflasters findet, kommt jedoch ein unverhofftes Angebot der Republik. Versteckt in den Reihen der Separatisten wächst ein Kult, die unendliche Spirale, welcher bereits einige Systeme unterwanderte und mit Kundri Fathom eine starke Führerin hat. Die Mitglieder des Kultes sind ihrem Willen ausgeliefert, was auf Seiten der Republik zu einer Spekulation führt, ob es hier mit übernatürlichen Dingen zugeht. Dies soll Hawks und sein Team klären.
Das Spiel ist im offiziellen Star Wars Kanon angesiedelt. Jedoch so weit am Rand, dass es keinen direkten Einfluss hat, aber plausibel an der Geschichte teilnehmen kann. Es gibt einige Wendungen, die ich jedoch nicht vorwegnehmen will. Als Star Wars-Fan kommt man bei dieser Geschichte auf seine Kosten und erfreut sich an den vielen Anspielungen. Hier haben Bit Reactor und Respawn Entertainment ihre Hausaufgaben gemacht. Die Geschichte fühlt sich im Universum perfekt heimisch. Viele der Handlungen basieren auf verschiedenen Elementen, die es bereits im Kanon gab. Dabei kommt man ganz ohne den üblichen Konflikt zwischen Heller und Dunkler Seite der Macht aus. Das Andor für Spieler!

Gute Soldaten folgen Befehlen
Getragen wird die Kampagne von einer Handvoll festgeschriebener Figuren: Klonkrieger Trick, der Hawks schon aus Republikzeiten kennt und dem Glücksspiel nicht abgeneigt ist; die Tognath-Padawan Tel-Rea Vokoss, die dem Vermächtnis ihres gefallenen Meisters folgt; die Mandalorianerin Cly Kullervo mit Jetpack und Rachedurst; der ehemalige separatistische Scharfschütze Luco Bronc; die entmachtete Ore-Baronin Jae Mordant und der Ex-Preisboxer Kabb Uppercut mit Cyberarm. Eine bunte Truppe und im Hauptquartier warten noch weitere NPCs. Diese Figuren sind auch das Herz der Kampagne, da jeder eine Geschichte zu erzählen hat. Je öfter man mit ihnen auf Mission geht oder im Den redet, wächst das Vertrauen. Es gibt neue Dialoge oder auch handfeste Boni für den Kampf. Dies alles mündet in einer Mission, wo man die Hintergründe ihrer Geschichte erlebt. Nun ja, solange der Mitstreiter am Leben ist. Das Spiel bietet die Möglichkeit eines Permadeath, auch für Hauptfiguren. Diese scheiden dann aus der Geschichte aus und werden nur mehr in der Ruhmeshalle erwähnt. Wer will, kann auch die Handlung mit selbst erstellten Figuren erleben, lässt damit aber ein Kernelement liegen.

XCOM im Gewand der Jedi-Spiele?
Gameplaymäßig orientiert man sich bei Bit Reactor an XCOM, jedoch kopiert man nicht, sondern setzt auf eigene Feinheiten. Der größte Unterschied zu den Firaxis Spielen ist, dass dieses hier weitaus actionlastiger ist und aggressives Vorgehen belohnt. Der taktische Kern bleibt erhalten, ist aber dadurch auch wesentlich zugänglicher und verzeihender für neue Spieler. Vor jedem Einsatz könnt ihr vier Mitglieder auswählen und in die Schlacht ziehen. Es gibt keinen Nebel des Krieges, wodurch man seine Angriffe gleich von Beginn an planen kann und auch weiß, wo jeder Gegner steht. So kämpft man sich von Deckung zu Deckung und schaltet den Feind aus. Nach einer gewissen Zeit werden jedoch an verschiedenen Stellen neue Gegner spawnen, um den Spieler zu flankieren. Damit bleiben die Schlachtfelder auch bei längeren Partien dynamisch.
Jeder der Helden verfügt am Schlachtfeld über drei Aktionspunkte. Je nach Bewegung, Angriff oder Spezialaktion werden diese aufgebraucht. Führt man erfolgreich Aktionen durch, füllt sich eine zusätzliche Leiste, die Vorbereitung. Diese 10 Punkte teilen sich alle Spieler und können auch nach Aufbrauchen der Aktionspunkte eingesetzt werden. Hier verstecken sich die mächtigsten Angriffe, die eine Schlacht entscheiden können. Kluge Taktiker setzen daher vor allem auf Aktionen, welche diesen Pool schnellstmöglich aufladen. Unterschätzt zudem nie die Überwachungsmöglichkeit und die Unterstützung. Zwei der besten Werkzeuge, die ihr hier findet und die so manche Partie entscheiden können. Das Spiel erklärt sie einigermaßen gut, aber lässt viele Nuancen ungeklärt. So hängen die Schüsse, die man beim Überwachen abfeuert, von den vorhandenen AP ab, und ein Unterstützungstreffer ist ein 100%-Treffer.

Auch bei der Erklärung der Klassen muss man einiges selbst herausfinden. Diese tragen zwar bekannte Namen wie Revolverheld, Medic, Schurke, Scout und Scharfschütze, verfügen aber über einige feine Unterschiede. Drei Klassen sind hier zudem vorgegeben: Mandalorianer, Astromech und Jedi. Auch hier muss man die Klasse und ihre speziellen Fähigkeiten verstehen. Das Spiel will, dass man experimentiert. Man bietet daher auch die Möglichkeit, eigene Operatoren anzuheuern. Diese lassen sich nach Belieben anpassen und man kann ihnen die verschiedensten Rollen geben.
Auf dem Schlachtfeld findet man jedoch etwas zu viel Einheitsbrei. Die Klappergestelle scheinen unendlich, auch wenn es sie in allen bekannten Ausführungen der Klonkriege gibt. Zumindest trösten euch die bekannten Sprüche darüber hinweg: Roger, Roger! Daneben gibt es noch die Krieger der Spirale. Diese verfügen über spezielle Fähigkeiten. Sie können sich tarnen oder auch verstärken, indem sie beim Tod des Mitstreiters seine Essenz einsammeln. Diese können auf Dauer sehr lästig werden. Auch findet man immer wieder Bosskämpfe oder speziell designte Missionen, die abseits der bekannten Rettungs- und Sabotage-Missionen sind und so manche Überraschung aufwarten können. Einige Missionen bieten zudem die Möglichkeit, in das Zielgebiet zu gehen und die Lage zu erkunden. In einer Third-Person Ansicht wandert man hier Star Wars-Kulissen entlang. Das Gameplay beschränkt sich hier auf das Befragen von Personen oder die Interaktion mit verschiedenen Objekten. Keine große gameplaytechnische Revolution, trägt aber massiv zur Immersion der Welt bei.

Willkommen im Den
Zwischen den Einsätzen kehrt ihr ins Den zurück, eure Operationszentrale mit Basispersonal wie Geheimdienstkontakt Bennic Halloren, Finanzchefin Runa Blask und Waffenhändler Neesh Renark. Hier finden auch die zahlreichen Konversationen mit dem Team statt, welche nicht nur so manche Mission nach besprechen, sondern auch so manchen Tick der Charaktere zeigen. Die meiste Zeit werdet ihr aber auf der Galaxiekarte verbringen. Hier wählt ihr zwischen Missionen, Einsätzen und Einfluss. Die taktischen Einsätze wurden bereits oben erwähnt. Diese sind notwendig, damit die Zeit vergeht und eine Runde endet. Entsprechend findet ihr hier auch immer, in wie vielen Runden ihr diese beenden müsst. Missionen verbrauchen nur Informationen, bringen zusätzliches Einkommen, aber auch spezielle Boni. Jeder der beiden Einsätze zahlt aber auf die Einflusskarte ein. Je mehr Einfluss ihr auf eine Region habt, desto mehr Boni gibt es auch hier. Hauptmissionen und auch Charaktermissionen sollten in der vorgegebenen Zeit machbar sein, jedoch nicht zu lange aufschieben. Hin und wieder kommt es zu Spiral-Aktivitäten, bei denen ihr sofort aufbrechen müsst. Denn wer diese ziehen lässt, riskiert, dass die Truppen der Spirale stärker werden und eure Einsätze gefährlicher.
Daneben könnt ihr bei Neesh Waffen ausrüsten und mit weiteren Aufsätzen versehen. Auf dem Schwarzmarkt gibt es besondere Ausrüstung zu kaufen, doch das Geld ist immer sehr knapp. Ein anderes Terminal lässt euch eure Operator-Fähigkeiten und Klassen ändern. Da man hier die Punkte immer wieder neu verteilen kann, lädt es zu experimentieren ein. Ein weiteres Terminal bringt euch zum Technologiebaum, wo ihr bestimmte Boni und Erweiterungen erforschen könnt. Den Abschluss bilden noch das Krankenzimmer und die Ruhmeshalle.

Mein eigener Klonkrieger
Ein kleines Highlight für viele Fans werden aber die Anpassungen sein. Bei Hawks kann man frei die Rasse wählen und auch sein Aussehen anpassen. Einzig die Stimme ist vorgegeben. Die anderen Hauptcharaktere haben vordefinierte Sets oder können aus den bestehenden Kleidungsoptionen wählen. Im Spiel kann man nicht nur fertig generierte Operatoren anheuern, sondern diese auch selbst erstellen. Hier sind die Optionen, wie schon bei Hawks, mannigfaltig. Man kann sich als Star Wars Fan hier verlieren. Noch mehr Zeit geht drauf, sobald man die Klasse Klon freigeschaltet hat. Hier findet man so gut wie alle Phasen der Klonrüstung, wie auch Bemalungen, um die unterschiedlichsten Einheiten darstellen zu können. Jedoch wird man erst am Ende des Spiels alle diese Anpassungen freigeschaltet haben, wodurch ein zweiter Durchgang vielleicht doch sehr lohnend ist.
Unreal Engine 5 mit ein paar Kratzern
Man setzt auch hier auf UE5, wodurch das Spiel optisch zu gefallen weiß. Die Third-Person Erkundung zwischen den taktischen Kämpfen sieht in Nahaufnahmen richtig gut aus, und der Wechsel zwischen begehbarer Umgebung und isometrischer Gefechtsperspektive gelingt nahtlos. Das Geschehen läuft hier auch absolut flüssig ab, jedoch zeigen Zwischensequenzen ein anderes Bild. Hier hat man immer wieder mit einem Flackern und seltsamen Schatten zu kämpfen. Das drückt sehr auf die teilweise sehr gut animierten Szenen. Auch kämpft man mit dem üblichen UE5-Problem, dass Texturen beim Start zu spät geladen werden. Ankreiden könnte man noch die Kamera, die auf dem Schlachtfeld nicht immer optimal ist und bei kurzen Sequenzen oft den falschen Winkel zeigt. In diesem Umstand kann man es verzeihen, jedoch bräuchte sie mehr Präzision, um die Charaktere zu steuern. Gerade wenn man in eine höhere Ebene wechseln will, zeigen sich die Limitationen eines Controllers. Hier vermisst man die zielgenaue Maussteuerung.

Auf der PS5 stehen ein Qualitäts- und ein Performance-Modus zur Wahl. Ersterer läuft mit nativem, dynamischem 4K bei 30 Bildern pro Sekunde und spendiert zusätzliches Raytracing für Umgebungsverdeckung. Letzterer zielt auf 60 fps, verlangt dafür aber der Auflösung deutlich mehr Kompromisse ab. Besitzer einer PS5 Pro bekommen einen Performance-Modus, der auf rund 1440p per PSSR auf 4K hochskaliert wird und seine 60 Bilder pro Sekunde stabiler hält, während der Qualitätsmodus weiterhin bei 30 fps bleibt, dafür aber die Grafikdetails nach oben schraubt.
Musikalisch liefert Gordy Haab den Soundtrack. Bereits seit Star Wars: The Old Republic ist er hier für EA zuständig und liefert einen Orchestersoundtrack, der sich hörbar in die Tradition der Filmmusik einreiht und auch zu seinen anderen Werken passt. Die Soundeffekte sind, wie nicht anders zu erwarten, die ikonischen der Filmvorlage. Zudem spendiert man hier auch eine deutsche Synchronisation, bei der es sich Martin Keßler nicht nehmen lässt, wieder die Klone zu sprechen. Auch die anderen Sprecher sind gut gewählt und passen in die Geschichte.

FAZIT
Dass Bit Reactor mit einem knappen Budget kämpfen musste, ist mittlerweile bekannt. Da ist es doch mehr als erfreulich, dass man dieses auch gut genutzt hat und Star Wars: Zero Company nicht nur zu einem Top Star Wars Spiel machte, sondern auch zu einem Taktikspiel, welches XCOM in nichts nachsteht. Da hilft auch die geballte Erfahrung von Respawn Entertainment, die diesem Spiel nochmals zugutekommt!
Wie man es sich bei diesem Genre wünscht, können die Kämpfe durchaus sehr taktisch werden und bieten mit den zahlreichen Figuren sehr viel Abwechslung. Allein dass man dermaßen viel Freiheit bei dem Ausbau der Charaktere gibt, erhöht den Wiederspielwert. Die deutlich schnellere und aggressivere Umsetzung dieser Kämpfe macht es nicht nur spannender, sondern auch verzeihender für neue Spieler. Erprobte Taktiker sollten daher in einen der höheren Schwierigkeitsgrade wechseln.
Auch in der Handlung und bei den Charakteren beweist man eine gute Wahl. Die Besetzung von Zero Company wächst einem dank glaubwürdiger Konflikte und des Bond-Systems tatsächlich ans Herz. Die Rahmenhandlung bleibt für das Star-Wars-Universum durchaus bodenständig. Dass man nicht auf den Konflikt zwischen Heller und Dunkler Seite setzt, kommt diesem Spiel zugute, wie auch die zeitliche Einordnung. Technisch gibt man sich auch keine großen Schnitzer und liefert ein solides Ergebnis. Schade ist nur, dass man das Flimmern in den Zwischensequenzen nicht in den Griff bekommt. Diese trüben glücklicherweise nicht das Gameplay. Damit gibt es eine klare Kaufempfehlung für Star Wars Fans, welche gerne taktieren!
[ Review verfasst von Andy ]
[ Gespielt auf einer PlayStation 5 mit 4K TV ]
Pluspunkte:
- Das taktische Kampfsystem mit einem aggressiveren Tempo
- Die Truppe ist einfach sympathisch
- Starke audiovisuelle Präsentation dank Unreal Engine 5 und Gordy Haabs Score
Minuspunkte:
- Vereinzelte technische Ruckler und Bugs
- Die textbasierten Operations-Nebenmissionen wirken zufällig und dünn
- Manche taktischen Optionen sind nicht ganz erklärt
Spielinfos